Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 23 (1892)
- Issue
- 19 (6.5.1892)
- Date
- 1892-05-06
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
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iS :! % gemacht habe — eine ganze lange Reihe von Fakten auf, aus denen n: folgert, daß der Borfitzende, faller von ihnen gewußt hätte, die Beschuldigung der Unterschlagung »als erwiesen angenommen hätte.' Dr. Stein bezichtigt seinen einstigen Clienten überhaupt einer solchen Anzahl verbrecherischer Handlungen, oaß sie hinreichen würde, eine gcnze Bande m den Kerker zu bringen. Wenn Ahlwardt nicht vor Gericht Satisfaktion für diese Beschuldigungen zu fordern wogt, daun dürste es mit der Herrlichkeit dieses antisemitischen Heros doch bald aus fein. Werkln, 1. Mai. Prof. Adolf Wagner hat Freitag Abend die Abwesenheit Stöckers benutzt, um den m der Tonhalle spärlich versammelten Christlich - Sozialen wieder einmal gründlich die Leviten zu lesen. Herr Wagner ist über seine bisherige« Parieigenoffen sehr verschnupft, weil sie ihn .bezahlten und erkauften Judenknecht', ,Echwachkops', .geisteSabwesend' und dergleichen genannt, ihn mit .Mammonson' (Mommsen) verglichen und seinen Austritt auS der christlichsozialen Parrei verlangt haben. Seine, «ach Ansicht der bisherigen Freunde, allzu judenfreundlichen Auslastungen in verschiedenen Versammlungen der letzten Monat« haben ihm eine ganze Blumenlese anonymer Schreiben eingebracht, die zwar angeblich auf chn keinen Eindruck gemacht haben, die »hn aber doch vorgestern veranlaßten. in sehr erregter Weise sich über diese .erbärmlichen', ,niederträchtigen' und ,gemeinen' Kampfesmittrl auszulaffen. die ihm bei den Antisemiten eben so verächtlich seien, wie bei den Semiten. Er sagte dann: .Denen die mich angreifen, sage ich .Ihr übertreibt, indem Ihr den Inden mehr Fehler nachsagt, als sie verdienen, Ihr verallgemeinert, indem Ihr all« Juden über einen Kamm scheer^ denn es gibt auch anständige Juden, wie «S auch unanständige Nichtjude» gibt, und Ihr werft den Juden vor, was im Grund« Euere eigene Schuld ist Wenn die Inden häufig weiterkommen, so wüsten wir dabei anerkennen, daß sie sthr viel Intelligenz, sehr viel Fleiß, sehr viel Nachdenken und sehr viel Emsigkeit entwickeln; es ist einfach nicht wahr, daß, wenn di« Juden hochkommen, es wesentlich schlechte Mittel sind, die ihnen dazu verhelfen. Alle, welche mich kennen, wisten, daß ick! von Anfang an keineswegs in allen Punkten, namentlich nicht in der Judenftage, mit Stöcker auf demselben Stand- Punkt stehe. Und nun mag man mich ruhig angreifen, verdrängen last« ich mich nicht.' — Wir mitgetheilt wird, ist man in der .christlich-sozialen' Partei darüber einig, daß der Herr Prozessor nach dieser seiner Rede der Partei nicht mehr länger angehörrn könne, man will chm aber selbst di« Bestimmung darüber überlasten, .wie er offiziell seinen liebertritt zum PhilosemitiSmus vollziehen wird.' Werki». Im preußischen Abgeordnetenhaus« wnrde Herrn Stöcker vom Abgeordneten Richter eine Abferttgung zu Theil, welche selbst dieser au moralische Züchtigungen gewohnte Mann schwer empfinden dürfte. Die von sittlicher Empörung dirtirte Bemerkung Richter'S, Stöcker gehöre zu jenen Priestern, die geradezu im antireligiöse» Sinne wirken »und mehr Leute aus dem Christenthume hinauspredigen als hinein' ttifft mit harter Wucht diese» Hetzer im Talar, der durch seine Wühlarbeit in gleichem Maß« die gesetzlichen wie die reltgiüsrn Begriffe dr- BvlstS zerstört. Richter nannte Stöcker schließlich einen ,Komiker niedrigsten Grades'. Diese Charakteristik ist kein« ganz zutreffende. Denn Koniiker niedrigen ooer höheren Grades ft״- nie so gefährlich, wie fanattsche Hetzer die selbst vor der Heiligkeit veS Eides nicht Halt machen. Aber darin hat Richter Recht, daß Stöcker Einfälle hat, um die ihn der .niedrigste Komiker' beneiden könnte. Wirst es denn nicht urkomisch, wenn zum Beispiel der