Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 23 (1892)
- Issue
- 20 (13.5.1892)
- Date
- 1892-05-13
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
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- Odesa 1× ep/1000834
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159 nxrben. Di« Gemeinde hat daher beschlossen, wegen dieser Angelegenheit sich mit einer Bittschrift an den Gouverneur zu wenden. Mögen ihre Schritte den gewünschten Erfolg erreichen. Ans Görff» und allen Städten des südlichen Rußland findet, wie der Odessaer Korrespondent der .Daily NeioS" mittheilt» jcyt eine lebhafte Auswanderung von Juden statt, da am 4. Mai die zwölfmonatlich« Frist, innerhalb welcher die sogenannten .ausländischen- Juden ihre Heimach ver׳ lassen müssen, ablief. Es befinden sich noch immer ungefähr 6000 solcher Juden in Odessa, die, obwohl dort lange Zeit ansässig, innerhalb der nächsten 14 Tage ohne Rücksicht auf Kosten und Schaden, ivelche ihnen dadurch verursacht werden, die Stadt verlassen müssen. Als dieser Tage ein russischer Da.npfer, welcher mehr als 400 solcher Ausgewiesenen an Bord hatte, aus Dteffa nach der Levante abfuhr, hatten sich aus dem Quai ca. 600 Juden eingefunden, um ihren Glau׳ bcnsgenossen Leben,oyl zu sagen. Bei di srn alle 14 Tage stattfindcnden Abschicdsscenen tritt die russische Polizei gewöhnlich mit großer Brutalität auf. Unter dem Vorwände, einen freien Zugang zur Schiffsbrücke zu schassen, schlagen die Polizisten mit der Knute aus die Leute ei» und jagen sie nach allen Richtungen auseinander. 41 nitrit«. Ilew-Vsrt. Die Aprilnummer der .North American Revicns" entlüft einen interessanten Artikel über die Ein- Wanderung in die Vereinigten Staaten, dessen erste Hälfte von dem Einwanknirungs-Eommissar» .Herr» John B. Weber, geschrieben ist, während der übrige TheU de» Präsidenten der New'Dorker Lmndelökammer. Herrn (£. 2. Smith, zum Verfasser hat. Herr Weber be^iuptet, daß in stüheren Zeiten die Einwanderung die Entwickelung der Hilfsquellen der Vereinigten Staaten materiell wesentlich gefördert hat. Gleichzeitig Hot der ununterbrochene Zufluß von Fremden die Arbeitskraft ihrer Vorgänger «her gesteigert als herabgedrückt. Ter Amerikaner veredelt die von den Ankömmlmgen ausgeführte Lohnarbeit und macht aus derselben einen werthvollen Gegenstand. Weibliche Arbeit ist selten in den Staaten und dafser ist e» nichr onzurathen, Frauen ohne ihre männlichen Zugehörigen einzufahren. Ferner sehlt es dem Amerikaner an Liebe, eine Familie zu gründen; desbald ist die Einwanderung eine Wohlthat für das Land. Diese Schlüsse des Herrn Weber, welcher zu der Commission gehörte, dir jüngst nach Europa entsandt wurde, um die Emwandeiungsftage zu untersuchen, dürften der Kenntnisnähme unserer O^ewerbetreibenden und Politiker zur Erwägung dringend empfohlen werden. Herr Weber möchte jedoch daraus bestehen, daß Alle, welch« rinzuwandern beabsichtigen, ihre Befähigung im Lesen und Schreiben ihrer Muttersprache nachzuweisen hätten und glaubt derselbe, daß di; bestehenden Gesetze durch ein Amendement, welches die vorerwähnten Kenntnisse zur Bedingung macht, entsprechend verschärst, die Gesellschaft vor den mit der Einwanderung verbundenen Ge» fahren schützen und uns der Wohlthaten theilhaftig machen würden, welche «in starker Zufluß nach unsrem Lande im Gefolge haben dürste. _ §prn*i|d!1tc mnfe A«chrtchte». Wt«Htnr». 