Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 23 (1892)
- Issue
- 11 (11.3.1892)
- Date
- 1892-03-11
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
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.yeitung* dazu, die ia durch jene Mittheilungen der Wahrheit zur Ehre verhelfen will; da» wird um so zeitgemäßer sein, als ja die .Kreuz-Zeitung" unter denen, welche dem Polle die Moral retten wollen, in vorderster Reihe steht. VcrauSzuschicken ist, daß das gesammte Material, sowohl des von der ״Kreuz-Zeitung" wie das im vorliegenden Artikel benutzte, entnommen ist der »Geschichte der Organisation t«r Landwehr.׳*» Im Jahre 1813 also ist in fünf westpreußischen Preisen den dortige» Juden und zwar aus deren Antrag die Befreiung vom Eintritt in die Landwehr gegen Geldbeiträge 'Loskaufgelder) bewilligt worden. Damit ist die eigentliche Substanz deS Bnrkommnisses, welches die .wahren Thatsuchen" der .Kreuz-Zeitung" von den Juden meldet, vollkommen erschöpft. Im Uebrigen enthalten die wortgetreuen Mittheiluugen nur unwesentliche Aeußerlichkeiten, als wie: daß der Antrag der Juden aus Deutsch-Krone zuerst ab gelehnt — daß die aus Kammin nach dem He,zog׳hum Äarscho u emigrirte junge Mannschaft nicht zurückkehren will und die Aeltesten dafür Stellvertreter stellen rvollen, daß die tÄelvbeiiaäge der Juden auS Kammin in Dirschau von den Kreisausschüssen wegen fühlbaren Geldmangels angenommen und wie viel daselbst und sonst in einigen anderen Orten gezahlt wo den. Obgleich sachlich gleichfalls ohne alle Bedeutung, seien dennoch zwei Momente speeiell hervorgehoben und zwar lediglich, weil sie dem Kreuz-Zeitungs- Historiker wegen ihres dramatischen Effekts besonoerS am .Herzen liegen und dem Verständniß der Anklage zu Gute > kommen möchten. Also erstlich: das besagte Arrangement ist vermittelt worden durch den in seinen Kreisen wohl- ' geachteten und als guten Patrioten allgemein anerkannten Vorsteher der jüd schen Gemeinde in Märkisch-Friedland, den .׳Kaufmann Fried berg (es ist der Vater des vor wenigen Monaten vcrstorlenen Berliner Stadtraihs Eduard Friedbrrg und des noch unter uns lelvnde» Ministers Friedberg gemeint), und dieser roürdige Vertreter seiner Glaul>enS genossen hat sein Gesuch mit folgenden Worten motivirt: .Ich würde «ich diesem besuche gainicht unterzogen haben, wenn ich nicht völlig überzeugt wäre, daß de, jehigen Zeiten feig- Memmen gar nichis, dagegen lUOtO Thlr. baar fefa! viel helfen können:׳ Und zwcltens : König Friedrich Wilhelm all. erklärte sich mit einem solchen Arrangement ganz einverstanden, weil er derartige Leistungen von Seilen der Juden dem persönliche» Dienste vorzöge.** ׳ Diese angeführten Thatsachen sind richtig und doch beweisen sie nicht dos, was die ״Kreuz-Zeitung" beweisen will, sondern sie thu» nur dar, daß das konservative Antisemsten- Blatt eine weitere Reihe von Thatsachen unterdrücken > mußte, um aus der amtlichen Quelle die gewünschten Folge-' rangen ziehen zu können. Die historische Abtheilung des großen Generalstabes hat > ausdrücklich die .historische Treue" als eine oberste Pflicht erklärt; die Furcht .es möchte dadurch auf den patriotischen Enthusiasmus der gcsammtcn Nation ein Schatten fallen", hat den Verfasser nicht abgehalten, auch die .Schwierigkeiten und Hindernisse", welche noch den eigenthümlichen' durch innere und äußere Zustände bedingten Verhältniflen, dem großen Werke entgegen traten, der Geschichte treu und ehrtich zu überlieferr:, ohne Haß und Liebe, ohne Vorurteil gegen Konfession. Bevölkerungsklaffe oder Landesgebiete. In der .Geschichte der Organisation der Landwehr", der Quelle für die .Kreuz-Zeitung" stehen nun jene ״wahren Thatsachen" über die Juden mitten unter andelen ganz ebenso wahren Thatsachen über die übrige christliche Bevölkerung. Jene wie diese, sie alle werden von dem wahrhaftigen Mitikärkilstoriker gleich ehrlich erzählt; natürlich nicht so *)Beiheft« zum Rllitar-Äocheublatt. jiedigirt von ser^bsstorischen Abtheilung de« Generalstabes. 1$. 2. Mittler ». Loh». **'■ $0!. 3 4. Quart. 1858. 2. 