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Israelitische Wochenschrift · 1892-03-25 · 13 (25.3.1892) · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
23 (1892)
Issue
13 (25.3.1892)
Date
1892-03-25
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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renehme Borschläge durch eine seststehende Majorität beseitigt werden; dies dürfte doch den Herren vom Ausschuß etwas »u denken geben, sie werden dann bei wohlwollender Prüfung heraussindcn, daß es zunächst ihre Hauptaufgabe «ein sollte, das Gemeindcleben im I n n e r n zu stärken und den Beamten in seiner Stellung nicht nur materiell z» festigen, sondern auch in seinem Ansehen zu beben. Der D^J-G.-B darf darum die Rücksicht aus den rsten Gemeindrbcamte», den Rabbiner, nicht aus den Augen lassen, darf eine Verletzung der Autorität desselben — selbst durch einen AmtSqenossr» — eine Schmälcrung seiner ideellen und inattsicllen Rechte nicht gutheißcn keineswegs aber dulde», daß uncollcgiole Handlungen, Nichtbeachtung der Grrechtsame drö Nachbars, Herabsetzung seines Ansehens in den Augen seiner Gemeindcmirglicdcr im Namen des Bundes geübt und :nit seine» Mitteln, zu dessen Hcrbeischaffling die Benachtheiligtkn mithelfen, unterstützt werden — das ist ein wunder Punk», über den bereits viele Rabbiner klagen. Man findet sich nit den Rabbinern nicht ab, wenn man den Einen oder Andern von ihnen zum oowwi» eoyageur für die an sich gewiß recht löblichen Bestrebungen d,-Z Bundes cinsetzt, wie z. B. für Vereinigung kleiner Gemeinden, «m deren Kindern den Genuß des Religionsuntcrricht« zu schaffen, ohne sich darum zu kümmern, wie es dem Kollegen zu Mnthe ist, dem der Nachbar in seinem Wirkungskreise als Schulinipector und Wohlthütrr auf die Nase gesetzt wird, so daß er es sich gefallen lassen muß, daß die Leute denken, -'׳euer sei gewissermaßen der Rabbiner, stehe qualitativ höher, welchem demgemäß auch die rabbinischen Amtshandlungen anvertraut werden, die der Andere früher zu versehe» hatte. Kann nicht dir Wirkungssphäre jedes Rabbiners respeetirt und dadurch eine größere Anzahl hingedender Mitarbeiter gewonnen werden? Rabbiner, welche derart benachtheuigt werden, könnten in ihrem Unmuth leicht dabin geb.ncht werden, ihre Vorsteher zu bitten, eine solche Beeinträchtigung ihres Rabbiners nicht zu unterstützen — würde der D.-J.-G-B dadurch nicht in seinem zu erstrebenden Ziele gelähmt werdcn! Senn die hervorragenden Männer deS JudenchumS in allen Verhältnisien des Lebens niit denen, welche die Aufgabe haben, dem Dienste der Religion ihre ganze Kraft — häufig ohne Dank und Anerkennung — zu widmen, nicht Hand in .Hrnd gehen, um das Gemeinnützige und Gute zu fördern, dann wird Gedeihliches nicht zu erzielen sein. Möge dies« wohlgemeinte Beschwerde an geeigneter Stelle die nöchige Berücksichtigung finden. Ein Rabbiner im Namen vieler. Pädagogik des K-etlo. Lchi-ib.) Nicht überall wurde der Unterricht so elend geleitet. Zn Amsterdam z.B. gab es eine wohlgeordnete Schule mit mit einem stufenweise aussteigendcm Lehrplan und einem LchrhauS, und verständige Männer, deren Urtheil Güdemann uns in kurzen aber erschöpfenden Auszügen mittheilt, waren unablässig bemüht, Uebelstände, welch« das Judenchum entwürdigten und zum Spotte machtrn, zu beseitigen: im Wesentsichen ohne Erfolg. Roch vor drei oder vier Jahrzehnten wurden jüdische Knaben in Gemeinden, die unter preußischem Regiment? --inden, im Alter von drei Jahren in die jüdische Schule getragen und feierten zu vier Jahren die sogenannte Ehumesch- 2>zude; die Kinder trugen einen Abschnitt auS dem Pentateuch mit Uebersrtzung vor und dann wurden die Schulkameraden mit dem eben so wohlfeilen als nach dem Urtheil der Juden überaus wohlschmeckenden jüdischen Nationalgerichte, mit Krill- «rbsen, regalirt; ein schmaler Ersatz für ein Ähr der Berkümmernng, das den Kindern bereitet wurde. Was so «in jüdisches Kind für ein« Angst vor dem Lehrer hatte, tas geht in's Unglaubliche; es