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Israelitische Wochenschrift · 1892-03-25 · 13 (25.3.1892) · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
23 (1892)
Issue
13 (25.3.1892)
Date
1892-03-25
Page
[Seite] (sequence 8)
Language
German
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3(«ie» WestvrJ. 18, März. (Or.-Corr.). Leit dem Abgang de» hiesigen Lehrers Herrn Plocki nach Hamburg hat Ihr gesch. Bl. von hier nichts berichtet, darum mache ich Ihnen Mittheilung über einige Vorgänge in der hiesigen »Gemeinde. Die alljährlich, so beging auch in diesem Jahre unsere Cbewra kadischa den 7. Adar. den GeburtS- und Sterbetag Mose'S, in herkömmlicher Weise: Die Ehewra-Mitglieder fasteten an diesem Tage bis Mittag, und versammelten sich dann in dem zur Abhaltung der Feier bestimmten Hause; woselbst das Minchagebet verrichtet und das ans Vereinskosten veranstaltete Mahl (Chcwra-Szude) eingenommen wurde. Der als Gast geladene Cultusoeamte, .Herr Lehrer Kroll, hielt einen der Bedeutung des Tages entsprechenden Bortrag über das Leben und den Tod uns. großen Lehrers Mofth. Die ganze Feier machte auf die Mitglieder einen guten Eindruck. — Unser als Bürger hochgeachteter Glauliensgeuosse. -Herr Rentier Jacob Kahnemann, der das Vertrauen der Bürgerschaft in sehr hohem Maße genießt — er fungirt eine Reihe von Jahren als Magistratsmitglied und auch als Schiedsrichter — ist hier zum stellvertretenden Bürgermeister gewählt worden. — Das. hier erscheinende Localblatt brachte gestern eine» offenbar auf die Verspottung der Humanitären Bestrebungen des edeln Baron Hirsch abzielenden, anderen Zcitungen entnommenen Bericht über die Kolonisationsverfuche in Argentinien, in Form von Briefen einer in Buenos Ahreö »veilrndcn Israelitin an ihren Vater im Jargon. (Der in Abschrift u: s vorliegende Brief enthält nichts Mittheilens-! »verthrv. darum unterlassen wir den Abdruck, s ' Lrnchsak, im März. Der ,Badische Landesbote' erzählt wn hier: Die angekündigte Versamnilung, in welcher ein auswärtiger Redner, ein Hr. Welker aus Stuttgart, über die Mtttel zur Hebung des Mittelstandes sprechen j sollte, hatte eine außergewöhnliche Anziehungskraft geübt. 1 Si war nämlich bekannt geworden, daß der Redner ein 1 engagirter Antisemit ist und in diesem Sinne vor wenig Tagen einen Vortrag in Breiten gehalten hat. Ein eigenartiger Anblick war es, die Besucher der gestrigen Versaunslung, und zwar sowohl die Gesinuungsgeuoffeu als auch die Israeliten, die aufgeregter Stimmung und fast durch.org mit handfesten Stöcken bewaffnet, heranziehen zu sehen. Erfreulicherweise nahm jedoch die Sache einen weniger folgens.l,weren AuSgang, als man nach diesen bedrohlichen Zurüstungen besorgen konnte. Scho., am Eingänge des '!ordrrsaalö wurden die Ankommenden durch «in Plakat überrascht, des Inhalts, daß der Redner wegen Heiserkeit seinen Vortrag nicht halten könne und daß infolge dessen auch keine ,öffentliche' Versammlung stattfinde. sondern nn, eine ,geschlossen:' Zusammenkunft der deulsch-ssziale» Äirtei. Dft Nichtanhänger dieser Partei ließen sich jedoch -urch dieses Plakat nicht abhalten, weiter vorzudnnge» und sich in aufgeregten Gruppcn vor der Thüre zum großen Laal anzusammeln, woselbst ein junger Mann die Hereinwollenden mit der immer von Neuem wiederholten Erklärung abwehrte, daß nur Dcutsch-Soziale und Äntiftmiten;Antritt hätten und Israeliten selbstverständlich ausgeschloffen feie». Während dessen sammelten sich im Saal allmählich meiere Hundert Personen und warteten auf den Beginn der geschloffenen Sitzung. Allein auch diese sollte nicht stattfinder, weil die Sinhin, in Abwesenheit ihres Mannes. erklLrte, daß sie den Saal wohl zu einer öffentlichen, nicht aber zu einer geheimen Versammlung hergeben und für da«, wvs in einer solchen vorgehe, keine Verantwortung übernehmen wolle- So blieb kn« den Herren Antisemiten nicht Anderes übrig, als unverrichteter Äche wieder abzuzieheu. Die Stimmung. welche sich in der Bürgerschaft g'gen sie kundgab, wird sic hoffentlich darüber belehrt haben, daß in -er Stadt Br rchfal für ihre Versuche kein Boden Ist. 6. «. I. (Cc.