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Israelitische Wochenschrift · 1892-03-18 · 12 (18.3.1892) · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
23 (1892)
Issue
12 (18.3.1892)
Date
1892-03-18
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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י־יו;," stehen müßte, gut eutpsohleuen Auswanderer dürsten dann nach den Koloniren befördert werden. — Bon großem Bortheil für die künftigen Eolonisten würde es fein, wenn man einen Theil derselben in Deutschland oder «!!erreich mit einer laudwirthschastlichen Vorbildung versehen könnte. Zr diesem Bchuse möchte ich mir erlaube», die Gründung eines .Vereins zur Ausbildung rus» s isch. j üd i sch e r L a » d w I r t he", etwa mit dem Sitz ü BreSlou, in Vorschlag zu bringen. Dieser Verein hatte die Ausgabe, sich mit de« jüdische» Gutsbesitzern in Deutschland und Oesterreich Ungar» in Vnbindung zu setzen, um bei ihnen kräftige russisch-jüdisch« Auswanderer als Arbeiter, sowie intelligente wohlhabende junge Leute als laudwirthschastliche Eleven unierzubringen. Durch letztere würde gleichit'fl das Interesse für den laudwirthschastlichen Berus in e wohlhadrnden Kreise der russischen Judenheit gepflanzt werden, was dem ganzen Kolonisationswerke einen gewissen Aufschwung verleihen würde. Seitens der deutcheu resp. österr.-ungarische« Regierung würde sicherlich de!» zeitweise» Aufenthalt der genannten Auewanderec aus Landgütern keine Schwierigkeit bereitet werdrn. Es würde für die jüdischen Colonien dadurch auch ein Tramm jüdisch:! Landwirthe gewonnen werden, aus welchem später Leiter künftiger Aimedelungen entnommen »erden könnten. Es ist dies ein Moment, das unter Umständen von großer Tragweite für die ganze Eolonisationsfrage werden könnte. Was tie organisatorische Leitung der Colonien betnfft, so ist es. erforderlich, daß dem von Baron Hirsch bereits ernannten Generaldirector zur Seite gestellt werden: 1. Ein tüchtiger Londwirtb, welcher auf dem Ge* biete der Colon isation bereits rhätig war. Auf einen Glauliensgrnoffen, der diese Eigen» l»ast in hohem Grad; besitzt».ist bereit» der um die ruj.lkch. jüdischen Auswanderer verdienstvolle Vorsitzende oeS Hamburger EomiteeS, Herr M. W. Hinrichsen, aufmerksam; er dürste nach näherer Prüfung die Sache in geeigneter Weise dem Baron Hirsch unterbreiten. 2. Ein gebildeter russisch.jüdischer Kaufmann, welcher mit den Sitten, Gewohnheiten, Charaktereigenthiunlichkeücn seiner Landsleute vertraut ist und zum mindesten nicht vollständig Laie auf dem Gebiete der Londwirlhs'haft ist. Die Aufgabe dieses Mannes würde hauptsächlich darin bestehen, der Vermittler zwischen den Ansiedlern und deren Leitern zu sein und gleichzeitig letzteren als Beiralh zu dienen. Ein solcher Mann müßte, wie die Erfahrung lehrt, auch in religiöser Beziehung von den Ansiedlcrn als zu ihnen gehörig betrachtet werden, um den nvthigen Einfluß auf dieselben ausüben zu können. 3. Bon näht geringer Bedeutung dürfte für die Colonie» die Wahl des ersten Rabbiners sein. Als solcher Sarf nur ein Mann gewählt.werden, der bereit» unter den russischen Juden gelebt und gewirkt hat und durch sein religiöses und profanes Wiffen eines großen Ansehens bei ihnen sich etsteat und der zugleich auch der russischen, t-eutschen und englischen Sprache mächtig ist*). Eine Hauptaufgabe des Rabbiners müßte die Organisation txä Schulwesen« sein. Was endlich die Ansiecluugen**) selbst betrifft, so halte *) ®n *ionn wie Mm Dr. Pphiiipv Klein, Rabbiner in Sew• Jork, welcher Zaire lang in der groben jüdischen OknuintK zn Libau sigc;reich gewirkt hat, als Ausländer aber vor etwa drei Jahren nt «nfjabe seine« A«t«4 »vtz feiner Beliebtheit bei der Regierung gesetzlich veranlabt wurde. **) Bei »er Errichiung von Amiedelungen muß selbstverständlich «it oer Lxrstellung von Wohrungen und «irtbschastSgebäuden begönnen werden. Bei Ermaigelu, g 5on Waldungen «übte man hauptsächlich da» »ugeumert auf 50» Bortandensein von Lehm- und Torfboden richten, um Ziegeleien vnd Torfs.