Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 23 (1892)
- Issue
- 16 (10.4.1892)
- Date
- 1892-04-10
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
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122 — lich fein Wort hinanSsendet zur Berherrlchuug unsere- Glauben«, zur Berthridigung unserer Äeaoffeu, zur Belehrung und Unterhalt«»- unserer Familien, zur Mehrung jüdischer Wissenschaft. Unerschrocken aber maßvoll tritt er ei» für seine Ueberzeugung, niemal« hat er mit der Wahr» heit zurückgehalten, au« Furcht, sich durch eine offene Aus» spräche Feinde zu erwerben; Ehrfurcht vor dem geschichtlich Gewordenen weiß er zu vereinen mit der Achtung vor dieser bei allen Fehlern gccßen und köstlichen Zell, in der wir leben. ES giebt einen zarte» und edlen Farbeatou, den kein Künstler, ׳andern nur die Zeit einem Kunstwerk verleihen kann; die edle Schönheit, die da« Alter dem Judeuthum ge- «ährt, soll ihm nicht verloren gehen; diese Lehre der gol» denen Mitte, dir Extreme zu versöhnen, indem wir da« Gute and Wahre von recht« und links z» vereinen trachten, diese Lehre unsere«Meister« Zacharia« Frankel, sein Andenken sei zum Segen, hat Ihr Rabbiner, al« deffen treuer Schüler, allezeit Lffentlich mit Glanz und Erfolg vertreten. In all dieser Arbeit offenbart unser Jubilar eine eigenartige Per» sönlichkeit, und wenn wir diese Eigenart kennzeichnen wollen, so begegnet uns ein Satz an« der heutigen Schristvorlesung, die ja, weil sie ausschließlich vom Opfern redet, nicht reich ,st an für die Gegenwatt erbaulichen Stellen. Auch der Spruche den wir im Sinne haben, ist ein Opsergesctz und lautet: ״In jedes Deiner Opfer thue Salz, laß da« Salz nicht fehlen bei Deinen Spenden; e« ist da« Sinnbild des Bunde« mit Deinem Gotte, bei jedem Opfer bringe Salz dar/—) So eindringlich wurde den Israeliten diese Opsersatzung befohlen; das Salz ist der Gottesbund; laß da« Salz nicht fehlen, wenn Du Gott opferst, da« Gebot gilt auch von dem Salze de« Geistes, vom Salz de« Herzen«. Reden wir zuerst von geringeren Salzarien. Da wird viel vom attischen Salze geredet. Jedoch Witz und Humor hat den Juden nicht einmal im Ghetto gefehlt. Freilich, der Witz allein thut «S nicht; da« Salz allein war keine Opferspeude- Aber wohl dem, der all' den Gaben, die sonst sein Geist spendet, ein Körnlein Salz beimengen kann; unsere Hau«, stauen werden un« sage«, daß es selbst den süßesten Speisen nicht völlig sthlen darf Ta« Leben ist so ernst und schwer, daß, wer durch gefälligen Scherz ein stöhlches» heitere« Lachen erweckt, schon dadurch ein gute« Werk übt. Der Humor wird nur von denen gering geschützt, dir kinen haben. Die Wahrheit ist oft eine bittere Pille, aber wenn sie iv Witz eingehüllt un« beigebracht wird, findet sie leichter Eingang: während wir dem Polterer die Thür weisen, laden wir den Humoristen, der uns dasselbe sagt, freundlich in'« Hau«. Ost wird in einer Gesellschaft die Stimmung gepanni. gewitterschwül; mit ernsten Reden ist da nicht zu helfen; da löst ei» geistreiche« Scherzwott die Spannung, bst Wolken weichen, die Mienen erheitern sich und der Friede ist wieder hergestellt.!Acht zu vergeffeo, daß der Witz eine vortreffliche Waffe ist, die nicht einmal unsere Prophtten verschmäht haben. Run, unser Jubilar hält sich an da« Bibelwott: »Au jedem Deiner Opfer thue Salz;י diese« Körnlein Sah thut den, Ernst stiner Ueberzeugnngen keineu •) וכל 1p־p מנחתך במלח תסלד. ולא תשבית סלח בדית אלודך מעל מנחתך. על כר קרבנך תקריב מלח(.13 .