Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 23 (1892)
- Issue
- 11 (11.3.1892)
- Date
- 1892-03-11
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
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׳■ nun btiörbtrt zu werden. Alle diese werde« sich «UN bitter r?,ttLuscht sehe«, da verlautet, daß im Lause des Jahrekeiner mebr von ihm befördert werden wird. ES sind audiesem Grunde diesbezügliche öffeutlichr Bekanntmachungen in au-^dehntestem Maße durch ganz Rußland ergangen, aber nichtvermag die Bewegung nach dem Westen -u hemm>:n. Die vorzeitige Berüffentlichwrg der hebräischen Blätter über den Plan de- Baron Hirsch, haben der Bewegung einm solchen Anstoß gegeben, daß nichtim Stande z» sein scheint, ihr Einhalt zu thun. Es ist unmöglich, vorauSzusehen, schreibt das Londoner .Zew. Chron.' von 4. MLrz.de« wir obige Nachricht entnehmen, was sich an der rassischen Grenze ereignen wird, wenn aller Abfluß aus Europa durch die Suspension der Auswanderung nach Amerika und Argentinien verstopft wiro und wie wir erfahren, herrscht dieserhakb die ernsteste Be- Ä nicht bloß iii den leitenden Kreisen unserer Gemeinde, auch unter unfern Glaubensgenossen auf dem Tontiuent. Nach einem soeben au- New-Uork erhaltenen Telegramm hat sich die Lage dcftlbst etwwaS gebeflert; die Typhuspanik dauert jedoch noch ^ort und die Arbeitgeber weigern sich da» her. aus Furcht vor Ansteckung russische Einwanderer in Arbeit zu nehmen. Ein Congreß-Eomitre beschäftigt sich zur .lest eingehend mit der Einwanderungsfrage. Werst«. Einen schlechten Witz mit dem Reichstage hat sich der ,deutsch-soziale' Verein in Elberfeld erlaubt. Wenig« stens hatte der Geh. Ober-RegierungSrath v. Lenthe vollständig Recht, wenn er auf diese Weise eine von dem genannte» Verein bum Reichstage eingereichte Petition kennzeichnet, welche verlangt, der Reichstag wolle veranlassen: 1. ta'i t«r Zalntub von einer amtliche» iu diesem Zwecke ,,zuderilfendeA «omisfio» übersetzt »erde; 2 diese Uebersetzung von \tsU*« »eg«» sä« Eichen de ätsche» Richter» ,»gesandt «erde: 3. bc i der Rechtsprechung über In»» die Sesnttkitz der elnschlsaige» Dilmndlehrru bet ,«de« Richter voran»«!«-» werde; 4. Rich»d«Lcksichttg»»a de» Lalmnd zu eine» Revifionlarnnd gemacht werde und ö. Srnatalz der Grnndlehren de» ralmnd bet de» jnriftischen Staairprüsunze» veriangt werde». DerReftreut, der conftrvatioe Abg. v. Jagow-PotSdam, hatte die sfwßige Sache sür würdig gehalten, dftZuzfthuag eines Vertreters de» ReichSjustizamtS zur Berathnng der Angelegen- Kit zu fordern, als welcher denn auch der Teheime Ober« Regierun^Srach v. Lenthe erschien. Der Regstruugscommifiar bestritt, daß irzend ein Grund, im Sinne der Petition etwa- -u veraulaflen, vorliege, da im Gebiete de» göttlichen oder weltliche» AechtS in Deutschland von irgend einer rechtliche« Geltung d«S Talmuds gar keine Rede fei. Derselbe sei SbrigeaS fö»n übersetzt (wenigstens zumTheil. Red.) und enthalte neben vielem Anderen eine Sammlung von Sittlichkesttzregeln, von welchen nur in Bezug auf daS Recht jüdischer Ehegatten gegeneinander die Gesetzgebung de» Königreichs Würtemberg «ine gewifle'Serücksichtigung zulasse. NurUnkeuntniß könne «inen Vergleich zlckschea der Geltung des eorxu» juri, oauouioi und derjenigen des Tulmuds zsthea. Da überdies di« Elberselder Bittsteller sich jeder Begründung ihres Be- ShrenS enthalten hatten, fand die Eommissioa die Petition r ungetigurt zur Berathuug im Plenum. Möge diese Lectioa den Antisemiten und dem Herrn von Jagow gut bekommen! Werkst», 7. März. I« der heutigen Sitzung des Äbaeordneteuhauft» brachte derAbg. Rickert de» in dies.Bl. bereits SLgftlhrlrcb mstgerlMtea Fall aus Hörde (Umwandlung d:r Eimultaushule in eine conftssiouelle unter Ausscheidung der ca. 30 jjüb. Schüler) zur Sprache: .Das ist ein uner« hörte! Gewalt-Skt, rief der wackere BoltStribua, wenn man -zegea den Willen der Eltern, gegen den Willen der Korporationen di« jüdischen Kiner einfach hiaausweiftn will. (Sehr richtig! links.) Wenn daS BolkSschulgefttz in Kraft tritt, was werden wir dann erst an Uebereiftr «rleioen! Wo jetzt friedlich die Ke nftssioiren sich vertrage», da wird der Streu selbst in die zcrtr!Zugend gepflanzt wervea.'