Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 23 (1892)
- Issue
- 20 (13.5.1892)
- Date
- 1892-05-13
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
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155 — 8 Jahre geoidneten. stufenweise fortschreitende» Religivns Unterrichts! Ist da» nicht ein Ideal gegenüber der jetzt üblichen Einpeitschung des BarmizwahftoffeS im letzten halben Jahre?*) Krrichle nud Gsrrespo»dr«§e>. Deutfcdlaud. >s. 8p AI«ßde>«rg, 9. Mai. (Orig. Corr.) Nachträglich registriren wir noch den Bericht der Samsonschule zu Wolfenbüttel, erstattet von dem bewahrten Direktor Herrn Dr. Ludwig Tachau. Diese iveilhin sich des bestes Rufes erfreuende Anstalt, die mit gerechtem Stolze Zunz und Jost ihr; berühmtesten Schüler nennen kann, hat eine neue Trrungcrschaft zu verzeichnen, indem sic im verflossenen Schuljahre vom herzoglichen StaatSministcriuni als »höhere Bürgerschule" ,Realschule) anerkannt und der Leitung und Oberaufsicht der herzoglichen Oberschulkommission unterstellt worden ist. Der Lehwlan der Schule entspricht in seinen Grundzügen I>em der höhere» Bürgerschulen im Sinne der preußischen Eirkularverfügung vom 21. März 1882. Bon den l 04 Schülern, Anfang» 1892-waren 22 aus dem Herzogthum Brauuschweig Ul aus dem Königreich Preußen, t aus Bayern, 2 aus Anhal, 1 aus Oesterreich. I aus England, 15 aus Rußland, l aus Nordamerika: der Konfession nach 98 Juden, 4 Evangelische, Katholiken. An der Anstalt wirken in den 6 Klasse» außer dem Direktor lv Lehrer mit dem Kandidaten >>cr Theologie, der den christlichen Religionsunterricht rrtheilt. Jüdischen Religionsunterricht incl. Hebräisch hat jede Elaste 4 Stunden wöchentlich. Aus der .Einladungsfchrijt zur üffentl. Prüfung des Lehr- und Erziehungs-Instituts zu Pfungstadt bei Darmstadt" vom Direktor Dr. Barnaß ersehen wir, daß diese Anstalt von 12-3 Zöglingen besucht wird, welche in Klassen von U ordentlichen Lehrern und 4 Hilfslehrern in allen Realien (auch Buchfülirung), in Französisch, Englisch und Italienisch, selbstverständlich auch in Hebräisch > bis zum Talmud hinauf, gründlich unterrichtet werde». Ikerkin, 8. Mai (Or-Eorr.) Die .Kreuzzeitung" glaubt offenbar, daß ihre Zeit in Preußen noch einmal kommen wird, und süi-erlich Hot sie zahlreiche Beziehungen zu einflußreichen Persönlichkeiten; man kann sich leicht davon überzeugen,!>aß sie noch immer die Licblingslcrtürc der Strengnrchlichen und der Laodadelleute »st; ater auch in oeu KLeisea der Offiziere ist sie eingebürgert, und die vppositionrlle Stellung zu der gegenwärtigen. Regierung Hot ihr nicht weseutlich geschadet, lins ist ein Fall bekannt, wo der Inhaber ein« von Offizieren und höheren Beamten viel besuchten Restaurants einen höher» Offizier fiagte, ob die »Kreuzzeitung" in dem Lokale aufliegen solle; »daß ist nicht nölhig, meinte der Militair, denn die haben wir alle zu Hause." Wie viel wichtige politische Nachrichten kommen zuerst durch dieses Blatt m die Oeffentlichkeit. Herr OberverwaltungSgeri rtsrath Kunze,der sich selbst für den Mann der Zukunft hält und jedenfalls intime Beziehungen zu mächtigen Männern unterhielt, veröffentlicht seinen Brief an den Abgeordneten Meyer in der Kreuzzeitung; der Herr muß also jedenfalls der Meinung sein, d7ß es ihm in hohen und höchsten Kreisen nichts schadet, m׳: der »Kreuzzeitung" intime Beziehungen zu pflegen; hoffentlich irrt sich der kluge ^11וו)> er bleibt im »Duell mit Miguel" nicht der Sieger.; es gilt doch die Augen offen zu behalten und es sich zu vergegenwärtigen, daß die jetzige Regierung, die gegen *) Dir Limoükfe dr» Herr« Klei» scheinen durch obigen Artikel »och aichi erschSpftnd widerlegt; über di« Vor- resp. X o ch theüe de- .ringerriht«»' ReUgion«unterricht» an de» höheren Le-ra»st«ltr» gegenüber de» Xeligionsumerrichr an einer gutorgaoifirien jüdischen «enrei,drrrligi1>«»laMe grdrukr» wir nach de» Lrfahrmrgen, di« wir gemechr habe», vo« Püdägogischm Standpunkte au« in einem besondrrn AnUel un« ausjuspcechen. (Red.) die Juden gerecht sein will, ihre starken Gegner hat, daß die Partei der Kreuzzeitung, die eigentlich nur groß gewesen ist. wenn das Baterland klein und niedrig war, noch lang« nicht aus dem Felde geschlagen ist. Die Wünsche der Juden vereinen sich mit den Wünschen der besten Patrioten, diese noch immer kleine aber mächtige Partei zu verdrängen. Aerttn, 8. Mai. (Or.