Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 23 (1892)
- Issue
- 14 (1.4.1892)
- Date
- 1892-04-01
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
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Bestrebungen de- Brütavereins anznfchließen und ebenfalls Borttag-abeud« zu veranstalten. E« wäre sehr zu wünschen. Laß dies der Fall sein würde; dareligiöse Leben innerhalb der hiesigen Gemeinde würde dadurch ein viel reger?» werden. Wo» Hl lei«, 24. Mürz. Mr.-Eorr.) Geehrter Herr Rrdoctrurl Worum verlangen Sie auch von mir ein« Eorrespondmz über jüd. Zustände am Rhein? Warum gerade für die Nummer, welche Ihre« Jubiläum vorangeht? Warum wollen Sie sich die Stimmung verderben? Ich will mit Ihnen einen Pact abschließen, daß. wenn beim Lesen der ersten Hälfte diese» Briefes Verstimmung sich Ihrer be» «Lcheigen sollte. Sie die Lcctüre der zweite» Häif7e bis ״ach dem 2. April verschieben, da« wird Ihnen hoffentlich recht sein, denn Erfreuliche« habe ich nicht zu berichten, sonst hätte tch e« schon längst gethan. Ich hatte schon meine Feder in etwa» Galle getaucht, als der Fall mit dem Lehrer in Hameln bekannt wurde, welchem man kündigte, weil di« Kgl. Regierung mehr Berständmß hotte für die Würde des Beamten, als die Slemeinde selbst, der er seine Kraft widmete. DiescS Borkommniß wird jedenfalls für andere Lehrer ein Wink sein, daß sie cS nicht wagen sollen, die Sichcrstevung ihrer alten Tage zu verlangen, denn e« könnte chncn teuer zu stehcn kommen — oder daß sie sich hierin au den Rabbinern kein Beispiel nehmen und solche Ge- «einden bojkoltirrn — rS girbt ncch rin .oder", nämlich Laß sie schon in der Jugendzeit sich anderweitig umsehen und nicht erst 1V Jahre lang warten, bis sie ihre besten Kräfte verzehrt haben, um nachher unter das alte Eisen geworfen zu wcrden; im Interesse für die Heranwachsende Generation I will ich diesen Rath nicht ernstlich aufgefaßt babrn. l Ater, was geht mich Hameln au? Dort vollzieht sich I einfach die Rache der Sage, welche s. Z. die Kinder ent- ■' ffitnn läßt, weil die Stadt den auSbedungencn Lohn nicht bezahlen wollte; jetzt läßt man den Lehrer ziehen. um ihm 'tat wohlverdienten Lohn vorzuenthaltcn — Dichtung und Wahrheit —! Wenn ich mich um Alles kümmern nwlltc, Knute ich Ihnen auch berichten, daß in einem Gebiete — «icht am Rhein — jüngst rin« allgemein beliebte Dame starb, zu deren Beerdigung die Familie einen Rabbiner aus der Nähe berief; dies hat den ortsansässigen Lehrer, welchem das gleichzeitige Amtiren durchaus nicht versagt wurde, derart verschnupft, daß er der Beerdigung fernblieb. Jedoch, wie gesagt, was grht's mich an? Ader ver drießcn thut'S mich doch — ich meine die Geschichte von Hameln,wennichauchriiwr dcrCorrespondenten vomR h e i n bin. Daß eS au deflrn Ufern aber nicht erfreulicher zugeht, habe ich am Anfänge meines Berichte» bereit» -angedeutet, und ich will nur Einiges von dem mir bekannt Gewordenen heraoSlesen. Ta gicbt eS eine Gemeinde, welche als Uni- «um dasteht, sic läßt sich nämlich von ihrem Schirr den Eynagogenplatz. welchen er nicht einmal benutzt, bezahlen, und da» geht so zu: Aehulich wie in der Arche Noah'» «erden di« Synagogrnplätze nur paarweise — für Mäun- «Heu und Weibchen — vergeben. Da die Gemeiude nun für die Frau beä Lehrer» keinen Platz übrig hat, Letzterer aber, der zugleich al» Eontor fungirt, seine Frau nicht vor La» Betpult mitnehmen kann, so muß er notgedrungen für sie einen Platz erstehen und nach dem Usus auch für sich «tue», das macht zwei, qa. e. d.I Sonst sind die äugen- Kicklichen Verhältnisse in derselben Gemeiude auch nicht sehr ersprießlich; aber wir können über diesen Beamten. der cls Elementarlchrer von der Kgl. Regierung angeftellt ist. Iwruhigt seil», an den Krcgen kann man ihm nicht, höchstens kann er zu einer Gelds irafe wegen — Jnjuri.