^Der Kultus- י■*-׳-. ,,?,יי זז minister erklärte hierauf, daß er selbst bereitdu_״ iuhibirt habe; sofort nachdem er-mntniß vsn dein gehe« der Regienmg zu Arnsberg erhalten, das er mißbillige; ein« Beemträchtiguug der stuat<bürgerlstho».«chse Ä sei keinesfalls beabsichtigt genefcn. — Wir können, nie Herr,' Rickert, mit dieser Antwort de- Kultusminister« zusrichen sa». M Werkt», -.März. (Or.-Eor.) Der,Verein derHörerder.■,* Lehranstalt sür die Wksftnschast de» Judenthums" bäing am 'Z Mittwoch, den 3. März, im. Festsoal« des Hotels ^on König von Portugal' die Feier seine« vierjährige« Bestehens. DaS Fest erhiett eine besondere Weihe durch die 8 Wesenheit zahlreicher Ehrergäste, die der Einladnng deiKereku»' gesolgt-^oarrn. Unter anderen Hoaorationen bemerklr» wirr dagesamt« Lehrerkollegium, bestehend ans'den Herren:? Prof. Dr. Steinthal, Dr. Cassel, Dr. Müller, Rabb. Dr. Maybaum, ftrr-r Juststraih Makowe r, die Herren Rabb. DDr. Stier und Rosenzweia u. a. m. dem, offiziellen Theile ging ein vom Vorsitzenden. Herr» O&acU tbeoL Samuel, komwondirter Salamander zu Ehre«! Sr. Moj. dedeutschen Kaiservoran-. Rach Absingrwg? deersten FestliedeS gab der Vorsitzende «ine UrbersickKüber; die Entwicklung de- Verein- und der mit chm verbundene«? .Darlehn-kasse'. Die Vorträge, welche entsprechend dem' Zwecke de- Vereinbic moderne jüdische Theologie betreffende! Themata behandelten, hätte« innerhalb der Mitglieder zu 2 regen Debatten und Belehrungen Anlaß gegeben. WennZ auch die ThStigkeü der seit 2 Jahren bestehenden ,Darleh«--'Z kaffe" vorläufig noch «ine sehr beschränkte sei und wohl erst , nach mehreren Jahren ein« den Bedürfnisse» einigermaßen; entgegenkommende Wirksamkeit werde an-üben können, s»7 rechtfertig« doch da» Jnterrffe, welch« sie in der Lehrau^att? nahestehenden Irreife« h-rvorgerufen, die Erwartung auf eine: weitere gedeihliche Entwicklung. Aus dazweite Äed nimmt! Herr onuck. tsteol Poznan-ki da» Wort zu einem % auf das Lehrerkollegium. Im Namen de» Letzteren «ortet sodann Herr Pros. Steinthal al» Borfitzender «ckj setzt« st, längerer, von idealen Gedanke« getragene» Redeauseinander, daß dem Theologe« nichtso förderlich fäf; al» Freiheit, da nm diese Wahrhafstgftit erzeuge. 41ab: warum, so führte Redner an», sürcht» man btcfe Freiheit des Denkenso sehr? Die Geschichte unserer Religion und unsere» Volke» könne die Wahrheit vollauf vertragen. Er v-r« schlage -.B. nicht« (ohol Red> ob wa« annehme, dieOsftabarung - wäre am Sinai emem für dieselbe »och nicht tetftn Balm gegeben worden, oder sie Hab« sich allmählich vollzogen; ihre MrkrNw beginne thatstchlich nicht vor dem Anstvtte» de» ersten Manne», der sie zu bereifen vermochte» vor Samuel. - Man könne eben nur lehren, toa» der Schüler unter ־־*־^ stige« Umständen von selbst hätte lerne« lönnco: «eser »j. Grundsatz sei da- Geheimnis der «elfe« sokratischm M« Der Rabbiner könne sich seine Schüler d. h. seine meiude so wenig wst ei« sonstiger Lehrer wählen; er sich der geistigen Stuft seiner Gemeinde anpasft». aber danach streben, dieselbe schrittweise zu einer «ehr und, geläuterte» Gotte-anschauung und Gotte-Verehrung zu heben. Auch die Entfaltung, dst uns» re Religion Sie Propheten erfahren, sei nicht ihre letzte »nd höchste Stuft; der entscheidende Unterschied sei nicht Unglaube und Tonfrssionsglanbe, sondern «iu menschenunwürdiger «ch menschenwürdiger Gottr-glanb«. Den letzt««' mü alle» Waffen de». Geiste» und durch eine in nichts gehindert« Frei» hest der Forschung uns zu erwerben, dazu gebe die Left^-^ anstatt Gelegmhett und Anleitung uud dazu wünsche^ e«^ den an ihr ftudirenden Hörern Gluck. Hstrauf dankte nach Absingung eine» drstte« FestH Herr RabbioatSkandidat Dr. L. Blumenthal Seat wesende» Herrn )Justizrat Makower für da-, warme welche« er namättlnh iu jüngster Zeit an maßgebender E bethStigt habe. Wen« auch s«u« Bemübaageu für t anstalt augenblicklich noch nicht von Erfolg. gekrS»H,