Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 23 (1892)
- Issue
- 13 (25.3.1892)
- Date
- 1892-03-25
- Page
- [Seite] (sequence 9)
- Language
- German
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öffentlichen Scholen als interconfessionell. Der Antrag Edenhoch beabsichtigt nicht» Geringeres, als daß wohl die Vertreter der kathtilischrn und protestantiichen Religion im LandeSschulrathe ül>er die jüdischen CultuSangelegenheiten reden und beschließn, dürfen, daß aber der jüdische Vertreter nicht bei ihren CultuSangelegenheiten mitredrn darf. Stirn. Was wir längst geahnt und gefürchtet haben, ist endlich cingetroffen! ES ist eine vou Psychiatern festge- ׳stille Thatsache, daß Leute, die jahraus, jahrein ihre Phan- :asie mit der Lcctüre über blurrüustige Thaten vergiften, mitunter von der Wahnvorstellung erfaßt werde», sie seien die erkorenen Opfer solcher Verbrechen. Der Geineinbrrath und LandiagSabgeordnrtr Greg orig!,nt, wie c» scheint, so lange die blutrünstigen, nervrnanfregenden Mittheilungen über die ^rituellen Morde* der Juden in dem Blatte seines Freundes Vergani gelesen, bi» sich in dem Gehirn deS BedauernSwcrlhcn der gräßliche Gedanke einnistelc, die Juden hätten die Absicht, ihn — den Gemeinderath und Landtags- . abgeordncten Grcgorig — zum Helden eines ״rituellen Morde»* zu machen. Das hat Herr. Vergani auf dem i. Gewissen' Sein Blatt hat es wohl verschuldet, daß der unglückliche Gregorig neulich im Gemcinderathr die Geschichte ' erzählte, wie die Juden ihn verfolgten, wie sie danach trachten, ihn meuchlings zu morden, denn eS sei je »bekannt, daß die Juden Ritualmorde begehen!* Diese Mittheilungen des Herrn Gregorig konnten, nicht verfrhlcn, großes Auffehen und Dheilnahmc zu erregen. Denn eS ist kein Spaß, wenn ein Familienvater, de» eine Schaar Kinder -zu ernähre» hat. dazu gelangt, in so trauriger Weise seincn Seelenzustand zu verrathen. Die Teilnahme mußte aber noch erhöht,werden, als Gregorig mir unheimlicher Stimme fortfuhr: »Ich habe vier Söhne und dies« Hab« ich so erzogen, daß sie diesen riturllea Mord an den Mördern rächen würden.* Armer Herr Gregorigl Jetzt weiß man e», wie er seine vier Söhne erzagen hat: in dem stommen Glauben an den .rituellen Mord*, in der furchtbaren Aussicht, ihr Vater werde ein Opfer desselben verden, und in dem txruhigenden Tröste, sie werden die Rächer diese» ,rituellen Mordes* werden. Welches die Resultate einer solchen Erziehungsmethode sein müssen. ist nicht schwer zu errathen. Dre Umstände, unter welcden Herr Greg orig so plötzlich ganz unverhüllt seine Angst offenbarte, da» Opfer eine» »rituellen Morde«* zu werden, beweisen nur, daß in diesem Verfolgungswahn Wahnsinn, aber — ohne Methode sei. Aus dem Commentor. den Herr Gregorig seiner Rede im Gemeinderathe folgen läßt, ist nämlich ersichtlich, daß der fürchterliche Mann, der ihn angeblich verfolgte — der Socialdeoiokrot Frey — ein Christ ist. ׳ (S.