Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 23 (1892)
- Issue
- 11 (11.3.1892)
- Date
- 1892-03-11
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
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Id" Begeistervng und Opfersteudgkeit nicht hoch «mznschlagen und an Desertionen sind ouch Drrrtsche betdeiiigt. Vrn den Mennoniten heißt eS, daß sie eine besondere Schwierigkeit bieten, selbst nicht erscheinen und auch andere ßaraü ve,hindern. Gegen ein Loskaufgeld von 6033Thalcrn fpro Mann 33 Thaler 30 Groschen) wird ihnen schließlich die Befreiung vom Eintritt in die Landwehr mit königlicher '׳ Genehmigung bewilligt; und damit in dem Bilde kein Lander- ' Heil übergangen werde, sei erwähnt, daß auch aus einer An» ga# schlesischer Kreise ebenfalls »T Hatsachen" berichtet werden. Tos Vorkommniß bei den westprrußischen Juden — teitäüfig das einzige wohl dieser Art audem Jahre 1813, durch wrfches die Juden überhaupt brrührt werden — behrntet — genau wie olle übrigen Borkommnisse — eben auch nichts weiter als ein dem großen Werke entgegenftchendrÜ Hinderwß. Mit diesem Vorkommnisse wird daher nur tiaS Urtheil der Mschichte bestätigt, daß im Militär zwischen Ehiisten und Jude» eben ein Unterschied nicht besieht — licbft im Guten, noch im Böse n. ES erübrigt jetzt noch den zrveiten, »venn möglich gislinimrrrn Tbeil der durch die ״KeuzAeitung" verübten nlstrllung historischer Wahrheit auszudeckcn. ׳ Ter Kreuzzeitungehistoriker hat sich nämlich nicht damit begnügt, die bei der übrigen Bevölkerung vermeldeten Vorkommnisse zu eSkamotiren; er hat vrlmchr auch direkt hje .wahren Thatsachen" zurechtgcstutzt, mit welchen er die Juden in den fünf wcsipreußischen Kreisen als feig lind un» vätriotisch verklagt. Freilich ohne dies häiie auch da» an» «re Manöver nicht dm gewünschten Zweck erfüllt. Wortgetreu ja mit diplomatischer lyenanigkcit führt die »Kreuz-Zeitung" ihre Quelle an. Aus ge lassen sind von dem r v Histonker dcS BiatirS nur zwei Sätze, nämlich die beiden, M wrlche gerade über den wirthschaftlirüen, sozialen und physifthett Zustand der westpreußischen Juden im Jahre 1813, LA ja in einem gewissen Grade auch über ihren politischen und N״»ilittrischeu Geist ein bedeutsames Zeugniß enthalteil. Und fi' doch strhcu diese beiden Sätze in den GcneraljiabS,verke» mitten unter jenen, von der ״Arcuz-Zeitnng" mitgetheilten »wahren THatsachen-! i;-׳;■ ־' Sr ft er ausgelassener Satz: Im Kreise Deutschkronc Lr Waren jene Reklamationen überaus zahlreich, deren ärztliche Begründung nicht anerkannt werden konnte. Im thatsäch- . : Ischen Gegensätze hierzu äußert sich der LandwehrauSschnß %: WrtliA rote folgt: V, ■j-.י' .Merkwürdig ist cs, daß die'meiste» Juden mit Brüchen;£■. behaftet sind: wahrscheinlich ist das Tragen großer Packet« X ■ von Jugend auf, womit sie im Lande umherziehen, daran >> Schuld." feUnd daran schließt sich unmittelbar der zweite ausgc- Ekassene Satz an. Er lautet wörtlich: £׳••' . .An Freiwilligen stellten sich in diesem -reise, meist ■1ä־:״. zur -aiallerie, 163 Mann, darunter 11 In den." 4- In dieser einfachen, gewissermaßen naiven, Aussage des ■ Haodwehrausschusses wird die Physisch« Brrkümmerung und die sociale Degradation der westpreußischen Juden im Jahre . ' 1813 eben nur in einem Symptom und nur in der land- Mufigstrn Erscheinungsform bekundet; um so zwingender be» ׳ .-twgt diese Aussage daß die Militäruntaagüchkeit bei den r.'״ «Mklagten Juden, und zwar in weitester Ausdehnung, keine ^.