Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 23 (1892)
- Issue
- 15 (8.4.1892)
- Date
- 1892-04-08
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
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Ehristen und Deutsch« io schändlicher Weise verfolgt, aber was kümmert Bergani Deutschchum und Ehristenthu»? Die Hauptsache ist. daß io Rusfland auch die Juden maltraititt werden. Mehr verlangt der edle Mann nicht. fl. fl. LutareA. 20. Mürz. (Or-Eorr.) Der Beginn der Kammcrver Handlungen klar geradezu nicht dazu angethan, die jüdischen G-müther in Rumänien zu erfreuen; die Sache ist aber lange nicht so er n t, als es von Bielen angenommen worden ist. Zum Mitgliede der Hammer wurde in RLmmc- SLrat ein Mann gewählt, >>er da» Unglück hat, den jüdischen Namen Friedmann zu tragen — der Mann ist aber Lhrist. Schon bei der vorigen We.hl ergriffen unsere lieben Antisemiten di« Gelegenheit, den Juden ihre Zähne zu zeigen. Diesmal war es wunderbarer Werse der Dorohoier Deputirtr Tocan, ein auch Juden g.-grnübcr als wohlthätig bekannter Mann, der. von der Walil Joan Ariedmauvs gestört wurde. Der alte Mann hielt eine lange Rede gegen die Gültigkeitserklärung der W<:H1 Friedmanns; aber man merkte sein Alter; der Mann sterile förmlich, als et dir Kirche, die Kreuze und Gott weiß was gegen die jüdische Breitnachung auries. Der Junimist Robeica machte sich über chir lustig U'.tb der Liberale tzoinod als Antisemit bekannt, beruhigte den alten Bojaren, Inden er zugab, im Urbrigen der Meinung xs heiße» Patrioten zu sein — natürlich, als russischer Abkömmling wuß er ooch gewiß gegen fremden Einfluß in Rumänien kämpfen. Selbstverständlich benüchttgte sich die Piesft dieses Ereignisses, doch will es uns cheurrn, daß die jüdischen Organe die ganz« Angelegenheit viel zu ernst genommen haben. Von größerer Bedeutung ist zweifellos der literarische Antisemitismus, auf den Herr Schwarzfeld in seinem Blatte ,Egalitatea״ aufmerksam gemacht hat. Ein rumäni ichrr Schriftsteller Speraatia hat in seinem Bande versi׳ sicitter Vollsanekdoten eirrge ausgenommen, die den Juden lächerlich machen. Herr Shw vrotestitte gegen die Unwahr« hritrn, oie Sverantia auf diese Weise zu verbreiten sucht und er hatte gewiß ganz recht. Traurig ist es aber, laß der Glaubensgenosse San-Cerbu, der Redakteur der .Emanci» pared', die sehr unpassente Gelegenheft ergriff, auf Speran׳ tia «in Loblied auzustiwmen und gegen Sckwarzftld zu po° lemisire» Doch weiß die gebildete Welt sehr wohl, wer in literarischen Dingen besser urtbeilt, ebenso wir es bekannt ist, daß Herr San-Eerbu die Gelegenheit sucht, Sckivarzftld etwa» am Zeug« zu flicket. At-en, SS. März. Leit den vorjährigen Unruhen auf Eoriu sind wiederholt Ausschreitungen gegen Israeliten vrrgekommen und erst vor einigen Tagen brachte die hiesige .Ephimrri»" eine Korrespondenz aus Syra des Inhalt», daß ein Jude, welcher aus Giittnüthigkrit einem Kinde im Vorübergehen etwas Zuckerwerk uheukte. beinahe einen Ausstand ervorgerusen hätte und selbst arg mißhandelt wurde, weil einig« Mütter ihre Kinde.׳ abgerichtet hatten, sojort Alarm zu schlage», wenn ihnen ein Jude sich nahe. Hier in Grftchcnland glauben selbst sogenannt« Gebildete an lne Blutopser der Juden; die Zeitungen sprechen davon wie von einer ftststchenden Thatsacke und daher ist es nicht zu verwundern, daß di« Volkslridenschoft leicht erregt werden kann. Zit gestern ringetroffene egyptische Post berichtet über «ge A uSschrritiingen der griechischen Kolonie vonP ortSai )gegen die dvrtlgen Juden. Nach den. allerdings mit Vorsicht auszunehmenden Berichte au» griechischerQuellr wäre der ImHverhalt nachfolgcndrr: Am IS. d. MS., gegen 4 llhr Nachmitto;;. vrrmißt« die Gattin des Griechen Hadschi Basil uS ihr dieijährigeS Tvchtrrchen, iveschcS bis terhin vor »> der Nähe der Synagoge gelegenen Hause gespielt batte. Du Nachbarn dft klein« Helena mit einem Jod« g<sehen haben wollten, begann di« Mutter zu zetern, als?