Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 23 (1892)
- Issue
- 7 (12.2.1892)
- Date
- 1892-02-12
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
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Morfi, dankte im Namen seine- Vaters. — Glüchvunschschrei- "den waren in großer Anzahl eingegangen, u. A. von der züküdergemeinde zu Posen, wo Herr Dr. Wiener dir deutsche 5? ^Zredigt eingeführt hotte, von Synagogengemeinde zu Kosten, -^seiner ftüheren Wirkungsstätte, vom Rabbiner-Seminar zu :/ I-reslau, vom Central-Ausschuß des Rabbiner-Verbandes in?. 4>utschland. vom deutsch-israelitischen Gemeindebund, von?iabbiner Dr. Rahmer in Magdeburg (an seinen treuen ’■ litter. Mitarbeiter), vom Rabbiner Dr. Blumenthal-Ratibor . n.s.w. Möge der Jubelgreis seine Ehrenkronc noch lange ‘ tragen! Akane» im Vogrl. den 29. Januar. (Or -Cor.) So i sthncll sic kamen, gehen sie auch wieder; nämlich unsere fc■■- Glaubensgenossen der hiesigen Stadt. Mit dem Aufblühen!£.' der hiesigen Industrie »ach Gründung des deutschen Reiches kamen sie, und mit dem Niedergange müssen sic zum Theil Bnneder — gehen. In kurzem Zeiträume haben säst ihrer en Minjan den hiesigen Ort verlassen, um an größeren »V P'lähen wiederum ihr Glück zu probieren. Vielleicht habe» auch die Schönerer wie die Lieber,»»»»»» und Consvrtcn das 5^. Zchrige dazu brigetragen, daß unserer Genossen immer l'• reuiger hier geworden. Namentlich vor den Weihnachten hatte sich hier wie in der Umgegend ver Antisemitismus % bemerkbar gemacht wie noch nie, und dies wohl jedenfalls *יי — aus purer christlicher Nächstenliebe. Daß es unter sts solchen Umständen oft für uns nicht sehr angenepm ist hier 1j wohnen, wer könnte dies leugnen. Doch wer trotzdem Hüne Rechnung hier finden kann, wird gewiß, wenn nichts |׳. dterlockendcrcS ihn zieht, bleil>cn wo er ist und nicht Brot L sichen, wenn er solches hat. Natürlich werden unsere Reichen und Begüterten schon Raths wissen, ivenn eü sich ». um die Wahl handelt, wo sic ihre oft schwer erworbenen R' Groschen verzehren sollen Doch ich will heute nicht von Jemandem berichten, der . schlechterGeschäste wegen den hiesigen Ort verläßt, sonder» von £ «mein Mann, den religiöse Gründe hierzu bestimmten, der, IuwU er als echter und rechter Israelit seinen Sabbath und £•־ Jomtow im vollen Sinne des Wortes halten ivill, sein gut a. gehendes Geschäft aufgiebt, um nach Berlin übcrzusicdeln, r׳o seine Thätigkeit ihm dies voll und ganz gestatten wird. Irin solches, heutzutage gewiß sehr seltene Motiv einer Drtsveränderung verdient entschieden in den jüd. Blättern #־_ registrirt zu werden. Und ein solcher Mann ist der am £ I. Januar c. von hier verzogene Herr Max Hamburger, (jtb. zu Lissa in Posen), der über ein Jahrzehnt hier anflssig war und sich auch des besten Rufes nach allen Richtanzen hin, auch unter Andersgläubigen, zu erfreuen hatte. Die hiesige Gemeinde erleidet durch den Wegzug der sfamilie H. einen großen Verlust. .Herr H. wie dessen die« tere Gattin bildeten hier gewissermaßen den Mittelpunkt .x teS ganzen religiösen Lebens; ohne sie wurde weder was kegonnen noch beschlossen. In seiner Wohnung richtete - -s)err H. sein bestes Zimmer zur Betstube ein, — da wir ier noch kein ständiges Gotteshaus haben — und sorgte jar oft mit größter Mühe dafür, daß wir öfters mit injan beten konnten. An den hohen Festtagen ersetzte er » den HülfSvorbeter und den Schofarbläser in bester Weise. Ll IbaS aber allem die Krone aussetzt, ist: daß er zu einer j)eti als die hiesige Gemeinde noch im Entstehen begriffen war, sich der schweren Mühe unterzog und keine Kosten scheute, das rituelle Schlachten zu erlernen, um durch Ausübung niese-Berufes sich und den rituell lebenden Familien hiesiger iAtadt uneigennützig nützen zu können. Seinen Bemühungen -^lpben wir eS auch zu verdanken, daß die Schechitah von ^Großvieh hierorts geduldet wurde, während dies in anderen thüringischen Städten, wie beispielsweise in Gera, noch bis nicht gestattet ist. Welche Wohlthaten die Familie H.!zier im Stillen geübt, an Arme, an Kranke, welche Mizwos « Sterbende und Todte, entzieht sich der Mittheilung. Unsere Herzentwänsche begleiten sie in ihre neue Heimath. Des Namens!Hamburger wir) in Plauen allenthalben — auch bei Andersgläubigen — stetmit Dankbarkeit gedacht werden. AarlSruH!;. (Or.