Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 23 (1892)
- Issue
- 18 (29.4.1892)
- Date
- 1892-04-29
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
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anvertranen, für beit jede Satzung des 4-chulschan-Acuch die gleiche Heiligkeit hat w« die 10 vom Sinai verkündekn Worte. Bon der Breslauer Gemeinde wissen wir, daß sie den in der Gemeinde früher herrschenden diametralen Ström»»- gen — Geiger und Tittin — entsprechend, zwei Religion»- schulen ei »geführt hat und auch noch unterhält; dieselbe Gemeinde könnte doch aber unmöglich an jeder Lehranstalt daselbst auch nach beiden Richtungen gerecht werden. BorslandundRepräsentanten-Bersammlung der jüdische» Gemeinde in Berlin haben bereitunterm 16- September 186S in derselben Angelegenheit gegen die von dem jüdischcheologischen Verein in Breslau an den damaligen Kultus- Minister Dr. v. Mühler gerichtete Petition, welche beantragte, in den höheren Schulen Preußens de« jüdischen Religionsunterricht für die jüdischen Schüler als obligatorisch zu erklären, nicht nur Stellung genommen, sondern wohlbedacht Sgen diesen Antrag einen ausdrücklichen Protest eingelegt. oenigSberg und andere Grobgemeinden fabea sich diesem Proteste angeschloffen und die damalige Begründung des Protestes ist noch heut gütig, wie sie hoffentlich maßgebend «eiben wir für alle Zeiten.! ״fiat roirttldli murr de« *Rangel deobligatorischen Aertgion«- ״Unterricht» da» rcltgiSfc Leben unter den Inden gelitten? Bo» welcher ״Zähigkeit mußte e» dann lein, daß e» überhaupt noch vorhanden ist, ״obschon in Preußen niemal« für die Inden ein solcher obligatorischer ״Unterricht deitand? Mr möchte» glande», daß der religiöse Sinn sich ״grafe de»halb unter de» Jude« kräftig «halte» ha», well et kein ״Staattjudenthnm mib. Und die Etnsühmrz eine» solche» sollten wir ״l« Ernst wünschen? Würde nicht dtnotwendige Folgt die sei», ^daß «ine bestimmte Partei die Schale beherrschen, und da» schätzbare ,Mut, da» wir habe», unser» religiös« Freiheit, unsere»Kindern ver- ^kümmern würde? Mr habe« aber von jeher da« Nacht gehabt, uns«« ״*Ute: in der :Religion so erziehen zu kaffen, wie wir im Pflicht» ״mäßigen Ermessen e« sür gm «achteten, und diese» Siecht «olle» wir ״an« bewahren. Habe» Untere dies«« toftta« Stecht «och nicht «langt, ״ja wollen wir e* der Süßeren Gleichheit wegen nicht aufgebe» und Können e» auch nicht, well wir kein« einheitlich organisirte ^ktrche habe». ״Der Kechtägrnnd, aus welchen dt« Petition sich stützt, schein» ,aUlnzlich verfehlt. Nirgend« besag» oi« Verfassung, daß der Staat bin- ״nchuich jeter Neliaionogesellschast ganz gleich verfahre« und in ihre ״Ungeleoentetten gleichmlßig einaretse» so«, vielmehr steht grundpltzlich «fest, daß einer jeden Re'^g'.iitogeseUschast die selbstständige Ordnung ״und Verwaltung ihr« hkrel^entetle» — und zu diese» geh»« auch ״di« Erthellung de» coersessonellen Religion»anlerricht» — überlaffe» ״ist Unsere gegenwärtig« Lag« hinsichtlich de» Sieliglonlnnterricht» Erscheint un» daher ganz «^sprechend der Verfassung. ״Mr verstehen übrigen» nicht, wie ein« Herabwürdigung de» jüdischen ReU^ion»Nnt«rrtq.» darin gefnnte» werde» kan», »aß « ״kt Fürsorge jtte• einzelnen Hautvaler« un» der zu reltgiösen Ge- .Meinte» »«,bunten«» Famstte» überlasse» wird. Un» scheint vielmehr, ^daß di« Freiheit, uns«« »ititer mich unsere« Ermesse» in ter «eltgiw, Unterrichten zu lasse«, mit allen Mittel» zu erstreben wäre, wen» Mir st« nicht schon hätten.' Wahrhaft goldene Worte, wenn sie auch in diesem Falle vom grünen Tische und nicht von der Kanzel herab tönten. Die Aufgabe des jüdischen Prediger« und Rabbiners ist nach unserem Ermeffen einzig und allein die. seine Hörer von der Wichtigkeit des Religionsunterricht» zu überzeugen; was darüber, das ist vom Uedel.