Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 23 (1892)
- Issue
- 8 (19.2.1892)
- Date
- 1892-02-19
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
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xl a. di! soÄeS von 480 9?t der Armeoverwaltmiz fit dir städtische» Armin, und ei« anderevon 3200 Mt der f freie• lMschen «Gemeinde zu verschiedenen Zwecke« auszuliekeir. Bei der letzte» Zählung der Schüler der hieslgm HSHerrn Lehranstalten waren 2656 katholische, 3108 prote« staottsche und 758 israelitische Schüler vorhanden. Ar den Privotgymnosicn (sirotrstantischeS Gymnasium zu Strasburg. mschäflicheS Gymnasium zu Straßburg, Montigny zu Zillis• heim, sowie die Vorschule zu Bitsch), waren außerdem 1321 katholische, 608 protestantische und 111 israelitische Schäler gleichzeitig und zwir am 1. November eingeschrieben. In Gebweiler im Oberelsaß hat der vor einigen Monaten durch unfern Rabbiner Herrn Dr. GinSbrrAer in- Leben gerufene .Israelitische Literaturverein". der jetzt schon mehr als SO Mitglieder zählt, vor einigen Digcn Seitender maßgebenden Behdrde die Genehmigung ׳whalten. Diese- Erngniß ist für den Gründer und die!Nitglieder dieses Vereinum so erfreulicher, als einem nichtisraelitischen nrugegründeten Verein in hiesiger Stadt, »Slauchklub", die Genehmigung versagt wurde. Zu» Wärllemßerg, 14. Februar (Or.-Eorr^) Mit Recht betont der leitende Artikel in Nr. 7 die Gewiffenlosig» feit jener Hetz- und Schmutzblätter, welche die Tendenz lüge des VlutmärchenS noch immer systematisch propogiren und dadurch dir Drachensaat des Hasse- und Wahnein bo-- haiter Weise ousstreuen, die Brandfackel de- Zwistes und der Zwietracht unter die friedliche Bevölkerung schlenliern. Aber nicht bloS die antis. Blätter gewisser Couleur machen sich dieser Unlhat schuldig, sondern es giebt auch sanatiich« Priester der .Religion der Liebe-, denen daalte Testament nur gut genug ist, um daraus schöne, paffend« Texte für ihre Relien zu halten, im Uebrigrn ober sch:uen sich dieselben nicht, Steine in den Brunnen zu werfen, auwelchem sie doch den ״Quell des Leben-" schöpfen. So hatte Schreiber dieses Gelegenheit, dieser Tage eine Leichenpredigt zu hören, welcher als Text Hiob 14, V. 11» 12 zu Giunde gelegt wurde. — Diesen VerzweifI »iigsausbruch des frommen Dulderals die rndgiltige Ansicht des Judenthums über dir Fortdauer der Seele zu erklären und die ״Frommen des A. T-" in Bausch und Bogen als Sadducärr hinzustellen, dazu gehört wohl eine hübsche Dosis antisemitische und historische Lenntniß. j Von gleichem Vorurtheile befangen war der Bortrag eines Schweizer Plärrers, gehalten im April v. I. in der Rrsidlnz über Leich-mverbrrrinung vom relig. Standpunkte — doch die Widerlegung nutzt wenig, denn dies Phantom lehrt immer wieder. Es wäre fast überflüssig für den Bibelkundigen, avf Jesaias 26, IS. auf Dan. 12,2, ferner Ps. 10, B. 0 und 10 und Cap. 24 h nzuweiscn, da ja diese und ätznich« Stellen auch dem uichti,r. Seelsorger, namentlich dem protrstantischcn, bekannt sein sollten. — Im Talmud heißt es bekanntlich mit Bezug auf das 5. Gebot, daß wenn Jemand in Ausübung desjelbrr sein manerielles Leben gestört, gleichwohl die Verheißung des langen Lebens im Allseits sich erfüllt. Wie also des Gesetz der Nächstenliebe nicht als cius-!chlirßliche Domäne des Christenthums angesehen neiden kann, so verhält es sich auch mit dem Glauben an die Unsterblichkeit der Se>:le und die Auferstehuilg der Tollten — doch dies thut nichts zur Sache, denn dem Juden inuß uv! jeden Preis ein Hieb versetzt werden! Oesrerreick» Ungarn. Au» Zlngaru, 14. Febr. (Orig. Corr.) Die ur!ga« r!schc Separations-Orthodoxie t motivirt ihre Schritte gcgen dic Rakiptirnsbrwcgung damit, daß sie die Hcrr chasl der literalen Majvlität der ungarischen Glaubensgemeirschasl