-M. Z.) Me» Merk. Beim Sabbathan-gange am ü. März feuerte ein rumscher Flüchtling aufNev.HcnryPerriraMen deS. Rabbiner der spanisch-portuglesischen Gemeind^ als dieser «gen S Nhr au» der Synagoge nach Haust kam, einen Revolverfchuß ad. Rev. Mende» hatte eben die Treppe seines Wohnhauses bestiegeu, als ein Manu zu ihm Heraalrat und ihn ancrdetr. Der Rabbiner erkannt« in ihm einen gewisstn Jos» M i S» rachi, welcher ihn uyd dir Mitglieder seiner Gemeind« schan öfter»' u« rin Almosen angesprochen hatte. Der Russe sagte: »Geben Sie mir lüv Dollars!" und machte bei dieser Förderung eine bedrohliche Miene. Der Raddiuer redete i^u strundlich zu «ad sagte daß «» unmöglich wäre, ihm eine solche Summe geben zu könne«. Misrachi ging nun dem Rabbiner auf der Treppe nach «nd al» dieser eben in den Hausflur geinten war und versucht hatte, die Thür hinter sich zu schließen, suchte der Bettler diese« dada'ch zu verhindern, daß er ucnhArt seecherBettstr den Fuß in dieThürüffnuaa strikte. Der Dattor öffnete nun die Thür recht wcit und forderte de» Man» aus, sich zu entfernen. Mtt dem Rust: »Wollen .Bst i,tn da» Geld noch nicht geben?" stürzte der Man« in zog ohne eine Antwort abzuwarstn, «me» Revolver aus der Tasche unt feuerst ihn auf de, Rabbiner ab. Dan» stürzte er eilig die Treppe hinunter und verschwand. . Im Hause befanden sich zur Zeit Madame Ä«nd«S und di« Schwester de» selben nebst drei Dienstboten. Alle hatten den Schuß gehört und Madame Mendeeilte laut schreiend die Treppen aus de n zweiten Stocke hinunter und fand ihren Gatten bewußtlos auf dem Hausflur liegen. Er wurde in daS Schlafzimmer gebracht nab die rasch l)erbeigeholten Aerzte fanden, daß Die Kogel in den Unterleib gedrvngen war, aus welchem sie aber bald und ohne Schwierißfett wieder entfernt werden konnte. Es ist außer Gefahr. Per«ijch1e und «eaefte Nachrichte». Berlin. Im Westen der?Stabt soll auch eine Synagoge errichtet wrrdrr«. ES w>׳d jetzt rin Terra .» von 160 ünabratruicn gesucht. Berlin, IS März. ' (Dt Kfotr.) Die Besucher der!üdischeir Volksküche sollten auch wisse«, od<r richtiger schmecke», daß Purim war — sie erhielte« an diesem Tage Ovti ben Ehrenüameu als Sottltth- Mon*us iüqueur und Pfefferkuchen: alsdann daS Ratlonal-Vcricht de- TageS .Srcppchen »n) Boillion". — Mehrere hundert arme Besucher, viele Frauen und Sinder erhielten umsonst rin gut«« Mitiogeffen Einer derselben bnicht« aus drn Begründer der Anstalt ktzrn. H Abraham) und seine Lemahlin, der Leteria derselben, ein Hoch av», in da« alle Anwesend«» freudig m>» elnstimmien. Thorn, 18, März Bi« t ic .Thorner Prrffe" beruhtet, soll d.e preußisch« Regierung ein Berboi klaffen haben, ru>sich-jüdische Auswanderer hlerselbst passicc» zt lassen. Einige Familien «me Warschau, di« mit ordentlichen Pästn versehen gewesen, baden die Rück׳ reffe anireteu müssen. Der Griiitr dieser Hirten Maßregel ist der. daß dl« russischen Behörden sich i-rlgern, jüdische AuSi-anderer zurück zunehmen, wenn sie in deutschen Höfen wegen Mangels an Geldmittel» zurückgewiestn «erden. Den preußische» Behöide» erwachsen dadurch viele Scheerereien, welch« durch