*) M. Klein, Loenigsberg i. Pr. Sekretär der Synagogen-Gemeinde. »I O nein! Damit ist bi« Aufgabe des Nobbiner» bezüglich de» Religionsunterricht» in sei״« Gewände durchan« nicht erschöpft. « hm (im Verein mit de« Lorstante) bohl« zu wirke», daß auch ,«dem jüd. Schill« di« Gtlegenheil und di« Möaltchtril geboten »erde, 0» jüd. Rtltgion-un Erricht theilznnehu-e«, « hat selbst «ttzu. nnwrrichten. die geeignete» Schulbücher zu bestimmen, den Lehr- »nb Stnntenpla» seftznfteüen und de» gesammrrn jüd. Religion»- umerricht zu leite» und zu beauffichtige». Mr aleube» übrigen«, daß die ganz» Meinungsverschiedenheit anf eine« AtKZersttlndnißberuht,obligatorischfoildie Thetlnahmeo» Reltgiiinsunt erricht sei», frei aber die Entschließung der Geweinte Ster de» Ort wo und di« Art wie dies« Unterricht «thellt werte« soll. Da» war von vornherein anftr« Stellung znm VolWschulgefetzentwnrs, »nd darum habe» wir in Sir. S d. Bl. um« «nsern diesbezüglichen Wünsche» eireu Zusatz zu K1L »«langt: Kür die jüd. >eligioa»ges«llichaft ist e» dringend »orhwendig, »aß ihr ter besonten jüd. NeligionSunterrtcht auch außerhalb ter .Schule' «halte« blctb« »nd irr Balkaichulgesttze gesichert werfe mW daß aus ihn »ie gesetzlichen Vesti genüter Schulbesuch u-Sch nloersänMNissr »«wendnng Hericht» ««> Lewüftblwwd. 14 8p. Alasdeönrg. im April (Or.-Eorr.). I« jüngster Zeit hat man Hähern Ortes de« Reiaionsunterrichte die be- ' sondere Aufgabe zugewiesen, an der Lösung der soziale» Frage »ttzuarbeiten. indem da«, was die B:kenne! aller Religume« eint, mehr betont werden soll, alt» das, «a» sie trennt, oder mit den kaiserlichen Worten z» prechen, daß es erfordev- . lich sei. .die ethische Sette de« iljellgiousunlerichts «rhr in den Bordergtaad treten zu lasten, dagegen den Memorir- יי st off auf das Rvthige zu beschränirn'. Es werden damit , die religiösen Gegensätze gekennzeichntt, die auch bei uns i» den verschiedensien Zntläuften sich zuspitzten: auf der eine» Seite die starke Betonung de« Lthi chev unter Preisgebaag i des Eeremonialfflsetzk« und auf der ruderen Seite wiev»n>« - die Erhkbuug «r Eeremonien zu« R und O des religiöse« - Lebens. Jedens »lls bleibt es die »ornehmste Ausgabe des ' Religionsunterruht«. unsere Jugend j,u sitüich tüchtigen Men« ' scheu heranzubilden, obgleich die ineisten Borbemngunge» ׳ Religionsschulen — die lediglich die si ttlich-religiöse Erziehung der Jugend im Auge haben, sind duichpeg mit dem größt« ־־, Eifer von dem Streben erfüllt, ihrer hohrn Ausgabe« geritcht zu werden, wie da» wiederum aus I»s ^Deutlichste aus dar Beruhten hervoigeht, die un» über die verschiedene» Relii■ gionsschulen vorliegen. Zuerst fesselt unsere Ausmerksamkeit der Bericht der - Israelitischen Religionsschule zu Frankfurt a.M., dem eine .. interessante Abhandlung, betitelt: .lkinige Zahle» und ihre Bedeutung", von dem Dirigenten der Ansfttlt Herrn Rabbiner . Dr. Horovitz vorangeht. Es wird darin mitgetheift, -daß unter den 31 städtischen und 16 Privatschule» Frankfnrtö : sich 4 israeliüsch -konfessionelle besindeit und zwar eine Lolli» . und Realschule der israel. Gemeinde, Bolks- »nd Realschule 'י der israest Religionsgesellschaft, israel. Bolksschule, höhere / Töchterschule des Herrn Dr. Heine»nann. Unter den die ■ 48-Schulen FienksurtS besuchenden 24909 Schüler» bezi». Schülerinnen sind 2879 jüdische vor fanden. Die Zahl der jüdischen Schüler an den Simultan chulai städtische» mid .'■j privaten Eharaders betrügt insgesanmt 1816; sodaß aks» 2 von de» ausgeztchlte» 4 tsrael. Anstllte« 1663 Kinder bvl sucht werden. U» 6 höheren Schulen; die zusammen 8W_ jüdische Schüler haben, wird im At strage der Berwaltma jüdischer Religions-Unterricht erlheilt, dannach Koben 2869. jüdische Schüler Gelegenheit, Religionsunterricht im Rahtnur v der Lehranstalten zu empfangen. Luder verschmähen »«'' den 806 Schülem 390 den ihnen gedvteuen Re'^iottstuNek» riebt, hierzu kommen noch 220 jüdtshe Schüler, die «hm diesen aufwachsen, also 810. '/• der Sesammtzahl, wakl»^ eine tiefbetrübende Erscheinung, die >«n betreffende« Ätetn, die Schamröthe ins Gesicht treiben solle. Mtt volle« Rech« hebt der geedäe Herr Dirigent hervoi, daß der Uebelsktwd . nicht allein darin begründet ist, daß der jüdische Reklm»ll> unterricht nicht obligatorisch ist, sondern daß de« jü^chen Eltern das Pfiichtbewußtsein, für dv: religiös! Ansbildnüg., ihrer Kinder zu sorgen, zum Theil völlig abhanden ge»^ kommen sei. Herr Dr. Horovitz selbst steht ruf dem Standpunkt ,nicht leicht der Verleihung des obligittorische n Ehargtzges str des jüd. Religionsunterricht an hohem staatlichen städtischen Schulen ba« Wort ceben* z»! können. Der Brriksr - schloßt mit de» schönen Worte«: .lD« Schüler» ei» ihrer asffteigende» allgemeine« Bildm», gbnchä» Schritt htll» ' tendes hebräisches, jümsch^eschichttiches »nt> religzösts PWds zu bieten, chnm an» Herz zu legen, laß sie durch ihr hatten in der Schule de« jüdischen Ra rw» Ehre «acht» HSH endlich daß sie früh lirne» solle», Im ttnWM