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Israelitische Wochenschrift · 1892-02-19 · 8 (19.2.1892) · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
23 (1892)
Issue
8 (19.2.1892)
Date
1892-02-19
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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; P^birsemZLande mit 'allen Wurzel« an»!seiner Brust zu «ißen, von dem Augenblick an ist es eine ideale Schwär- «erei oder eine Selbsterniedrigung sich als Lonnationalen denjenigen auszudränaen, die mit grausamer That bewiesen I^aben, daß sie von ihm nichts wissen wollen. Da ist der ׳«gste Anschluß an die Leidcnsgenossen geboten, da reichen a*r die nationalen Erinnerungen des Judentums ihren «eichen.Trost« da bildet die Pflege der hebräischen Sprache köstlichen Ersatz für die uns auf anderen Gebieten verwehrte «eistige Betätigung: dem Juden, dem finitere Verblendung, haßerfüllte Gewaltthätigkeit das angeborene, angestammte »nd vielgeliebte Vaterland rauben, dem bleibt nichts übrig, «ls sich auf die Liebe zur U, Heimat, zu den stolzen geschichtlichen Traditionen seines UrstammeS zurückzuziehen. To Fm roala! — rufen sie der bösen und verstockten Stiefmutter jtl. Die national-jüdische Bewegung ist in Rußland erwacht; Polen, Russen und Rumänen, denen der Fa- ,atismuS das Vaterland geraubt hat, sind die eifrigsten Träger und Verbreiter derselben. Auch in Galizien haben die Zionisten einen großen Anhang unier der gebildeten Jugend. ES liegen dieselben Gründe vor. Nirgends haben sich die Juden mit mehr Lust und Liebe zu assimiliren versucht, als in Polen. Der Aufstand im Jahre 1863 war «uch von jüdischen Kräften getragen, noch heute fühlen sie die rächende russische Knute dafür, aber den Dank blieben ihnen die Polen schuldig. Man trieb die Annäherungs versuche bis zur Selbsterniedrigung, aber das half gar nichts und erst vor kurzem erklärte ein solch polnisch-jüdischer Assimilirungsvercin, dem das Polenthum >veit über dem Judenthnm stand, mit seiner Weisheit zu Ende zu sein. Der polnische Adel ist schon seiner streng kirchlichen Richtung «egen anti-jüdisch gesinnt, das Bürgerthum sondert sich streng «ach Lonfessioncn, die ganze Intelligenz aber uns ganz beßnderS die Presie ist durch und durch antisemitisch. Was eibt da der studierenden Jugend viel anderes übrig, als sich einer Richtung zuzuwrnden, die vielleicht keine praktischen Aicle erreichen wird, die aber im Stande ist, das junge Gemüth mit idealem Schwung und mit wohlthucndem Selbstbewußtstin zu erfüllen. Positiver Schaden wird aus dieser Schwärmerei nicht erwachsen, die reell n Verhältnisse sorgen schon dasür, daß die NakionalitätSbäumc nicht in den Hrmmel wachsen Dir Pflege der hebräischen Sprache, der sich die Zionisten mit Eifer und Erfolg hingeben, erachten wir für alle unsere Glaubensgenossen als einen großen, unschätzbaren Gewinn. Nur darf der Friede unter uns nicht gestört werden. Gönnen wir den jungen Leuten ihre Ideale» sie werden älter und erfahrener ivcrden, wögen aber auch die jungen, heißblütigen russischen Correspondeuten in den hcbr. Blättern .Hamagid", .Hamcliz u. 0, die heil, hebräische Sprache nicht durch Lügen, Verleumdüngen und Verketzerungen cntwciben, und nicht vergeben, waS rin deutscher Dichter sagt: ״Leicht fertig ist die Jugend mit dem Wort". So viel ist gewiß: In den weste uro» fälschen Ländern werden die Zionisten wenige oder gar eine Anhänger finden. Rabbiner Or. Caro-Lemberg. Gerichte «nd Lorrrspondenzen. Deurscdtand. M«>d<kl«rg, im Februar. (Or.