Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 23 (1892)
- Issue
- 8 (19.2.1892)
- Date
- 1892-02-19
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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n#Mfcn rat 11,198,81! y•:- ‘jC (■ . Pi. C. GrsfolP, 12. Februar. Eine« unerwarteten Berlauf nahm die auf gestern Abend im Saale de« Herrn Erlenwein anberaumte Antisemiteu-Bersammlung. Ebenso wie kürzlich in der Tonhalle war auch gestern der Andrang ei« ganz gewaltiger. Al« Herr Buchdruckereidesttzer Weyer« au« Essen, als Einberufer der Betsammlung, in Begleitung der als Redner genannten Herren De. König au« Witten und Dr. Danneil aus Bielefeld, kurz vor 8 Uhr im Saale erschienen, erhob sich ein unbeschmvlicher Tumult. Hochrufe, Ruse wie .Heraus׳, .Rieder mit ihnen" und dergl. mehr, schrille Pfiffe wogten durcheinander. Die Lärmmacher, welche den am Eingänge liegenden Theil de« Saale« — etwa 50 Mann stark — besetzt hielten, wollten die Bersammlung von vornherein vereiteln und erreichen auch ihren Zweck. Kaum hatte sich Herr Weyers erhoben, um die Berfammlung zu eröffnen, da wurden auch schon dir Ruse nach Büreauwahl laut, be gleitet von demselben Gejohle und Geschrei, mit welchem die drei genannten Herren begrüßt worden waren. Herr Weyers erklärte, auf Büreauwahl lasse er sich nicht ein; denn er habe das Local gemiethet und betrachte :Z als sein gutes Recht, die Bersammlung selbst zu leiten. Neuer Lärm in verstärkter Fonn brach lo«, als der bekannte Führer der antisemitischen Bewegung in Rheinland und Westfalen, Herr De. König, das Wort nahm oder, richtiger gesagt, nehmen wollt«: denn er kam gar nicht zum Wort. Bei jedem Ber such, seine ongekündigte Rede über ,Antisemitismus und fefue Gegner" zu beginnen, brach von neuem mit fast eiementarer Gewalt ein ohrenbetäubender Lärm lo». dazwischen wurden Lieder in bunter Reihenfolge und ohne Wahl gejungen oder vielmehr gejohlt. Die Radaumacher, gegen deren skandalöses Gebühren von der überwiegenden Mehrzahl der Bersammeltm in lebhaftester Weise prorestirt wurde; bestanden meist aus Personen, die sonst regelmäßig in den soeialdemokrattschen Versammlungen zu finden sind. Die Persammlung wurde wiederholt aus kurze Zeit vertagt und all« möglichen Versuche gemacht, Ruhr und Ordnung herzustellen, allein vergebens; als schließlich Herr Erlenwein einigen der Hauptschreier das Lokal verwies und sie hinausbcfördern kaffen wollte, da kam es auch noch zu einem Handgemenge Unter solchen Umständen blieb dem Beamten, der mit einer ziemlich starken Polizeimacht die Bersammlung überwachte, nichts andere« übrig, al« dieselbe zu schließen und den Saal räumen zu laffen. Im Eenttalhotel fanden sich gege» 9 Uhr Abends tMreiche Teilnehmer der vereitelten Bersammlung ein. vme Fortsetzung der Bersammlung fand indessen nicht statt, doch wurde aus Anregung deS Herrn Dr. König ein antisemitischer Berein gegründet, zu welchem sofort «eit über 100 der Anwesenden durch Namensunterschrift ihren Beitritt erklärten. Wie von Hcrrn Dr König gestern Abend im Eenttalhotel öffentlich bekannt gegeben wurde, findet morgen (SamStags in acht Tagen abeimalS eiur antisemitische Bnsammlung ui Trefeld statt, zu welcher jedoch nur gegen Borzeigung der Einladung Zutritt gewährt werden soll.*) Gtterskoh. 7. Februar. Der bekannte Anttsemitenführer Dr. Dann eil denkt, wenn er mit der »Kaiserttcue" protzt, fei er unwiderstehlich. Er hat sich hier aber sehr verrechnet. Am 6. d. M. sandte er dem hiesigen Saalbesitzer Herrn Georg Pollkläsener «in Schreiben, das wörtlich lautete: t ,Geehrter Herei Da wir Eli trotz Berabredung in Ihrem Lokal« aicht getroffen, ersuchen sie hierourw, an» bl» morgen *oimiitag um ,/«V Uhr in ocr Löhnung de» Herrn eant. Po^genhan«, Bahnhof- .