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Israelitische Wochenschrift · 1892-04-01 · 14 (1.4.1892) · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
23 (1892)
Issue
14 (1.4.1892)
Date
1892-04-01
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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der Zeitungen bei öffentlichen Sammlungen genannt zu sehen, aber gab im Stillen mit stetoffenen Händen, und brthätigte ihre Hilfsbereitschaft im großen Stil auch auf dem Gebiet der organisirten Armenpflege. Daneben hat sie als eigentliche Urheberin und Gründerin wohltbänger Stiftungeu sich um den Dank ihrer Vaterstadt verdient gemacht, an der die Verstorbene mit treuer Liebe hing und in bei: sie ununterbrochen weilte, abgesehen von kurzen Sommeraufenthalten in Freivurg im Breisgau. Die ,Freiherrlich Earl von Rorhschild'sch« Freibibliothek-, die ,Freiherrlich Earl von Rotlsichild'sche Vasensammlung" und das mit einer Zahnklinik verbundene Hospital .Carolinumsind ihre eigensten Schöpfungen und sichern der Bürgerin ein ebenso ' festes Denkmal in der Erinnerung der Frankfurter, wie die seelengute Persönlichtett es sich in den Herzen der vielen Tausende, denen sie half, gesetzt hat. Sie war am 9. Nov. 185V als die vielte der sechs Töchter deS verstorbenen Freiherrn Carl geboren und blieb, die einzige der Schwestern, unvermählt. Die Beerdigung fand gestern (Sonntag) Vormittag 1V Uhr statt, sie vollzog sich in schlichten äußeren Formen. Dem Traurrzuge voran schritten Mädchen audem iSraelitischen Waisenhause, ferner der Israelitische Frauenverein in Tranergewändern, Palmzweige ttagend, sodann die Zöglinge der Kinderhorte, die in der Verstorbenen sämmtlich eine gütige Wohlthäterin verlieren. Der silberbeschlagen« Eichensarg stand in dem einfachen von zwei Pferden gezogenrn Äichenwagen der Gemeinde, zu beiden Seiten gingen je nier Palmzweigträger auS der Rothschild'schen Dienerschuft Hinter dem Todtenwagen folgten: Lord Rothschild auS London, zur Rechten Rabbiner Dr. Plaut, zur Linken der Frankfurttr Freiherr Wilhelm Earl von Rothschild, dahinter der Herzog v. Grammont, der Prinz v. Wagram, Schwäger der Verstorbenen, und Baron Henri. Daran schloß sich das übrige Traucrgefolge, u. A. di« Vorstände vieler milden Stiftungen und Deputationen zahlreicher Vereine; eine lange Wagenreihe bildete den Schluß. In der Eingangshalle des israeliftschen Begräbnißplatzes wurde der Sarg aus das steinerne Postament niedergesetzt und mst einer schwarzen Decke verhüllt. Herr Rabbinner Dr. Plaut hielt die Trauerrede, wie« auf die Schöpfungen hin, die von der Verstorbenen geschaffen worden, und pries ihr Vorbild, dessen Andenken nicht nur in iljret Familie, nicht nur in י uz Frankfurt, sondern überall da, wo Menschenherzen lagen für das Gute, für das Schöne und für selbstloseirkcn, unvergänglich, unvergeßlich bleiben wird. — Dann wurde der Sarg zur Gruft getragen, die neben dem Grabe des Freiherrn Carl von Rothschild bereitet war. Noch ein letztes Gebet, und di« Todtengräber begannen um 11'/, Uhr ihr Werk. Möge die Edle sanft ruhen? Kerichte **> Corrrsp-»de«sr». Dewtfchlnwd. Mckgbeßnrg, 27. März. Was wir gelegentlich des Prozesses Wendel gesagt (im Lart. d. Nr. 7), da» sehen wir in den Prozessen, die in der vergangeueu Woche in der Hauptstadt de» deutschen Reiches zur Verhandlung kamen, in dem Prozeß gegen die Berliner Stratzenkrawallmacher und in dem Prozeß bett. Guhrauer in grellster Weise destängt: die durch den Anttsemitismus großgczogene und ete Mord- und Beutegier gegen jüdisches Leben und!güi. I» dem ersten Prozesse ist gerichtlich durch 5 Zeugen — trotz bei AbläugnenS Stöckers — der Zusammenhong der Sttaßenkrawalle mit dem Antisemitismus erwiesen worden. Die Haupttädelsfüyrer, meist ehemalige Znchthäusler riefen: Hier wohnt noch ei» Andr, schlagt die Fenster eiul Juden rau», wir wolle« was r» fressen! oder: wir wolle» Arbeit! — de» waren die Antqemitrn der Thal, wie der Abgeordnett Richter richtig hervorhob, nach dem Grundsatz: .Wer den Juden todtschlägt, berto■׳'־ erbt ihnhandelten. Wir verzeichnen