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Israelitische Wochenschrift · 1892-03-18 · 12 (18.3.1892) · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
23 (1892)
Issue
12 (18.3.1892)
Date
1892-03-18
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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standen wir nui gestern, am Parschas Sochaur, bebend vL7 Frost in dem groben Saal, daß selbst der amtirende Raickin« über den Talar den Pelz anzirhen mußte. Die Beschwerden über den Contracrbruch des WirtheS — er hatte .He-zung versprochen — müssen dem Manne im Lause des Tages zu Obren gelomme» sein und er sürchtrte um sein Geld zu kommen. Am Abend versammelte sich die Gemeinde in großer Zahl, aber Dunkel die Treppe, finster der Vorsaal, schauerliche Finsternis; im Fesrsaal. Vorsteher und Gemeinde« dicner sah man rennen Trepp' aus. Trepp' an, man glaubte in Susa im Bureau des finstere Pläne schmiedenden dunklen Ehrenmannes Haman zu sein: חרצים יצאו דחופים die Eilboten flogen nach allen Seite», um den Wirth zu suchen. Kein Licht! babylonische Verwirrung! Erst sollten die 400 Mark Miethc deponirl werden, hieß es, bevor Licht ge« macht werde. Die!)eit drängte, der Eantor begann das Abendgebet bei tiefer Finsterniß und schon hatten wir di« Aufsicht, die Worte: .Bei den Juden war Licht!" ohne Licht zu hören. Ta in lezter Stunde muß eS gelungen sein, mit dem Wirth, der ein Antisemit sein soll, «ine Verständigung zu erzielen, lind die Lehre dieses finster» Vorganges, der unr säst um die Purimsreudc gebracht hätte, ist die alte Vorsichtsmaßregel: Erdenke, was Amabck Dir gethan! An» Anse» in März. (Org. Corr. > Letztes Spätjahr machten die Teutschsocialeu einen gewaltigen Anlauf zur energischen Agitation in unserm Ländchen und dem benachbarten Elsaß. Die beiden Herren Commis Voyageurs der deutschen Antisemiten, Liebermann v. Sonncberg und Rector Ahlwardt, machten ihre Offerten : cs war rührend, die fieberhaste Thütigk-it der guten Leute mit auzusehen. Welch« Fach- und Sachkenntniß entwickelt« z. B. Herr Ahliu irdt, als er einmal prophetischen Blickes, mit heldenhafter S nme und Geberde ausrief, .es sei endlich Zeit, daß wicbu die gute deutsche Ehrlichkeit in Handel und Wandel Herr he!" Allerorten, wo sich drei oder auch noch mehr brave gcrmanische Männer fanden, die Beruf zu Reformatoren in sich fühlten, bildeten sich .Deutschsoziale Reformverein:". — Seit etwa zwei Monaten ist es ziemlich still geworden; sind die antisemitischen Kämpen ermattet, oder ist es die unheimliche Ruhe vor dem Sturm?! Wir wollen abwarten. — Zum Vorwort der Bewegung will man — so scheint eS — tue bekannte Fabrikstadt Lahr (Heimath des weltberühmten .Hinkenden Boten") machen: Seit Januar a. o. wälzt sich das bisher unparteiisch« Winklblättchen .Lahrer Allg. Anzeig« in antisemitischem Schlamme; u. a. werden die tollsten Lügenberichte k ber di« ontener Affaire fast in jeder Nr. den Lesern als Tbatsachea aufgetifcht. — Außerdem soll vom 1. April an das bisher in Todtnau herausgegebene Parteiorgan der badischen Antisemiten in Lahr erscheinen. Unsere christlichen Mitbürger, auch die Landbevölkerung, verhalten sich im allgemeinen ter Bewegung gegenüber entweder ablehnend oder gleichgültig. Dagegen treten als nicht ganz «ngesährlirhe Verbündete der Stöckerianer hier und da einig« Landpfarrer auf; sie mißbrauchen di« Kanzel zur Judenhetze. So macht sich ein grünster pietistischer Pastor von Zeit zu Zeii daS Vergnügen, den gläubigen Riedbauern von der Kanzel zuzuruftn: ,Tie Seelen der Juden sind unrettbar verloren." — Mir gruselt, Herr Pfarrer! M»rhß««ie», 16. März (01. Corr.). Am 0. d. M. Ädar) feierte die hiesige Chebra ,GemiüuS Thasiodim" rhr diesjähriges Stistungsstst. Rach dem vom Sünagogea- Chor gesungenen Liede hielt Herr Rabbiner Dr. Schön« berger die sehr wirkungsvolle Festrede, welche sehr passend an die Worte der Haftara: .Wahrlich die Bitterkeit des Todes ist von mir gewichen!" anknüpfend, sich über dieTHLtigkeit des Vereins verbreitete und mit dem Hinweis auf de» Tod zweier verdienstvoller angesehener