oednrst« nur des RuseS: ,Der Rebbe kommt" und die bitterste Medizi» "J wurde von dem Kinde heruntergeschluckt. Um diesen Preis und um den schlimmern, daß di« Frühreife zumeist ein frühzeitiges Ermatten des Geistes herbeisührt, waren die Kinder f des Ghetto den Kindern unseres Zeitalters soweit über. \ Aber dabei beruhigte sich der Eifer der Ghettopädagogen nicht. Bald wurde der Knabe in den Talmud eingeführt; der Talmud enthält Abhandlungen über die schwierigste« und ך verwickeltsten Rechtsfälle, auch über solche Vergehen, die heutzutage von den Gerichten nur mit Ausschluß der Lesfentlichkeit verhandelt werden: obgleich der Talmud im Allgemeinen keusch und decent ist, so geht cs dabei doch nicht ab, ohne daß Worte und Dinge vorgebracht werden, die wir sonst vermeiden. Da war es nun nicht- Ungewöhnliche», daß auch solch« Abhandlungen mit jungen Knaben durchgenommen wurden; es ist dies der deutlichste Beweis, was Kinder aushalten können. Der Lehrer dacht« sich dabei nicht» Böse», was sich die Kinder dabei dachten? Wahrscheinlich gar nicht», aber es war doch immerhin eine schwere Zumuthnng, sich mit Dingen zu plagen, d׳e sowohl was die geistige Fassung» kraft al» wie das moralische Empfinden anlangt, weit über ihre Alterssphärc hinauSragttn. Die Furcht vor Ueberbürdung der Schüler hatte man. in jener Zeit nicht. Im Winter mußten die Schüler schon einige Stunden vor Sonnenaufgang zum Cheder wandern und blieben mit kleinen Unterbrechungen bis in die Nacht hinein. Bon Ferien waren die Alten nur schwache Freunde. Selbst an Tagen, welche einen halbfestliche» Charakter tragen, hatten Lehrer und Schüler keine Freiheit. Auch am Sabbat war der Chcderkönig nicht ledig aller Pflicht. Das »Verhören" war noch mehr ein Schrecken für den geplagten Magister, als für den Schüler. Am Sabbat Nachmittag, »venn sich die ganze Gemeinde ausüße« Schlummer erhob, lenkte der Lehrer im Verein mit seine« Zöglingen die Schritte zu irgend einem hervorragenden Talnu, ׳ disten hin, der in der Gemeinde Ansehen genoß und hier ward« da- Pensum der Woche von dem Obermeister geprüft. Lien« i der Examinator die Stirn runzelte, wenn er aus de« 1 Sabbatschlaf in u»froher Laune erwacht war, wen» die Sadbatkugel nicht gut gerathen war, dann bedeutete die» für den Lehrer eine bitter« Stunde, für de« Schüler ein« bittere!ן Woche und tief in den Rücken wurde «S dem armen Jmiam; von seinem Lehrer eingeprägt, daß er zum nächsten Sabbat Bessere» leisten müsse. '■'i Dagegen kannte die jüdische Pädagogik von anno dazu» mal nicht jene überfüllten Schulklassen, unter denen jetzt vielfach der Unterricht leidet. In dem Lande, dessen Schulmrister einem oa-dit zufolge die Schlacht bei Königgrätz :ן gewonnen haben soll, ist es nicht» Sette««, dqß em Lestrr hundert Schüler unter seinem Stabe hat; darin wird mit Pathos ausgesprochen, daß ein junger Bursche, der mit W j Ähren au» dem Seminar in'S Lehramt tritt, diese hundert j Rangen nicht nur unterrichten, sondern auch erziehen soll; -;VS wie er die» zu Stande bringt, ist in weiteren Kreisen nicht J bekannt geworden. Das Cheder stellte so überspannte In» ,- « spräche nicht, selbst beim Llementar-Uaterricht durfte diejjahl Ja vierzig nicht überschritten werden; auf höhere» Stufe« mitßwAg die Zahl «tnc noch wesentlich geringere sein; «» gab LezasB« für die ,Sechser", für die ,Vierer", d. h. der Verein vonJ Talmud-Tora hatte die Verwaltung von Stiftungen. auSA welchen der Lehrer besoldet wurde, der nur. vier odnsichd.-A begabte Knaben in die Weisheit des Talmudeinjufülp«^^ hatte. So lebhaft wurde dem Massenanterricht entgegnqeJH arbeitet. DI ES galt auch für unpädagogisch, zu gleicher Zeit Schüler M verschiedener Stufen zu unterweisen. M Höchst interessant ist e». in dem Güdemann'sche, B«che׳D den Kampf zweier Methoden zu verfolgen, der sich fast wähieud M der ganzen zwei Jahrtausende der Diaspora sorrspilwt. Schon im Talmnd begiren wir einem Widerstreit zwischen dem ,Sinsi s^«

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