Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 23 (1892)
- Issue
- 22 (27.5.1892)
- Date
- 1892-05-27
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
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eher, re Münze die BorstehjiH «ftTden^kk! zchnmal ttHübtTfoanMit, ehe beizusteuern. In Andalusien lebten reiche Juden, in bnr* Häusern nie ein Äfa itottaeflofft «sehen wurde, bat nicht!מס Geld geadelt halt:; Mönche, hohe mnhamedanisthe Gastliche, Beamte, Tanziueister, Hoflieferanten und Spißmacher, Teller, leckec aller Nationen — aber kein jüdischer Gelehrter, kein Antor, kein Lehrer aus Israel» altem Adel. Ja, n an scheute flch nicht, in den Häusern da» Jüdische zu verhöhnen, zu verleugnen, und gewahrte nicht, daß alle» Menschliche, alle» Sittliche, solchem Hause dm Rücken kehrt. Man gewöhnte die Kinder in den erste» Jahren schon an die Sitten der LandeSbewlchaer. Nicht an Parim, wie die Schrift und die väterlich« Gewohnheit lehrt, sondern an Weihnachten wurden Kinder und Erwachsene beschenkt. Ostern lud man Gäste ein und aß köstliche Speisen, aber an dem Tage, da Israel von menschlicher Knechtschaft befreit wurde, sah e» in len Zimmern au« wie am Werktag. Da» Gebet nach dem Esten wurde unterbrochen, wenn eine christlich« Gesellschaft eintrat. Die firr&umigcn Woh. nungen, die kostbarm Möbel, dir zahlreichen Festlichkeiten und Schmc usereien, verbunden mit Vergnügungen aller Art in und ausmc dem Hause standen im Vordergrund des Inter, effe». Ein jeder suchte dem andern im Aufwand so nahe al» möglich zu kommen, und ein Luxus, den nur die Begütrrtsten sich erlaubm dursten, wurde der Maaßstab für Len Haushalt.sehr Vieler und zugleich ihr Verderben. Taß mit diesem üppigen Leben auch der Hochmuth, di« Geringschätzung de» väterlichen Gesetze«, die Gleichgültigkeit gegen Israels Holigthümer Hand in Hand gingen, war eine naturgemäße Folge. ES gab gewissenlose Männer weltlichen Sinne«, welche LebenSgenüffe, Reichthümer und Ehrenstellen über jede Religion sihötzten, oder Urbergebildete, welche durch die Philosophie zu Zweiflern geworden waren und daher jm«S Bekenntniß vrrzoam, welche» sie über die engen Schranken de» jüdischen üilauvenS hinausführte und ihnet! eine weite Welt ervffnete." So toar iij Spanien (ton» ooma» ofaes aoas) der Verfall de: Sittm unter den Inden ein« Folge ihrer günstigen politUchen Stellung, und wer wollte nach so vielen schlimmen Erfahrungen leugnen und sich der Wahrheit verschließen, >«ß bet unseren deutschen Glaubensgenossen, brson. der« in dm Städten, die Verhältnisse sich ebenso traurig gestaltet haben, »״׳ in Spanien, daß der Abfall von Religion eine größere Ausdehnung genommen hat als dort, daß dir Gleichgültigkeit, ja vielfach die Antipathie gegen Juden und Judenchurt, da» so viele mit Heine für .ein Unglück" halten, eine erschreckende Höhe erreich! hat. Die spanischen Juden hattm sich in der falschen Hoffnung daß e« nimmer ander« werden köine, gewiegt, sie kanntm noch nicht die Macht de» Priester», der den erhabenen Altar verläßt, an welchem er die Bruder liebe und Versühnung um so lauter predigen sollte, : je lavier s)ah und Zwietracht grollten. Möge nur die deutsche Judenhest die Gefahr nicht unterschätzen, in der wir un« brfindm. Zkiten und Verhältnisse, Parteien und Personen können st>h schneller, als wir glauben, zu unserem Schaden ändern. Möge di« Geschichte unserer spanischen Glauben«, genossen tlnS toarnen und mahnen, all die genannten Lharacterfehler au» unserer Mitte zu dannen! Berichte u«d Correfpowdewze«. Aach in der am 20. d. Mt«, abgrhalteneu Schuug »er konservativen Fraftion, für welch« »te ,Kreuz, zeitong" ihre ganze Mannschaft mobil gemach hatte, ist eine Verständiguug über di« antisemitischen