Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 23 (1892)
- Issue
- 10 (4.3.1892)
- Date
- 1892-03-04
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
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3. Der . . . .... ״ _ _ , .,, wttrrricht (vgl. tz 7 der «imsterialiastrukti», vom 3 i. De> zember 183S> von der Schslauffichtsbehördc zu braussichtiger Indem wir den Herren KreiSschulinspektoren diese Bestimmungen zur Nachachtung mittheilen, deaufiragen w!r dieselben, alle Besuche um Dispensation schulpflichtiger Kinder von der Thellnahme an dem Religionsunterricht der vffentl. Volksschule uns zur Entscheidung vorzul:grn." Werii» lSekanntlich hat die königliche Negierung in Kassel an säm ntlichc KreisnndTtadtschulinspektore» ihres Bezirks eine Bei fügung erlassen, wonach cs den Lehrern zur Pflicht gemacht loiid, daß sie dem sür die Schulzucht chädliehen Treiben muncher christlichen Schüler, welche israelitische Erwachsene und Kinder öffentlich in ihrer Eigenschaft als Jude!« geschmäht und verhöhnt hai>en. überall mit Enlschicdenheit entgegentrrken. Zugleich sollen die Lehrer mit dem cigeiien Be,spiele christlicher Duldsamkeit gegen Andersdenkende der ihnen anverirauten Schuljugend vorangehe». Es wäre angesichts manch« Vorgänge in anderen preußischen Sdidten sehr zu wünschen, Laß diese Verfügung auf dic ganze Mo- »archic ausgedehit werde. Wünschcnswerth wäre es wohl auch, wenn an den höheren Lehranstalteu ähnlich« Vorschristen in Kraft treten würden. — Welche sittlich« Begriffs- Verwirrung der Antisemitismus gnade in de» Köpfe,, ter Jugend hrrvorrust, zeigt folgend« von der ,Voss. Zeitung" veröffentlichter Fall, der stch gelegentlich der jüngsten Sttaßeiiira,volle hier ereignete. Ein kleiner Knabe erz,ihlke am Sonnabend seinen Mitschülern und dem darauf aüfrierksam werdenden Lehrer: .Vater hat gestern Abend so'n jroßeö StückZeug mitjebracht, det er 'n Anzug kriegt »iid ick occhl" Der Lehrer entgegn«? halb ungläubig: ,Aber Junge, das wäre ja gestohlen!" .I bewahre," ineint der, ״Vater hat jrsagt, det is 'n Jude jewesen, dem sie'S weggenommcn haken." Das Stück Tuch ist von der Polizei bereitmit Beschlag belegt. A«rk», 26. Februar. Der verurtheilte Rektor a. D. rthlwa.dt trill aus den in Moabit «wordenen Lorb:eren noch nicht auSruhm, er gelüstet nach neuen. Aia Mittivoch Abend produzirte er sich ,m.Böhmischen Brauhanse." W!lchc futllche Beuoirrurg und Verwilderung unter der berliner Bevölkerung die antisemitische Agitation bereits angerichtet hat, geht daraus hervor, daß dem Redner mehr als 1500 Mann zugesrrümt waren und daß demselben von einem Dr. Kuffrrow unter frenetischem Gejohle der fanatisirten M,:nae facusch eia ,Lorb««lk,anz" überreicht wurde. Ist das richt wieder eine Verspottung der Justiz? Daß der Antisemiismus jetzt nur noch nn Geldgeschäft ist, bewies auch kiese Versammlung. Segen ein Eintritttgeld von beliebiger Höhe wollte Ahlwardt ,neue Enthüllungen zum Besten gelie». Um dies« ״Enthüllungen" aber drückte sich der gefeierte Abgott der ״teutschen" Männer herum, indem er, nach der -.Post", erklärte, ״doS Material, da» ihm zugrgangen, sei so durchschlagend, daß er vorgehabt habe, in der Versammlung gleich damit vorzu^hen. .Sein Rechtsanwalt habe ihm alter, weil er Revision o »gemeldet, gerathen, sein Material n chl s» veröffentlichen. damst ihm nicht eventuell Zrugni rerorc« gingen." — Wahrscheinlich sind alle diese Behauptung» ebenso ivahr, wie^die Behauptungen, um derentwillen Ahlwardt zu vier Mmiatrn Gefä»gn«ß vernrtheilt wurde. Htreskr», 28. Februar. Gestern (Somiabend) ftüh ist tzi« Herr Kontor Moritz Deutsch an den Folge» der Inftsenza i» 74. Leteusjahre verschieden. Die hiesige Syiiagogen-Gemeinde hat durch seinen Tod einen kaum zu ersetzenden Verlust erlitten. Geboren am 18. Drcember 1818 zu Citolsdurg in LLchren, widmtte Moritz