Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 23 (1892)
- Issue
- 9 (26.2.1892)
- Date
- 1892-02-26
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
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€MMcn ist die Beschränkung der Wohnung»- uud Austnt- Wft-rechte der Inden eine fottdanernd fliehende Geldquelle. M» «ine dnchstLblich« oder sinngemäße An«führung der Ae» HkDKche» Vorschriften denken ja in Rnßland nur wenige Beowte. Für die meisten sind dies« Vorschriften nur eia Msttel zur Brandschatzung de» Publikum». Di« unteren Beamten bemühen sich natürlich, dem Beispiele ihrer Vor» Hksetzten gewissenhaft zu folgen. Auch den Laoopolizistcn erwachsen neuerdiug» bedeutende Einnahmen au» den Beflimmungen, welch« den Israeliten den Wohnsitz ans dem Land« verbieten und welche, je nachdem, auSgrführt werden oder nicht. Wenn gewisse Stellen von Polizeicommissarien m. s. ». von der Renicrnng meistbietend vergeben würden, so meint der Verfasser der oben erwähnten Schrift, so würden die Einnahmen de» Firku» sich bedeutend erhöhen. Anher der Polizei haben aber auch viel« Privatleute materielle Bvrtheilc von den Judenverfolgungen. Mau Hrancht nur au die Auctionen von WirthschaftSgegenständen der AnSgewiesenea zu denken, wie sie in den größeren Stödten fortdauernd stattfinden. Die Gegenstände müssen «tter all«» Umständen loSgeschlagen werden, weil die Aus- «ewiesenen in der Regel binnen 2« Stunden di« Stadt ver» lassen müsien und gelangen daher meist für wahre Spott- Preise in die Hände der Aufkäufer. Während aber so viele Personen aus den Massenau«- Weisungen Nutzen ziehen, erleidet da» Land in seinen wirth» schaftlichen Verhältnissen einen nachhaltigen Schaden. Handel und Wandel sind lohmgelegt, denn die russischen lkaufleute habe« keinen Unternehmungsgeist und vermögen ohne fremde Hülfe nicht, Geschäft und Industrie zu heben, sie sind kaum « der Lage, sich auf dem errungenen Standpunkte zur Aoth zu behaupten. In den Städten, au» denen viele U»»weisun«n erfolgt sind, sieht eS öd« aus, zahlreiche Woh- «angen stehen leer und da» geschäftliche Lrb»n und Treiben Ist vnstummt. Aber die Reginung will die Folgen ihrer «rlchrlra Maßnahmen nicht sehen und die russische Presse Darf und will auch zum Thcil die Wahrheit nicht eiugestehen. Mna wird erst zur Einsicht kommen, wenn es zu spät ist. P. Z. OklfK-rmlg her Kinder t« das rekgiSs-sttMche oleße«. Von Lekirer I. Körprl-Eamter. Nicht» ist bei dn religiösen wie bei der sittlichen Erziehung den Lindern so maßgebend, keine Macht dn Welt wirkt ans ihr junge», zarte» Gemüth mehr, al» das Beispiel, da» Vorbild der Eltern. GeleitN von dieser Wahr» heit sollte« Vatn und Muttn nicht nur in religiöser Be« -iehnng, sondern auch in allen den Kleinen nöthigen und «ützlichen Eigenschaften sich befleißig«,, so zu handeln, daß Hie Kinder an dem Thun dn Eltern sich nziehen und heran- ׳ bilden zu brauchbaren, wohlthuenden Gliedern in dn gesammten Menschenlette. Darum fällt Eltern zunächst die Aufgabe zu, ' in ihren Kleinen schon frühzeitig den Sinn für Wohlihun zu «erwecken. Hierfür könneu sie viel thun. Litern, welche an sie hnantretende Arme mit Härte und beschämenden Worten twn dn Thür weise», können niemals erwarten, daß ihre Kinder wohlthäng sein »nden. In Gegenwart dn Kinder sollte «an Bettln niemals ohne verabreichte Gabe Weggehen heißen, selbst dein», wenn man die Uebnzeugung hat, einem «cht aanz würdigen Menschen die Unterstützung zuzutheilen. Hem für un» ist n immn eia Unglücklichn, Bedauerns» werchn, und solchen dürfen wir imsn Herz nicht verschließen. Mmn Kinder zugegen sind, gebe man nie direct, sondern A«nn durch die Kleinen. Letztere werden dadurch an da» Mohlthu« gewülmt. Lltrm thun recht, über WohlthätigkeitS- W» »it den Kindern zu sprechen. Irgend ei« Fall, ein« Wftühlnng hierüber wird vorgelesen und