Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 23 (1892)
- Issue
- 9 (26.2.1892)
- Date
- 1892-02-26
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/6492344-5935084-5959777--0991-5374936- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
.mkgeordneten Zlmmerman« gegen da« Jndeathum donnern. 'Hinter ihm hinda« Bild de« Schöpfer« de« Handwerkeri־f 9min« Abarbanell da« allein schon die vielen Schimpfrrdrn ' Antisemiten Lügen, strafte, die dem Judenthum Schmutz -«td» Eaoi«mu« vorwarpnt, während der Handwerkerverein ^tade der jüdischen Uneigennützigkeit sein Entstehen, Wachsen ji mit» Gedeihen verdankt. Daß Herr Dr. Schwerin den Saal k :.»tl einer derartigen den Verein schädigenden aufwieglerische» Antijemiten-Bersammlung vermiethen lieh —bleibt räthselhaft. Ich mag hier nicht auf die zweistündige «»«einandersetzung de« Abgeordneten Zimmermann näher eingehen Sein Hauptzweck war, zur energischen Agitation gegen die Juden - «rizufachen. Da gegenwärtig hier der Deutsche Handwerker- -»!rein und Innungen tagen, so waren mehrere Abgeordnete ' — natürlich nur die Antisemitischgesinnteu — 111 die Versummlung gekommen und berichteten frohlockend, wie stark - bereit« der Antisemitismus um sich greife und nunmehr auf Eirund derselben ein .Deutscher Handwerkerbundzur Hebung \ de« Mittelstände«, der selbstständigen Handwerksmeister, kleiner . Hlewerbtreibender und zur Bekämpfung des jüdischen Element« J11 schaffen sei. Wenn un« solche Vorkommnisse mit größter Bitterkeit erfüllen müssen, wollen wir mit Ruhe da« Zer- /stellen derartiger Unternehmungen im Zkeime rrwanen. _?ludererscitö heisst c«, nicht müßig zusehcn, sondern dieser H ri» Berlin besonter« in letzter Zeit wieder mit größter Heftig- £ 1:it auftretenden antisemitischen Agitation in gleicher Weise -entgegrntreten und schließlich alles mögliche vermeiden, was -irgend einen Schatten auf »ns Juden werfen könnte. Hkeve. Zum Lantener Knabenmord schreibt das hiesige ..Lre!«blatt': .Der Justizministcr hat, wir sind in der Lage, l«S als aus zuvrrläs'igrr Quelle stammend mitlhrilcn zu tünnen, bereit» Strafantrag gegen die .Neue Deutsche Zeiinng' in Leipzig (ein antisemitisches Winkelblatt niedrigster Ordnung) griiellt, weil dieselbe fortgesetzt Berichte bringt — Jjirfe scheinen au« ein und derselben trüben Quelle geschöpft H« werden, — deren Bestreben dahin gerichtet ist, die sämmtlichrn Personen des hiesigen Landgerichts, soweit sie dienstilich gehalten sind, sich mit der Untersuchung des Knaben- 7 morde« zu befaffen. zu diskreditiren, und jene Berichte außxr- »ent darauf hmau-laufen, daß Ansehen und die Autorität, ״welche die preußischen Gerichte genieße», zu untergraben, ja letztere der Parteilichkeit zu zeihen. Wie wir weiter ver-!^7nehmen, werden auch der oder die Urheber der in Rede ^׳stehenden gehässigen Belichte zur Rechenschaft gezogen wer- ^den, wie nicht minder diejenigen Zeitungen, welche verletzende, ,unwahre Artikel au« anderen Blättern übernommen haben, .obgleich es für sie ein Leichtes gewesen wäre, über die Richtigkrit jener Artikel zuvor Erkundigungen cinzuzirhrn.' £ Welche unwahre Behauptungen von Antisemiten verbreitet H »erden,ersieht man auch aus Folgendem: ,Der Santen«: Bote' hatte in seinen Berichten stetden Oberstabsarzt Dr. Steiner MmS Hanptzeugen dafür angeführt, daß der arme Knabe durch ׳; «inen ,Schächi schnitt' getödtet worden se>. Das Blatt erhält nun folgende Berichtigung: .3* einem Artikel in Nr. 14 Ihre» Blaues, betitelt .Nochmals ' * «er Fall Busche ff im Absesrdnelrnhause' führen Sie mich an als , Sälchen, der kein Hehl daran» gemach! Hai, daß ihm .der MorLschnitt >. am Kinde dem Schächtkchnitt durchaus ähnlich erschienen ist.' Wenn auch kein Hehl dar»»» gemacht habe, dag nach meiner Ansicht der P- Schul t mit eine« lange», haarscharfen Messer vollführt sein muß, mnd daß der Thüter e» verstanden haben muß, mit einem solchen Meffer 1' «Mtugeheu. so Hube ich doch den «»«druck .Vchücktschnitt' nicht gef, braucht, und zwar schon au« dem »runde nicht, weil mir ein Schächt- ,^ächntN überhaupt unbekannt ist. Hochachtungsvoll Dr. Steiner.' - Die Debatte über den »Schächlschnitt' ist in den Augen > jede« Israeliten geiadezu lächerlich; als ob ein Schächter, $ soll« er zum Mörder würde, sich an die Schlachtgesetze j kehren müßt«, klebrigen» werden ja die böswilligen Ber- > läumdungen bald ihr Ende erreichen, da der sensationelle Lantener Knabenmord schon am 7. März vor dem Schwur- -cheüchte in Eleve zur Bethandlung und damit die Wahrheit .hoffentlich an'« Licht kommt. 8—L A.tf>w|rll») 11. Februar. (Dt-Corr.) Hmkb überreicht» eine Deputation d:r Lehrer im Landrabbinat-beztrk Adelebsen,' dem von hier scheidenden Herrn Landrabbiner Dr. Guttmann eine Ad«sse, in welcher hervorgehoben wurde, wie derselbe die Schalen seine« Bezirks mit Eifer gefördert, die Gemeinden mit Hingebung zu einer gedeihlichen und friedlichen Entwickelung gelntet und durch die Machb: seines Worte» sowohl wie durch seinen hohen, edlen Sinn den Geist de- JutzenthumS stet« brthätigt und zu verbreiten gestrebt habe. Namentlich wurde auch betont, wie derselbe den Lehrern seine« Bezirk« stetein ebenso humaner und gerechter Vorgesetzter wie «in treuer und fürsorglich«: Freund und Bcrathcr gewesen, an tea sie sich zu jeder Zeit und in jeder Lage vertrauensvoll wenden konnten. Auf die Ansprache de« Lehrers Blumenfeld erwiderte Herr Dr. Guttmann, daß ihm die Kundgebung der Lehrer eine große Freude und Befriedigung gewähre. Er habe mit allen Lehrern seines Bezirk« immer recht gut anskommen können, u»d sie alle hätten sich als treue Mitarbeiter in seiner Wirksamkeit erwiesen. Ergab der Hoffnung AuSdruch daß das friedlich: und segenbringende Berhältniß zwischen dem Landrabbiner und den Lehrern auch unter seinen Nachfolger gewahrt bleibe. An» Meüfate», im F«bruar. Dem jüngst erschienene« ,Jahresbericht der Untrrstützungskasse de» Vereins israelitischer Elementarlehrer für Westfalen und die Rheinprovinz pro 1891' entnehmen wir folgende Zahlen und Mittheilungen: Der Verein zählt 71 Mitglieder und 10 Ehrenmitglieder. Von letzteren ist im verflossenen Jahr der um l>'.e Ent- Wickelung des Vereins hochverdiente Rittergutsbesitzer Jacob Löb aus Caldenhof durch den Tod entrissen worden. Er hat fast 10 Jahre lang das Amt eines Rendanten verwaltet und während dieser Zeit nicht allein durch feine Umsicht, sondern auch durch einen jährlichen Beitrag der guten Sach: in hervorragender Weise gedient. Ein Legat von 1000 Mark, das der edle Mann einige Monate vor seinem Tode bei der Sparkasse in Hamm in Form eines Sparkassenbuches ans den Name» dB Vereinhinttrlegke, ist daschönste Zeugnis für das Interesse, daS er den Bereinsbrstrebungen entgegnttrug. Ein anderes Ehrenmitglied, die Frau Wwe. Elias Meyer in Berlin, spendete 300 Mark mit dem Ersuchen dieselben am Sterbetage ihres «ohlthätigen Gatten an die der Unterstützung am meisten Bedürftigen zu verteilen. — Die Jahrrs'innahmen beliefen sich auf ruud?560 ML, da«. Vermögen des Verein» ist auf 71,752 Mk. gestiegen. In Anbetracht, daß im Laufe d.J. wieder zwei Lehrer-Familien hülssbedürftig geworden Jinb und die vorhandenen Mittel in 85 Quoten i 47 ML <statt in 79 wie un Vorjahr) zerlegt werden müssen, kann der Vorstand nicht dringend genug um reichere Gaben bitten. Im Jahre 1892 kommen (nach 8 11 der Statute«) 3990 Mk. zur quotenmäßigen Bertheilung; dämm erhalten. 9 Wittwen (ohne Kinder) jede und emerit. Lehrer.0 » H 4 . . mit Frau . . mit Frau 2 Kindern. 1 Wittwe mit 2 Kindern. . . 1 emerit. Lehrer m׳t Frau und 0 Kindern. 1 emerit. Lehrer nebst Frau und 1 Kinde. 3 «ntheile 1269,— . 282,— - 188,- 658.- Mk. 13 8 383,83 . 211,50 * 611,- . 376.— . 84'/, «ntheile 49-9.33 Mk. Bei gerechter Würdigung der Wirksamkeit de« Vereins, die ja auch den Gemeinden zu gute kommt, ist eS völlig unv.-rständlich, daß einzelne größer« Synagogengemeinde« der.