Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 23 (1892)
- Issue
- 8 (19.2.1892)
- Date
- 1892-02-19
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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zweiten (tinfft mit ftüeruehmen fsollte. Durch eine soll he Anorduurg nräre dir Möglichkeit'. gegeben, die Sache ich« Mehrkost, n in» Seien zu rufen. Danach sollen also cn. 30 israelitiscke Kinder von 6—13 Jahren gegen den Stillen der Eltern zu einer klaffe vereinigt in eine Art Zehul- Ghetto eingepfercht werden, das zu den größten pädagogischen Unzuträglichkeiten und konfessionellen Reibereien Veranlassung geben wid. Es sind hier mithin einseitig die damals geschloffen«, Vertrüge, nach denen eine simultane Schule errichtet wurde, gelöst worden, und die israelitische Gemeinde verliert damit das ihr früh«׳ zugehörige Schulhaus nebst Lehrer-Wohnung und Spielplatz, das sie im Interesse der Sache rrrtrancnsvoll der Stadt übertragen hatte, die dort eine höhere Tüihter- Schule installirte. Es herrscht, wie Sie sich denken können, hierüber in der israelitischen Gemeinde, wie auch bei illtn anderen unbefangen urtheilenden Bürgern die größte öintrüstung. Erstere »ollen ihre Kinder dieser neugrbacle ren klaffe nur nach Anwendung äußersten Zwanges überg'len. N. N." Das Schreiben spricht für sich selbst. Wir hoffen, liaß sowohl d,e städtischen Behörden als die israelitische Geuui ade . alle Rechtsmittel erschöpfen werden, um die Anordnung des Arnsd«g,r Regierungsraths aus der Well zu schaffen. Die Um Wandlung des Charakters einer Schule kann nur mit <Nc nehmigung des Ministers erfolgen. Dieser hat aber »er sichert, dag er gcgen den Willen der Betheiligten keine Simulto nschale aufheben wolle, nenn er auch für die Zutun st die Errichtung solcher Schulen auszuschließen beabsichtigt. Ktskröe». 12. Februar. Mit Bezug aus die auch in Ihrem gesch. Blatte (vor. Nr.) abgedruckte einfältige Blutabzapiungsgeschichte. welche eine hiesige Zeitung veröffenrlichte, erschien Tags daraus in demselben Blatte ein Inserat, worin znei isr. Bürger (W. Simon und M. Zweig) erklärten, ,daß die Darstellungen des von dem ,Reform-Beren" bezeichneten Gewährsmannes aus Lügen beruhen. Jedenfalls sind dieselben auf eine krankhafte Prahlsucht des Bettes«- den (mit der Ellen bogen-Narb«) zurückzuführen. .Win stehen nicht an. den Hintermann des .Resonn- Vereins' einfach für ernen böswilligen Bcrläumter zu erklären, denn es ist zu wiederholten Malen — auch von christlichen Autoritäten.— bewiesen worden, daß ein ,»tu- «lfcv Mord bei Juden nie vorgekommen ist." Hierauf erl׳cß der hiesige deutsche ,Reform-Verein' folgende .Erklärung-: ,Sir halten di« in Nr. 82 dieter Zeitung gebrachten Mit» Ihetlungea über rin« itanaesunden« Blutabzapfung von Seiten der Juden au einen» jetzigen Lisleder Bürger voll und ganz aufrecht Die Angabe» unseres AewShrsinanues sind weder auf «ine krankhafte Piahlfucht, noch auf eine böswillige verlllumdung zvr-ick» zufüh-en. sondern sie sind der vollständige» Wahrheit entsprechend und können jeder Zeit durch den Nb erhörte: «erden. Die Herren Zneig »ad Simon vermögen vcotz ihrer gestrige» Likläruug de» rituellen Mord resp. Blu»alüapf1,ug-der Juden und ihre Berufung auf ö>rist< iiche Autoritäten (die jeiieusalls jüdischer Abstammung sind) nicht »us der Welt zu schasst». Unsere nicht ungerechten Beschuldigungen sind nicht aut der Lust gegriffen, sondern stützen sich aus wirtliche ü'tatlachen und Beweise der hervorragendsten Autoritüte» der hebräisezen Ntterthunis-Wiffenjchaft." Worte nichts als Worte, hohles Phrasengrklingel und lächerliche Großsprecherei ohne die mindeste Kenntniß der einschlägigen Litteratur. Warum nennen die Herren nichr die .,hervorragenden Autoritäten der hebr. Altcrthums- Wissenschaft", bei denen man Thatsachcn und Beueise des Ritualmortes bei den Juden finden soll? Für jeden thatsächlichen Beneis sollen sie eine Prämie erhalten, deren Höhe sie selbst bestimmen mögen. Die christlicher, Autoritöten, die das Gcgenthcil behaupten, sollen .jüdischer Abstaiiimungsein. Nun. waren alle Päpste und Bischöfe, die tiefe Bluticschuldigung für ,infame Lüge" erklärt