besürchtct, von wclcher sie um keinen Preis abhängig sein möchte. Clcrade uit der vermeintlichen Religionsfreiheit willen »ächte sie keine GleichstrUnng 1« CMftfflMC Diese Dialektik, gestehe ich aber, ist keine ,«treifend«. Denn im Hinblick auf die Stellung nach Außen, dem Staate mch der Nation gegenüber, müffen alle Parteien einig sein,-«» wechselseitigen Schutze i« Vaterland«, zum Trutze gegen de« gemein,amen Feind innerhalb und außerhalb unsere-Laiche-. Ueberdies ist der Liberali-muio Ungarn duchweg ein n• hal׳e»drr und würde jederzeit Lieb mit Lieb, l8e>trauen mit Vertrauen erwiedern; da ethische Gerechtigkeit da» Grund» Prinzip der ächten Ftrisinnigkeit ist. Möchten daher i» ttacht zusammengehrn. In der Eintracht liegt die Macht und die Bedingung zum Segen. Insbesondere müffen dw Männer zusammenhalten, denen die Lehre Gottes und die Ehre de- Judenthums heilig ist. Unsere Reihen sind ohnehin stark gelichtet. Vom Himmel des Judentdum» fällt ed» Stern nach dem andern, und die Lücke, die der Tod in'» Her! der Gemeinde reißt, ist una iSfüllbar. — In der erzbi-thümlichen Residenz Kalocsa starb am jüngsten Freitag der allgemein beliebte und verehrte BezirkSrabbincr Josef Wolf, der Schwiegersohn d«S abt talmudische Autorität berühmten Oberrabb ners von Liptä St. MitloS, der Schwager d«S unvergeßlichen sel. Ober- Rabbiner» von Baja. Rabbi Moise- Noschär. Der Ber» ewigte war rin Jünger der klassischen MoseS Soser'sche» Pießburger Schule und hervorragend aus talmudischeni Gebiete. Er war aber gleichwohl voll Duldung und Schonung für abweichende religiöse Meinungen und voll innigen Berständnisses für die Aufgaben der Zeit. Sein Andenken sei gesegnet l — Der Nachfolger Hajnald'S, Erzbischof Georg Esä»zk» in Aalocsa, verhieß der Deputation der isr. Gemeinde, welche vom Vorsteher Dr. Weiß geführt wurde,!schütz und lloterstützung und versicherte sie seiner wärmsten Sympathie für ihre Bestrebungen auf dem Gebiete religiöser vaterländischer Eultur. Rußland. Aign. Au dem Orte, wo die Holzhändler sich jede» Morgen zu geschäftlichen Zwecken versammeln, entstand plötzsich eine gewaltige Aufregung. Auf jedem Gesichte malte sich Angst und Schncken; die Leute liefen nach allen Richtungen auseinander und in weniger als zwei Minuten war der Play gesäubert. Was war der Grund zu dieser Erscheinung? Eine Anzahl Polizisten und Detcctives war plötzlich erschiene« um von den Juden Geld zu erpressen und diejenigen srstza» nehme», bei denen sie keinefanden. — AchnlicheS trug sich jüngst während des Mittagessens im Hause de- Holzhäridlers Schal it, gegenüber der Börse, zu. Eine Anzahl Polizist«» und Spione überfielen plötzlich die Anwesenden, um unter dem Vorwände, ihre Papiere revidiren zu müffen, Geld vo« denselben zu ecprcsien. An ein Entkommen war nicht z» denken; Alle gericthcn in Berzweiftung nnd nur dem Einflussc einer herzugckommenen einslubeichen Person war «» zu verdanken, daß nicht alle ihres Geldes beraubt oder unter allerlei Vorwänoen in« Gcsängniß gcwoifcn wurden. Dcr Polizeichef von Riga ist vor Kurzem nach MoSka» versetzt wo! den. Dieser Beamte gehörte zu den Führern der antisemitischen Partei und man sagt, daß er sich in dieser seiner Stellung so hervorgcthan hatte, daß er ihr seine Er» nennurig zum Poligeiches verdankte, was für die jüdische Ge» Mtinde sehr verhängnißvoll war. Während seiner sechs!äheigen Amtsfühiung t.at er die jüdische tÄcmeinde mit einer nicht zu beschreibenden Tyrannei behandelt. Die Rigaer Juden haben allen Grund sich über seine Versetzung zu freuen; aber wessen werden sitz die wenigen in Mos'au zurüctblcibcndcn Judcn von ihm zu vcrsc!:cn haben. ll.kL.?Itga. Zu den angcschcnsicn Mitgledcrn der hiesige» jüdischen Gemeinde gehört dcr B-sitzer einer kleinen Gast» wirthschast, welcher bereits 35 Jahre am hiesigen Platze