Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 23 (1892)
- Issue
- 7 (12.2.1892)
- Date
- 1892-02-12
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
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würden, diese davurch gerade verriiigert sehen müssen, diß sie als Glaubensgenossen und Männer der!üdischen Wissenschaft Achtung und Verehrung beanspruchen dürftn. — So erklären sich die vielen Streitigkeiten zwischen Gemeinden und ihren geisilicken Führern, die mitunter einen für die Oeffcntlichkeit recht bedenklichen, der Ehre der Religion und!»er Gottcslehre höchst nachthciligen Charakter haben. — Ich hatte vor längerer Zeit berichtet, das! die Galanterie einen Rabbiner in (Kolnok) vor die Schranken des Gerichts gesordert hatte. Während nun. der Rabbiner Tr. F. im Kanwfe ivegen eines Handkusses a» eine Dame siegreich geblieben »var. soll seine Sch lag fertig kei t in der Synagogc, >vo es eine Prügelei gab. es zur Folge haben, das man rrit schlagender Münze (einerAbfindungssumme) dem L>eel« n- Hirten es beweisen will, daß er eine andere Heerde, als die Kolnoker weiden müsse, uni sich und Andere zu befriedigen. — Solch« Auftritte sind leider nicht vereinzelt in unserem Lande. Wir stehen aber in einer Uebergangszeit. Die altjüdische Ehrsurclt vor der Religion und den Verkündern des göttlichen Wortes, di: Kcnntniß und Erkenntnis; der jüdischen Lehre hat abgenommen, die moderne nat onc le Cultur und die schöne sittliche Humanität aber »och nicht die Herrschaft iin Geistesleben der Gemeinde zur Genüge erlangt. Vom ethisch-religiösen Selbftbewußtsein der Glaubensgemein schüft muh das Heil kommen. Die gesetzliche Aner-- kennung von außen her kann und wird nicht fehlen. — — Eine» litterarischcn Akt der Toleranz eines christlichen landrmännischcn Gelehrten und Schriftstellers bin ich in der angenehmen Lage vorzusühren. Herr Prof. Arpnd v. Török aus Budapest verherrlicht in seinem eben erschcerem n Buch«: ״Miscellen" (S. 8) ״Nathan den Weisen" als Urbild eines ächten Juden und protcstirt im Namen d<!s wahren Christcnthums gegen die Auffassung, als sei der Patriarch in der gleichnamigen Lessing'schen Dichtung ״Die Verkörperung der christlichen Religion". Auf Scite 14 seiner soeben erschienen:» Schrift .Immenser" sagt derselbe G:« lehrte wörtlich: ״Man br rucht nicht auf den Glauben zu verzichten, sagt sehr richtig Prof. Dr. S. Naschär*), wenn man nach Vernünftigkeit strebt. Letzterer ist vielmehr die Krone des Elfteren." .Wahrlich fügt Prof. v. Török hinzu, nicht die Unvernunft, sondern die Vernunft wird einst die Glaubensbekenntnisse einander näher bringen. Nrw der Vernünftigkeit als der Krone eines jeden Glaubensbekenntnisses wird es zu verdanken sein, wenn das gros!e Wort ״von einer Heerde" jemals in Erfüllung gehen sollte? — Araokreieb Naris. 1. Eebruar. (Or.-Cor.) Vergangenen Sonn rbend Abend fand im Consiftorialsaale die alljährliche Generilversammlung der Gesellschaft der ״ätudes juives“ statt. Die (Gesellschaft hat den Zweck ״Geschichte und Wissenschaft des Jutenthums" in Frankreich zu verbinden; sie gieb! eine eigene Zeitschrift ״revue den er.udes juives“ heraus, die unter der Redaction Zadoc Kahn's und Isidor Löbs eir Stelldichein für alle erleuchteten Köpfe der französischen Gclehrtenwelt ist, und die vollständig auf die Höhe ihrer Ausgabe steht. Ter große Saal war vis aus den letzten Platz besetz!, darunter viele Domen, die in Rücksicht auf den durch Hin. Professor Bloch 0j1n Institut Bischofsheim über ״Die jüdische Frau in dem Romane und in dem zeitgenössischen Theater' zu haltenden Vortrag erschienen waren. Den Vorsitz führte Professor Oppert vom Institut, den Bericht über die wissenschaftlichen Leistungen erstattete Hr. Moritz Bernds (ein Nichtisraelit). Den Kassenbericht legte Erlanger vor und constatirt, daß das Deficit 1000 Francs überschritten hab,^ Isidor Löb ist leider durch Krankheit verhindert