Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 23 (1892)
- Issue
- 20 (13.5.1892)
- Date
- 1892-05-13
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
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— 157 — sich bcjanben; es erhielte» die Stadträthe HH. ^Bernhard Kohn, Fritz Hirschhorn und Bernhard Herschel, soivie der Vorüeher der jüd. Äemeinde Herr S- Bensheim den Zähringcr Löwenordcn II. Klasse; der jüdische Arzt Herr Dr. Lindcmann wurde zum Mcdicinalrath und der Amtsrichter Dr. Reis zum Oberamtsrichter ernannt. < Zämmtlichc HH. aus Mannheim Der jüd. Finanzminiuer Elstätter. der bald 25 Jahre sein hohes Amt verwaltet, erhielt die goldene Kette zum Großkreuz des Ordens v. Z il. und Kaufmann Emil Besag in Buhl das Verdicnstkreuz. Es war mehr als eia Ausdruck loyaler Gesinnung, ein Zoll innigster Dankbarkeit, wenn auch »nsere israelitischen Gemcinven die Feier des Jubiläums auss Festlichste begingen. Wochen vorher schon hatte unser Gcoßherzoglicher Oberrath der Israeliten die nöthigen Anardnungen dazu gegeben, ein Fritgebct vtcfanbt, das natürlich die darauf folgende Feierh׳t'feit in Den Synagogen erhöl-en mußte Hier in der Hauptstadt, ward die Feier des Jubiläum, am jüngst verslojsenen Sabbat, an welchem die Abschnitte Tasria-Mezora , verlesen wurden, durch Festgoltesdienfi am Vormittag für die Erwachsenen, am Nachmittng durch solchen sür die Jugend begangen. Predigt. Kantoral- und Chorgesang sowie Blumenschmuck. Alles mußte sich zu schöner Feier v.reinen. Unser verehrter Herr Stadt-Rabbiner wußte in geschickter, ich möchte sagen in genialer Weise, selbst Sidroth wie diesen noch eine passende Beziehung zu der patriotischen Bedeutung des Tages abzugewinnen, indem er unter Benutzung des Textes Zach. VI. 13 daraus hiuwies, daß Friedrich von Baden seinen Herrsch« rbc ruf auch als Priesteramt ausfassc, und im iveilern Verlaus seiner Rede aussührte, daß der Ämiscinitismus heute .der Aussatz" sei, von dem die beiden Lhoraabschnitte redeten und welchen nach Kräften zu bekämpfen der Groß- Herzog als Priester bemüht sei Um 11'/, Uhr begab sich eine Abordnung des großherzoglichen Obcrraths der Israeliten ins großherzvgliche Schloß, dein Fürsten eine Huldigungsadresse zu überreichen und sprach derselbe gegen sie die Hoffnung aus, daß es möglich sein werde, daß Jeder in Frieden seine Lebensarbeit vollbringe. Nachmittags beim Jugend-Fest-Gotlesdienst ward die Jugend des 'Näheren delehrt, was auch sie und die rsraelitische Jugend insbesondere an ihrem Großherzog zu verehren habe. Ktattgart, 4. Mai. Wer sich heute Abend aus den weiten Weg zu der mit großem Applomb angekündigten anrisemitischen Versammluug geinacht hatte, sah sich sehr enttäuscht, denn d!e Thüren der Siegelberger Bierhalle am Feurrsee, wohin die Versammlung ausgeschrieben war, waren geschlossen. Die!Besitzer weigerten sich, ihren Saal den Antisemiten zu überlassen. Es galt nun für dieselben, sich eine andere Unterkunft zu suchen, und sie sanden denn auch schließlich ein Lokal in einem ganz anderen Stadttheil, nämlich rn der Charlottenstraße. Statt um 8 Uhr, wie ausgeschrieben, nahm die Versammlung unter diesen Umständen erst um '/,IO Uhr ihren Anfang. Die Mehrzahl derTheilnehme! waren jünger« Leute. Nach einer Eröffnungsrede des Herrn Welcker von der .Ulmer Schnellpost" lieg sich derRrlchstagsabgeordnetc Zimmermann aus Dresden über die ,Berechtigung des Antisemitismus" hören. Der Redner betonte besonders, baß bei der Judenfrage von einer konsessionellen Hetze keine Rede sei (so??), vielmehr bilde sie den Kern der Lösung der sozialen Frage. Die Regierung habe unleugbar du Pflicht, den deutschen Mittelstand vor den Uebergriffen des Judenthums zu schützen. Beffer wäre natürlich, wenn der Mittelstand selbst seine Interessen zu wahren wissen würde. Dann richtete der Redner die bekannten Anklagen gegen die Börse und sprach sich dann energisch gegen den bei den Juden üblichen Modus des SchächtenS aus. Wie der bekannte Vorgang in Sachsen beweist, ist es