Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 23 (1892)
- Issue
- 14 (1.4.1892)
- Date
- 1892-04-01
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
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m ihrer Lebcnsstcpuug, in ihrer Bildung, in ihrer Empfindüngen, muh sogar im LebeaSalttr auf derselben Stufe stehn; auch auf dem großen EitrlkeitSmarkt te- Lebens waS hat »S für daü Wesentlichste, für daS Glück und die Tugend, für die Zuslicdniheit dcS Herzens und die Ruhe des Ge^ Wissens viel zu bedeuten, ob einer als Staatsmann, als Mann von Ring und Stellung, oder als einfacher Bürger durchs Leben schreitet, der Dämon des Ehrgeizes Walter im Torfe wie im Fürstcnsaal, wer vor׳ ihm bchcnscht wird, der ist zur ewigen Qual vcrurtheilt, ob er nun auf einem mächtigen Throne säße, oder ob er in einer Werkstatt arbeitete: und lvcr dem Ehrgeiz nicht untcrthan ist, der wird sich da wie dort bescheiden. Wie sind nicht die Loose der Menschen nah verwandt, da sic all« im Tod« münden und enden. Oder soll eS für dcn, der im Grabe ruft, rin Unterschied sein, ob sich ein cinsachcrGrabhügel oder ein Prachtbau überseinerBahrewälbt? Die hedräipche Sprache ist oft schon lehrreich durch di« Bezeichnungen, die sie für viele Begriffe hat. Der Monat heißt im Hebräischen Chodesob, daS Jahr heißt äohonob, Cbodtsoh heißt da» Reue, Sch0E0h die Wiederholung; noch klcinrren Zw'schcnräumen gemessen ist die Natur immer neu und anders geartet, in größeren Zeiträumen wiederholt sich stet» dieselbe Folge der Erscheinungen. .Heute lesen wir anS den! heiligen Buche, wie alljährlich an diesem Saddath, die Botschaft, die dereinst dcn Israeliten in Acayptcn daS Nahen deS Frühling« und der Freiheit verkündete, da heißt es von dem Monat Niffan, dem Monat des Passahse'te», CTTI ראש L27> ״ ..החודש תהDieser Monat sei für Euch daS Haupt-der Monate, er sei für Euch der erste unter dcn Monaten dcS Jahre».' Als diese Kunde dcn Israeliten wurde, lebten sie in der Finsterniß, in der Knechtschaft; dieser Satz hat im Grunde nur den Charakter einer Kalendereinrichtung; aber unsere Alten geben ihm durch ihre Erklärung einen tcsern Gehalt. Sie sagen:*) ״Heil dem Volke, dessen Gott der Ewige ist. Al« Gort die Welt in'S Dasein rief, ordnete er die Natur nach Neumonden Und Neujahren, als er aber durchMoseh Israel berief, da ordnete er den Neumond der Erlösung, denn in diesem FrühlingSmonat ist Israel erlöst worden und wird jede künftige Erlösung stattfiuden.' Unsere Alten beuten damit auf die Betrachtung hin, von der wir ausgegangen sind. Den! religiösen Menschen ist die Natur ein Spiegel, ein Gleichniß des eigenen Seelenleben« und der geschichtlichen Entwicklung der Böller. Dem Israeliten würbe durch Moseh der beginnende Frühling ein Sinnbilo der Erlösung, nicht nur der Erlösung aus -Egypten, sondern der Erlösung überhaupt. Diese FrühliagSbotschast vernimmt nur der, dem die Natur eine Offenbarung Gottes ist, de« der Sinn geöffnet ist, für alle sittlichen Lehren, für albe die Erhebung des Geistes und de« GonütheS, di« durch die Natur uns gekündet werden. Der FrühlingSmonat war derselbe geblieben vor und nach dcm Auszug Israels auS Egypten, mi derselbe für Israel und für die anderen Böller, aber für alle anderen Böller war er nur ein Naturvors/uig, für das Volk der Offenbarung wurde er eine Offenbarung GottcS de« Erlöser«. Daist er auch uns; allen Elenden, allen Trauernden, alle» Sorgensen ist die Verheißung in einem höheren Sin» geworden, di« Volt dem Noah gegeben, daß Sommer und Winter nicht aushören, daß cs kerne Sinlfiuth -ziebt, die alles Erdenglück fortträgt, daß cs in jedem Jahr einen Frühling gKbt, und für jede Erdennoch eine Erlösung. Tiefsinnig sagt R. Meier: ״Gott spricht z» Israel: ״Euch und »nr gilt die Erlösung׳. Euch »ad m ir —ein verwegenes Wort! Bedaiff Gott der Erlösung? Gewiß nicht, 5דאשרי הזם שר׳ייאלהיו כשברא ההכ״ה עולמו הכד כי ר״ח וש:יב4 וכשבחר ב*דהכ וכדו רגז ריר. שד נאידה שכד עאלד ישו**ל:»ו*יטדזעיל. aber wir verehren Gott als den Gott der Gerecht jAeiltz als den Hort der Gnade und Liebe: waS soll an« * duffer schönen Vorstellung, daß Gott die Zuversicht aller Bercltck«. ten und Beladenen ist, was soll an» dieser Lorstelsu«-- werde», wenn Gott einmal der Erlösung vergäße?!Zahvf Hunderte hatten die Israeliten in Aegypten geschautchwh die Ungerechtigkeit feierte Triumphe-wo wrilte der Ätt der G.rechtigkeit? Harte er die Erde verlassen? Als die Jsraetitrn auS Aegypten zogriy war Gott gleichsam selbst erlöst, da strahlte er wieder ali der Befreier der Unter» drückten, als der streng: Richter ungerechter Dränger. So wird auch dem Einzelnen, der von Leid be-lasbet ist, der Glaube an Gott zugleich zur frohe« Hojfnnnz eigenen einstigen Glücke«. Auch bei der gegenwärtigen Roth ist die Botschast vom dem Neumond der Erlösung hoffniingSreich und erhebend. Lin Jahrzehnt, zwanzig Jahre sind ior Leben dm* BolkeS, da» nach Jahrtausenden zählt, wie «in Tag; vorzivanp- Jahren glich das Dasein J-rarlS einem milden hoffnuugdfreudigen Frühlingstage; in unferm Vaterland« war rö damal« geradezu verpönt, Judenhaß zu zeigen, jüdische Männer!*saßen durch ihr« Kenntniffe und ihren Charakter «inan entscheidenden Einfluß auf die Gesrtzzrbung deS Landes, was noch vorhanden wir an Resten van mil scivdlichn» Gesetze» das schienen Trümmer, die von einer schaffen»׳ freudigen Zeit bald würden hintveggeräumt werden: ei» Judeuhasser wurde gar nicht ernst genommen, sondern als «in Sonderling und noch Schlimmere« angesehen. llnd wie bei u»S so schien auch in den Nachbaneichea uns Juden dir Sonne einer glücklichen Zeit aufgegangen. Dort drüben im Osten, wo jetzt jede Stutid: uu» neue ׳Schrecken bringt, herrschte damals ein Fürst, der de« Ruh neStitrl ,der Befreier' führte, der Millionen von Leibeigenen die Fessel gebrochen hat, der den Juden die Siätte» der Bildung geöffnet Hit, der sie zum Wrttbraierb mit alln» ץ anderen Nationen seine« weiten Reiche» berufen hat. Auch im großen Südostreichr unseres EcdtheitS waren die Inden zu Amt und Ansehen aufgestiegen. Wer e« damals gesagt hätte, daß so trübe Zeiten für uns kommen würdc«, «c tväre ausgelacht worden. Aber e« »st nun einmal nicht anders: heute Sonnenschein und FrühliugSwrhen, morgen Ei-schauer und lchneidenvcr Norowind, solche Rückfälle giebt er in der ldktnr wie in der Geschichte; einen solchen Rückfall erleben wir jetzt und uns istsehr bange, denn wir sind ringeschnürt von der Sorge de» Tage-. - Diese,Noch ist wie ein Naturereigniß; di« EiSschanec können nicht abgewehrt, sondern müffen erttagen werde«, so haben wir bis zu dieser Stunde zwar viel hochtönende Reccpte vernommen; aber der Arzt, der Helfer ist noch nicht gekommen; solle« wir verzagen? O «ein! »Dieser FrülMgS» monat der Erlösung sei euch da« ,Haupt der Monnch*» bleibt der Frühling aus, selbst wenn mitten i« Mai eia»ai Her Schnee durch die Straßen wirbelt? Sollen wir glanbeiy dnst- Gott, der Israel seit drei und halb Jahrtausende» so bar geführt hat, jetzt gar nicht« «ehr mit ua« vorhcttnffd . uns tmc «in wertlose- Geräch wegwirst? Da« hies» -ein Zweifel an der Gerechtigkeit Gotte«; wir glauben an 0att darum glauben wir an den Frühling, an die Erlösung, an Israels große und glückliche Zukunft. — AirenI^ Me skeicheUSe-LmgUiff« Meier MschtthÄev_ ins dem Knnfe Pstyschtld. \f. i .Worum soll Ich Lurrrr Boldoiibrranöt sota «m rtno« kege?^ I. Vrrchti» veUstt« d. Wsttzschtttz. ..Wien,. 28. Unter imposanter Betheiligung seit«- Hey Gesellschaft wuchs gchtem <Snnutag)