haben, etwa jüdischer Abstammung? Ist der gelehrte Fülstbischqf Dr. kapp, der sie als ,entschiedene sieventtiche Unwahrheit, die weder durch die jüdische Religion noch durch die Geschuhte zN be<,künden ist", öffentlich bezeichnet!hat, jlld. AbstnmmnnG? Sind die christlichen Professoren der prottsta mischen AH»- log«, wie Delitzsch, Siegfried, Merx, Nöldecke, State. Strack u. a. jüd. Abstammung? Nu« diese Prosrffoien doben jene Beschuldigung gutachtlich ,eine Erfindung der Bosheit welche nur von der Dummheit geglaubt wird", genannt. — Nun, glauben die Herren in Eisleben nach diesem Berdikt noch daran? Ihre einzige Autorität ist der berüchtigte Rohling, dem aber vor Gericht nachgewiesen morden tft daß er .Wahrheit-widriges amt-eidlich ausgesagt", und als .böswilliger Berläumder" von evangelischen Theologen ein für allemal stigmatisirt ist. Wer auf ihn sich in dieser Sache beruft, gleicht ihm. Z?«sen 14. Fet-ruar. Der ,Verein zur Förderung de« Handwerks unter den Juden", und der ״israelitische Vorschuß» Verein" hielt Mittwoch, den 10. Febr., AbeudS seine ordeut» liche 'Generalversammlung im Gemeinde - SitzungSsaale ab. Die Versammlung, der auch der Herr Rabbiner Dr. Feilchenfeld beiwohnte, wurde vom Vorsitzenden Herrn Louis Ephraim eröffnet und geleitet. Bon der Verlesung de« Jahresberichts für das Jahr 1891 wurde Abstand genommen, da derselbe den Mitgliedern bereits vorher gedruckt zur kennt» niß gebracht worden war. Dem Jahresberichte ist Folgende«- zu entnehmen. Trotz der Ungunic der Verhältniffe hat der Verein einen Zuwachs in der Zahl feiner Mitglieder und der Beittäge zu verzeichnen; auch sind dem Verein von Gönnern s«ner Besttebungen einige namhafte Spenden zngenendet worden. Die letzte Generalversammlung hatte den Vorstand ermächtigt lei Darlehen von nicht über SO Mark in geeigneten Fällen von Bürgschaftsleistung« abzuschen. Diesem Beschlüsse entsprechend sind in 1ö Fälle.» Darlehen in dieser Weite gewährt »vorden; außerdem wurden noch in SS weiteren Fällen Darlehen bewilligt. Der Elesamnitbetrag aller Vorschüsse. 1»9I betrug 8 >59 Mark. Dir Rückzahlung der Darlehen gestaltete sich gcgen früher schwieriger, gegen einen Schuldner mußte der Klageneg beschritten werden. — Von den durch den Verein unterstützten Handwerkslehrlingen Halen einige die Lehrzeit beendet, einige andere würben neuerd.ngs ausgenommen. Infolge der Theueruvg aller Lebensbedürfnisse mußten die Ausnendungen für die jungen Leute erhöht weiden, bei einigen gcschah dies auch in An«» kennung ihrer guten Leistungen. Für Bekleidung mußte« in einigen Fällen Austvendunqen gemacht werden» außerde» wurden alle in Posen beschästigttn jungen Leut: zu Lhamtkn mit warmer Unterkleidung versehen. ES wurden verausgabt für Lehrlinge an monatlichen Unterstützungen und für Klei», dungsstücke 811,60 Mk. Unterstützt wurden 13 Lehrlinge gegen IS im Jahre 1890. Ihrer Beschäftigung nach si»^ von diesen 12 Lehrlingen (3 Schneider, je 2 Fleischer aal; Schlaffer und je 1 Friseur. Lithograph Holzbildhauer, Gärtner und Kunstmalerin (Mädchen). Da« Strebe» de«!-!. Vereins, den Lehrlingen den Besuch von Fortbildungsschulen Ä zu ermöglichen, hat bis jetzt noch keinen Erfolg gehabt; doch^ hofft man diese« Ziel in absehbarer Zeit zu erreichen. EtÄs schneit wird dieses Streben dadurch» daß bic Zahl der׳L jungen Leute, die sich an den Verein uenden, zn gering unbm die Vorbildung derselben zu verschieden ist, so daß e« ban>M verband unmöglich ist, einen besonderen Unterrichtstursu« HUI organisiren, während es andererseits an Institut« für diesen Zweck in unserer Stadt mangelt. Herr Nalhaa Neufrlb j hatte beantragt, daß sich den in den KZ 1 und 4 de« Rach»Z träges zu den Satzungen ausgedrückte Klausel, über hier «i»M sässige junge Leute, welche Lust und Befähigunz haben, Handw,rk zu erlernen, sowohl auf junge Mänrer als < auf junge Mädchen erstrecken soll. Dieser Antrag wu! angeuommen. Der Etat de- Vereins für 189:! wurde Einnahme auf 18^0,50 Mü und in Ausgabe auf Z325, Mark festgesetzt. Außerdem sollen 500 Mk. dem foudS zugeschrieben nerven. Der Kassenbericht für l der den Mitgliedern gleichfalls vorher zur krtmtaiß gif