Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 23 (1892)
- Issue
- 16 (10.4.1892)
- Date
- 1892-04-10
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
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btt Cffpenxrein» Magtabnrg veranlaffung, IhnobM her zlichsten Glückwünsche damtbringen. Vir wan K«»mtt um so größerer Freud«, ob die aesammtr Lehrerschaft Magdeburg'» in Ihnen, hochverehrter verr, «inen Mann erblickt, der seit Jahren mit großer Aelbsllosigkeit, mit scharfem Blick und freiem lvort für da» lvoh! der Schule und ihrer Lehrer unermüdlich eingetreten iß und sich dadurch in hohem Maß« unfern Dank erworben hat. Möge e» Ihnen, hochverehrter Herr, vergönnt sein, noch lange Jahre in stetiger körperlicher und geistiger irisch« zu wirken in Ihrer engeren <8e> meind« ab treuer Am! »vermalter, in der weiteren Gesfentllchkeit ab geschätzter Schriftsteller, in der Bürgerschaft ab Usichtiger Stadtverordneter und ab treuer Freund der Schul« und des Lehrerstand«»! Mit vorzüglichster hochachwng zeichnet Der Vorstand des Lehrerverein» Magdeburg. Hampel. Der verehrte Jubilar verstand e» vortrefflich, jeder einzelnen Deputation iu PointirterWeise die Glückwünsche zu erwidern. Der Mett« rag. Sonntag, den 3. April um 11 Uhr Bormittag, beging die Religionsschule die Fier des Jubiläums ihres Dingenlen. Eingeleitet wurde dieselbe durch ein vqelpräludrum und einen zweistimmigen Ehorgesang, dirigirt von Herrn Lehrer Steinhardt. - Nach einer warmherzigen Begrüßung seilendes Borsitzenden des Schulvorstandehielt Herr Lehrer Spanier die Festrede: »Dt! frenigem vertrauen. mb froher Zuverüch«. «inst Arncht »er Saat zu ich»«», blick' aut and zw.'fl« n-chr. Der «»irr unser«» Leben»,!er immer wohl regier», Der hat dich nickt vergeben» iu u»׳»ru Kret» grsüh-t." Dawaren di« Worte, hochverehrter, ehrwürdiger Herr Jubilar, die Ihnen vor «unmehr 25 Jahren eittgegrntönteu ab Sie in Ihr Amt ringeführt worden. Und heute nach Ablauf eines BiertrljahrhundertS nahen wir un» Ihnen, Lehrer und Schüler, umgeben von deu Körperschaften und den Mitgliedern unserer Gemeinde, freudig bewegt und doch nicht ohne Bangen, denn in das Gefühl dankbarer Freude mischt sich der Zweifel, ob wir auch im Stande find, dem Tage, der einen so ledeutsame» Höhepunkt Ihre- Lebenbildet, dir rechte Weihe mit zu verleihen. Wenn wir rS wagen, so geschieht es iu der festen Ueberzeuauug, nur zum A« druck zu bringen, waunser Herz in diesem Augenblicke bewegt nud wovon unsere Feier Zeuguiß oblegen soll. Wenn wir nun heute im Ramm von 2k Jahrgängen Ihrer Schüler, deren Zahl sich auf ca 1000 beläuft, vor Sie hiutrrteu, so fühlen wir die ganze Schwere unserer Aufgabe, mit wenigen armen Worten den Dank auszusprechen für Ihre Thätigkeit ab Dirigent unserer Religionsschule, ab Führer und Lehrer der Ihnen und uns anvertrauteu Jugend. Unsere Gemeind« wie doS Jndeothum überhaupt, wie da« der geichä(te Festrednrr von gestern (Dr. Rippner) berrib betont Hat, aber eS giebt ein« alt« pädazogische Regel: rapetiti« «at mater atndiorum, d. h. Wiederholung ist die Mutter dv» Wissen-, tonn stolz sein auf dir bisherigen Leiter unserer Gemeinde- Austaft: Aus den seligen Tr. Philippson, den Judenküaig im parUda«. wie mar, ihn genannt hat. der den Impuls zur Gründung unserer Schule gegeben hat und auf dessen Leranlaffung die Herrn! Aeltesten, wie man die Vorsteher damals nannte, in einem gedruckten Eirculair an die Gemeindemitglieder vom 22. Oftober 1833 es aussprachen: ,Jede ljbmeind« muß mit allen ihr zu Gebote stehenden Kräften dafür arbeiten, daß wahre Religiosität in ihr und durch sie erblühe und Früchte trage, denn die Religion ist ja die Mutter aller Tugend und höheren Kraft, sie ist rS, die auch dem bürgerlichen Leben erst die rechte Weihe verleiht. Dazu, heißt es!veitrr, sei erforderlich, daß eure Religionssckule (diese Bezeichnung wird damals schon gebraucht) ins Leben gerufen werde, da für die gelehrte und bürgerliche Bildung unserer Jugend vortreffliche Institute genug vorhauste« seien." So wurde