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Israelitische Wochenschrift · 1892-03-25 · 13 (25.3.1892) · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
23 (1892)
Issue
13 (25.3.1892)
Date
1892-03-25
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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■ M׳׳ •- 1:U׳l :.יז־י; Berichte mck 8erre<p««h-e«5e«. «!. D-»tschl»«d. _rj, 19. Mürz. Der PurimwochesoütederHaman i^icht fehlen, dieser Typ»» eine» gleißnertscherr Hofmann« mit Judenhaß im Herren und der verleumtienschen Anklage ^Dnf den Lippen. ^v;r Das Abgeordnetenhaus erl bte heute bei der dritten ^?^fprathung de- Justizetats «ine Antisemiten Debatte im so- ^-ßenannten .großen Stil.- Die Konservativen wollten ihre Hvjftatante Niederlage im Kampfe für das Schulgesetz, wie sie ' «4»rch den Rücktritt des Grafen Zedlitz b«si«,zelt ist, dadurch **HÜ machen, daß sie d«S schon lange in!h «n Reihen üppig Dltstchernde antisemitische Unkraut zu einer Liauptzierde ihres ^iarteiprogramms erholten. Als ersten Redner hatte di« nk«ht« den Freiherr» von Wackerbarth, (Vertreter des .?.,Wahlkreis^ Frankfurt a. O.) lwrgeschickt, der denn auch wacker auf Juden und Judenthum lotschlug und Alle« Idit in den Schatten stellte,.was der »zweice Lacher" auf Ijlsem Gebiete je in den RLumrn des Ab^eo.dnetenhauseßMtet hat. Der Zkautcner Fall mußte natürlich wieder als!»unkt herhaeten. Da« Elnschkeiten der Behörden ¥; und dem ״der Berge eutwurzelt", zwischen dem, der auf die s. Fülle-de« Wissens, auf die Beherrschung de« tradirten Lehrwffe» das Hauptgewicht legt und dem, der ein .Kameel durch ein Nadelöhr führt", dem Dialektiker, der durch seinen . <Scharfstnn zu überraschenden, verblüffenden «Schlüssen kommt. ׳ f '8er Talmud erzählt von dem Triumph des Scharfsinnes, daß ,; «iuer, obgleich doch der Genuß von Kriechthieren mit dürren, j lautlichen Worten in der heiligen Schrift verboten ist, es: liewiesen habe, daß der Genuß erlaubt sei, und zwar rhat er die» sogleich auf l:eunundvierz«g verschiedenen Wege». Eine unft achtbare, aber eine interessante Kunst! und da «Lezeit die Spiele des Scharfsinns sehr brliebt gewcftn sind, sd hals alles Eifern, alle berechtigte Klage über vergeudete fjeit, über Verirrung des Studiums gar nichts, sondern ganz ,' Juda hatte Freude an den logischen Taschenspielerkunststückchen obgleich ganj Inda wußte, daß er betri^en wurde. ES war eine Narrheit, aber es war eine geistreiche, amüsante Narr- .׳ l«it. Da war der Protest der Kkugcn machtlos, Schopen- . l«uer behielt auch hier Recht, die Klugen haben stet« dasselbe gesagt, und die Narren habe» stet« dasselbe gethan. In jedem Zeitalter haben die Besten in Israel es beklagt, daß kies geistreiche Spiel mehr Theilnahme finde als die schlichte kLahrheit: aver es hat sich im Wesentlichen nicht« geändert, < 'tmd Dr. Güdemann wird sich erinnern, daß selbst ein so »sifsenschaftlicher und weiser Mann wie Frankel in seinen Lchrvor ' trägen dieser falschen Methode, für die sein Geist nickst einmal : tbelgnet war, nicht selten ׳geopfert hat. E« ist höchst lehrreich, r uf diesen Punkt hin die Dokumente, die Äü'oemann gesammelt tat, zu lesen. Es wäre gar zu betrübend, zu sehen wie siegreich tic geistreiche Unvernunft auf diesem Gebiete gewesen ist, lvenn . nicht auch sonst auf Erden diese Erscheinung sich mannig- 1׳ -fach wiederholte. Vielleicht ist auch der Talmud im Besonder», 7 "»iicht gut genießbar ohne diese pikante Würze. — Güdeman » spricht in diesen. Buche nur sehr wenig unmittelbar, er läßt . - tie Dokumente reden, di« er mühselig zusammen getragen, sorg- ®übersetzt und hin und wieder mit h>)chst instruktiven > versehen hat; eS ist eine wunderliche Welt, in die er £11n« einsührt; oft genug fühlen wir uns abgestoßen, aber erkennen wir mitte» in aller Barben! dm tüchtigen, ge- Ttrgeue» Geist; selbst in seinm Entartungen ist da- CH«der, 'HaS Schulbau« de» Gh<-tto. lächerlich, tadeln-werch, aber nie , - 'heuchlerisch und verächtlich. — ES ist erstaunlich, daß Dr. Güdenwna neben den Pflichten seines großen und verant- - lbtortnngSvollrn Amtes noch so Tüchtiges auf dem Gebiete 'iker Wifseiischaft leisten kaum Möge dieft Arbeitskraft noch viele so schöne Gaben der Wiffenschaft bieten! ö. 8 gegen Paasch benutzte er, um der Justiz Parteilichkeit für die Juden zum Borwurf zr machen. Den Antisemiten katechiSmuS Hot Herr son Wan.