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Israelitische Wochenschrift · 1892-03-04 · 10 (4.3.1892) · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
23 (1892)
Issue
10 (4.3.1892)
Date
1892-03-04
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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- 74 —?&ו<• hat es gcthan, um die Unterdrückung der Arme», der leibeigenen ׳,u hindern, :varum erhebt «r Zauberer von *on: nicht seine Stimme zu Gunsten der Arbeiter, des Proletariats, das ja durch das allgemeine Stimnwcht auch eine Macht geworden. Was hat Rom während der 4״ Jahrh inLcrtr sein:r Herrschaft gethan, um daS prophetische Ideal zu verwirklichen, um die Geisel des Krieges zu beseitigen? Leit zehn Jahren richtet der Antisemitismus, geschürt und verbreitet durch die katholische Geistlichkeit, seine Verheerungen i» Frankreich an. ivclchc 3timmc des französischen Episropatrs oder in Rom erhebt sich, um diese Rassenvrrhetzung, diesnncdlcn Lridenschafteu zum Stillstände zu bringen? Hat Rom seit 15 Jahren ein einziges Mal die Indignation gesunden, um die unerhörte Grausamkeit jenes christlichen Despoten zu brandmarke», welcher denselben Glauben hat und auch Papst ist, w c er selbst, und doch gegen Millionen Juden seines Reiches so unmenschlich wüthet? — Ü ingecngt durch seine» vcrhängnißvollen Ursprung und durch die unerbittliche Lrgik seines blinden Dogmas hat das Christenlhum das Gefühl der Gerechtigkeit, wenn nicht xrloien, so mindestens doch gefälscht, indem cs an Stelle d:r Herrschoft des duich Moses und die Propheten eingesetzte» Gesetze i, die Herrschaft der Gnade, die ja die Gerechtigkeit ansscklicstk, setzte. Es kann den Krieg nicht verfluche», du cs ihn ja jclJi't entfesselt. Wenn cS ein Wort in dem Klasjcnkampf sprechen will, must es auf unser Alles Testament zurück gehen, das cs angeblich zu ersetzen vorgicbt; für die ZÄrbbath heiligrng muß cs seine Waffen bei uns holen, obwohl diese offiziell von Paulus abgcschafft wurde.- dlber wir, wir habcn verstehen gelernt unsere Vorfahre», die Worte des Jrsaia's, des Sohnes Ainoz': ,Ihr seiv meine Zeugen, sprick,t Gott, mein Diener, den ich erwählt, damit ihr an mich glaubt. Vor mir ist kein Gott vnd nach mir wird keiner ,ein. Ich, ich der Ewige und außer wir giebt es keinen Heller!" ״Zeuge, Wäll 1er der Bibel", das ist, wie S׳.׳ sogen, die wahre, die einzige Rolle Israels. .-Es kann »veiler nach nichts Anderem »rede». ES i׳t eine durch den R tuS ab gefchlcssenc Religio», welche nid): leben kan», wenn sie auf den Ritus verzichtet, nock! sich auSbrcitc» kan», wenn sie denselben beibehält." Das ist kurz und bündig. Und unser Traum, unser schöner, mrjsionischcr Zukunftstraum, Sie fegen ihn mit einem Hauche weg. Der Talmud, der doch in dieser Hinsicht eine gewisse Autorität hat, hat von dem Julxnthum eine ganz andere Ansicht, als Sie Wer kennt nicht die brrühmte Predigt des Rabbi Simlai (Maccolh 23), welcher sagt: 013 Gc- und Verbote sind Israel verlieben worden nach Anzahl der Tage des Jahres und der Gliedmagen des Menschen u»d dicje wurden durch die Propheten in 11, 6, 3, 2. 1 zusainmengcfaßt, was wohl sagen will, der Inhalt desJudenthums ist seinGlaube und seine Sittlichkeit. Ist es nicht der Talmud, Ser sagt: ,Der Göyend enst ist eine so schwenoiegeude Sache, daß, »ver ihm entsagt, gleichlam die ganze Thora -»erkennt". ) Denn das Judenthum :jat niemal* behauptet .,ver nicht für mich ist, ist gegen mich" sondern im Gegenrheile ,!ver nicht gegen mich ist, ist für mich". Unsere Riten, an denen wir sesthaltrn. wir können »ich! darauf verziehet.,. Sic haben für un« einen heiligenden Werth, sind ein Präsrrvativmittel, aber sie sind »och nicht das Jud.