Deutsch sich rrsprüngluh dem Sttcdium ter jüdischen Theologie, bestickte ol<r dann das Wiener Konservatorium und wurde bereits im?whre 1842 dort als zweiter Kantor angestellt. Bin: ^! .re darauf wurde er nach Breslau lxrufen, doch weigerte i . . nehnigen und nnr der Berweuduug des sidentrn v. Gebell gelang es. ihm wen!ich« Erlaubniß zum einstweiligen Aufenchalt hierlelbst zuwirten. Erst als nach den Stürme» de» Jaljres 1! eine freiere Auffassung auch auf confrssionelle« Erbiete Bahn brach, erfolgte seine Aufnahme i» de» Unicrthancnverband. Au» der Schule de» berühmten sefforS Sulzer hervorgegange», welcher zuerst in ICBteu den geläuterten Anschauungen der neunen Zeit ang Liturgie eingcsührt hatte, war Deutsch wie kein Anderer rufen, die hier vom Rabbiner Geiger begonlwnc Reform israelitischen Gottesdienstes auf's Wirksamste zu fördern, i,H dem er einen gemischten Thor organisirte und htiaudüd«' und dic alten traditionellen Synagogcnmelodien >n:t eil dem Charakttr ihres Tonjystems entsprechenden Har«! versah. Vor Allem aber waren es seine unvcrglcicljli^ Kunsücistiingen, sein innig«, von jedem Schnörkel freie! tief zum Herzen sprechend« Gesang der im Einklang mid Chor und Orgel »nd dem abgerundeten Ganzen de» Gottes« dicnsteö de» ergreifendsten Eindruck hcrvorrief und Biele *iiij da» Gotteshaus zurückführtc, welche dafrühere Ritual demselben entfremdet hatte. An dem Ausbau und der cdelung der jüdischen Liturgie war Deutsch bi» an Lebensende thätig. Seine Kompositionen: ״Borbetecsck ,Synagogenuad Schullied«", ,Orgelpräludim", und.Bres lau« Syna^en-Gcsänze", haben die Anerkennung der genossen gesunden und werten in vielen jüdisch.׳» Tem! gesungen, rpic auch eia großer Theil der in Deuts lebenden Eantorcn in dem hier von Deutsch geleit.׳t»׳a Ein torca-Jnstitiit seine Ausbildung «halten hat. Seine große» Verdienste, nicht inindre aber auch dic gewinnende Liebe»»- Würdigkeit seines Wesen», «warben dem trefflichen Mauu« allseitlgc Verehrung, die sich noch bei der Feier sci!«1 70 . Geburtstage» in reichem Maße bekundete: sie sichcrn ih» Z auch üb« das Grab hinaus ein gesenktes Andenken. -s — Am selben Tage, Sabbath Nachmittag, staub hier׳° auch der durch seine Wörterbücher zum .Talmud" und dev -j Targumim", sowie zahlreichen wlfienschaftlichr« Arbeit«» .. ־ -ifttn rühmlichst tekannt« in »deutschen und hebräischen Zeitschr Proftssor Dr. Jakob Levy in seine« 73. Ledencha!^»^ ehemalige Rabbiner d« Gemeind« Roscnberg, O.-Schl* je Er hat sich in der Wissenschaft ein dau«nd«s Denkmal ge- > setzt, da» seinem Namen ei« ehrende» Grdenken sichert. Sei«; Sohn, der mehrere Jabre das hies. Rabbinersemiuae besuchte, A schlug spät« die juristische Earritre ein und ist .rin 24. Februar. Im Berein junger Kausteatr hielt vorgestern Abend He« Rabdin« Dr. PH. Bloch vo» hi«2! einen Bottrag über: ^vie fünf herrschenden Weltrrligioarn'^A Der Redner führte u. ü. Folgende» aus: Die neu«: Relcionswisseaschaft bemüht sich die Entwickluugsstufen tar «t» jjj irdenen Religionen sestzustellen und nach den feste« Nor» r men derselben zu forschen. Sie sucht dir vo! der verschiedenen religiösen Eulte historisch zu verwerthkn, sie geht zi Geschichte und Sitte d« einzelnen Völkerschaften, sie klajfificirt die Religionen und sucht gemeinsame Fäden zwischen de» - - einzelnen auszuspüren. Wenn wir dies«»' Beispiel m eine» kurz«,« Bortrage auch nachzuahmen versuchen wollen, ff müssen w׳r die Gemeinsamkett zwischen den fünf $cnfdjaM£ unv miaj uch |c!kh viw* « jt dir vorhandenen Formchi-S sestzustellen und dieselbMpI *•*־״ kenn« zählt, nach einer anverü Nachricht sollen e» sogar 800 Millionen sein, dann kommt da» Ehristcnthn« mit! 400 Millionen, die Mittheilung. eS seien nur 200 MiT> ist jedenfalls unrichtig, darauf der Islam «tt etw» Millionen, aitch hier werdcn jedenfalls fälschlich 400 Mtliioi ..,זי—