besprochen. Man sagt ihnen etwa in weiteren Gespräch: Kinderchen, wenn Ihr groß lein werdet und Euch der lnbe Gott reich werte« lSßr, d. h. wenn ihr r«hr habt als ihr nvchig gebra.icht, so denkt auch an di« bedü7ftigen Mitmenschen. Suchet darm Mttglieder von WohlthätigkeitSverrinen zu Verden, gründet sell.st welche, unterstützt arm: Schüler, welche geistig begabt sind und höhere Anstalten besuchen möchten >!. s. w. ' Man strebe im köerlr >>er Erziehung dalnn, daß dt» Kind sich selbst achte, daß e» ein Gefühl für Ehre erlange. Ein fleißige» und gesitteie» Kind darf man loben, aber ja nicht zu oft. Pflicht der Eitern ist, das Kind anzuhalten, da» Gute zu lieben und zu über, nicht um belohnt urd belobt ,p» werden und das Böse zu hassen und zu meiden an» Furcht vor Sttase, sondern au» Ehrgefühl, aus Achtung vor sich selbst und an» Nächstenliebe. Schon srüh muß man dt.» Kind für Mstgefühl empfänglich machen; man gebe nicht »«. daß e» Thiere quäle, z. B. Flogen, Maikäfer u. s. w. Mov belehre das Kind dajin, daß da» Thier auch Gesicht für Schmerzen hat und es wie wir bei solchem Quälen leide. Im Winter halte man die Kinder an, Ueberreste vom Tisch den hnngernhen und frierenden Bügeln zuzuwendcn. N:» merlt man Schadenfreude an den Kindern, so sage man ihnen, weich büseS Herz ein Mensch vcrräth, der sich darüber freut, wenn es einem Mitmenschen schlecht ergeht. Auch den Redensarten der Kindcr unter sich haben Eltern nüthige Beachtung zuzuwenden. Nicht selten kommt eS vor, daß Kinder, besvnderS Knoten, häßliche und gemeine Gespräct« führen, daß sie wohl auch einander fluchen und lästern. Dt.» gegen haben die Elter»! energisch vorzugehen. Man sage ihnen etwa: Hat Dir dcShalb der l. Gott die Sprache, diese» kostbare Gut, gegeben, damit du derartige schmutzige Reden»« arten führen sollst? Ellern thun gut, wenn sie Kinder nie» mal» in Gasthäuser» aufhalten lassen, da« Kind empfängt gar leicht die Reden, die ihm schaden, ohne sie schnell z» vergessen. Ferner darf das -teaehmen Kinder gegen Greise, gegen Gebräuche nicht ganz außer Acht arlassen werden. Sie müssen darauf hingewiesen werden, daß sie, sobald sie vor alten Leuten vorbeigeh.-n, zu grüßen haben. Sitzen dir Kinder vor der Thür und eS geht eine hochbetagt« Persor. vorbei, so müssen sie sich von den Sitzen erheben. Dadurch werden sic unwillkürlich an die Befolgung der göttlichen Gebote angehalten. (Siehe L.B. M. IS, 32. ,Bor einem grauer Haupte sollst Du aufstrhrn." Eine unerhört« Rohheit ist e», wetin Kinder gebrechliche Leute v.rspottea, man rede ihnen das Sündhafte ihre» Benehmens sehr zu Herzen: ,Wie kannst Du so frech und roh sein, diesen armen, unglücklichen Menschen zu verspotten? Dn hast schwer gesündigt. Soll dies der Dank dafür len, daß der l. Gott Dir gesund« Glieder gegeben?" Am meisten Spott aber sieht man Kindern mit Blödst»- nigen treiben. Wenn diese auch durch ihr unmenschliche» Gr Vahren die Kinder dazu herausfordern, so sollte man doch den Kindern ernstlich veriietrn, mit diesen Unglücklichen Spott zu treiben. ״Sieh mein Sohn, das ist ein Unglücklicher, kein Geist ist nicht klar; mit solchen Leuten müsien Menschen, große und kleine, Mitlri) haben, sie aber nicht verhöhiwn, dazu hat Gott Euch die fünf Sinne, Verstand und Vernunft gegeben." Solch« Worte wirten ungemein aus daS kindliche Gemüth. Da, wo die religiöse Erziehung oder eine gute Erziehung überhaupt den Kindern gegeben wird, wird auch da- Be» nehmen gegen da» Dienstpersonal ein humane», freundliche» lein. »Elttr« sollten niemals zugeben, daß Kinder gegen die im Hause Dirnenden ein gebieterische» Betvagen zeigen. Man verbiete Kindern da- Be?:hlen und Sich bedienen lassen, was besonders Mädchen von den' Dieueadea gern verlangen. Man mache, wenn die Dienstboten nicht zugegen sind, die Kinder darauf aufmerksam, daß erstere ebensolche Menschen