der Landesgrsctzgebung in die Hand gegeben, hier Ab« Hilfe zu schaffen. (Wie wir erfahren, war cs die Ungeschicklichkeit eines Schächters in einer sächsischen Gemeinde, die die Veranlassung zu Sem Schächtoerbot gegeben hat. Demselben passirte das Malheur, daß ihm beim ,Schlachten eines großen Rindes ein Stück aus dem Schlachimesscr aasbrach, er griff hiernach nach dem Schlachrmesser sür Kleinvieh and fiedelte längere Zeit mit dem kurzen 'JWeffer, ehe er öaü Rind totschlachten konnte. Ec wurde von dem im Schlachthose anwesenden Thierarzt wegen Thierquälerei angezeigt — und zwar mit vollem Rechte, Denn das ist auch nach dem Talmud streng verboten. Schade nur. daß dieser Schächter, der früher in einer frommen Gemeinde unter einem orthodoxen Rabbiner fungirte, nicht sofort vom Vorstände entlassen wurde—er ist noch im Amte! Bei Anstellung von Schächlern für Schlachthäuser haben Rabbiner und Vorstände bcsonders darauf zu achten, daß er tä htige. starke und ge wandte Personen seien, selbstverständlich auch gesetzeskundige und gewissenhafte. Die Verantwortlichkeit ist sehr groß. Red. » Strahsarg t. Kksatz, 0. Mai. iOr.-Corc.- Am Itiftungsfest der hiesigen Kaiser Wilhelms-Universität, das letzten Samstag Morgen um 11 Uhr im Beisein von Vertretern der Civiluni Militärbehörd n unD der Studentenschaft in der festlich vekorirten Aula stattsanv, hielt der neu gewählte Rektor Herr Professor Dr. Nowak׳leine Antrittsrede über das Thema: .Die sozialen Problem: in Jsricl uni deren Bedeutung sür die religiöse Erkenntnis dieses Volkes." Die gelehrten Erörterungen des hochzeschän'cn R.dncrs gewährten einen interessanten Einblick in das innere Leben unseres Volkes. — Herr Oberrabbiner I. Weil hat sämmtliche Rabbiner des Unter-Elsaß zu einer am tt. Juni in Straßburg stattfindenden Rabbiner-Conferenz eingeladen. Die Conferen; soll vorläufig den Zweck haben: zwischen räumlich getrennten Rabbinen eine geistige Verbindung herzustellen, das Bewußtsein der Zusammengehörigkeit zu stärken und ein einheitliches Wirken aus religiösem und wissenschaftlichem Gebiete zu fördern. v«ft«rreich-Ungar». Meftß. Es wird mitgetheilt, daß der Primas von Ungarn an den Papst ein Gesuch gerichtet hat, in Ungarn die antisemitische Bewegung zu unterdrücken, sowie, daß der Papst das Gesuch dem Cardinal-Cvllegium vorgelegt hat, d«rß aber zu erwarten steht, daß der Vatican sich neutral*) verhalten wird. Dieses würde uns auch, nachdem derVatican vor nicht langer Zeit eine judenseinüliche Schrift Drumonts stillfchweigend gebilligt hat, durchaus nicht über raschen. Wie aber auch die Entscheidung des Eardinal- Collegiums ausfallen möge, so hat sich der ungarisch« Prälat um die ganze Judeuschafl hochverdient gemacht und darf ihres Dankes versichert sein — Als wir im November v. I. die Ernennung des Er^bls Klaus Bassary von Marnnrberg zum Fürstprimas von Ungarn miktheilten, konnten wir aus Zeugnissen aus seiner früheren Carriäre. die ebensowohl seine Herzensgute als seine edle Gesinnung bekundeten, die Behauptung aufsteüen, daß seine Ernennung von großer Bedeutung sei. Sein Gesuch an den Oberpriestec der karholichen Kirche zeigt, daß unsere Voraussetzung durchaus be rechtigt und der von ihm gethane Schritt nichts anderes war. als was man von einem Würdenträger der Kirche erivarten konnte, der einen Professor vom Benedictiner-Gymnasium zu Komorn wegen seiner ausgesprochenen antisemitischen Gesinnung seines Amtes enthob. X. -»» S. Mai. (Org.-Corr.) Zweierlei kann unsere Zeit von der alten lernen: die Form der Besrtzung geistlicher Aemter und die des schriftlichen Verkeyrs mit ihrem geistlichen Oberhaupt, bezw mit dem geistlichen Würdenträger eines Amtsgebietes. Möchte man auch die so überaus ehrenvolle Berufung mittelst einer Deputation der Gemeinde, welch« dem Erwählten nach Erledigung der bezüglichen Unterhandlungen die Ausnahme übermitteln sollte, ״I Äo es gilt, zwischen Äahrheir >m» Lüge, Stecht und Aewal>, zu ealicheiben — war« Neulraiilai sehr übel angebracht. (Sied. \