«Corr.) Jüugst verjchwl» hier nach kurzem Krankenlager im 73. Lebensjahre ein Mann, dessen Andenken durch einige anerkennende Zeilen in diesev, Blatte festgehalten zu iverden verdient, Herr Herz H e ft Er war ein ehrenhafter Charakter, jederzeit bereit, ft ine!, Mitmenschen mit Rath und Thal beizustehen. In seiner großen Mildthätigkeit kannte er keine engherzige Grenze zwischen jüdischen und christliche» Hllfsbedürstigeu. Für alle Fragen, die das Judeuthum betrafen, hatte er Berftändniß und reges, opferwilliges Interesse. Er hatte sich da- Bertrauen und dft Zuneigung nicht nur ftiner GlaubenSgc- »offen, sondern auch der gesammten Brvölkernng der Stadt und Umgegend erworben. Unermüdlich im Dienste des Grsammtwohls übertrug man chnr nach und nach die wichtigsier. Stellungen und Ehrenämter. In der jüdischen Gemeind: seit vielen Ähren Vorsteher, bekleidete er seit l8Sü das Amt eines KreisvorsteherS. Bei seinem 25jährigen Dienstjubiläum in dftser Stellung wurden ihm zahlreiche Ovationen gebrach:. In gleich hoher Achtung stand er auch bei seinen christlichen Mitbürgern. Er wurde vor 23 Jahren in den Bürgerau» - schuß, von da vor 18 Jahren in den Stadtrath gewäh.t und hatte diese Stelle bis zu seinem Tode innc. Als in der Provinz Hessen das Institut eines Schiedsmaunes neu geschafft» wurde, war der Da Hingeschiedene der erste, de!n dieses Ehrenamt übertragen wurde. Cr war Mitbvgrünixr verschiedener Vereine, insbesondere des heute noch bestehenden und segensreich wirkenden Borschußvereins, in dessen Verwaltungsrathe er lange Jahre Vorsitzender war. Der Tag der Beerdigung legte aufs neue Zeugniß ab von der allftitigen Verehrung; eS war ein imposanter Leicheuzug. Im Trauergefolge sah mau den Vertreter des Vorsteheramtes der Israeliten zu Kassel; die Spitzen der hiesigen Behörden, die Mitglieder des Stadtrathes und Bürgerausschusfts und verschicdene Vereine. Reiche Kränze wurden dem Dahingescbie denen von verschiedenen Vereinen und vielen Bürgern oer Stadt gewidmet. Das Andenken des Gerechten bleibt zum Segen! rraxyn 12. März. Die Kammer erledigt« in chrer heutigen Sitzung dft Subsidiensraae für dft neue Stmagoge. Im Einverständuisic mit den ErNärungea des Generaldi rectorS de« Innern ermächtiaft dieselbe dft Reaftrung «io mehrjähriges Subsid im Verhältnisse der Bevblkrungsza^I und in Rücksicht auf den moaumentaftn Bau zu prüft». Die ganze Verhandlung, an welcher sich dft städtischen Abgeordneten, der Referent und der RMftrungsvertreter je* theiligte, war in sehr wohlwollendem Sinne für die jüdisch« ltzemeinde gchalten. L>eflerrei«b»V»O«»». Mit», 21. Mär». Der Abgeordueft Lr. Ebcuh och hat im ober österreichisch״-׳ Lauttag cine« Gesetzentwurf, 1«• tteffend die Reorganisation des LatioeSschulracheS, cingcbuftjt. Rach den Bestimmungen dftses Antrages soll der Vertreter der israelitischen LultuS-G׳.neinden nur bezügliH der . israelitischen Schulangelegenheitcn eine beschließende Stimme haben . . . Nach der Zusammensetzung des obcrösterreichifchep Landtages und der führenden Rolle, welche Dr. Ebenhoch in dftfem Vertretunaskörper spielt, zu schließen, dürste dieser Gesetzantrag wohl zum Beschlüsse erhoben werden. Ob derftlbe aber auch von der Regierung zur a. h. Sanetipn empfvhftn werden wird, möchten wir füglich bezweifAa, da. die erwähnte Bestimmung hinsichtlich deS Vertreters Iftr israelitischen Cultusgemeinde gegen dft staatSgruudgefttzlich aewälfrlastete Gleichberechtigung der Konfessionen verstößt. I« dun Augenblicke, wo der Vertreter der Jude« im Landes« schulrathe nur auf tue LultuSangelegenheiten seines AjaukevsbekeuntniffeS Einfluß nehme« darf» müßten «ach die Hechte der übrigen Vertreter der Religionsgeaoffenkhastka in iftkdtt Weift beschränkt werden. Den« drS auch für ObncK' »u flsecht besehende und:. daher von de« ~

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