Ex-Hof- Prediger die Behauptung wagt, für ihn sei .die erste Frage i» Parteikamp^e: Gentleman oder nicht?' Man erinnert fid) da unwillkürlich an seinen intimen Freund und Streitgenossen Ahlwardt, welcher als das Prototyp besten gelten kann — waS da- Gegen theil eiires Gentleman ist. Sb«׳ Herr Stück« mag skh die Sache wohl so gedacht habe«: Bei seinen Gegnern ist ihm die erste Frage: .Gentleman od« nicht'; als Parteigenoste ist ja bekanntlich den Antstemiten jeder Lrmp gut genug. Prrstcr,. AuS dem jüngst erschienenen Gemeinde-BerwaltuogSberik st pro 1891 «heilen wir da« Folgende von all» gemeinem Interesse hi« mit. Die Zahl der stimmberechtig Mitglieder fft aus 520 gestiegen. Geburten fanden 29, C schließungen 12 und Todesfälle 3; statt. Die letzte Bold zählung «gab im ganzen Königreich v.?68 Sachsen, wovo» 2598 auf DreSixm kommen. Die Religionsschule wurde von^ 274 Kindern l133 Knaben und 121 Mädchen) besucht. Diese wurden in je 6 Klaffen von 4 Lehrern (incl. Rabbiner) und ein« Lehrerin unterrichtet, gegen e.a monatliche» Schulgeld von 2 Mark pro Kind (bei Neschwistrrn reduzirt ans - 1 Mark); 192 genoffen Freischnle. An Gemeindesteue-n find pro 1892 oufzubringeu 21,500 Mark. Bon wichtigeren Beschlüssen des Gemeinderath» sind hervorzuheben: 1. Da» Kgl. Ministerium bealslchtigte eine'Verordnung, .da- Betäuben der Schlachtthrere' betr., zu erlasten, durch welche am 1. Januar 1892 die SchlachtmaSke obligatorisch eingeführt werden sollte, jedoch mit AuSnähme der .Schlachtungen, welclse nach jüdischem Ritus durch Schächt« vorgcnommen weiden.' Hinsichtlich dies« sollte e» bei dem Bish«igen bewenden. Sfcr Landeskulturrath und der Stadtrath zu Dresden, gleich andern politische» Gemeinden de< Lande-, denen der Entwurf dies« Berordnuna vom Ministerium zur Begutachtung vorgelegt worden, empfahlen ab« die Streichung der den Juden gewährten AuSnähme. Auf Beschluß d«S GemeinderathS wandte sich nun am 12. Rovemb« 1891 der Vorstoß) im Verein mit Herrn Rabbin« Dr. Wint« in ausführlich begründet« Borstelluug unttr Hinweis einerseits auf die Gutachten thiecärztlicher Autoritäten, welche dem Schächten jede thi«auäl«ische Lnr« kung absv-rrchen, andererseits aus dir relrgiäse Urbung rmd die GewiffenSsteihkit, an da» Kgl. Ministerium de» Innern mit dem Ersuchen: .die Verordnung in d« ursprüngliche» Fassung zu belasten, di« Ausnahme zu Gunsten d«S SchächtenS nicht zu streichen, eventuell eine Zusatzbestimmung de» Inhalts anordnen zu wollen, daß <» rucksichtlich des SLächtenS nach jüdischem Ritu» bei dem Bisherigen verbleibe.' Dn Vorstand ׳ fetzte sich w st den Vorständen da Schwestergemeinden in Verbindung, von denen die zu Leipzig . schloffen.*) 2. Im Schooße de» Gemeinde:ath» wurde per Wegfall der Mischebaach und deren Ersatz durch ein Ependenbitch auch in diesem Jahre wiederholt angeregt Die Mehrzahl lehnte ab« zur Heu in Rücksicht auf dre WohlthätigkestS« v«eine eine Beseitigung ab. Diefer Grund ist durchaus nicht so stichhaltig, sondern würde nur zeigen,. daß' die Spender noch mcht auf d« Höh« wahrhaft jüdisch« Wohlthätiglest stehen, welche d« .Gabe im Gehctmen' ohne prahlnrfthe öffentliche AuSposaunung des Namer S da Epend« de» Borzug giebt. UebrigenS habe» in de« Gemeinden, welche du» Einschreiben in ein ,Speadenbuch' an Stelle d« üffrutliche» .Schnobern' eingeführt haben, di: WohstbätigstitSvaeia« kein« Einbuße «lrtten. Ab« selbs: wenn dies im ersten Jahre des UebagcngS da Fall wäre, so darf um eiawek Mark willen der öffentliche Gottesdienst durch ein« solche 1 Dieselbe« sauren bekanntlich kein« Berücksichtigung, dach dtr» sen die Semeindeoorsttiod« und Rabbiner licht ermüde« nnd betmctirs . darauf Hinweisen, daß die «tntsteriell» Verordnung selbst zugrsteht, mH nicht in der jüd. Sch licht »eis«, sondern t» de» Riedrr»«rfe» bis Bietz»seiten» de»ftletsther^selle» dietÜmäUaAlitgi; MT« diese» also »übte sich also di« verordn»«- richte» und nicht gegrndns ritatS* Schächte« (Red.)