Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 23 (1892)
- Issue
- 13 (25.3.1892)
- Date
- 1892-03-25
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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: Den Inden* zu schreiben, ja ihn au« der Bibel feC6ft : ,;!leiten Man höre und staune! In Nr. 185 S. 97 übt di>:se» gistgeschwollene Antiiemitenblatt: «Da- Alte Testament giebt Aufschluß genug, wie das Judenthuui über Da« menschliche Blut denkt. Die beabsichtigte Opferung ->aab» wir eine rituelle, denn sic war vom Juden »Galt rahme vor geschrieben."*) ״Im Buche der Richter I I, 30—10 wird erzählt, wie Zephta seine einzige Tochter dem Herrn opfert, um ihm für den Lieg über die!linder Ammon zu danken, und man liert dort kein Wort der Mißbilligung zu dieser Thal.**) .Der König Saul wird von Samuel des Ungehorsams bejchuldigt und von Jahwe verworfen, weil er den Befehl nicht wört ich erfüllt hat, das ganze Volk der Amalekiter zu verbannen. D. h. mit dem Schwerte zu schlachten bezw. zu o p f e r n.***) .,Wir können nicht glauben — so schließt der bibelschmähende gottlästernde Artikel — daß Jahve sich seit '4000 Jahren so sehr verändert haben sollte, um heute eine Houdluna zu mißbilligen, die ihm damals eine wohlriechende .Huldigung dünkt"- . Jst'S ein Wunder, wenn durch solche Artikel die Leser al!mählich dem ״Atheismusin die Arme geführt werden! — In der Nr. vom 13. März bringt dasselbe Blatt einen Artikel von einem ungenannten katholischen Pfarrer,derdiejüngst auch vom katholischen Pfarrer und bayrische» Landtags» abgeordneten Dr. F r a n k in seiner Schrift: .DieKirche und die JudenangeführteThatsache, daß der Domprediger Dr. Veith (getaufter Jude i» Wien zur Zeit der Damaskus-Blutanklage (1840) in der Stefanskirche mit dem Cruzifix in der -Hand betheuerte, ,die Anschuldigung der Juden betreffs des rituellen Mordes sei eine Lüge und schändliche Verläumdung,- für eine jüdische Erfindung erklärt, welche nur von Juden und Judenknechten wieder lwlt werde. Der Erfinder sei der Jude Jtzig (oder Hitzig), der j sie in Der von ihm im ,neuen Pitavalherausgegebcuen j Sammlung von Kriminal-Geschichten zuerst vorbringe. ן Nun steht es aber fest, daß der berühmre katholische Theologe streng römischer Richtung Pros. Franz Molitor, ein Zeitgenosse des Dompredigers Veith, im Jahre 1811 in einer gutachtlichen eidlichen Erklärung über den Blutaberglauben ausdrücklich betont: .der fromme Priester (Veith), vormals Jude, leistete aus der Kanzel, das Eruzisix in der Hand, einen hohen und heiligen Eid. daß an der Beschuldigung gegen die Inden kein wahres Wort sei.- Zur Feststellung dieser Thatsache sei noch auf folgendes Faktum hingewiesen, welches die ,Oesterreichische Wochenschriftin R>:. 12 d. I. anführt: .Am 12. Juni 1882 verfügte sich, um die Richtigkeit jener Mittheilung, au welche daS .Jllusirirte Extrablatt' vom 5. Juni erinnerte, sicherzustellen, Herr Dr. L. A. Frankl Ritter v. Hochwart, damaliger ׳;eeretär der israel. TultuSgemeinde zu Wien, zu dem da» mal» noch lebenden Bruder des sel. EanonicuS Vefth, Herrn Vros. Dr. Johann Veith. um hierüber die genaueste Jnfor» mation zu erhalten. Hierauf erfolgte folgende Erklärung: *) Ist nicht gerade da» Umgekehrte »nähr, daß die Bibel durch «ese ErMlung zeigen «Ul, Gott «olle kein Menschenopfer, ruf« nicht eine Sotteestimme dem Abraham zu: ״fiege deine Hand nicht a» den Knabe»!־ — (Ne») **) Herr Fritsch kennt die Bibel schlecht, au sehr,viele» Stelle» jpreche« sich die Propheten gegen Menschenopfer au»; und die Richteriit «ird al» eine solche geschildert, in der Wieder »hat, «o» Recht schien in seine» Augen- und nicht in Botte» Augen. (Red.) •*ף Aber Heist« e* nicht gerade in demselben Kapitel: ,Liehe,!Leborsa» ist besser, den» Opfer!