Gemeinde-Bereins- Mitglieder, derHrrrenS. Frenkel und M. G. Heilbrunn, schloß. Die Festtafel wurde durch zahlreiche Toaste gewürzt V! und hielt die Mitglieder noch bis spät ii? die Nacht hinein zusammen. — Gestern wurde auch aus Anlaß deS Purimfestes eine Kinderfeier abgehalten, für deren schönen Erfolg unsere« Cantor Herrn Warenheim nebst Töchtern Anerkennung gebührt. Die Leistungen unserer selbst in den letzten Schulklaffen befindlichen Kleinen in jüdischen und deutschen Vorträge« waren überraschend. Hervorgehoben zu werde« verdient ein von Frau Jda Hirsch verfaßtes Purimkestspiel, davon Mädchen der höheren Schulklassen in meisterhafter Weise dargestellt wurde. DaS Fest schloß mit einem Purim-Ball. Diese sowohl wie die vorerwähnte Feier zeigten daS Bindemittel zwischen den verschiedenen Ständen und divergirenlxn religiösen Ansichten der Mitglieder — sie zeigten, wie solche Feste «eignet sind, den Sinn für eine gewisse Zusammeoge- Hörigkeit in unserer heutigen so vcrurcheilnagsvollen Zeit zu kräftigen und zu beleben. Afch«ffe«»»r,. 11. Mürz. 11111» großer Betheilignng fand gestern dir Beerdigung des quirszirten Predigers und Lehrers Jakob Rose n ha upt statt. Derselbe hatte daS hohe Alter 80 Jahren erreicht, und fast ein Menscheualter seine- Amtegewaltet und vor einigen Jahren hatte er mit seiner ihn überlebenden Gattin, die m aufopfernder Hingebung ihm bis zur Todesstunde zur Seite stand, die golden« Hochzeit gefriert. An dem langen Leichenkondukte konnte man ersehe«, mttche Beliebtheit der Entschlafene sich in hiesiger Stadt erworben, und welch: Achtung derselbe unter seinen Mitmenschen genossen hat. Am Grabe sprach außer dem hiesigen Herrn Rabbiner i S. Bamberg«) Herr Oberkantor Moritz Rojenhaupt von Nürnberg, ein Sohn des Berstorbeaen, ergreifende Ab» schiedsworte, worin er hervorhob, ivaS sein sel. Vater seiner Familie war, wie derselbe da- Gebot der Nächstenliebe zu verbreiten und selbst auszuüben verstanden habe. Wit er selbst keinen Unterschied unter Konfessionen für sich gelten ließ, so wußte er diests Gebot der Toleranz auch seiner ihm anvertrauten Jugend, sowie seinen eigene» Kindern in» Herz einzupflanzen. ES ist daher wohl auch »icht zu derwundern, daß brr seinem Brgräbnisie Angehörige verschiedener Konfessionen vertreten waren. Im Namen feiner Aollegen wollte ein« derselben seinem velstorbenrn Freund und Kollegen am Grabe einige Worte d«S Nachroses widmen; die» mngte ab« leider unterbleiben, da der amtirende Herr Rabbiner aus unerklärlichen Gründen dagegen Verwahrung einlegte. ' OesierreietiUngar». Nie«. Der Mord in Xanten läßt Herrn Bergan, noch immer nicht ruhen. D« Herausgeber dvS ,Deutsche» Volksblattes" verwendet sein ganzes journalistische» Können weit« daraus, mit meisterhaft« Geschicklichkeit aus jede« . Schund- und Schaudblatte Notizen über den ,rituellen Mord" -ל^ herauszuschneiden. Neuesten» eitirt H«r B«gani de« ,Off«- vatore", in welchem u. A. folgende köstliche Bemerkung enthalten ist: ,Bekanntlich aber haben nicht allein der berührst« Professor Rohling und andere Gelehrte die Thatsächlichkeit de» jüdischen Blutritualeaachgewiesen, sondern auch dargethan, daß das bekannte Gutachten de» Bischofs Dr. Kopp in kein« Weise den wiffruschaftlichen Beweise» entspricht, welche in den heiligen Schriften der Juden vorhanden sind." Nun, wir halten «s für überflüssig, den hochgelehrten, in der wissenschaftlichen Welt als Autorität «sten Ranges gefrierten Bischof Dr. Kopp gegenüb« dem ״Osstrvatore"« und Hevsn Bcrgani in Schutz zu nehmen. Wir möchte» uns dagegen -Z erlauben, «in klein wenig die Frag« zu untersuchen, Map;■' eigentlich die ,Berühmtheit" des Professor- Rohling stehe. Vielleicht darin, daß >erfelde das leichtglänbigr OfOk׳ einenicht-würdigen Individuums Namen» Brimauus »vr, dessen Lügen d« .berühmte" H«r Profeffor wie *in» OfkpL barung glaubte? Ob« bestand die Berühmthest dieses srffors d« Theologie darin, daß chm von ein« Rethr M» ־" Gelehrten nachgewirfen wurde, « sei ein .Jßnnrant/tiPs Fälsch«' ohnegleichen? Ov« vielleicht ist die

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