die bei dieser Gel׳«e1iheit die wahrhaft prinzliche« Worte, die in der diesbezüglkhen Debatte im Reichstage der Akzg. Prinz Tarolath gesprochen:. .Ich kann eS mir nicht versage», ans die Aeuhernugeu des Bvrred» nerS (Liedermann v. Svonenberg) einzugeheo, der Thron mürdemki letd chuv, der fick auf de« Antisemitismus stützt, und -laicht dadurch gefall«« zu »erde» zsehr wahr, link»); ich halt« «S mit de« erste» deutschen '■ Kaiser, der gesagt hat: Mir »ud meine« Rachtomme» »ölte <91 *t «S gebe», allzeit Mehrer de» Reich» zu sei», nicht nur an kriegeitschen Eroberungen, sondern a» Gütern der Wohlfahrt, der Freiheit und der Gesittung Ob der Antisemitismus zur Gesittung gehör», da» b-jtoeipe ich. Ich glaube, daß Kaiser Wilhelvi L dad nicht gemeint hat (Lehr ׳ wahr! link») Ich halte «* ferner mit de« andern deutschen! reifer «segneten Andenken«, ivelcher gesagt hat: ,Alle mein« Unter! Hane» sind meinem Herze« gleichberechtigt * Ich meine, die guftänd!!, die wir i» anderen Ander» erlebt haben, sollten an» davon abhalte», dos dentiche Reich zu« Tummelplatz ähnlicher Boigänge zu machen (Lebhafver Beifall link».) Wa» Herr» Stöcker aolangt, so hat «« «ich mit tiefer Birüb- «iß erfüllt, au» seinem Mund« Ding« zu hören, dt« geeignet find) einen grotzen Theil der evangetische» Mitbnroer irre zu machen. Ich habe gelesen: »Senn ich all» Ertennt»>b h仫 und ich hätte dia Bebe uicht, so märe ich nicht»!- (Sehr gut! Unk», Lache» recht»! Wen» Herr Stöcker darüber lacht, s» mögen sich diejenigen mit ihm artet»- «ndrrsetze», die nach gewohnt find zu seinen Predigten zu gehe». (Sehr gut! link».) Ich halte derartige Auölaffungrn für uabegretsltch und höchst bedauerlich.- (Lebhafter Beifall link», Lache» recht«.) Auch in dem Prozeß über den Mordanfall aus den Rentier Guhrauer haben die Anstifter wiederholt sich liamft angefeuert, daß es doch nur ein Jude sei, dem man sein Geld abknüpfen wolle. Werden erst die jüd.schcn Läden eingefchlagen und diefe ausgeplündert, so werden die chtistlichen bald Nachfolger, bat die Bestie in der Menschenbruft erst Blut geleckt, dann bleibt sie wahrlich nicht beim jüdischen stehen. Mögen die Staatsweisen sehen, wohin wir steuern, vor welchem Abgrnnd wir stehen, zu welchen Resultaten bei: von oben herab noch nicht gezügelte Antisemitismus die verthierte Menge führt; die strenglogische Steigerung lautet: Autise-. mitismu«, Sozialismus, Anarchie. Zterlin, 25.März. (Or^Lorr.)Jndem im Herbst v. Jahre« neu begründeten ,israelitische «Lehrlings heimin Pankow befinden sich zur Zeit ein Kunstschlosser, ein Maschinenbauer, ein Baoiechniker, ein Modelleur, ein DetorationSmaler und ein Kunstmaler. Die Zöglinge genieße» außer der Unterweisung im Hebräischen auch Unterriiht in der deutschen Lstteratur und Geschichte in den Freistunden. — Der Gesellschaft zur Verbreitung des 'Handwerks uu!» d«S Ackerbaues unter den Juden sind au» Anlaß der Begrün» düng dieses HrimS folgende Schenkungen zugegangen: von .Herr» Ad. GinZberg 5000 Ml., von Herrn Eugen׳ Larida» 1000 Mk., von Herrn Kmumerzienrath Goldberget 1V00 Mk.. von Herren H. Arons, I. Bodenfiein» I. Frünkel und Th. Friedlünder je l000 Mt. Die letzteren 4 Herren sind Vorstandsmitglieder des Vereins »ab haben sich um die Einrichtung de» Lehrling-Heim« beftader« Verdienste erworben. Anläßlich der letzte« Sttaßenkrawalle bei denen sich vielfach halbwüchsige Burschen betheiligtt«, ist in den polftischen Zeitungc» mehrfach die Begründung solch« Anstafteu empfohlen worden, in denen dir Lchrlinge dem «it« sittlichendeo Einfluß des großstädtischen Sttaßentreibens «nt» zogen werden und auch in ihren Freistunden ausmihrnde׳ Aufsicht genießen. Der - pädagogische Leiter de< jütischest Lehrlingtheim» in Pankow, Herr WiliaSki, besucht auchdie Werkstätten, in denen die Lehrlinge arbeiten» »» «tat Kontrolle über die Thätigkeit and Pünktlichftit derselbe» D» erziele». Jedenfalls kann der.genamtte Brvein» »ft «nt' Anlaß der am vorig« Sonntag akychaltcae» Geueralversr lnug allseitig anttkonnt »uro«, ans die Begrüudu

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