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Israelitische Wochenschrift · 1892-05-13 · 20 (13.5.1892) · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
23 (1892)
Issue
20 (13.5.1892)
Date
1892-05-13
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
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nicht in solchen Stellungen das Wort reden, in denen auf die Form und den Gehalt mündlicher Belehning daS Schwergewicht der geistlichen Aufgabe gelegt werden müßte: so ist koch bei erprobter Autorität des Geistlichen auf Kanzel und > Katheder das alte System beizubehalten, sofern der Gestimmtheit der Geineinkc die entscheidende Stinime v>>-ron»wortet 1 würde. Das Echtem der Concurrenz würde allerdings I vom freiheitlichen Gesichtspunkte aus vorzuziehen sein, wenn die Concurrenz nicht eine beschränkte wäre, bei der in ker Regel gewisse tüchtige Kräfte ausgeschlossen werden. und I Protectionen und allerhand Machenschaften hinter den Kuliffen die Hauptrolle spielen. Die Würde und Weihe des Amtes geht häufig verloren, und das Resultat der Bewer bung von mitunter autoritativen Persönlichkeiten ist dadurch ein nichtiges. Ich halte natürlich ein solches Verfahren zum Mindesten für zweckwidrig und den Interessen der Gemeinde und Bewerber nachtheilig. Was soll man dazu sagen, wenn durch Ausschreibung einer Stelle viele Meldungen eingehen, von denen es von vorn Herrin fest steht oder festgeslellt mild, daß sic nicht berücksichtigt werden: da man eine be- ׳«immie Persönlichkeit over gewisse Personen in Aussicht nimmt, denen gegenüber jede Bemühung Berufener oder Auserwühlter vergeblich wäre? Solche Concurrenz ist, msbesondere wenn ״Reisekosten nur dem Gewählten erstattet oerden-, eine die Bewerber schädigende und dem Ansehen der Gemeinde nicht förderliche. Also, e.itweder fre׳c Concurrenz, oder Berufung durch den Vorstand und in beiden Fällen Entscheidung durch die Gesa m mtheit der Gemeinden. Hinsichtlich des Verkehrs mit geistlichen Würdenträgern würde der gute alte Ton sich füglich in die moderne Sprache umsetzen lasten. Auch die Alten waren im heiligen Amte, aber sic dienten Gott, der heiligen Lehre und den Idealen srr Religion und der Religions-Gemeinde und waren von ' Personen unabhängig >n Ausübung ihres Berufes. Es J liegt wahrlich keine Veranlassung vor, daß der Fortschritt ן unserer Zeit hinter di« frühem» Zeiten zurüclgehe. Wenn! man keine Autorität hat, so bilde man eine solche und sorge : nicht dafür, ״daß die Bäume nicht zu sehr in di« Höhe ' wachsen". — Diese Ideen drängen sich mir auf, angesrchts! einer neuen Epoche, die dem ungarischen Judenthum bevor- ' steht. Es soll — wie man erfährt — der Minister für j Eultus und Unterricht einen Gesetzentwurf einbringen, wo-! nach die jüdische Religion mit anderen gleichberechtigt und! im Verhältnih zu den chrisllichen Eonsrssionen geregelt werden soll. Je voller und vollkommener die Gleichstellung nach Außen sich vollzieht, desto norhwendiger ist die Selbstveredcluog und :thische Vervollkommnung der Gemeinde nach Innen. N. #as Ungar». 8. Mai. (Orig.-Corr.) Die Receptionsfrage der jüd. Confession ist noch nicht entschieden. Auch steht es noch nicht fest, ob die Regierung einen auf diese Angelegenheit Bezug habenden Antrag in gesetzgebenden Körper stellen wrrd. Dennoch haben sowohl die liberale als auch die conservative Körperschaft des ungarischen Judenthums durch die Landesvertretung an die ungarische Staatsregierung mit Erfolg die Bitte gerichtet, bei dem bevorstehenden 28jährigen Krünungs - Jubiläum Sr. Majestät des Kaiser-Königs Franz Josef I mit den übrigen Religion»- gemeinschasten des Lande» feierliche Aufstellung zu nehmen. «öestanen Sie mir bet dieser Gelegenheit birtchngend zu bemerke», iah Herr Oberradbi«! Weiße au« Waez-Rrustndtt, «tu berübmker Hebraist au» der Periode der Mcaöper ist, er -«hört der vermittelnde» religiöse» Richmno an, ein Vetter und Gesinnincgtgrnosse