Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 23 (1892)
- Issue
- 18 (29.4.1892)
- Date
- 1892-04-29
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
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־"!ד in d«r ״ft. B." wird zwischen dem Reform- und dem }cn Judenthum :in Unterschied gemacht; nnr gesteht d: ״daß für die kat)0lische Presse keine zwingende Beranlsssuug besteht, sich ausdrücklich nnr gegen daS Neiormjndentb״m zu wenden!" — Ganz recht, das verlangen wir von ihr auch gar nicht, aber vor. Ihnen auch nicht, Herr Nraf. Dies« unzweideutige Klarheit freut un« und zeigt un« dir dirzerige Hstrfidie dieser Presse. .Gott schütze mich vor meine« Sreunden, vor mei en Feinden will ich mich schon selber in cht nehmen", heißtes «nBolksmunde. Wenn der Freund mich angreift, glaubt man demselben natürlich mehr; wir müssen deshalb die verwerfliche Taktik der Presse — die Kölnische Bolkszeitg. obenan — niedriger hängen: erst wird gegen de» Antisemitismus zum Scheine geeifert, um die Gloubenswürdigkeit zu erhöhen und hinterher fällt man uns in den Rücken. In Berlin kennt man dafür eine chacacteristische Bezeichnung, die der Weihnachtspuppe beigelegt wird: ״Born nitft sie, Hinte» pickt sie!" —Trotzdem ist man nicht antisemitisch, Gott beroahrc, dafür giebt es in der ״ft B." These VII eine feine Unterscheidung, man identHcirt sich nicht dem Namen nach mit dem Antisemitismus, sondern hat mit demselben höchstens ״materiell" etivas gemein.-- — Doch zurück zu Ihnen, Herr Graf, und zu einigen Be׳ merkungen in Ihrem Borttage. Sie fragen pathetisch: Wo ist die Gle chberechtiguilg der Katholiken? Wir wollen von unserem Standpunkt aus, da sie sich u. A. von den Juden ttrrorisirt glauben, eine Parallele ziehen und fragen: wo ist dieGleichberechtigungdcrJuden, denen SieeinesolchegroßeMacht gegenüberd:r drechigfacksen Ueberzahl der Katholiken zuschreiben? Wegen des bedauerlichen i^patriirungsgesetzes gegen die Jesuiten erklären Sie sogar, daß die Gleichberechtigung der Katholiken selbst auf dem Papiere nicht vorhanden ist. — Unsere Gleichberechtigung ist wohl niedergeschrieben, aber sie ist nur — Brief. Wissen Sie, Herr Graf, daß die jüdische R.'ligion immer noch nach einem Gesetze von 1847 gehandhabt wird? Haben Sie jemals Ihre gewichtige Stimme für deren, volle Gleichberechtigung erhoben? Sie fragen, wo ist die Freiheit der Kirche, solang noch ein Einspruchsrecht des Staates besteht, ob ein Pfarrer angestellt werden soll oder nicht? Wir fragen, ob Sie wissen, daß der Staat bei Anstellung von Rabbinern und sonstigen Kultusbeamten sein. Einspruch« recht wahrt, im Ucbrigen aber sich nicht um sie kümmert, ob sie im Älter am Hungertuch« nagen, ob ihre Wittwen und Waisen darben, und es den Gemeinden über» läßt, sic zu behalten oder ihnen nach Belieben zu kündigen, was Vorkommen kann, wenn die Beamten sich nicht alle Kränkungen und Demüthigungen rühm gefallen laffen wollen, weil sie dann nicht friedliebend sind? Bei Ihren Pfarrern übernimmt doch wenigstens der Staat gleichzeitig die Pflicht, £e in ihren Stellungen zu erhalten, solange sie sich nicht isciplinarisch vergangen haben, sie zu pensioniren, und zwar «uS den Taschen sämmtlicher auch der jüdischen Steuerzohler, auch der Rabbiner, welche nicht einmal der Kammunal^Steuerfteiheit sich erfreuen. Sic fragen: Ist ein Minister Katholik — d. h. strenggläubiger, denn die anderen zählen bei Ihnen nicht m>-? - Sie klagen ferner, daß gegenwärtig kein Katholik Ober- Präsident und nur drei kath. Regierungspräsidenten sind und in anderen Staatsämtern werden Katholiken nur sporadisch gefunden. Wir fragen Sie, in welchem Staatsamte—außer im Richterstaide und auch dieser wrrd ihnen nicht gegönnt — fanden Sw jemals überhaupt einen Juden? Tüchtige Männer gaos unter hnen genug, die eS auch zu etwas gebracht Huben; allein während Ihre kath. Minister angeblich ihr« Sinder freiwillig protestantisch erziehen ließen, mutzen Jene diese Wandlung an sich selbst vollziehen, um nur StaatSanivalt oder Regierungsrath werden zu können.