-nthum, ebenso wenig als die Gliedmaßen, die Knochen, das Fleisch den Menschen bilden, ebenso wenig wie die Tage des Jahres, welchc uiiscr Alter ausdrücke», unser Wesen bilden Der Israelit^ welcher die 613 Ge- und Verbote Übertritt, ist ein großer Sünder, aber er hört deshalb nach dem Talmud noch nicht auf, Israelit zu sein. Ls gab immer in Palästina und an der Seite der Juden gcrim. Fremde, von welchen man nichts weiter verlangte, als dem Götzendienst zu entsagen. חמורה ע״ז שכל הכופר כה כאלו מודה בכרי התירה (* Abzuschwören dem Götzendienst, die Anbetung eines ciiujA einigen Gottes — dieses höchste Ideal der Menschheit, zu »1W sich jeder von uns ohne Mittler durch Gerechtigkeit 111 Liebe cmporschwingen kann, das, mein Herr, ist allein 1»> Religion der Zukunft. Diese Religion wird fiir <!l Völker den gleichen Cultiis. den Cult des Decaloges, haßt» Sechs Tag« soll der Mensch arbeiten, um gleich der crmjjj Ordnung, Harmonie und Lickst in da« Chaos zu bringt» sechs Tage soll er den Kampf gegen das Elend, die Stark IpU, die Unwissenheit und gegen den Tod führen, >» siebente Tag aber. Sabbat des Ewige», ist der Tag hö Familie, ei» Tag der Freiheit für Alle, Eltern, xuifcn Herr und Knecht, reich und arm, ei» Tag der Gleichhti und Brüderlichkeit für alle Geschöpfe Gottes. ״Auch Dr» Ochs und Dein Esel sollen ruhen wie Du." (Der Ärange^ list sagt dies nicht, aber cs ist doch schön.) Die Religion der Zukunft wird auch ihre festlich»? Versammlungen habe». Der Papst der Zukunft, selbst SütürkH wird dann nicht, in sacrilegischer Selbstüberschätzung, mit lAftl sich aus gleiche Linie setzen und die Sünden Anderer verkett» wollen, sondcln, wie daS alte Gesetz will, sich srll-st »niedrig»«,*; seine und die Fehler Anderer lxkcnncn und Verzeihung f|tj Andere erbitten. , Die Religion der Zukunft wird auch ihre Freudenfeste habe»; jedes Volt wird den Tag feiern, den es sich «4יג wählen wird, den ruhmvollsten Tag seiner Geschichte, AuserstehungSfest, das heilige Fest sei ier Freiheit. Diejeß-j Ideal ist ohne Zweifel auch das Ihrige, wir werden cs niiltff erlebe», aber wir habe» die Pflicht, es zu erhoffen und t» dieser Hoffnung lebe» »vir." der ״Zla1is>«t-Z1»!>e". Zu dem lvsonderr» Unglück in der großen Misäre tlL gegenwärtigen Antisrmiten-Bewcgung, wie sie in RußiaiO durch die Massenaustreibnngcn, in unserem Vaterland«, ii Oesterreich und Frankreich durch die Antisemite i-Häupttirlj», deren Anhang »nd Hintermänner, zur Erschein»ng gelang gehört ei auch, daß sic uns in einer Zeit überfällt, wo urckt^ uns die alte», bcivährten »nd zuverlässigen Kämpfer m? Rufer im Streit, die Riesser, Kasch, Beit. Berthol! Auerbach, Ersm icux n. A. vom Kampfplatz abberufeN sitz»! und — da inan die Wiederkehr so finsterer, beispiellos PH samer Verhältnisse geradezu für undenkbar und völlig «a geschlossen gehalten — neue mit sicherem Auge und fest» Hand, mit liebevollem Herzen undgenügen)!! kkennlU der einschlägigen Verhältnisse ausgerüstete Fülirrr sich >m nicht herangebildet habe». Wie iväre es sonst zu erklären,, dl Stichworte, wie das an der Spitze unserer Z« len, und H sic nur den vcrirrtcslen oder verwirrtesten Köpfen, die ist den wirklichen Verhältnisse» keine blass« Ahnung!»oben, spust in unserer hochernsten und schiveren Zeit entstehe» könne». i> in den verschiedenen jüdischen und hebräischen Blätter״ Zs cutirl werden. Da« heißt doch wayrlich i» einer Pullst kammcr leichtsinnig mit Funken spielen; als ob.nicht W genug des Zündstoffs in der Luft schwebte. Es ist hierdrst eine Verirrung und Verwirrung geschaffen. die nichts rä an berufener Stelle das ohnehin so mühsame und schmier» Arbeiten und Eintreten für die Sache dcr hier zunächst ן Frage Kommenden, der russischen Auswanderer, erschwert,^ geradezu unmöglich macht, sondern auch für die ganze rl» gelegenhrit der gegenwärtigen Judenverfolgung von den i denklichsten Folgen werden kann. Es ivar hohe Zeit, U in der,Wochenschrift" (Rr. 4) von B B. auf diese ®ff» hingewiesen wurde. Zur Unterstützung jene» err sten " wartemag hier an den Ausspruch eines Manne«!nianr der fast 50 Jahre an der Gleichstellung seiner Glauk »offen eisrigst.mitgearbeitet und durch seme eigene Perj deren Verwirklichung wesentlich beigetragen hat. B e r t h 0'

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