de« sei. Oberradbtner« Mose« NosMtr au« Vaja. •roftrtomaif«. JBuuMtf. Aus ein von Rev. Dr. S a l o m o n uuterm 23. April an den zum Erzbischof von Wei'tminster erhobenen Rev. Dr. V a u g h a n, Bischof von Salford, gerichtete» Glückwunschschreiben ging unterm 25. April folgendes Antwortschrriven ein: ״Hoclswürdiger und geehrter Herr! Mit großer Freude empfing lch das herzlich« Glückwunschschreiben, ivelche« Sie so giitig waren, in Ihrem und im Namen der jiidischen Gemeind« von Manchester an mich zu richten. Während nur die scharf mcrkirten Grenzen und die wesentlichen Unterscheidungszeichen, welche die jüdische Religion von der christlichen trennen, völlig anerkennen, können wir als Kacholitrn doch nur mit Interesse aus Hochachtung auf die Anhänger des alten Bundes blicken, welchen die katholische .Kirche als den Borst ufer des neuen Bundes ansieht. Als das Papsilhum im ׳^enich seiner politischen Macht in Europa stand, vertheidigtr Papst Innocent III. angesichts der ganzen Christenheit das Recht des jüdischen Volkes auf den Schutz!1er Christen und ermahnte alle Katholiken an ihre Pflicht, Euch als lebende Zeugen ihres eigenen Glaubens zu ehren. Derselbe Hohepriester konnte sich während einer der dunkelsten Epochen Eurer Geschichte auf das Beispiel seiner Vorgänger Calixtus. Eugenius, Alexa n-v der, Clement und Cclestine berufen, als er feierlich erklärte, daß er da« jüdische Volk unter seinen Schutz nehme und allen Gliedern der Kirche auf's Strengste verbot, Euch persönlich zu tränken, Eure Güter zu confiscirrn, einen Glaubenszwang an Euch zu üben, voer Eure Frciheit in der Ausübung Eures Religion« zesetzes und in der Feier Eurer Feste zu verletze». Ebenso beweisen die Freihei:«- und Schutzbrirfe, welche HonoriuS UI. im 13. Jahrhundert, PiuS IV. und Six - tu« V. im 16 Jahrhundert erließen, daß diese Stellungnähme des Papstthums nicht bln« ein Act vorübergehender oder durch Mitleid hervorgerufiner Philanthropie, sondern eine dauernde, durch Praxis und Tradition gebotene Pvlitik sei, die ihr: Haupttrrebfeder in den - unveränderlichen Grundsätzen christlicher Gerrchtigkc it hat. deren oberster Hüter und Ausleger für uns der päpstliche Stuhl ist. Diese Thatsache habe ich erwähnt, damit meine Worte mehr Vertrauen in Ihnen erwecken mögen, als diese» eine Aeuherung persönlicher Gefühle und eigener Ansichten vermacht hätten, sic zeigen uns, wie fest und dauerhaft die Fundamente sind, auf welchen diejenigen Rücksichten beruhe«, welche die Handlungsweise der katholischen Kirche dem jüdischen Volke gcgenüber fortwährend bestimmen. Genehmigen Sie sowohl für sich al» für Ihre Gemeinde meinen herzlichsten Dank für Ihre freundlichen Kundgebungen. Ihr ergebenster Herbert, erwählter Bischof von Weitminsttr." 9tn#Iaafc. yrtttO»«. Gegenüber der Behauptung unserer Feinde, daß di: Hebräer dem MiliLrdienstr sich zu entziehen suchen, theilen wir nachstelsenden glaubwürdigen!Bericht auS dem.WoSchod- (unter ״Witlebsk") mit, der die dortigen unerhörten gefttzlosen Zustände charakterisirt: Bor einigen Tagen ließ der Gemeinde-Rabbiner in allen Bethäukern bekönnt machen, daß in diese« Jahre 596 Israeliten zum Militärdienst «ingezogen werden sollen. Von diesen 596 sind jedoch ca. 360 junge Leute längst —zu einem bessern Leben in» Jeuseit» abgerufen worden, manch« bereit« im .. ~ ... Militärpflichtig: und sollen nun au» ihrem ewigen Schlummer zu neuem Leben erweckt werde« l Derartige Dinge find in unserer Stadt nicht selten, denn alljährlich ■Ktbett viele Brrstorbeiie aufgefordert, ouS ihren Gräbern zu steige» und vor der btt. Behörde zu erscheinen. I» diesem Jahre ist die Angst und Verzweiflung der hiesige» Juden um so größer, al» zu befürchten steht, daß für die Fehlenden an» der 1. und 2. Klasse Ersatz verlangt werden könnte. Außerdem solle» die betr. Eltern zur Zahlung von 300 Rub. für jeden (verstarb»«!!) Sohn, der sich nicht stellt, verurtheilt

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