118. \ von der ״Kreuz-Zeitung", und doch wird ein gexchks llez theil über die Juden sich nur durch eiueu Vergleich «it den damaligen Berhältniffe» der christlichen BälKkrnng^ erreichen lassen. Greise« wir ans der Geschichte der 8a«t> r' wehr die folgenden Thatsachen heraus: . Im Kreise Riedeldaruim batte das Gerücht, daß Los״; kaufen von der Landwehr zulässig sei, eine solche Menge ähnlicher Petitionen hervorgerufen, das dagegen e»1geschest»5l ׳' werden mußte.*) Die Nieder barnimer dachte» also wie dse ' Juden. ) In Potsdam »vor der Widerwillen der Bevölkerung gegen die Einrichtung der Landwehr überaus stark. Polizeidirektor Flesche belichtet über seine Er fahr in qeu ׳ unter dem 10. April an den Kreisausschuh das Folgende: . ״Es würde der auf Heine oirdeea^mt gewesene Terrtin das Wsschäft derAushebitng belchloffeir habe», wem nicht der Widerwille, den dies« Einrichtung überall erzensi d heute deatlicher als ft «A- \ gesprochen däne Rich alle n, dab «in grober Lheil »er znr Zkideslnstnng - zusammenb rusenen Landwehrmänner ausolieb, nicht allckn, «atz das Ast.aiei, der Srs, ienenen von der Beschaffenheit war, daß d>« Zusa««est- . stellung z ir Ungebühr veczögerl werden mntzt« und nicht beende« werte» , konnte, »ab man sich mänrend der Brrtesung der Sriegsarlitel «ln«« Mitzuergnüg n reetünde-den Lärm erlaubte unr zu beiürchre» stand, dag di« gusammengekommenen wieder anseinaudergedeu oder dir Etdes-einung verwe-grrn würde«, so Hab n sich einig« der Erschi.nenen sogar in der Äirctje ein, der He.ligket׳ de» Ortes und der feirrtichen Ha»»t>:ng, «»» paffende« Betragen z« Schulden kommen lass.n, den Eid selbst nicht obgeleistrt, uud hre Umgebungen «ährend des Schwures zu einer ähnlichen Handlung»!«!,« ermun.ert." Der Bericht fügt hinzu: ., ״Schmerz ich ist es mir, die» von den Einwohnern einer Stadt י sagen zu müssen, di« sich der Gnade Sr. Utajiftit von je her in ganz ' vorzügl-ch hohem Grade zu erfreuen hatte." In Brandenburg ist der schlecht^ Geist zwar nicht vffe»t- ■t lich uno anstößig wie in Potsdam hervorgetreten, uud that-; sächlich hat die Stadt schließlich ein stark- Kontingent gestellt .doch zeigten die im Uebermaß eingehenden Reklamatioae», : daß ein patriotischer Aufschwung und große Lust;um Et«- tritt in die Lkmdwehr auch hier nicht vorhanden war. B«ü 298 Einberufenen hatten 80 reklamirt. AuS Demmin — auS dem Münster'schen — au« der Grafschaft Tecklenburg wird über die große Zahl der Desev» teure und Reftaktaire geklagt. lieber das vierte westfälische Landwehr-Jnsantrrie-Regiment auS dem ׳ Münster'schen, da« eine Stärk von 74 Qmzieren, 23 > Unteroffizieren, 52 Spieilenlen und 55809 Gemeinen hattt, heißt es in dem Generalstad«bericht: ״In der zweiien Hälft« des Juni wurde da» Regiment nach Weset ׳ verlegt, woseib,r es dis zum Usoruch des tkrtegrs von ISIS «cdttrst. Während des Marsche« nach Wesel deffenirten: 17 Unteroffiziern, s Spiel» teure, 631 Gemeine. Aus diesem Beispiel kann man auf di« sonst staNgesund.nen Desertionen schieben" Die .durch Gewohnheit unkriegerischen" Ostfriesen peti» tioniren um Verringerung der Mannschaften, wegen Sreü- . Vertretung und Befreiung vom Dienste gegen Geldbeiträge : l— genau wie einzelne Jude »gemeinden. Im Paderborn-' 1 scheu kommen wider die Rennenten Zwangsmaßregeln in: ־• vollsten Maße zur Anwendung. Ueber Neustettin (in Pommern) wird berichtet: ,.Dt« Aushebung, welche sofort beginnen sollte, stieb in diätem greis« auf so ernst« Hiuderniffe, wie wir solche tn leine« arirdeen Orte xr Monarchie disher kennen gelernt haben, in 11 Dorsftptsten stieg x»s Losungsgeschäft sogar auf offenen, gewaltsamen Widerstund" Erst die Androhung strengster Maßregeln und eine geschickte Aufklärung der Bevölkerung beseitigte die AuflHmiaa. In Westpreußen — gleichzeitig dem Thatorte destjälu-^v schen Verbrechens — waren (hauptsächlich durch da« Ber- -1 A \r• halten der polnischen Bevölkerung) bei Errichtung der La«d . wehr ganz besondere Maßregeln (Eintheilung in treue And <4 untreue Distrikte, Absuchung des Walde», Ueberwachung der Lusgehobenen) nothwendig. Aber — abgesehen von den * patriotisch gesinnten besseren Smnden — war auch deutsche Theil der Bevüikrung in seinen unteren 'Sclfichten & *) Tos. 1.8. Quart. 57, p. 34. .»1