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Israelitische Wochenschrift · 1892-03-18 · 12 (18.3.1892) · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
23 (1892)
Issue
12 (18.3.1892)
Date
1892-03-18
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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dieses gelehrten ManreS endlich darin zu suchen, daß er schließlich feige und erbärmlich der Austragung jenes Pro. cefses auSwich, den er gegen Dr. Bloch angestrengt, der ihm die Anklage in'S Antlitz geschleudert, er habe einen wissentlichen Meineid oblegen wollen? So sieht die ״Berühmtheit" de» Herrn Professors Rohling bei Licht besehen aus und das ist dl« Autorität, aus die Herr Bergaui und di« antisemitischen Hetzblätter auch in Deutschland in erster Linie sich berufen, wenn sie in .rituellen Morden" arbeiten'. In Prag fand dieser Tage ein Proceß gegen einen Wucherer Namens Leopold Popper statt. P. ist ein Jude, dagenügte dem sauberen Blatte des ehrenwerthen Berg a n i, diesen Proceß in seiner Art auszuschroten. Wir sind nun weit davon entfernt, den Wucherer Popper in Schutz zu nehmen. Der Mann ist unter Anklage gestellt und ver> urtheilt worden Da» ist aber dem ״Deutschen Bolksblatte" nicht genug, es benützt de« Anlaß zu der perfiden Unter» stellung, daß dieser Proceß von der grsammten ״Judenpresse" todtgeschwiegen werden wird. Nun, e» ist ja eine alte Geschichte! daß man Niemand hinter dem Ofen sucht, wenn man i: ־. nicht selbst dort gesessen. Da« Blatt Brrgani's verschweigt ' nämlich jeden'Proceß, in dem ein Antisemit eine erbärmliche :j#08e spielt. Warum wußte Herr Vergani z B. nichts von .jenem Proceste zu erzählen, der sich soeben in Dessau abspielte, in welchem ein Herr Josef Seiler, dessen Neffe und mehrere seiner Arbeiter wegen Diebstahl», Anstiftung zum Diebstahl und gewerbsmäßiger Hehlerei angeklagt waren? ' Dieser Seiler ist «in in Deutschland berüchtigter Antisemit, er war stets ein überaus eifriger Agitator der Stöcker-Partei, und ist nun ein lebender Zeuge dafür, daß an der Spitze dieser schändlichen Bewegung fast uusnahmlo» Ehrenmänner allerdunkelster Sorte stehen. Der llnterschied zwischen einem jü» bischen und einem antiftmftischen Lumpen ist folgender: Der Erster« wird von seinen GlaubenSgenoffen verachtet; der Letztere wird gewöhnlich — Antisemiten führe!. r- Au» A«1»r«, Lv. März. (Orig.-Eorr.) Wie recht diese gesch- ״Wochenschrift hat, die Bewegung der ungarischen EeparationS^Drthodoxie gegen die Reception mit der Besorg» für die Autonomie zu begründen, beweist eine von der - liberalen Partei abgehaltene Versammlung in Budapest, in Welcher erklärt worden war, daß in die organisatorischen ׳ Verhältnisse der orthodoxen Partei in keiner Weise «ingegriffen werden wird. Die Orthodoxen, welche unter Führung de» Herr« Oberrabiner Schreiber au» Preßburg argen die Gleichstellung der jüdischen Lonftjsion im Staate Schritte Ito*, könnten daher füglich mit de» Zugeständniffen der Abrralen sich umsomehr zufrieden geben, als ja doch die »«Wissens frei heit den wesentlichen Inhal» der ReligionSsreiheit m,d LonftssionSgleichheit auSmacht. Wenn die Thronrede unsere» Kaiser und Königs und der Adreß-Entwurf der liberalen Partei de» HaufeS der Abgeordneten die Rechtsgleichheit in religiöser Hinsicht «Hält, so ist im ungarischen Parlament vorläufig von der Unabhängigkeit-Partei (der äußersten Linken) mit Präzision A«d Klarheit da» Prinzip der Gleichstellung der Eonfessionen ansgesprochen worden. — Die Orthodoxen brauchen nicht vor den Eonsequenzen - der RrligionSsrecheit zurürkznschrerkrn. ׳ .