Fordrrunaen, die bekavtttlich in da« za reridireodr Pnöramm eiugcflickt werde« iHten, nicht erzielt worden, sv« «Judmfrage״ : -a mmänRmng soll bis l)erbst vertagt werde», wo der Reichstag wieder zufammmtritt. Ob sich dann für die Erfüllung der Wünsche der ״Siöcker-Hammrrstein'schm Patte" günstigere AuSstchtm eröffnen werdm, dürste bei der Zusammrusetzung gerade der , coaservativen Partei de« Reichstage« im höchsten Grade! zweifelhaft erscheinen, selbst wenn Herr von Hammerstem un I Stelle de« Kleist-Retzow's im 2. windet»׳. Wahlkreise gewählt! tverden sollte.! — In der fulminanten Ajede. welche der Abg. Richter! am 22. d. M. auf dem deutsch-freisinnigm Parteitag in Mannheim hielt, kam er zum Schluß auch aus den Anti. semitiSmus zu reden, er zeichnete die Stellung seiner Partei zu dieser widerwärtigen Bewegung mit folgenden von großem Beifall der zahlreichen Versammlung begleiteten Worben: .Der häßlichste Auswuchs in dem Parteileben ist der Anti» semiriSmus, der gerade j״tzt in Südwesten die Rolle weitrr zu spielen sacht, dte er anderwärts ausgespielt (?) hat. Er hätte niemals die Bedeutung erlangt ohne die Eonnivenz der Nationalliberalm. Uad mit Recht hat man daher in der heutigen VertrauenSmännerversammlung berichtet, der AntiseotitiSmuS entstehe aus der Spaltung der nationalliberalen Elemente und konnte nur an Umfang gewinnen infolge der wohlwollettdrn Neutralität, die nicht l>t< Führer, wohl aber deren Gefolge im Lande auSübtm. Um so nachdrücklicher wollen wir dieser ekelhaften Schlange auf den -Kops treten, überall wo st« sich im Grase zeigt. Jtl erster Reihe wollen wir überall den Kamps führen gegen den illassenhaß, gegen ReligioaShaß, und auch gegen den Kla" haß, wo er auch zu erzeugen gesucht werd«, und wo desirebungm auf Soften de« Gemeinwesen« sich »eig Eharakteristisch ist «S, daß die um dieselbe Eisenach zur Feier ihres 2öjährigm Bestehen« versammelt« ' national-liberale Partei in dm vielen fast, und trastlofv^ Reden keine Gelegenheit nahm, diese an de« Mark« der deutschen Ration schon so lange zehreude Bewegung zu va> uriheilen und den Kampf gegen sie al« «im der Aufgaben der National-liberalen zu bezeicham. Doch zweifeln vir nicht, daß dieser Kamps auch zu ihrem Programm gehör«, und l.»ß sie in dieser Beziehung Schulter an Schulter mit den Deutsch-Freisinnigen stehen werden. Zu» Aerkt» schreibt man uns: Die Reihe der Probevorzüglicher Weise durch eine, im Geiste seines Lehrer« und spätem Kollegen, de« sel. Dr. Joül, gehaltene Predigt, worin er die Aufgabe de» Judenthum« der Jetztzeit erörterte. .Linen durchaus würdigen urd günstigen Eindmck machte «S, daß der Redner, wie e« auch bei einem seit Jahren im Amte stehenden Rabbiner selbstredend ist, kein Wort über die Ausgäbe eine» Rabbiner« sprach und sich von jeder widerlichen Lobhudelei über die .gottbegnadete größte Gemeinde Israel«" enthielt. ES ist rin merkwürdiae« Schauspiel, welche« der Berliner Gemeinde schon mehrere Jahre hintereinander geboten wird, an 4—0 Sa bbathm Probt predigten anhören zu .Wieder ein neue- Rabbiner-Muster", sagte ebenso geschmacklos wie leider richtig, rin bekannter 2 Im Großen und Ganzen ist e« ein wenig urtheilS Publikum, das verständnißioS diesen geistigen Turn« betwobut, das ja auch bei der Wahl kein« Stimme,' Die Repräsentanten, die übrige»» auch nicht au-schlag sind, da sie nur eim von dem Borstaod bereit» wT Wahl zu bestätigen habm. warm nur in geringer zu sehen und so blieben denn die drei Vorsteher anb1 bekannt« Prosessvren, die wirklich ,wat to Die Prodepredigtm haben hier nur «inen fori Welche Strömungen in Wirklichkeit bei einer hier ausschlaggebend sind, da« tst bekannt. Di« Reihe der Probecandidatm. beschließt an SV |WMV formelles «er BrvnW