da« Verbot vermieden werde» sollen. Tnbst«». (Or Lrr) Tie hles. «e.nelndeverwältung hat angesichts der herrschende« Theuerung. die Bcamtengehälter zu« 1. April erhöht, lindem die? erst vor S Jahren bereit« einural geschehen ist und vor einem halben Jahre eine «iinnalige ThrutrungSzulag» bewilligt worden war! Darneftavt, 20. Mürz. sOr -Lorr.) A» dem Lelchenkegäugniß de» verewigten Großherzog« von Heffe« nahmen euch Theil di« Heiren Rabbiner Dr. Sals«ld.Main,. Dr. Selver und Dr. Marx Darmstadt. Dr. Goldschmi dl -Offenbach, «.Dr.Grü «selb-Bingen. Herr D׳. Selver-Darmstrdt war anßerdem zur EiasegnuugSstierlichkit im ״Reuen Pa'viS" «laden und wohnt« demgemäß auch der Beisetzung im Mausoleum auf »oseahöhe -»I, während dt« nicht besonders zur Einsegnung «eladenen mir Rücksicht aus den beschränkten der beztm Anlagen programmgemäß nur dl« zu« Eisenbahnoladutt folg-r». — Heute Abend» s-nd 1n ׳inserrr k-upt-Syuagoge «lue erhebendeTrauer frier statt. In welcher Herr Rabbiner Dr. Selver ü^r de» vom jetzigen Aroßherzog vorgeschrittenen T«r:Pl 89, 8—10 «in« sehr stimmungSvoll« Gevachtnlßrede fiel». Msteustee». Roch der im rotistlscheu Amte «rschtrnenen U n terrichtSstalisttl sic de» Schul je hr 1880,90 sind M* den 7198 «ol» schnle» 70,6 p«r. talholisch, 26,4 pDt protestantisch, 1,9 pEt. simultan, 1> p»t. israrltlisch. Ports. Da« EueyrlovLdie-Untrrnthmen de« Herr»I. Ginger gewinnt daourch, daß dt» Alliooc« ts׳. demselben, »«an e« in da» Stadium der Ausführung gurrten sein wird, ihre Beihilst leche» will, an Aussicht, früher oder später »er VerwtttliGung entgegen«» gehen. (Die Bedenken, die wir bezüglich der Ausführung hatte«, und die -och vom Redakteur de« ״k-'Univa,» 1זא“, Herrn Granirabbt« Woge», getbrilt wurde». scheinen dadurch, daß die Alltonce itzre Ftitige über da« Rirstnunternehmen bockten will, gehoben zu sein. iinwpon. Eine au« Rußland zurückgesthrte christliche Pa«« welch« di« Wohnungen unserer 11m,lücktichen Glaubenlgenosst» besochee, schickte an da» russische HülsSkomitS ihre Diamantbroche. domtt dieselbe zu wnnfttn der lluglücktiche» vertäust werde. Di« edel« Geberl» »Ui «*annt Jlolstr. Der Lttest« der italienische« Rabbiner. Proseffor nno Rektor Feriaciui, Oberrablner ln Aftt, ist am 1v. v. M. l« Alter von 8l Jahr» gestorben. WUUmumt, Hterstlbst 's« «in B«th»Ha»idr,fch errtbül worden, in welchr« Rabbi A Hirschowi«, srÜPr Superintenderck de» Poor Jen»' Aeatporary Sdtuer (Heimstätte für jüdische Obdachlos»), in Lonoon, rabbinisch« Vorträge halte» wird. BenGliee». Rech atmllchtn!Serlchten find t. I. l8S1 narb de« Staat« Rio Gran«» da Snl StVO Ruff» ttoaewanbert. G» scheint atia Hie Eiuwanderurg rusüjchrr Juden tnvrafiltrn dereU» ,«Gang« za Asti. Wir «lichte» unsere Lrstr des»n»er« aus dt« «nnonce der .Ration* in dieser Rr. «tsti«» Statte• ansmettla» «ach«». — Die »Ratio«• Ist «in« trffsllch geleitete, liberal« «achenschrist, dt» mit »»tschstinnhett »eit Antisei rtti««»» bettmpst und die gletchg^ti, Wnegepde W1!> uutrrha'.teud« Aus ätz« übervnnst undWiffeafchesl dr »gt.