«ratze in, Ihren befialrtne» Bescheid mltzuih-lea Wir deadsichNge», .fall« Li« Ihren Saat untz für unsere patriotisch« «ach« nicht geben, ') Bei dieser Gelegenheit wäre ein Bonrag über »Dff n i e t in 28»«»grabe* »«hl am unrecht«» Platz«. C. *in Alaglrakt in «0,060 Ug,mp«,a w der Mt aatzoms dem «eng-, Laad« »irgea Bonn, za eerbvtua, haß Lie ein«« wlftetreaer Pari et Stal t'trweiaert haben. Sie tzttuea nicht gewatzt, am »a« tl Handel«, theil« Ihnen da» Uchema tnit: .Da» Jabeacha» und iic Sozialdeutotratir, di« Hanptfete o« de» christliche» BoikSIebenS'. Im Aufträge vieler beatscher Würger Dr Danneil." Herr Pollkläsentr ließ sich indeffen durch dieses Drohbrief nicht einschüchter,1, sondern antwortett öffentlich in der »N G. Z " w» folgt: ״Die in dem Bries aa»g« sprachen« Drohung veranlatzl mich: thi. der Oeffenttlchkeit zu übergeben and e» dem Unheil meiner Mitbüroe.׳ zu überloffeu, ob ich mit der tjerwelgenm« melae» Saale» zur Ad- Haltung einer antisemitischen Bersammlung Stecht bade ober nicht Wir lebe» hier mit unser« jüdischen Mitbürgern in Ruhe und Friede», rin« Beranlaffung, in klniisemitiSmu» zu machen, liegt für unserr Stadt dorchau« nicht vor. Za, habe Herr» Dr. Daaneil bet seiner persönliche» Anwesenheit in mtinem Lokal ersucht, sich den Saal der ״lrrholung" oder de» Bereia»h>ruse« zu seinen Zwecken geben zu laffen Jb nehme für mich da» Recht in Anspruch. gletchsaU» eia patriotische Mann von kais-rtrruer Gesinnung zu sei«, wena ich auch nicht meine». Saal zu dem gedachten Zwecke hergebe. Wenn ich bl» gestern Abeali noch zweiselhasi war, ob ich den Wunsche de» Herrn Dr Daoaeil «nt» sprechen toll oder nicht, so hat mich die Fassung de» Briefe» in de» Er»schloß festgemacht, den Saal zu verweigern - GüterSIoh, den k fte» b:uat 18a2. Georg Poll tl tjener.' In derselben Nummer der N. G. Ztg. kündigt Dr. T annril einen Vortrag über .die Juden, die Könige unserer Zeit" im Saale von Strateman an, aber gleich darunter erklärt Herr Stratemann, daß diese antisemitische Per» sammlung bei ihm nicht stattfinde. Herr Dr. Danncil kann also wieder abbumpsen. Hier ist kein Boden für seinesgleichen. Hkytzaiü.O»s (Or.-Eorr.) ES giedt keine beklagenSwerthere Erscheinung, als Kinder leiben zu sehen und ihnen keine Hülse gewähren zu könnet, und wiederum kein erhebendere» Bewußtsein, als solch' armen Wesen Linderung Hu verschaffen. Ein Unternehmen, das ditsem hochherzigen Zwecke dient, ist die isiaelitische Kinderhrilstättt in dem benachbarten Toolb-'.de Königsborff-Jastrzemb, die nunmehr aus eine 2jährige segensreiche Wirksamkeit zurückblicken kann. Es wäre nun wünschcnswcrth, daß immer weitere Kreise sich für diese» edle Institut in opferfrtudiger Mildthätigkeit begeistertest und dem Wunsche der Verwaltung Rechnung trügen, dem menschenfreundlichen Wecle zu einem größelen Umsang za verhelfen. Im verflossenen Jahre sind 43 Kindern (lS Knaben und 24 Mädchen) die Segnungen der Anstalt, die voir Herrn Dr. med. Karfunkel in vorzüglicher W.ise geleitet wird, zu theil geworden, von denen 21 ganz uncr> zeitlich, 11 gegen einen sehr mäßigen Zuschuß und 10 gegen Selbstkostenpreis ausgenommen wurden. Die Kürzest der Pfleglinge betrug in der Regel t volle Wochen; die blutarmen, bleichsüchtigen uns skrophulüsen Kinder hatten durchweg gute Erfolge aufzuw>!isen. Besondere Anerknnung 11erdienen noch die von der Lcrwaltung ernannten Ehrcndamru Frau Bettha H a a se ir Rybnik, Frau Dr. Karfunkel i> Jastrzemb, Frau Friederik: Knoche in Gleiwitz, Frau Pollack in Zabrze und Zruu Dr. Reich in Loslau, die der guten Sache eifrigst angenommen haben. An Einnahme« find zu verzeichnen: Mk. 7034,39, an Ausgabe« Mk. 4957,10. Schatzmeister ist Bankdiv.ktor Jakob Fränkel in Gleiwitz. chtrahbarg i. (£ffa|)t 14. Febr. (Or -Corr.) Die von km hiesigen israelitischer Bezirkskonsistocium vorgenommene Eruennuug des Rabbiner» Herrn Isaak Dreyfag in Ärgers- Izeim zum Rabbiner in B r u m a t h ist nunmehr SettenS des Königl. Ministeriums bestätigt worden und damit ist die in den Blättern, besrnderS von orthodoxer Seite so stark ausgebauschie Wahl-Streitfrage definitiv enischieden. Möge rs Herrn Rabbiner Dreyfu'; getingen, die erregten Gemüther rnneihalb der israelitisssen Gemeinde in Brumath, wrlche seine Einennung hervorc.erufin hat, zu beschwichtigen. Das hieiige israrlit schc Krankenhaus ist laut testaoten- :arischer Bestimmung d.c am J2. Januar d. I nrrstolb.ura Frau Laura Levy von zier zum Universalerben ihres Mr» mögen« eingesetzt worden unter der Bedingung; innerhalb sechs Monaten nachHhtear Ableben einig« Parrrcularlegatt,