--scheuchrlw, sonder« eine thatsächliche geiwfen. Wird doch Uk-kh 1845 — in dem amtlichen Bericht bezüglich der ver» hältnißmäßig geringen Rekrutenzahl der Juden überhaupt י— kür Welchrrußen sprciell hingewieseu aus die dortige sehr ^dürftige Lebensart der Jaden, wodurch ihre LeibeSkonstitution Mgcud auf unentwickelt bleibe, sowie auf ihre Armuth & «»d ihre Erwerbsarten. Unter de« preußischen Juden von 1813 — die in ihrer A-sammtheit Jahrhunderte lang al» unfähig und unwürdig JA• Milttärdienst ausgeschlossen waren, die noch ei» Jahr Rekrvtengelder gezahlt hatten — unter ihnen waren,« di« wrstpreußischen Juden in de:!hat die ärmsten, elendesten und auch an ihrem Leide am schwersten Grstkädigten. Ist es ein Wunder, wenn bei dicsin Inden, neben der militärischen Unfähigkeit auch 11 och Inkust oder Widenoillen gegen den Kriegsdienst vor^rnlen ivar? Und nun bezeugt die zweite Aussage de- Landwehrausschusses, daß selbst unter diesen Juden sowohl die patriotische Gesinnung, wie auch der militärische Sinn noch nicht gänzlich erloschen war. denn sie stellten Freiwillige. > SS ist cinlruchtkno, daß das Edikt vom Jahre 1812 j die Jahrhunderte lang bedrückten Juden nicht plötzlich in > Makkabäer umwandcln konnte, und rS ist gar billig, wenn die ,Kreuz Zeitung" uus den Hunde»te« von Krieg-» und j Schtachtanelvoten gerade jene über Waterloo herauSgreist, j die von 55 gesallenru jüdischen Lsfizierr berichtet, und wenn ׳ danir das Blatt gcacn solche Arekdotc Entrüstung zum Besten! gibt. Nicht Anekrvten sind rrtjcbeideud für das Verhaltet, der Juden im Allgemeinen während der Freiheitskriege, sondern die folgenden amtlichen Zahle» Die jüdische Bevölkerung — d. h. Inländer mit Staats bnrgerrccht — in Preußen Hot im Jahre 1813 überhaupt betrogen rund 30 0vb0 Seele:!, oder nach der statitistischen Tabelle von 1811 genau 20 538 Seele». Bon dieser Zahl wurde» in das Heer, eingcreihi tvcnigstenS 500 Juden, und von diesen waren mindestens ,licdrrnm 200 freiwillig Jäger — eine sthr hohe Zahl Freiwilliger. lieber diese fünfhundert jüdischen Soldaten oder ist de» Berichten des Generallommanso's auch noch zu lesen, daß ihre Führung durchweg gelobt, daß sie zum Theil mit besvndercr Auszeichnung grsicnt, und daß sie sich dem Feinde gegenüber brav benommen haben. Und nm nun mit einer ,wahren Tharsache" aus der Quelle der ,Itreuz-Zcituiig" selbst zu schließen! Wie beginnt die lange Reihe der Geier für die freiwillige« Jäger, denen amtlicher Tank für die Opfcrwilligkeit abgestattet wird'? Vaterlanhslietzr. Erste Gabe. ״Der A«l1este׳e>- hiesigen Fudrnichasr und Ncnlier Herr tri um per» hat der Uvter«tchnct-11 Commission t l« Offerte von VOl) Thalrrn Lr»r»m zur Squipteu g »nvermSge1»der Areiivttii-er gemacht. Die Eomnlssiop macht d esen!HSligen Beweis parriklischek Besinnung hiermit dferullch bekonvr, und!«ird dieser Betrog zu dem besiimmten Zwecke verwendet werden Berlin, d-n lv. Februar 181;!. sidnigl Allerhöchst verordn»!« ^ber-Stegicruiigs-Eviiemissioie." Dag die Juden in de« Freiheitskriegen keine Opfenrillig keit yezeigt hoben, ist also gänzlich unwahr.׳ Nicht» beweist, daß die Juden sich anders benommen hätte« wie die Bevölkerung im Allgemrinen, und -so könnte man denn die ,Kreuzpeilung" frage», eb zur echten Vaterlandsliebe nicht auch Wahrhaftigkett und Gerechtigkeitssinn gehören sollten?) Srrichle tut» Gsrresponde«)»». De»1fchl«»d. Maadetvrg Ernste Besorgnisie herrschen augenblicklich in Betreff der Lage der Dinge an der russischen Grenze. Die Auswanderung nach Amerika hat während der letzten 14 Tage wegen des Ausbruchs d«S russischen Typhu« in New-Äork, in Folge dessen eine einstweiltge Sperrung aller Häfen vor *n Einwanderern angeordnet wnrde, eine völlige Unterbrechung erfahren. ■ Das deutsche Eentralcor itee wurde gezwungen, jeder Bewegung der Auswanderer lurrch Orsterretch und Deutschland Einhalt .zu thun und dev Andrang der zur AnSwande mng Entschlossenen nimmt nr.it jedem Tage zu. Der Teke ... *) *ul kt Neueste» Nr.!00111 6. Wärt) kr von De LH. Barn, eblgl rten tr,lfischen ««heuschtist״PK Nation".