*) Und da behaupten Sie. daß da» Ges«j di« Katholik« «chr schränke als AnderSgltnkige? Sie klagen, dag in den hohe» Hofämtern kein e»W«r Kacholik sei »nd schieben eS nicht zum wenigsten diesem Umstände zn, daß Seine Mas. der Kister nie eine unbefangen« Meinung über dir katholische» Untuthane« und ihreBMnsche zu hören bekommt — also sind l)k Katholiken nicht gleirhberechtigt und daß sie eS werden, da» zu erstreben ist für Sie ein« Ehrensache! Wir können Ihnen nur Recht geben, aber wisse« Sie auch, Herr Graf, daß wir Juden, die Sie für bevorzugt halten, nicht selten ganz «nd gar iodtgeschwiegen werde«? Ist das nicht viel bitterer, als dir Mnthmagung, daß S M. über einen Theil seiner Untrrthanen kein« unbrsa ngrne Meinung bekommt? Otxr ist «S Ihnen unbekannt» welche Schwierigkeiten jüdische Evtjährig-Freiwillige seit 14 Jahren zu überwinden haben, «he sie während ihre» Dreustjahres Unteroffiziere werden können, selbst wenn sie tüchtig genug sind um als Korporolscdastssührer verwendet zu werden? daß ihnen l also 90 ipso die Carrier« als Offizere der Reserve auch verschlossen ist? Sehen Sie, Hiwr Gras, manche» Andersgläubigen geht e» schlimmer, sie dürfen selbst keine unei»- geschränkte Ideale haben; sie dürfe« nichts Besseres erstrebe«. Man will sie nur, wie im Mittelster, viel Geld verdiene» lasten, damit sie viel Steuern zahl:» können und man nachher tüchtig auf sie schimpft« kann, weit sie viel Geld verdienen. HerrTraf, wollen Siein Reihten und Pflichte» mit den ״so mächtigen" Juden taaßhen? Den Tod Ihre« Führers Windthorst beklagen wir «nt Ihnen, und wenn seine Nachfolgir r» auch für gut halte», andeie Pfad« zu betreten so verzöge«, wir dennoch nicht. DaS Pastahfest, welches wir soeben vollendet haben, erinnert un» daran, daß der Allgütige un» aus größere«׳ Druck befreit Hot; diese Erinnerung und die an so viele Brrfolgungenin unserer nunmehr bald viert halbtansendjährigra Geschichte erfüllt u»S mit der Hoffnung, daß er «mS mcht verlasten »vird, daß auch wir unserer Mission unbehindert, werden gerecht «verden können, ur d dir besteht nicht darin, die Rechte Anderer zu schmälern, sondern der Gerechtigkeit für alle Menschen zum Siege zn verhelfen. Herr Gras, da» Judenthum ist die Mutter aller neuen Religionen; «nie Mutter kann von ihren Kindern unrhrerbietig und grausam behandelt we:den, aber eine Mutter kann nie lieblos gegen ihre Kinder handeln. Coblenz. _ Dr. Singer. 1י. - fl Der aöligalsrische Aett!lis«»-A«terrtcht 1» der KchüLe. Betrachtung eine» Laien an Cb >1 ka-woack-Pehach.*) חכמים תהרו בדבר־יבם (Sprüche »er 8!trr, Abschnitt I, Vers 11) Wir schicken voraus, daß, o>«wohl wir nicht die Eh« der persönlichen Bekanntschaft des Herr» Rabbiner Dr. S. Mahbaum haben, wir nach dem, was wir über ihn gehört ־*) ä« girbt auch einig« ungetanst« süd. Regierungdrüihe uud 1 jüd. Etaareanwatr. (Ke».) *) Obigem «CrtUel ist von der «ed. der .Alla. Zeit. d. Jud." der er, da st« dt« detr. Predigt de« Herrn Dr. Stzatzbau« dwchtr, zunächst znm Abdruck zugesaudt wurde, dt« Aufnahme »rrwetgerb worden: und da» will dieses Blatt ein ,»«parteiisches Orgn» für alles M. Jnierefe, «in Sprechsaal für «Ne gebildeten Jude» sein." Der geehrt« Herr Einsender appellirr «r umebr «» unser« ״Luparchtltchkeü"; wir bringe» de» Artikel »»״erkür,t — sogar mit der einleiteude» nicht >,ut Sache gehärtgrn k«b wähl nurfür m«A.A.d I. aesbriebeueu oaptabv Lanaoolou«»« — obwohl wir «ich» i» all«» Punkte» «i, de«: Herrn Vers. itberrt»stimm»; aber brr Artikel At durchweg von hohn» jüd. Interesse" und darf »usewa Eracht«« nicht aus wer weih wat für persöulichen »d>r soustiae» Nückßchte» u»le» drückt werde». Durch da» Unterdrück«» geguerkscher Stimme» wirb . die Sahrdett nicht gestrber», sondera nur die Heuchelei uud brr Ligendüulel. (Red.)