Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 23 (1892)
- Issue
- 12 (18.3.1892)
- Date
- 1892-03-18
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Minister-Präsident, General Florescn, der in meiner Nove»ber«Revue erwähnten israelitischen Deputation die tröstüche Versicherung gerben, dnß das Schulgesetz-Projekt de» Pon i in seiner jetzigen Fassung de» K 1 nicht in die DiSdtfsion der Kcmnnern gelangen wird, können wir mindestensagen: ,noch ist Polen nicht verloren." Unterdeß fuhr der berüchtigt gewordene Aßlan fort, sein — Brod zu suchen und da ihm das Bezahlen seiner Schulden durch die Nichtbewilligung der von ihm proponirtcn .Judenkommission" von der Teputirtenka.mner vereitelt worden, so schlug er den ganz folge- und eigenrlich richtigen Weg ein, sich an die — Juden selbst zu wenden, allerdings nicht mit dem offenen Ansinnen, ihm die besagten Schulden zu erlassen und neue zu bcwilligen, sondern — das Nämlich« — durch Einberufung von aus Israeliten bestehen sollenden Versammlungen in Jassys was ebenso original, wie bei uns neu ist, in welchen er, der tollwüthige Antisemit, mit den Lämmern, die ihm tief unterm Berge das Wasser trübten, wie es in der Fabel heißt, .berathen wolle, in welcher Weise" — es ist lächerlich, muß ober gesagt werden — .die Judenfrage, versteht sich in eitel Wohlgefallen, zu lösen sei." Die Versamml ungen haben denn auch stattgefunden. In der ersten erklärte er ganz kategorisch, daß er mit seinem begrabenen ״Judrnkommiffions"-Vorschlag garnichts Bösliches, sondern gerade das Wohl (?) der .eingeborenen" Juden beabsichtigte, und daß er derr.i .bester Freund" sei. Da aber diese trotz seiner glaubwürdigen Versicherung gar keine Anstalten machten, die Geldbeutel anfzuthun, so versicherte er in einer zweiten Versammlung ncch etwas glaubwürdiger das — Gegentheil und daß er den Juden ,schon zeigen werde," wenn er uümlich könnte. Damit endete seiner Komödie zweiter Akt, bei welchem er von dem nun auf dem antisemitischen Plan ausgetretenen antidynastischen Redakteur des Bukarester ״Adevsrul," A. Beld :m a n, der auch auf der Jagd n«h Stimmen zur Teputirtenwchl tcgriffen war, sekundirt wurde. Mir sind liegierig, ob un» mit was für einem Schlußakt Aßlau uns noch überraschen wird; es wird gar nicht verwunderlich sein, ivean er sich Boulangrr zum Vorbild nehmen sollte, um sich feiner Schulden zu entziehen. H. P. I^März. (Or.-Cvrr.) Die neuen Wahlen die einen twustündige:: Sieg des gegenwärtigen conservativen, Ministeriums Catargin mit sich gebracht haben, sind für die Lage derJvdcn von keiner großen Bedeutung, wenn auch zugegeben werden muß, daß die Conservativen den Judenversolgungei: abgeneigt sind, während die Liberalen, die Partei des verstorbenen Joau Bratianu. ausgesprochene Judenfeinde sind. Und trotzdem zählt die gegenwärtige Kammer 3 bi- 4 ausgesprochen antisemitische Mitglieder, die als RegierungScaodidaten gewählt norden sind. Es ist aber zu hoffen, daß der berüchtigteCcaur-Aslan, der während der vergangenen Session die Ausnahmegesetze gegen die Jude» vorgeschlagen har, diesmal ein gemäßigtes Auftreten bewahren wird. Als Verlust für da-Z Judrnthum muß es immerhin bezeichnet werden, daß di: de» Juden freundlich gesinnte Junimisten-Parte!, die unter der Leitung Maiorescu's, Peter Carp's und TheodorBaretti'S gestanden, nun mit den Altconservativen verschmolzen worden ist. Diese drei Männer waren die einzigen in Rumänien, die den Muth fanden, bei nöthiger Gelegenheit ein gutes Wort für die Juten einzulrgen. Zur Ait, als sie an der Spitze der Regierung standen, hat man nicht nur nicht von Juden- Verfolgungen gehört, sondern cS kam ein paar Mai vor. daß die Regierung offen für die Juden Partei ergriff. Mit dem ^verschwinden dieser Partei ist auch ein großer Lhcil der Hoff- »ungen geschwuntcn, die wir in diese Männer gesetzt hatten. >S ist^im Auslände zur Genüge bekannt, wie sehr die rumänische Stadtl׳cvölkerung antisemitisch gesinnt ist und wie, auf >r anderen