gewesen, der Sitzung beizuwohnen. Oppert hielt den verstorbenen Mitgliedern der Gesellschaft den Nachruf, verabschiedete siH von den Mitgliedern als Vorsitzender, da der Vorsitzjetzt an Isidor Löb übergeht. Vernes führt sein Haus in die verschiedensten Gebiete jüdischen Wissen ein, die von der ״revuebehandelt wurden, er sprach über die, die Belagerung von Jerusalem behandelnden Artikel sowie über die Arbeiten Rodocanachi über die Geschichte der römischen Ghetto's, über die Fangnehe der römischen Geistlichkeit, die auf die Bekehrung der Juden gerichtet waren, die dem Grundsätze huldigten: ״Folgst du nicht willig, so brauche ich Gewalt". Hierauf hielt Bloch seinen mit Ungeduld erivartcten Vortrag. Bloch ist ein in der neuen Litteratur sehr belesener Man», der mit Geist und Witz seinen Gegenstand erschöpfend behandelt. Der Bortrag, der über dreivicrtel Stunde dauerte, sprach einleitend über die Verschiedenheit der litterarischcn Behandlung der Juden und Jüdinnen; während erstere durch Haß und Borurtheil entstellt werden, ist man gegen Mische Frauen artiger,, ja fast zu artig, denn wenn man einer schönen wie geistreichen Jüdin in der Litteratur begegnet, da heißt es regetregelmäßig: ״Glauben Sie nicht, daß diese eine Ausnahme von der Gattung ist, nein, sie sind alle schön, geistreich u. s. w." Dieser Umstand wird durch die ftanzösische Höflichkeit erklärt; hat ja der große König Ludwig XtV vor jeder Bäuerin den Hut gesenkt. Bloch sprach zuerst von der Schönheit der jüdischen Frau und erörterte, wie Jüdinnen sehr oft den italienischen Malern als Modell zu ihren Madonnenbildern gesessen, und wie Balzac behauptete, daß es sehr schwer sei, in Frankreich Damen zu finden, die die 30 Vollkommenheiten weiblicher Schönheit, wie sie in den persischen Versen beschrieben werden, zu finden sind. Und doch fand dieser Schriftsteller die vollendete Schönheit in der von ihm beschriebenen Esther in seinem Stück ״splendeara et miseres des courtisaues“ (Glanz und Elend der Höflinge). Und wcßhalb? weil die Mutter seiner Esther ein« Jüdin war. Wir brechen hier die interessante Arbeit ah, die wir, sobald dieselbe vollständig erscheint, auszüglich (im ״Familienblatt") wiederzugeben gedenken. 3־ * ' ■i Rußland. Mg«. Ein jüdischer Handelsmann, Lazar Taubin, hatte lange Zeit hier sein Geschäft mit Matratzen und Tauwerk betrieben und genoß in der Handelswelt eines besonders guten Rufes. Jüngst kam er auf einer Geschäftsreise auch nach Petersburg; da er aber zu den Gewerbetreibende» II. Klasse gehörte, deren Mitglieder nicht das Recht zusteht, in der Hauptstadt verweilen zu dürfen, wurde er sofort nach seiner Ankunft arretirt und per Etappe nach Riga befördert. Vergebens bat er, aus eigene Kosten per Eisenbahn zurückreisen zu dürfen; man achtete auf seine Bitte nicht. Er legte nun den Weg zu Fuße zurück, mit Sträflingen und Verbrechern aneinandergefesselt, und in jedem Gefängnisse auf der Route Halt machend. Als er endlich nach 4 Wochen an seinem Bestimmungorte angelangt war, da erjt fand man. daß er in Folge der Behandlung, die er unterwegs erfahren, völlig den Verstand verloren hatte. Anstatt j nun zu den Seinigen zurückgcsührt zu werden, wurde er;; einer Irrenanstalt übergeben, deren Aerzte aber wenig Hoff nung auf seine Wiedergenesung haben. 3׳ % \? ■ 1 יש-;ו¬ *) Im jiib. LilleralurblaN 1844 .2 0ל. Z?»kt«w«. Der Stadtrath von Perejaslev verlieft in jüngster Zeit den städtischen Rechnungsführer I. Goldman " und den Stadtsecretür I. Gnrovitsch aus keinem andere« Grunde, als weil sie Juden sind. Während der Discussirm, welche in Folge ihrer Berufung sich im Stadtrathe entspann, bemerkte der Bürgermeister I. M. Cholodin, daß, sofern er bei der Sache interessirt sei, er nur sagen könne, daß.- sowohl Gurovitsch als auch Goldman während ihrer mehr« j jährigen Thätigkeit in der Duma (Verwaltung) ihre Pflicht« - stets treu und gewissenhaft erfüllt haben und es fchweri