^"Eer der Sonne staatlicher Freiheit gedeiht ersahrungs» E" jede religiöse Bewegung und Bestrebung in allen ieu und Richtungen des Judenthums. Die obligatorisch« he ist allerdings die unumgänglich« Folge der Religion»- ' ^eiSeit, Jndeß hat in den Staaten, in welchen, wie z. B. ■m deutschen Reiche, die Eivilehe eingeführt ist, dies« frriheit- Tiche Aistftution niemals der Religion die ihr angehörenden 'KKwemdeglieder entfremdet, wohl aber ihr diejenigen MitsHliÄer erhalten, welche sonst zu» Abfälle von ihr wären tOchrüsgt worden. — Mir sind auch in Ungarn viele Fälle ' nnt, wo da» Band zwischen Ehegatten diesen und ihren entweder nur auf Koste« der Religion erhalten ward. Il- S- oder die Religion zum Rachtheile de» FamilicnglückeS und de» FamilieiHsedenS in allerlnng» verkümmerter Weise er halten werdeu konnte. — Wak re Religion aber ist der In begriff der Seligkeit und de» erlösenden HerzenSfriedrn«, jener idealen Güter, deren Förderung und Erhaltung LebenSaufgab« eines Staates, einer Nation ist und sein muß. Hingegen ist es vom Gesichtspunkt der Gewissensfreiheit zu beklagen, daß die Eingabe ins Rabbiners von Kronstadt (Siebenbürgen) beim Eultus-Ministcrium wegen Befreiung jüdischer Schüler höherer Schulen von der Theilnabme an schriftlichen Arbeiten am Jebbath erfolglos geblieben ist. Hier hat die conftrvativc P»rd:i das Recht und die Pflicht, ihren ganzen Einfluß einzuscjen. Fraukreicb &ätis. Ende vorigen Monats fand im ״Tivoli Bauxhall" eine antisemitische Versammlung statt, in welcher gegen jüdische Monopolisten un) Brrräther protestirt werden sollte. Gegenstand der Tagesordnung war ״die russische HungerSnoth und der von den Juden vergiftet. Weizen." (Wer lacht da'??) Der Marquis von MorL» ein Erzontisemit, welcher Douicont in verschiedenen Duellen secundirte, führte den Vorsitz. Unter andern waren noch auf der Tribüne Herr Milleroye, Vertreter der Boulangiften und zwei Stadträthe. Herr Rocheford wurde unter lautem Jubel zum Ehrenpräsioenten ernannt. ES wurde folgende Resolution vorgeschlacen: ״Die in Bauxhall versammelten französischen Bürger beschließen: daß eS eine dringende Nothwendigkeft ist, nagesichtS ver täglichen, von den jüdischen Monopolisten und Landesverräthern und ihrem Könige Rothschild an Frankreich, dem menschlichen Grschlecht und Rußland verübten Misftthaten, Rothschild aubiz französischen Bank hinanSzutrriben; — die Aufbewahrung der BolkSersparnissc durch Gründung von Arbeiterbanken in di« Hände de- Volkezu legen, um so das Vermögen Frankreiche gegen irgendwelchen jüdi'chrn oonx ä« mnua (Ueberrumpelung) sicher zu stellen; — dir Aufmerksamkeit des Volkes auf die Sprculationen!1er Engländer, der Erbfeind« Frankreich-, und ihrer Agenten,!'eien sie jüdiscl>e oder politische, auf die Unternehmungen in unftrm Land« zu lenke«, sowie Ausländer und Jude» von i»er Erwerbung französischen GrundeigenthumS auszuschließen; — auf eine Allianz mit Rußland und eine Mißtrauens roliti! gegen England, dessen Interessen denen Frankreichs «ntaegen sind, hmzuarbeiten. Da» Programm der Bürgrrpo itik besteht an» Freiheit des Gewissens. Freiheft der,Arbeit. Schutz ver französische» Arbeiterinterrffen gegen ausländische und jüdische Schinder, Frankreich und seine Einkünfte den freien Franzosen." (Diese Narren gehören in'S Irrenhaus) Noma »ie«. 0. ZtntoreA, im Januar.י) Wa« ich in einer ftüheren Eorrespondenz vorhergesehen, ist jetzt vollauf eingetroffen. Ich hatte zum Schluß gesagt: ״vielleicht kommt tut», wie im vorigen Frühling, wieder eine politische Partei-Jntrigue zu Hilft, durch welch« der samos: Gedanke des Herrn UnternchtS-Ministers Poni noch ziun reift« weggelegt wird." Wie es damit «och werden wird, wiffen wft freilich mHt ganz genau, aber — wir halien seit einiger Zeit richtig «in au» Jntriguen hervorgegangenes, nagelneues, rein Ionservatives Ministerium und eirrn aller neuesten Unterrichts- Minister. Dieser, Takje JovrScu, ist zwar «in liberal, d. h. dmtianisch gewesener Urderläuftr, ich habe jedoch, polizeizeugnißmäßig gesprochen, bislang ״nicht» Nachtheiliges", d. h. nicht» btatianrsch-auüjemiüjcheS über ihn veruommerr; überdies soll der ehemalige — ״Paulus״ ein ganz tobetloser .SauluS" geworden sein, soweit in Rumänien Gesinnuvgswechftl mit dem Inte reff« Hand in Hand gehe». Bei so» Hanen Unrständen, und sintemalen schon »er bisherige *^DrUbdruck de» sbigrnM,n»>»buche» «t«» uns!re« rh««ullgca <kerrrip»nd«rt«a h«t sich au» unlieb!l>«en Skitnden verspätet, doch fit sei» Inhalt noch nH» vrraUet.

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