3■ der a.tiftmittsche» leidiger .Reue» Dtsch. 8!g * wird Herr Pros Weg« e r wegen seiner bekannten Absage an di« Judeuhetz« ,1« ״koususer Kathederheid" abgechaa. lttel und Wider- »Ulen ficht uns an, wenn so ei» falscher Prophet jetzt behaupte» will, daß wir ohne di« Jude» auch nicht besser Ws reu." In diesem Gtll gehl es weiter. So werde» st« einer von de» andern abgetha». Ahlwardt je», von seinem ehemaligen Bertheidiger Stein und der ehemalige Rnchslanzler «»«mark von dem «hemaiigeu Hofprcdiger Stöcker — e« ist ihn«» zu gönnen «OOvetAig. Rach in Pari« «in^langten Rachrichten sollen di« von «aron Htisq nnter dem Ramen ״Jawuh Coloai«*tton Awociatioa‘1 ׳m Vorjahr« gegründeten Inden-Kolonie» in Auslösung de- C"!n sei» Di« bedeutendst« »er drei Kolonien (Mauricih soll der »platz ernster Unruhen gewesen sein. Die Kolonien, ,in deren Unterbrtngung nicht aitsretchrnd gesorgt «erde» ton«««, äußerten ihren litis». m»th in stürmischen Sernrn. Der Lotalv-rtva! ter war endlich gezwungen, dl, Hilfe der argentinischen Polizei in Anspruch zu nehmen. Dies« »irtbschuftete arg ,»«er den Meuterern, tödtet« und verwundet« mehrere Auch di« anderen zwei Kolonien befinden sich in übler Lag« Baron Hirsch ist hierüber sehr betrübt, sei» jetziger Voll mach Haber, b!r enalij de Oberst Goldsmid, erhielt den Auftrag, den einer, Theil der Ansiedler nach einem Halen derVereinigtenÄaatenvonRorlmmerikazu befördern Au« Petersburg meldet der Telegraph, dass der be'anaie Vorschlag des Baron Hirsch über dle allmählich׳ Juden-Lmigratioa (in 25 Jahren 3 Millionen 1 ia der Sitzung de« Minliterkomitee» n. > d Mt«, prinzipielle Zustimmung «chnlten Hab«. Dle definitive Entscheidung ist w?gea der nothweadigen rrdakiianellen Abänderung de« Projekt« noch verschoben «oordrn Ja O|«»v«l wuro« Herr Bankier Kd. Meyer, Vorsitzen», t »er!uo itemrinde und seit vielen Jahren Stadtveroroneter, zum Mi>- glied der ftäslischea Sch!,»epurttion aeviytt Breslau. Der Verein israelitischer L hrer in s hle»"1en und Posen hält seine vierzehnte vrden!Iiche t«e>,erat-Versammlung am 5. und K Juni d. I hierjetbst im kleinen!«aale der neuen Börse ab. Aus der Tagesaronung der l Vrrsainmtuns, steh: »ie Beri tsterslattnng, die Rechnangelegung der Krssenverwalung und die Renwahi der Vorstände« und der Stmaucnlmänntr, sowie eine Dirkasston über die Rothweadigleii jüdischer Forlditdu igsschuleit. — In der II. Berjammlang, «eiche v-onrag stattfiudel, wir» Herr Tinrner-Bunzlan über da« Thena. .Lin Blick in dar Erziehung« ivesen der älteren Kultur Völker" prechen und Herr Dr. L Reustadt-Breslau einen Bonrag über Jrgeudgoireedienst Hallen — Montag den 6. Juni, Vormittag 10 Uhr, findet auch die General-Versammlung der Unterstütznngs- Kasse de» Verein« im Hotel zum weißen Storch tScllstraße lt) statt. Ltrttmunv. Der Redakteur und ijeti-ger der antisemitischen .Westsäitschea Reform", Bellir-aan, t't wegen Beleidigung de« Jnstizmtnister« von Schelliag von bei hiesige» Strafkammer zu zwei Monaten Gejäagnlß veruiheil׳ worden Ul«», st Ma>. Wie «an Hort, sin» »er Redakteur und dtt Verleger der ״Ultner Schnell post" wegen Beschimpfung der jüdischen Religionsg-sellschast vor oa« nächste »m Jr.nt hier beginnend: Schwur» gerichr uetwteft«. Wie». Der hier bestehend« rührige und segeneteich wirkende Kranker>»itnters«ütza1tg«oerein ^iwja« ilhtm" kann mir freudiger Genngthuung ans da« verfioffrne BecrinSjahc zurückblicke», denn e« ist ihm gelungen, et» eigene« Berhau» erdatu zu haben, wie die« au« dem 4. Jahresbericht pro 1881 hervorg-ht. Auch dem eigentlichen Zwecke de» Verein« ist vollauf entsprochen worden. Einnagate und AuMa1* datancinen mit «014 Gulden und 77 Kr Möge da» neae ver«n»j«hr viele neu« Freunde den alten zusührea — Am 28. April Adettd« 7 /, Uhr fand anläßlich de« Ab eben« »er Freifrau Bettina von Rothschild im gen Beihaus« ein sehr würdiger Iraueigotiesdienst statt. Au» Wie« wird dem ,Hameliz״ au« zuverlässiger Quell« derichtet, daß dir Lrüssnung de« »oritgen Rabbiner » Seminar« binnen Kurzem staltfivden totrd. Direktor und Dozent« 1 sind bereit» gewählt. Um oa« Zustandekommen dieser Hähern Lehranstalt für di« Wissenschast de« Judenthum« hat sich der Prit>e» der Wiener israelitischen Gemeinde, Herr Ritter o. itutimann, d»« größte Verdienst erworben. — Auch hier hat sich die Roth wendig ke.t, «inen HUsaprediger anznstellen, herausgeftellt. Rachdem Herr Dr. Keuchtwanger am Petzachftste zur Aushilfe gepredigt, sollen jetzt 3 Herren zu Probepredigten derujeu werden: die Herren Radi:. Dr. Zimmel«, töoiieln und Fried-i>'m. SeMber«, 8 Mat. Ueber eine Jitdeahetze wird au« Raja row berichtet, da» die anlijemitische.t ltzcesse dijelbst in Folge Aufwiegelung s-iten« durchreisender Mtssiousgeistlicher stiltsanden. Die Kirchenglocken gaben da« Zeichen jur den Uedersall unk die Juden; HOOO Bauern stürzten sich aus die jüdischen Geschäfte ur.d Beckausrbuden, vernichteten die Wanten nvo lehnen alle« oberste zu unterst. Die Juden verrammelier ihre Wohnungen; in den jüdischer Häuften wurden sämmiltche Fensterscheiben zerschlugen Die Juden hatten sich tapfer zur Sehr gesetzt. List der Gendarmerie gelang 1«, die Ordnung wiederherzustellen, nachdem mehrere Juden, auch ein Christ, in dem Krawall getöbiet worden. Im Dorft Gel««, (Geuvernemeni RvhUew) tourd« der reich« jüdisch« Landdesttzer Jakob Kall manu Rächt« von Bauern überfallen und nrdst Frau und vier Kindern erntordet. Geld und Kostbarkette« wnroen geraubt; von den Räubern ist (wie die» in Rußland üblich, keine Spur TtNei«»«rt. Di« »Gsjährig« iHntral-ilonserenz der amerikanischettRabbiner findet am il Juli inttew-syorl statt. Die Hauptpunkte aus der Tage«ordnung find: I. da» einheitliche Gebrtduch, st. über die Letchenverbrennung und S. ob Proselyien ohne Beschneidüng tu« Judenchum ausgenommen werxn können » R»rd«r»»«H. Da» delannie .Hriei v. d Wall", toelche« viel« Jahre von oem verstorbenen Herrn Abraham v. d. Wall und später von dessen Lohn grsührt wurde, ist durö, Kauf in oen Besitz de« Herrn Hoffmann ,zugleich Inhaber de« .Holet Fall" in Libersetd) udergegangen. Da« Hütet und Restaurant türv tu streng ruuellrr Wrise wetltrgesühn. Line eiftrue gedeckte Vetanda trägt zur Verschönerung »m H««l« und Bequemltchieit der Gast: bedeutend bei.