denn hier am 2. Februar 1834 die erste jüdische ׳ReligioaSschul« RarstdentschlaadS feierlichst eröffnet. Unsere Schule hat somit eine historische vedeukung.' Maßgebend für die Auswahl der zu lehrende« Dißcipline», sowie für die StoffanSwahl war rmmer der Umstand, die Jugend für da- Leben und für das Gotteshaus vorzuberritr«, di« Schüler zu wackeren Menschen und zugleich zu geflnnnngStüchtige« Israeliten heranzubilden. Fern von jedem DualtSmuS sollte der Religionsunterricht im echt Humanen seine» TulmiaationSpuaft finden. Dieser Standpunkt ist klar ersichtlich au«P hilippson's JSraelitis her ReligionSlehre, eine« Werken das dazu bestimmt war, die Resultate seiner bisheriges Lausbahn zu sammeln und zu vereinigen, worin der Brrfaffer u. a betont, daß die Trennung zwischen dem religiöse« und gesellschaftlichen Leben uamosaisch und unreligiö« sei. Der größere Theil des genannten W.ike« erschien nach 1862, als Lhilippson bereitdiese Stätte feiner fegen»- reichen Wirksamkeit verlaffen hatte. Mit de« Amtsantritte de- Herrn Dr. Gübemann wurde die Schule rrorganisirt, in neue Bahne» geleitet und sie nahm unter seiner 5jährigen trefflichen Leitung einen bedeutenden Auffchwnng. Daß Güdrmann ein tiefe- Berftändniß für dajüdische UnterrichtSwesen besitzt, hat er genugsam gezeigt durch seine hervorrageuden Werke über diesen G.-genftand Und nun zu Ihnen zurück, hochgeehrter Herr Jubibr, wie Sie 25 Jahre im Dieafte und zum Segen unserer Schule sich abgemüht Hasen. Brauche ich eS auszusprechen, der Sie rS oft genug von der Kan sei herab und bei anderen Gelegenheften stet» hervorgehoben'haben, daß es nichtköstlicheregiebt, ab Menschenseelen. den Biuiueuknospcn vergleichbar, zur Entfaltung zu bringen und sie ihier ewigen Beftimmu.ig entargen zu sührem So hoch und ideal diese Aufgabe auch ist, so hat sie doch ihre höchst praktische Seite. Religion und Leben, lehrten und zeigten Sie. sollen sich gegenseitig durchdringen, die religiöse Erziehung stehe in keinem Widerspruche, sondern fördere unsere Kinder zu echtem Bürgerthu». Sie ttmpften gegen den finstern Geist der Lüge, für die Wahrheit unsere- Bek.nntniffeS: unverblümt die Wahrheft zu bekennen, lehrten Sie Ihre Schüler, zu beherzig:« jene Wahrheitsliebe, die nicht« höherekennt, als die alleinige Betonung de« Thatsächlichen uad so war auch Ihre Unterrichtsweise fern von jedem Phrasen beiwert. Sie befolgte« dertalmudischca Satz: לעולם ישנה אדם לתלסידז בדרך קצרה ,der Lehrer ioll sich stetbeim Unterricht einegedrängten Vortrag» befleißigen". Au» diesem Gesichtspunkt, au« echt paedagogischea Gründe» heraus schufen Sie daher Ihre Taft 11a keaara nicht blo« zum Segen für unsere Schule, sonder« für alle die zahlreichen jüdischen Anstalten, iu denen da« Buch mft Erfolg benutzt wirst. So immer, durch moderne Fassung, durch moderne Einfteidung de« von alter« her Ererbten die Kluft überbkückend zwischen veralteten Anschauungen und de« gebieterischen Anforderungen der Jetztzeit; den veränderte« Zeitaufgabe« Rechnung tragend, betonte« Sie ab einer der ersten, daß t a« Gebetbuch, da« deu Mittrlpunft unserer täglichen religiöse» Erbauung bildet, auch ab Grundlag« de» Religionsunterricht« dienen müfl«, daß der Lehrinhaft unserer Religion im Anschluß an die Gebetstücke zu« Bewußtsein der Schüler gebracht werde. So haben Sie gelehrt, die Religion .für da- Leben fruchtbar zu machen, rhr den Einfluß aus alle Lebenskreise und LebenSverhültaiffe zu verschaffen".') Wahrlich, die denkbar edelste Ausgabe, der '1 Siehe in Geiger» Zeiischrifl für Sissenlchasl uni Leben, Jahruaug 1. (1862), tu Seite 164 Mit ,DU Rabbiner ttt Gegenwart' uderschrieben« Abhandlung, w»,i» Geiger da» von de» erüe» 6 Sendboten de» «redlaner Rabdiuerseminar» (Gü iemann, Kahmer, Berte») adgelegu Examen, besonder» du Kragen au« dem rtiuelle» Gebiet; de,prüft uno dem Seminar zum vorwuis macht, daß «» ,da» Jude», 'hum al« «ine venrock»«»« WumU* behandelt. — Sin», all« 8 Herrr» haben durch ihre praktische Wirksamkeit diese» Vorwurf glänzend widerlegt. 8p.