-Eorr.) Wäre der ganze Ahlwardt'sche Spektakel nicht so traurig, man wäre versucht die Geringschätzung, denen die getauften Inden von ׳Seiten der echten und unverfälschten Antisemiten anSgesctzt sind, recht lustig zu finden. Da wird e!n Oberstlicutenant Kühne, ein Leiter der Löwe'schen Fabrik, als ein .einstiger Jude" von j Ahlmardt und Genossen denuncirt glücklicherweise kan» sich , der Man» »och retten und den Nachweis führen, daß sein ' Blut rein germanisch ist. Aber wie viele Männer in hohen Stellungen können diesen Nachweis nicht führen und niüssen zittern, wenn die Agitalion aus diesen Punkt sich richtet; , jüdisches Blut fließt vielfach in Männern, die vor der Welt | als BollblutSgermanen gelten und deren deutsche «üennnung ja auch gar nicht anzutasten ist; wenn .Herr Ahlwardt alle diese Geheimnisse wüßte! Der alte Landshut. der viele Jahre hindurch der Berwaltrr des alten Berliner Friedhofs gewesen, war mit diesen Verhältnissen sehr vertraut, da konnte eS denn passiren, daß irgend ei» christlicher Freiherr sich bei ihm meldete, seine» vornehmen Name» nannte und nach den Gräbern seiner Vorfahren fragte. Landshut ivußre ganz gut, welcher rackere Jude gemeint sei, aber er stellte sich dumm und sagt« nur, der Herr Baron möge entschuldigen, aber aus diesem Fr-edhos liege» keine Barone, bis denn der adlige Herr und hohe Staatsbeamte sich wohl oder übel ent■ schließen mußte, den alten jüdisch,;« '•)tarnen zu nennen, «er wohl auch einen guten edlen Klang hatte, aber nicht adlig klang. 'Nun zeigte Landshut hurtig das Grab. Die Fahnenftüchtigen, die besonders jetzt, ivo ja den Juden, ob auch unter Schwierigkeiten, die Arbeit in höher» Leben-berufen ermöglicht ist, nicht einmal eine Entschuldigung für ihr Unrecht haben, verdienen es, daß dir Antisemiten ihnen das Leben verstören. Hier übt einmal diese Horde, sehr gegen ihren Willen, ein Werk gerechter Vergeltung. Aerk», 10. Mai. Die Verhandlungen gegen de» Rektor a. D. Ahlwardt vor dem Landgerichte haben am 9. März den »Deutschen Bürgerverein Blücher" zu einer sehr leichtfirti^beschlosienen Eingabe au die Stadtverordneten- Versammlung veranlaßt. Er behauptet, daß die städtische Schaldeputation unter 24 Mitgliedern nur 13 Chrisiea zähle und ihr Vorsitzender Atheist sei und ersucht, da einer solchen Deputation von einer christlichen Bevölkerung kein Vertrauen entgegengebracht werden könne, die nächste Gelrgenheit wahrznnehmen, um in die Schuldeputation christlich denkende Männer, die auch im freifinnigen Theile der Bevölkerung noch zahlreich vorhanden seien, hineinzuwählen und ihnen wenigstens die Mehrheit zuschaffen, den Vorsitzenden der Deputation aber zur Niederlegung seine» Amte» zu veranlaffen. Die konservativ-antisemitische .Heye innerhalb der sogenanntrn Bürgervereine wird auch dnrrh diese Eingabe wieder einmal gekennzeichnet. Leute, denen das Wohl der Stadt wirklich am Herzen läge, würden doch vor allen Dingen zunächst einmal festzustellen suchen, ob da», was man ihnen vorrrdet, auch der Wahrheit entspricht. Der gen. Verein hat die» indessen als überflüssig angesehen und in seinen «Eingaben die Lügen ruhig nnchgeplappert, die ihm gewissenlose Agitatoren Vorgesprächen haben. Vorsitzender der Schaldeputation ist fett vielen Jahren der geh. Regierung-- rath Schreiner, der, da er in seinen politischen Anschauungen der konservative« Partei sehr nahe steht, gegen den Verdacht Atheist zu sein, wohl geschützt sein sollte. Der Petition«- anSschoß der Stadtverordneten-Vers» mmkung, der sich mit der Eingabe des genannten Bürgervereins zu befassen hat», hak frstMstellt, daß sich unter den 32 Mitgliedern der Schul-