פ 3 .c .» * .*> Eintrag: e» giebt in falle« Bekenntnissen Prediger," welcku gleichsam de» Talar nie oblegen, welch« einen gespreizten salbungsvollen auch für die Kanzel ungehörigen Ton iu dos gestllige Leben hiueiatragen: e« wäre eine kühne Behaupt»«), daß diese pathetischen Herren dazu bettrage«, Mt Beliebtheit des Predigerstande» zu erhöhen: Ihr Rabbiner wirst für die Religion auch im geselligen Leben, well er da« Saz nicht verschmäht, weil durch diest Würze die religiöse Wast:» heit Manchem mundgerecht wird, der sonst kinen Gefallen an ihr finde. Aber da« Sah ist auch scharf. Da« wäre kein rechter Borkämpfer der Wahrheit, der stet« nur mit den leichte 1 Geschaffen de« Witze» für sie stritte; e« giebt einen heiligen Zorn; mögen Andere den Gleichmuth Derer rühmen, Me auch durch die kecke Berhöhuung de« Heiligen nicht außer Faffung gebracht werden, Me auch, wenn da« Recht verktzt wird, ruhig bleiben. Edler dünst un« der Mann, der mit scharfto Watten den Frevel rügt, dem Me Zornesader schwill«, wenn die Bo-Heit Triumph« friert. Unsere Alkn sagen: wenn ein Gelehtter heiß wird, so ist e« die Thora, die in ihm aufloht, so ist e» die Begeisterung für da« Hellige, die ihm die glühende», scharst« Worte eiugiebt; der Talmud sagt: .Das Salz, mauche Gegenstände erhäst es, manche verzehrt es.' Wer, wie unser Jubllar, Iohrzehnk im Kampfe steht mit der Lüge, Me wie Me Schlange un« auflanett, de» dürstn die scharstn Work nicht fehlen, Me den Gegner ver» zehren. Auch diese« Salz ist nicht verw.-rflich, aber freilich da« wichtigsk ist da« Salz de« Gottesbunde«. Die Thora wird dem Salze verglichen. E« ist ein großer Segeu de« gegenwärtigen deutsche» Judenthum«, daß in chm die Ge - meinde da« großeWott fühtt. Wir wollen kein Eonststorial- Judenthum, wo gleichsam Me Religion vou einigen bestallter Beamten besorgt wird; «er immer etwa« vom Judenthum versteht, wer mit uaserm Schrfftthum verstaut ist, der soll nicht stoh von der Menge sich sondern, er soll in Me Ge» meinden treten und durch Wott und Schrift und That au!׳ die Menge wirken; wenn auch der Staat dem rabbinischev Amt keine Autorität verleiht, da« Leben ist stärker al« da« Gesetz; und jeder RabMner, der seinen Beruf versteht, genießt durch sein Wiffen und seinen Charakter da« Ansehen, welche« um so erfreulicher ist, al« «» die freie Gabe der Lstbe ist. Nur darf dem Führer da« Sah de« Gottesbuude« nicht fehlen; da« Judenthum ist keine Religion von beute uud gestern; e« will au« seiner Geschichk, au« seinem reichra Schriftthum begriffen werden; welche Schätze sind da zu heben! man Hot den Talmud mit eine« Meere vergliche», welche Perlen ruhen auf seinem Grundel und da« Sah der Thora, welche« Me jüdische Gemeinschaft vor Fäuluiß bewahtt hat, fft ein mehrfache«: Me Thora muß gelernt, und sie muß gelehrt und geübt werden: da« Alle« hat Ihr Rabbiner gethan; er hat vou seinem Salze der Gemeinde gespendet, er hat Bereiue in'« Leben gerufen. Me sich der Pflege der jüdischen Littrratur widmen, er hat einen Bund von Sängern gegründtt zur Hebung de« Gottesdienste«, er hat BerMndungen gestiftet zur Pflege 'der Wohlthätigkett. Wenn er auf dstst Gemeinde blickt, wst sie sich unter stiner 2ö» jährigen Thätigkit entwickelt hat, so darf er da» Propheknwott auf sich beziehen: .Diest Gemeinde, Me ich mir geblldtt habe.