-Corr.) Es waren am jüngsten Jom kippur 2u Jahre, als der Herr Rabbiner Dr. Ra hm er in seiner Predigt zur Todtcnfcier, anknüpfend an die Selichothwortc: ״Erhöre uns, Vaicr der Wuisen, erhöre uns! Erhöie uns, Beistand der Wittwen, erhöre uns!" die Anregung zur Gründung eines Wittiven- und Waisen- UnterslützungSc-creinS gab. Seine Worte zündeten in den Heizen der Zuuörer, und als der Rabblncr den Woiten auch die That folgen ließ und gleich nach den Festtagen j cherjünlich die Sammlungen in die Hand nahm, flojsen die - Spende« zum bleibende» Fonds und die Zeichnungen zu Jahresbeiträgen so reichlich, daß »ach wenlgen Monaten diesei Wohlthät-gkeitsverein bestens fundirt, und nachdem der vom Rabbiner verfaßte Statutrnentwurf von einem Curatorium geprüft und von der l. Generalversammlung angenommen war, im Jahre 1872 ins Leben treten konnte. Ueoer den zur 20. Generalversammlung veröffentlichte» Rechenschaftsbericht heißt eS in der ״Magdrb. Ztg “: Der Verein zählt jetzt 263 Mitglieder und besitzt ein Kapitalvermögen von rund 61,000 Mk, daS aus einem ursprünglichen, durch Schenkungen und Sammlungen beschafften Slistungskap'tale von 18,000 Mk allmählig bis zu der angegebenen Höhe angewachsen ist. Für die wohlthätigen Zwecke des Vereins kommen die regelmäßigen Jahresbeiträge der Mitglieder, die sich im Jahre 1891" auf 1934 bezifferten, wie auch ler größere Theil der Kapitalszinsen zur Ver- Wendung, während der nicht veranlagte Rest der letztere» dem Kapital-Reservefonds weder zufließt. Mit der verausgabten Summe von 2926,4k Mk. wurden an 12 Wittwen und 9 Waisen fortlaufende Unterstützungen gewährt, di-: von monatlich 6 bis 15 Mk. und in ein paar dringende» Fällen bis auf 30 und 40 Mk. anstiegen. Seit seiner Begründüng Anfang des Jahres 1872 hat der Verein Dank dem immer regen Wohlthäligkeirssinne in der Gemeinde die Grenzen seines segensreichen Wirkens von Jahr zu Jahr erweitert und auch das verflossene Jahr inachte hierin keine Ausnahme; die freiwilligen Beiträge und Spenden für die armen Wittwen und Waisen erlitten keinen Abbruch, obscho» die Wohltbätigkeit der Gemeindeinitglieder ohnehin anderwcitig in Folge außerordentlicher Nothstände, besonders zur Unterstützung der verfolgten russischen Juden zu wiederholte» Malen, sehr stark in Anspruch genommen werden mußte. Möge der Verein und sein Begründer noch lange fegen»-- reich in unserer Gemeinde wirken! K-rde, 10. Februar. Der Aufseh>-n erregende Fall betreffend Aufhebung der hies. Simultanschule verhält sich wie folgt: .Im Jahre 1877 beschloß die hiesige politische Gemeinde auf Betreiben der Regierung zu ArnSberg eine allgemeine paritätische Volksschule für alle Konfessionen zu errichte» und dicjc auf den städtischen Etat zu übernehmen, jedoch unter der Bedingung, daß die konfessionellen Gemeinden ihre Schule auflösten und als Eigenthum ibre Schulhäuser der Stadt übergäben. Dies geschah auch von der cvan;e. lischen und israelitischen Gemeinde, nicht aber von der katholischen, welche ihre confessionelle Schule beibehielt und dafür von den Beiträgen zur Unterhaltung.der städtische» Schule befreit wurde. An diese Schule wurde hierauf außer den evangelischen Lehrern der israelitische Lehrer H. Stern mit übernommen, welcher dann eine Classe der Volksschule unterrichtete und außerdem den israelitischen Kindern den Rcligioneuntci-richt ertheilte. Mit diesen Verhältnissen war man denn auch allgemein zufrieden. Unter der jetzigen Regierung sollte aber die Sache ander» kommen. Schon vor zwei Jahren erließ die königl. Regierung zu Arnsberg ein Rescript, welches verordnete, daß die »sraelitischen Kinder auS allen Klassen ausgesondert und zu einer Klasse unter Leitung des H Stern vereinigt würden. Der Magistrat sowohl wie die Stadtverordneter^ weigerten sich aber standhaft, die hierdurch entstehenden Kosten von ca. 2000 Mark zu bewilligen, weil sich die bish rigi: Schule bewährt habe. Eine neue Verordnung der Regierung im vorigen Jahre hatte dieselbe Wirkung. Jetzt hat der Regierungsralh Herr Tiska in der vorigen Woche pcrsöulich angeordnet, daß sofort unter seinen eigenen Augen ein neuer Lchulplan ausgearbeiler werde, durch welchen auj Kosten der unteren Klassen, die weniger Stunden erhalte« sollten, eia Klassenzimmer für die jüdischen Schüler in nitlea dev^Geuieinde-Schulhauses erübrigt werde, und daß an Stell, des Lehrers Stern ein^an!»erer Lehrer das Ordinariat der

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