-n verurteilt werden, wenn eS eifrige!! Bemühungen nicht gelingen sollte, den tshillul haschcm au!! der Welt zu schaffen. Hoffen wir das Beste, da Kläger und Beklagter gleich ehrniwerth und vlellricht — gleich hitzig sind. Rrr .. riu ander Bild: Ju 3L will der Vorsteher gern seinen Schwager al»!Seamte« habe», ruft t-eShalb ohne andern Grund dem amtireuden Beamten am __ Abend beim מו<€*לדוד בחך«« über die halbe Synagoge .z hinweg zu: ״Zum l... . ist Ihnen hiermit gekündigt!" — - / Da der Lehrer damit aber nicht rinverstandcn ist, e» vertragSmäßig auch nicht zu sein nötig hat, wird er einfach > ausgehungert, d. h. der Kostgeber de» unverheirateten flarll. . geprüften Lehrer» — »elcher sogar im Besitze einer Haiiko« ra» Haarooh und sonstiger Zeugnisse ist und nur durch tut- -ך* glückielige SchuksalSichlSge nach jenem Nest verschla!^« •*.1 wurde — also der Kostgeber muß ihm au» Furcht vor ge-;> schäftlichem Schaden die Pensioa kündige« und der atme Lehrer ißt. wie er sich kocht; das geht so bereitseit;1 '/, Jahren, da ihm die Erlangung einer andern paffende» : Stelle noch nicht gelungen ist. Inzwischen wurde er in ' jcdcr Weise chicanirt, sodaß er selbst dm christlichen Be- '׳- Hörden auffiel. So beispielsweise mußte er sich vor dem Schiedsrichter zur Zahlung von ^'0 Mart ,Schmerzensgeld" ' an die liebevolle aufgehetzte Mutter v.wstrhen, weil er cinm Jungen einen leichten Hieb versetzt hat. was dortzulande ג־ nicht sein darf; der Borsteher meinte sogar, 100 Mt..— beinahe '/, seines Jahreseinkommens — ivären erst eine any gemessene Sühne für dir Züchtigung be•׳־ Schlingel» gewesen. ־ \ Der Vorsteher läßt auch!einen Jungen in Vcr Rachbtrgemeinde zur Barmizwa vorbcrciten und drr heimische Lantor •׳ muß dazu die üblichm Honneur» machen. Der benachbarte Lehrer hätte dir» freilich sollen sein kaffen und diese הסגת נבול (Grenzüberschreitung) war gar nicht schön von ihm. aber cS geht in dieser Beziehung unter den N o b bi ncr n gerade auch nicht besser zu. (Schluß salzt) Aök«. (Or.-Corr.) Der im Monat Dezember v. I. h׳er in» Leben gerufene ,Verein für jüdische Geschichte und Litteratur" hat sich i« dm wenigen Monaten seine» Pcstehens in rrfteulicher Weise stark entwickelt. Heut« zählt der Verein bereit» 325 Mitglieder.*) Für alle Mitglieder beiderlei Geschlecht» bietet der Verein öffentliche Vorlesungen. Drei solcher Borträge sind im letzten Vierteljahr gehalten wordeu. Herr Rabbiner Dr. Frank sprach über ,eine- Wanderung durch die jüdische Geschichte und Literatur*, auf welcher die Zuhörer die große HeerrSstraße durch Li« Ber- -v 1 gangrnhrit 614 auf die Gegenwart geführt wurden, um gleichsam das Terrain zu rrrognosciren, ka» bearbeitet und de- ־>? sucht wcrdm müsse. Als zweiten Redner begrüßten wir^ I Herrn Dr. Korpele« aus Berlin, drr »über Humor und ■:. ־? S!cbe in der hedräischrn Poesie* die Zuhörer in der fesselndsten Weise zu uutrrhalten wußte, und mdlich als drittta -'׳ Dr. Heinemann aus Frankfurt a. M. der ein vortrefflichgezeichnete» Lebensbild von Don Josef. Herzog von RaxvS, entwarf. An S—S00 Zuhdrer und Znhörerinnen füllten jede» Mal den großen BortragSsaal deS Kölner MännerthumS ab. Aber vielleicht noch nützlicher und anregender^ als die großen Vorträge sind die jeoe Woche (am Montag- Abmd) stattfindeudm DiScussionSsitzungen. Es wird «in.:m kleiner Bortrag gehalten, an den sich di« DiScussion an- .3 schließt; eS bietet einm durchau» ersreukichen Anblick, wie $ neben Fachmännern auch junge Kaufleute, juuge Mediziner. Juristen sich an der Debatte betheiliaen. Da» Thema, übe! ׳׳« das gesprochen wird, wird vorher bewnnt gemacht, ein jeder yg hat Zeit, sich mit dem Inhalt deSselbeu vertrant»» machen - und kommt somit vor bereuet zum Vortrage. .Man sich in die altm jüdischen Akademien versetzt; wmn ac.K wt• גי obachtet, mit welchem Ernst, mit welch.-r Wärm« man!jnLen- ' lhum und jüdische Fragen bespricht und behandelt. E» ־, wurde bereits besprochen: die Geschichte der Mattabäeda» Chazarenreich, da» Buch Esther, der allererst: Thril •) Die Staunen fccfftttm ftehe» •»km« ן den Berel»«» «1 Aersiiguxg nnd sind det Rabbiner Dr. -rank nne^ekMch z» beztrhe».