Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 23 (1892)
- Issue
- 16 (10.4.1892)
- Date
- 1892-04-10
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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124 kocbgechrter Herr Rabbiner! , rtc sehen in uns eine Abordnung der Gemeindevertrctung. die den Ebrentag, welchen Sie heute feiern, als den ihrigen betrachtet, und hat Ihr geschätzter Amtsgenosse Herr I Rabbiner Dr. Rippner uns aus der Seele gesprochen, wenn er sich in seiner heutigen Festrede schon in demselben Sinne ausließ. Die Gemeindevertretung erscheint hier, um Ihnen, hochverehrter Herr Rabbiner, Dank zu sagen für Ihre treue! und segensreiche Chätigkeit. die Sie nun heute 25 Jahre in ' unserer Gemeinde entwickelt haben, und Ihnen die besten 1 und herzlichsten Glückwünsche auszusprechen.!Denn in Berücksichtigung der räumlichen Verhältnisse; vom Vorstände und der Repräsentantenversammlvng bej schloffen worden ist, Ihnen nur in einer Deputation zu I nahen, so mögen Sie ans der so stattlichen Anzahl der Erschienenen, von denen keiner Zurückbleiben wollte, erkennen,! daß die Gemeindevertrerer einen Rreis von Freunden bilden,! die alle mit frohem Herzen gekommen sind, Civil zu nekj ,neu an Ihrer Freude, mit Ihnen zurückzublickcn auf die j vergangene Zeit, auf das, was sie Ihnen gebracht hat an > Leid und Freude, und mit Ihn«׳. Gott zu danken, daß er Ibnen gnädig war, Sie bis hierher zu gcleiten.!Vohl giebt das halbe Menschenalter, das Sie in und mit Ihrer Gemeinde verlebt haben, Gelegenheit, so vieles zu berühren, was wir Ihnen in unserem Gemeindeleben zu danken haben, was Sie geschaffen an Infti'utionen und guten!Verken, aber die mir nur kurz bemeffene Zeit läßt niich davon absehen, und muß ich mich darauf beschränken, hut ganzem Herzen dem zuzusttmmen, was der heutige Festrcdner hierüber bereits gesagt hat; nur das eine will und muß ich hervorheben, daß während Ihrer ganzen Amtszeit sich niemals «ine Dissonanz zwischen Ihnen, als dem Rabbiner, und der Gemeinoe eingestellt iwt, daß wir einmütig an dem ITerfe gearbeitet haben, welches Sie als Ihren Lebensberuf erkoren, und das wir als Gemeinde- Vertretung zu unterstützen und zu fördern hatten. Cs gereicht mir zur besonderen Ehre, daß ich beauftragt lnn, Ihnen dies auszusprechen, aber auch zu wehmütiger Freuee, als ich in der Gemeindevertretung noch der einzig« bin, der Ihre Berufung hierher mit vollzogen und Sie in Ihr Amt nnt eingeführt hat und mit bewegtem Herzen wünsche ich Ihren nun: Möge der Allmächtige Ihnen fernerhin gnädig sein, möge er Sie in Aörperkraft und Geistesfrische zum Wohle unserer Gen,rinde erhalten. Ernste Arbeit steht Ihnen und uns bevor; wollen wir das vollbringen, was wir Vorhaben, ein Gotteshaus neu errichten, um in diesem in würdiger und erhebender Weise dem Herrn unsere Andacht zu weihen. I Geehrter Herr Jubilar! Gestatten Sie mir nun noch, | Sie zu bitten, das äußere Zeichen unserer Verehrung, welches wir Ihnen gewidmet als Andenken an diesen Caz gütigst anzunehmen, möge es noch in späteren Zeiten Aeugniß davon ablegen, daß Sic eins waren mit Ihrer Gemeinde im Denken und Chun, möge diese weihevolle Stunde in unser Aller Erinnerung bleiben, in welcher ich Ihnen nun namens der Gemeinde die Hand reich« und die Worte ansspreche, dir sonst nur der prwtfer seinem Volke zurief, der Seelsorger zu seiner Gemeinde, der Vater zu seinen Rinden! spricht: .