-rbarth gut studirt; das al- Kerne Märchen der Ritualmord, wurde von ihm lang und breit erörtert und zum Beweis deS Vorkommens svon Ritualniordc» wurden d:e rostigsten Waffen vom Fechtboden des Antisemitismus hervcrgeholt. Später kam Stöcker an die Reihe, um mit der unschuldigsten Miene von der Welt zu versichcr.i, er habe der Juftizvecvaltung gar kcineu Vorwurf machen wollen. JncinemAthem mit dieser Versicherung schleuderte er aber die schwersten Anschtckdignugen gegen die preußischen Richter, selbst dem verstorbenen LandgenchtSpräsidenten Lüth versuchte er noch eins auzuhäng:!., bei dein ihm Z. das fatale Mißgeschick niit seine», E.de passirte. Der Minister beschränkte sich auf den Hinwei«, daß cS unstatthast wäre, einem Richterspruch vorzugreifen. Der Tantener Fall lverde in nächster Zeit das Schwurgericht beschästigen. Der Zurück- Weisung der antisemitischen Angriffe, soweit sie sich auf an- «bliche ,Thatsachen" stützten, unterzog sich Geheimrath L nca s. Er gab die Besicheru..,,, für die Justizverwaltung gebe eS ivedcr Semiten noch Antisemiten, sonder» nur Staatsbürger, denen dos Recht in gleiche», Maße zugemessen sei. Der Nationalliberale Enncccerus und vom Zentrum der Abgeordnete Lehmann äußerten nur ihr tiefes Beda,lern über die A, griffe gegen die Rechtspflege, daß aber auch im Centrum ein bischen I u d c n h e tz e gar nicht so unwillkommen ist, bewies der lebhafte Beifall, den viele Centrums-Adaeordnete den konservativen Rednern zollten. Die treffendste Abfertigung erinbren die »Stützen von Thron und Altar" durch die freist,rnigcn Abgeordneten Rickert und Birch ow. Der erster« widerlegte in sck׳lagendster Weise die Anschuldigungen Wackerbarth's und führte diesen gründlich ab. .Wenn Herr Wackerbarth mich als israelitischen Redner de r" .. ,׳ ' * "' ' ' ־” * sich nicht in der BerfolgungSsucht, sondern in der Resprcti rung des Rechts meiner Mitbürger und Menschcnbrüder." Mit beißendem Sarkasmus und in größter Ruhe, unbeirrt durch daö Schreien, Lachen. Jolsten und Grunzen der konservativen Ritterschaft, hielt Birchow den Herren ihr Sündenregister vor. Das glattgescheitelte Gesicht d:S Stöcker verzog sich dabei fortwährend zu einem verlegenen Grinsen, so daß Birchow unter großer Heiterkeit des HauseS erklärte, er bcdaure, keine״ photogravhischen Apparat zur Stelle zu haben, um dieses Gesicht für die Nachwelt zu fixiren. Da nun Stöcker sachlich'nicht» erwidcrn konnte, beschränkte er sich auf eine Fluth persönlicher Angriffe gegen Birchow. Besonders schien es seiner Gefolgschaft zv imponir«», als er Virckiow zurief: ,Bleiben Sie doch bei Jhien Trichinen." (Wir glauben, daß wer den Antisemitismus bekämpft, die schädlichsten Trichinen au« dem Staatsorga,,iSmuS zu entfernen bestrebt ist.) Jedenfalls ist jetzt Klarheit i» die Situation gekommen. Die Konservativen Haber sich offen zu Stöcker bekannt, sich öffentlich mit diesem Ovzanisatoc des Raffen« und Ktaffenhasses ideatificirt; die Abschüttelung eines solchen Manne» — erklärte einer ihre׳: FraktionSgenossen — käme einem Selbstmorde der ionsrrvativen Partei gleich. Ein solches ArmuthSzcugniß genügt. — Da» Organ der Freiconservativec; dagegen, die .Post", «:blickt in dieser Verschmelzung der Conserrativen mit dem Antisemitismus einen arge» po> litiscken Fehler. Sie schreibt: ״Es ist eia gefährliches Spielen mit dem Feuer, wenn man der antisemitischen B: wegung durch die parlamentai ischen Verhandlungen neue Nahrung zuführt. Paß man, indem man von konferv/ltiver Sette die» thuh;»gleich die jüdis chen Wähler ganz der drusichfreisinnigen Partei, welche ihre »Sertheidigung energisch sühn,;»treibt, ist fclb st ver stündlich zweckmäßig." Die in Leipzig erscheinenden .deutschsociaten Blätter" von dem be— kannten Ingenieur Th. Fr, tsch ermüden nicht fottlaufend Artikel über den .Ritualmord

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