«cherrien anjnlegen. ich es nicht für׳ zweckmäßig, den Einwanderern gleich nach ihrer Ankunft in Argentinien das Land zur Gelbst bevirtt!- schastung zu übergeben, da hierdurch die Verwaltung und Beaufsichtigung zu sthr erschwert wird. ES dürste sich viel- ■ mehr empfehlen, zunächst größere Landgüter al» solche zu verwalten und die Colonisten auf denselben einige Zeit als Arbeiter zu beschäftigen, um ihnen später, je nach deren Tüchtigkeit eutsprvhendc Parzellen Land zur Selbstbewirthschaftung zu übergeben. Dieses System würde gleichzeitig die wohlthuende Wirkung übe», daß solche El«- mente, welch: sich weniger für den landwirthschastliche» Beruf eignen, sich von der Bewerbung zur Ansiedelung von selbst fernhalten würden. Mögen diese auf genauer Keuntniß der russisch-jüdische» Verhältnisse beruhenden Vorschläge an maßgebender Stelle genügende Beachtung finden. Ale Vädagsgit des K Heiko. Es giebt kaum ein Gebiet, auf ivelchcm so viel geheuchelt wird als auf dem der Pädagogik. Die Bücher und di» Reden der Pädagogen fliehen über von Zartheit, Liebe und Milde, in der Praxis ist von all den schönen Dinge« nicht viel zu spüren: eS giebt im guten deutsche» Vaterland« Schulen genug, wo nahezu in jeder Stunde jeder Schüler es an seinen Fingerspitzen verspürt, daß er etwa in die Ge- Heimnisse dcS Kopfrechnens noch nicht so weit ringedrungen ist, al» es der Meister für wünschenswerth hält. Einstmals wurden die Unteroffiziere Schullehrer, festdem der Staat immer mehr militärisch geworden ist, sind die Lehrer Unteroffiziere und verpflanzen mit Lust die Formen der Kasern« in» SchulhauS. Gewöhnlich wird dann behauptet, es gehe nicht ander»; wer kann dies so schroff bestreiten; aber viele milde «ad ihrem Berufe unbedingt ergebene Männer bringen es gu Stande, ihre Zöglinge ohne rohe Strafmittel durch dee Schule zu führen; sollte die Unentbehrlichtint solcher Mittel' wirklich ein Ergebniß der Erfahrung sei«, so hätte die Er- ' zirhungslehre jedenfalls feine erheblichen Fortschritte attfji.« weisen. Eine Pädagoge hatte den sublimen Gedanken, eS solle ei» Stock in jeder Schulstub« stehen, aber nicht zum Schlage» vom Lehrer angewendet werden.. Die meisten Leute jebodju welche in den Schulen da» Regiment führen, schein«« zu . - glauben, daß der Schulstock seinen Beruf verseht Hab«; dir nicht al» der wirksamste Erzieher durch den Körper -vr Seele rede. Unsere Altvordern waren wenigstens ehrlicher als die Pädagogen der Neuzeit; sie machten kein Hehl daraus, daß sie durch den Schrecken regieren wollten; sie hatte» kein rechtes Vertrauen zu deu guten Instinkten und Neigungen der ihnen anverttauten Jagend. Dadurch mußte naturgemäß die Straft . jede Wirkung auf das Ehrgefühl de« Heranwachsenden Ge- . . schlechtes eiubüßen und Lehrer wie Schüler mußten bei diese!« / Zustand« verrohe«. Aus den Schilderungen älterer Leut« -sind uns diese Zustände sattsam bekannt; gegenüber deu Martern des, Lehre!« der Ghettoschul» ist ftlbst die Schule de» verrufensten PrügellehrerS unserer Tage noch eia Paradies. ר ״Du sollst sie den Kindern rinschärseu," heißt es in di» - Schrift, darunter verstand die alte Lehrwcisheit die lang einpsundene» Denkzettel, mit denen man dem Fleiß und de« Eißr J der Jugend energisch nachhalf. .Du sollst davon reden* "J (wedibbarto bom), so hieß mit einem sonderbare» Schulwitz schlechtweg der .Stock"; am Freitag Nachmittag wuroe de. ja Jugend entlasse»; am Sabbat an dem alles ruyi», batte -W auch der Schulstab einige Ruhe; aber manche für das MÜL der Jugend allzubesorgte Lehrer hatten die löbliche Getzshn-Jgk heit, am Freitag gleichsam zum Avschiedsgruße noch alle Schüler der Reche nach zu prügeln; war nun ein Knabe,

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