יברקד ה׳ וישדרך Der Herr segne und beschütze Sie und Ihre Familie, der Herr laffe sein Antlitz Ihnen leuchten für und für, der Herr laffe Ihnen und unserem gemeinsamen Streben und wirken auch fernerhin Frieden angrdeihen alle^it. — Vas walte Gott! Es folgte das Revräsentantcnkollegium, das seinen Borsitzenden -Herrn I. Singer, den stellv. Borntzenden Herrn Adolf Zacoby und Hrn. Oberstabsarzt Dr. R o s e n t h a l zu Dcputirten auserseän hatte. -Herr Singer ergriff das Wort zu folgender Rede: Im Namen des Repräsentanten-Collegium» der hiesigen Gemeinde beehre ich mich, Ihnen die - herzlichsten Glückwünsche derselben darzubringen. Sie feiern, geekrter Herr Doktor, heute den Tag, an welchem Sie vor 25 Jahren in den Dienst der Gemeinde getrcten find. 25 Jahre find eine lange Zeit, wenn sie vor uns liegt; 25 Jahre find eine kurze Zeit, wenn sie hinter uns liegt, wenn sie aber, wie bei Ihnen voll angestrengter Arbeit und Chätigkeit waren, dann können sie wie die Rriegsjahre doppelt zählen. Und voller Arbeit sind sie für Sie gewesen. Der hauptantheil daran entfiel auf Ihre seelsorgerische Chätigkeit. Sie haben uns in dieser Zeit oft durch Ihr Wort angeregt, erwärmt und zur Andacht gestimmt: Sie haben uns beim Ausbruch des Rrieges 1870 durch Ihre denkwürdige predigt für den Aricg begeistert; Sie haben in allen Lebenslagen von der Wiege bis zum Grabe bald ermunternd, bald ttöstend uns zur Seite gestanden. Und nicht minder groß wie auf den! Gebiete der Seelsorge ist Ihr Verdienst auf dem Gebiete der Religionsschule. Wer, wie ich, das Glück gehabt hat, fast 2 Iah^ehnte lang mit Ihnen in der Schul kommission zu arbeiten, der weiß am beste» den Einfluß zu würdige», welchen Sie auf die Entwickelung der Religionsschule geübt, und spreche ich es mit Stolz und freudiger Gcnugthuunz ans, daß die Schule von! Jahre 1892 eine ganz andere Physiognomie trägt wie die Schule vor 20 Jahren. Die Sanienkörner, welche Sie in die herzen unserer Jugend gepflanzt, find schon als reife Früchte aufgegangen und berechtigen uns in der gegenwärtigen Zeit der eonfessio- «elleN Gegensätze zu der Erwartung, daß Sie Männer erzogen haben für Israel. Und wie durch das Wort von der Ranzel und in Vereinen, so haben Sie auch durch die Schrift gewirkt; Sie haben für unsere Intereffen gekämpft, unsere Rechte vertheidigt und die Fahne des Iudenthum» stets hochgehalten. Und ebenso groß ist Ihr Verdienst auf dem Gebiet« der Wohlthätigkeit, Sie haben durch die Gründung verschiedener Vereine dies bethätigt und speziell durch di« Drganisation des Frauenvereins die Intereffen deffelben in eine Hand eoncentrirt, so daß es dadurch möglich -eworden, den Bedürftigen eine viel ausgiebigere Unterstützung angedeihen zu laffe» wie früher. Dafür haben Sie reichen Dank nicht nur bei diesen, sondern anch bei den Rindern geerntet, welche Sie in den Bereich Ihrer Wohlthätigkeit mit einbezogen haben. Alle aber werd«n sie überragt durch Ihre ureigenste Schöpfung, durch die Gründung des israel. Wittwen- und Waisenunterstützungsvereins. Wer erinnert sich nicht Ihrer zündenden Worte, weiche Sie vor 20 Jahren von der Ranzel herab an die Gemeinde gerichtet haben, un, dieses segenspendende Institut zu begründen? Sie haben durch dieselben einen Verein in's Leben gerufen, wie er in den Annalen unserer Gemeinde beispiellos dasteht. Mehrere hundert Mitglieder und ein beträchtliches Rapital werden, wenn letzteres genügend angewachsen, die Erfüllung Ihres Lieblingswunsches, die Erbauung eine» provinzial-waisenhauses, der Ausführung in nicht zu ferner Zeit nahe bringen. Als langjähriger Rendant diese» Vereins darf ich es aussprechen, daß Sie viel« Chränen bei den Wittwen und Waisen haben ttocknen helfen und so wünsche ich denn, daß deren Dankeszähren Ihr schönste» Angebinde an dem heuttgen Cage sein mögen. Mögen sie als Edelstein in der Rron« und in den, Rranz« Ihrer reichen Chätigkeit glänzen. Und so gestatten Sie mir, daß ich meine Wünsch« für Sie nochmals in die Wort« zusammenfaffe: Gott schenke Ihnen noch viele Jahre in Gesundhett, Rrast und Stärke! Gott erhalte Sie noch lange zur Freude Ihrer Familie und als Zierde unserer Gemeinde l Die ״Israelitische Beerdigungs-Gesellschaft" erschien mit ihren Borstandsmitgliedern den Herren Ad.