Seite, die jeweilige Regierung die Kammer- und Senatswahl für sich auSznnutzcn pflegt, so daß cS als Regel gilt, daß bei den Wahlen jedesmal die Partei siegt, di» gerade am Ruder ist. Uno natürlich wchrt sich die confer-. -y vative Partei gegen die Candidatur des Radikalen Georg. Pa n u, de» ausgesprochenen Judenfrrunde», der auch bei lur ' Kammerwahl für Jassy durchgesallen ist. Allein ein Theil ׳ der Bevölkerung schien eS doch einzusehen, daß es ein Cut«* ל' Inst wäre, einem Manne wie Panu die parlamentarische- Thätigkcit zu rauben," und so wählte sie ihn zum Mitglied« de» Senats. Panu im Senat und Costasoru in der Kammer sind also die Männer, die der Bedrückung der Juden ihre volle Persönlichkeit entgegenstellen wurden. Die Nrmrn der judenfeindlichen Mitglieder der Kammer sind: Jacob Negruzzi, A. C. Cuza, Nicu Ceaur-ASlan, Dcmet er ButculeScu und D. P. Moruzzi. Nicht gewählt wurden die Jndenhetzrr Cbristu Regoiescu. I. PolychroniadiS und der Major ManoleScu-Mladian. Im Allgemeinen aber beginnen di« Gegensätze zwischea Juden und Rumänen sich avzuschwächen. Nicht nur d»ß bei den Festlichkeiten zu jüdischen WohlthätigkeitSzwecken auch - die christliche Bevölkerung zu erscheinen pflegt, sondern atich-, im Vereins- und sonstigen GesellschaftSlebe« beginnen I»ie Verhältnisse sich allmählich zn bessern. Natürlich hängt das mit der Thatsache zusammen, daß die jüdische Jugend in Rumänien den ruritänischen Interessen näher getreten ist- und eS cinsieht, daß man mit einiger Bescheidenheit auch mit dem dann und wann etwas ungehobetten Rumäne» ruhig auskommen kann. Damit soll allerdings nicht Irehauptrt werden, daß der Rumäne schon judenfreundlich ge« worden ist: derartige Proceffe verlangen eine längere Znt. Zieht gMjtarttMpef. Unser Glaubensgenosse, Herr Dr. Mente sch Bey, der im Dienste der kaiserlichen Flotte im Range eines Oberstlieutenants stand, ist zum Oberst ernannt worden. Derselbe »oar Mitglied der türkischen Deputation, welche vor einiger Zeit zur Begrüßung deS Ezaren vom Sultan nach Livadien entsendet wurde. Bei dieser Gelegt»! heit verlieh ihm der Czar den StaniülauSorden II. illassc. Eben so erfreulich ist die Beförderung des Hnrrn Major Moise Bey Dalmcdico zum Obersttieutenant. Ivieser ist erster Dolmetscher im Marineininisterium und hat sein rasches Avancement seiner besonderen Tüchtigkeit zu vordanken. Herr Dalmedico ist «in Nachkomme de» berühmte» Arzte- Joseph Salomo dcl Medigo (qeb. zu Kandia 1581, gest. Prag ׳/ £׳.׳ .(1657׳ In unserer Hauptstadt haben 2160 jüdische Flüchtlinge Obdach gefunden. Bon diesen wurde» 1800 durch Baron Hirsch mit einem Kostenaufwand von 200,000 Franc» ncch ■'r. America befördert; die übrigen 850 sind grüßtentheitS schwächlich und befinden sich daher hier in sehr bedauernswerthrr Lage. Da da- Hülfscomitre nicht« für dieselben chut, s», ist ihr Elend fast unbeschreiblich. Es sind Schritt« geth»», die kaiserliche Regierung zu veranlassen, diesen Unglücklich»» j| eine Unterstützung zu gewähren; bis jetzt ist aber noch Irv,e Antwort erfolgt. Die jüdische Bevölkerung Eonstautinopel» ,^׳,g ist arm und müssen daher uusere menschenfreundlichen Brützrp 7-"׳! aus dem Ocrideut ihre unglücklichen jüdischen Brüder vor dem Huogertode zu retten sich bemühen. :j — Hiesige Zeitungen brachten vorige Woche die betrübe»»«;ן| Nachricht, daß die Pforte ein Circular an die vehöche» i» Syrien und Palästina erlasse» habe, durch weichet.»re Ausschiffung neuer Emigranten verboten wurde. :1•1־ Dieselben Blätter melde», daß durch ci»e kaiserliche o Verordnung den Herren Elia Souhami, Gadulloh u.sso» von hier, die Concession zur Vertretung der ottomauisch«« Section bei der Ausstellung in Chicago erthcllt nrnrhe^-££ Die kaiserliche Regierung hat dem Herrn Obecrabbstsv^Z Evlagon auf der Insel Crcta für seine vielfachen,׳ der» Staate geleisteten Dienste eine Pension bewilligt. ,7 . '3 — In dem einige Meile,, von hier, entfernten Städich,« - > Nodosto ging ein junges jüdisches Mäschcn in einer־"