-Lorr.) Montag, den l. d. M. hielt unser verehrter׳Hr. Stadt-undConfcrenzrabbinerOr. Schwarz vor dicht gedrängter Zuhörerschaft, in der wir auch nichtjüdisch: Gäste bemerkten, in dem zu diesem Zwecke von der Stadt bereitwilligst »Erlassenem großen Rathaussaale, im Verein für jüdische Geschichte und Literatur einen I'/, stündigen Abend- Vortrag über xn Philosophen von Amsterdam, den Juden Baruch Spinoza. In geschlossener lÄcdankenircihe. wie sie dem streng mathemathischcn Der ken Spinoza's entspricht, gab Redner zunächst eine gedrängte Uedersicht über den wunderbaren Gedankenbau, der sich uns in den philosophischen Schriften des großen Amsterdamer Denkers darstellr, wobei er daraus hinwies.avie viel ihm, dem jüdische» Philosophen, unsere neueren gefeierten Philosophen Deutschlands verdankte». Es ließ dann der Rcdncr das Lebensbild des Philosopheiifolgen, so wie die Verwirklichung seiner Lehre im Leben, eine Plaiiisclic Darstellung sei 1er Philosophie, anr längsten bei der Ausstoßung Spinozo's aus der Synagoge und der ganzen jüdischen Gesellschaft »verweilend, ivas sichtlich auf die Zuhörerschaft eine» tiefen Eindruck machte. Es dürfte auch weitere Kreise intercssircn, die Ausführung von Schwarz darüber zu hören. Danach sei es z»vc.r schmerzlich zu beklagen, daß das RabbinatS-Cvllcgium von A. übe» einen der besten Söhne der Srmagoge den großen Bann verhängte, aber gleichwohl müßte doch anerkannt »vcrden, daß dies auf der andern Seite von der Pflicht )er Selbsterhaltung, namentlich! einer so junge»! Gcme»nde, »vie damals A. ivar, geboten ward. I Wohin hätte eS führen sollen wenn Spinoza's Brandpfeile gegen das Judentham einen Keil in die Gemeinde A hineingetrieben? Spinoza, fuhr der Redner fort, habe bei aller Affect« losigkeit doch wieder von einem Affect, dem Groll gegen die Mutter, die ihn verstoßen, si,t> nicht ganz frei machen tö.inen, | das beweise sein berühmter ,theologisch-politischer Traetat", l in dem »vir des Philosophen Antwort auf den über ihn I verhängten Bann zu erblicken hätten, tlnd gleichwohl dürfte das Judenthuin Spinoza als den Seinen in Anspruch nehmen; einer ganzen Welt ous Drang nach Wahrheit entgegen zu treten, ans Ruhm und Ehre zu entsagen, um sich die Selbständigkeit des Denkens zu bewahren, still und rinsam, in streng!r Gedankenarleit das Leben zu beschließen, — das sei der Jude.*) -Vesterreicb-Ungarn. n. Aus Angara, 5. Februar. (Or.-Corr.) Die Bewegung wegen der Gleichstellung der jüd. Confessio» mit der Kirche anderer anerkannt:« Religionen, welche von der Hauptstadt aus cingeleitet ivurdc, durchzieht siegreich da» Land. Bis auf wenige Ausnahmen haben auch die Abgeordneten thfils vor, theils nach der Wahl den isr. Wählern eine günstige Befürwortung im gesetzgebenden Körper zugesagt. Es ist erfreulich, daß im Prinzipe der Religionssreiheit unter den verschiedenen Parteien des Parlamenteine rühmliche Uebereinstimm rng herrscht. Der AntisemitiSmus ist ja dich im neuen Hause der Abgeordneten auch nicht durch ein einziges Mitglied vertreten. Jetzt hat die Glaubcnsgemeirrschaft die A»»fi,abe, sich vor dem innerlichen Antisemitismus zu schützen, bet im Mangel der Sellistachtung, xr Achtung ror Israels Lehre und Lehrern besteht. ES i't eine eigenthümllche Erscheinung bei un- Juden, daß Männer, »oelche sonst vermöge ihrer geistigen Bedeutung eine hohe gesellschaftliche Stellung einnrhmen *) Wir sind durch di« Freu rdlichkeit des gesch. Redner« ii« der Lage, unserer» Lesern den ganzen geistvollen Borlrag im ,Lilieraturblatt" demnächst darbte» e zu tonnen. »Red.)