׳ Und hondeit e» sich nicht u« eine» Krieg, den der erste jüdische König gegen de« RatioaalfeiuS J»rael» unternahm? Auf »er Seite vorher sagt Herr Kr. selbst: ״»roste krrungenschaste» könne» nur durch Blut — auf de« Schlachtfeld« — erlauft »erde», sie;««Le» «ft ״Wu« und Bisebesiegelt fein ft» hriste» Ringe» Mt de» Gegner." Di« J»««lftc» «erden (daselbst) et» ״feige" beschimpft, wen» sie'» nicht «hate», und th»n sie e» ja, l» bqjehen sie ״Rtmalmorde"! (Red.) .Auf die' Aufforderung de- Herrn L.' Ä. kläre ich, daß der iu dem .Jllustritten Extrablatt" wom 5. Juni enthaltene Aufsatz über eine von «einem seligen Bruder, EanonicuS Joh. Emanuel Peith, am Schluffe" einer Predigt abgegebene Aeußerung über die vollkommene Unwahrheit der Sage von dem jüdischen Gebrauche, beim Paflahfesie da» Blut eines christliche Kinde» zu gebrauchen, nach meiner Erinnerung von meinem sel. Bruder wirklich abgegeben-,, worden ist. Wien, am 12. Juni 1882. Prof. Veith w. p." ,Ich bestätige hiemit, daß der mir persönlich bekannte Herr Med. Dr. Johann Veith, wohnhaft in Wien, fei» vorstehende Unterschrift als von ihm ngcnhündig beigifetz von mir anerkannt hat. Wien, am siebzehnten Juni 1880 zwei. (L. 8. Franz Krischker ra. p. mit Deere« de» k. k. Lanbesgerftbte» Wien am IS Apeft IDSi:, bestellter Substitut de» k I. Rotae» Dr- Adolf Fader." Das Original dieses Schriftstückes befindet sich im Archive der Israel. Eultusxemeinde zu Wien. Welche Frechheit gehört dazu, Angesichts solcher D>xumente die Eidesleistung teS Dompredigers Veith für eine .Judenlügezu erklären. Aiagpetzürß. In seiner über stöckerischen Jungfernrede hat der Freiherr v. Wockerbarth u. A. gesagt: ״׳Die Aeußerung ‘i des Ministers, daß der Schnitt nicht dem beim Schächte» 7 eines Tbieres üblichen entspreche, ist in der gef am mtea ״Rabbinerpresie" mit großer Freude begrüßt worden."!Ja- > versteht der Freiherr nnier ״Rabbinerpreffe"? Unter alle» in Deutschland erscheinenden jüdischen Blättern ist die יך ״Israelitische Wochenschrift" die einzige» die von eine» Rabbiner redigirt wird, und gerade wir haben in Nr. 9;״י (Seite 69) zu einem Bericht aus Cleve über den Xantenet Mord gelegentlich der ,Erllärungdes Herrn Oberstabsarztes $ Dr. Steiner über die Art des Schnittewörtlich gcschrieoen: ׳ ״die Debatte über den ״Schächlschnttt" ist in de» Auge» 4 jedes Israeliten gerade-» lächerlich; al» ob ei» Schächter, ׳.H falls er -am Mörder würde, sich an die Schlachtgesetze '4 kehre« müßte." H Wir müffe» sonach die Behauptung des Her:»« Freiherr«;«! von der .,großen Freude der Rabbinerprcffe", soweit sie 11 nS betrifft, als der Wahrheit nicht entsprechend ,' zurückweisen. Nur, wem der Wahn eine» Ritualmord- >: 1m Kopfe spuckt, der geht auch von der falschen Voran»- setzimg aus, daß der Halsschnitt des armen Opfer» rituell sein müßte; einem Juden fällt so etwas gar nicht ein, am allerwenigsten einem Rabbiner. Wenn Herr v. Wackerbarth ferner fragt: Wo isi das abgezapfte Blut hiugekommen? so muß er diese Frage nicht miki einem Seitenblick auf die Juden,sondern an diejenigen richttv, die die Menge glauben machen wollen, daß die Juden da« vl> ’ brauchen.. Wenn Herr v. 95. die Geschichte de- Blutmän' freilich nicht au- Rohling und dem Antisemiteu-Katechi«! sondern au- Delitzsch, Strack u. A. stodiren würllt^ könnte er sich die Antwort selbst geben: davon n i jüdischen Händen abgezapftejBlut ist stet- — de» Jnin» kl Schnh gegossen worden! — Auch die andere F״ ״warum in allen Fällen, wo solche Morde Vorkommen malS die völlige Klarbeft an den Tag kam, sie vielt» geheimnißvolles Dunkel gehüllt blieben", würde sich bet: Freiherr bei etwas unbefangene« Nachdenken selbst' warten können: weil meisknS sobald die Untersuchung daß die beschuldigten Juden nicht di« Mörder waren, Spuren nicht weiter verfolgt wurden, und wo es da führten dieselben gemeinhin zurück in die Kreis« schuldiger; und »an stand ab. Die Inden waren froh, sie in jenen rechtlosen Zeiten trotz Folter und Tort« w Leben davon kamen, sie hatten wahrlich fein Interesse, tzie