- mirtr va» Grirchenvieitel and stürmte an dnHZjnhe riusr großen Meng« da- HauS de» betreffenden Israelften. Schon wollte die Menge, nach vergeblichem Suche», abzfthes,. als Jemand unterdrücktes Schreien zu vernehmen behaiwtetr: man forschte weiter und fand nach Sprengung mehrerer Thüren, die klein« Helene in den Armen einer alten Nidiu, welch« sich bemühtt, das Kind am Schrrftn zu verhindern. Nun fiel die Menge über de« Hausherrn her, welcher arg mißhandelt wurde. Berittene Polizei und Militär-Abtheilung erschieneu zur Stell«. Dieselbe» tonnten zwar den bereit» halbtodten Juden auf einem Karren nach dem Amte bringen, vermochte» aber nicht, die auf mehrere tausend'Köpfe angewachsen« Menge zu zerstreuen, weche noch viele andere Jsra leiten mißhandelte. Ein PSbelhauft wieder war nach dem Amte gezogen und verlangte dort stürmisch dft Herausgabe de» Opfers. Zugleich erschien der griechische Konsul und brachte «inen Protest ein gegen die Verhaftung mehrerer Christen. Schließlich ließ der Gouverneur da» Jndenvierttt durch Truppe» besetzen, welche den Befehl hatten, die Exz«^ dentrn eventuell niederzuschießrn. Weiter reicht der Bericht nicht, lvelcher mit der Mittheiluog schließt, daß di« Aysregung fortdauert. Der zuerst mißhandelte Israelit ist seinen Verletzungen erlegen, drei andere schweben .zwischen Lebe« und Tod. — Nachschrift: Nach weiteren telegraphischen Meldungen haben die Unruhen sich nichtwiederholt, das. jüdische Viertel bleibt militärisch beseüt gleichwohl verlassen viele Bewohner daffelbe. Die jüdische Gemeinde erschien korporativ bei dem Gouverneur und protestirte gegen die falsch« und erfundene Anklage des beabsichtigten Kindermordviz. Die Beisetzung des zu Tode geprügelten Männe« fand unter großem militärischem Geleite statt. sBgl. uat. .Port-Said.') . a, i *t; Hl a ttrgWiUn'. rxi Hckid. Ueber die unter .Athen' gemeldeten traurigen Vorgänge Hierselbst berichtet der Svezialberichteistatter des .Berl. Tagebl.' nach eigenen Wahrnehmungen wie folgt: Am 15 d. M., Nachmittags '/,2 Uhr, spielten in Pott Said Kinder in herkömmlicher Weise mtt einander, wie sie östex vorher gethan, und zwar waren es diesmal rin Griechm- und ein Judenkind. In der AchUostgkeit de« Bergnüatsein» waren sie in ein nach der Straße gelegenes Gelaß eine» Hauses gedrungen, in welchem die Großeltern de» Judeusindes wohnen und in dem, verhüngnißvoller Weifte, in eine« nach hinten hinaus gehenden Raume auch der Bttsaal der Israeliten Pott Said» — es find deren etwa 1k Familien — sich befindet. Da» vorerwähnt« Gelaß war mit einem nur von außen zu öffnenden altedr Schnappschloss« versehen und die Kinder hatten, in der Hast de» Spieles, die Thür geräuschvoll hinter sich -»«י morsen: als sie sich beide gefangen sahen, begannen sie laut zu klopsrn. Den Vorgang hatten im gegenüber delegenen Kaffeehaus« beim Spiest sitzende und müßig um» herlungttude Griechen, die unterste Heft d:r Hafenstadt, bemerkt und mit entfttzlicher Schnelle durchzuckte da»׳ Hirn der entmenschten Horde die wahnwitzig Kombination vom Osterfest, der Synagoge und dem rituellen Morde. Gedacht, gethan, stürmt dft Menge über dft Straße» dringt in» Hau« und pocht an das Thor des Bettsaal», in welchem gerade des Judenktodes Großvater, der K» Jahre alte und erblindete Kaufmann Earmona, ftine Andacht «errichtete. Die im nämlichen Hause wohnend« Frau desselben, der griechischen Sprache mächtig, vernimmt da» anschwellende Toben des Niob» und dessen Benoünschungen; nichts Giftes ahnend, reißt sie dft ׳Fenster auf, vergrbsich um Hilft ruftrch» und sie eilt durch einen andern Eingang zu ihrem bedrohG» Manne, fliegenden Athem» chm den Hergang erzäbstnü «G ihn anftuernd, dft Kind« au» demGelaß zn.'jsKch';M unverfthrft klein« Griechin her tumuttirenden - gen und damit die GrnndtoWA-der^ zuthun. ׳ י ״ i j J