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Israelitische Wochenschrift · 1892-02-12 · 7 (12.2.1892) · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
23 (1892)
Issue
7 (12.2.1892)
Date
1892-02-12
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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etwa 500—600 Personen anwesend; unter diesen ca. 50 Antisrmiten. Nachdem der Vorsitzende Her^Aüchenmeister sie Versammlung eröffnet hatte, ertheilte erskrrn Falk Schu mi das Wort zu dem Thema: ״Der hessiMe Antisemitismus׳' (Tr. Böckel). Als geborner Hesse in HMb artigen Verhältnisse eingeweiht, machte dieser besonders Mt die Dimensionen, di: der Hess.Antisemitismus bereits ang^Mnmen habe, aufmerksam, das; B. der Hess. Bauernvereinjwn jetzt 12000 Mitglietei: zählte u. drgl. Einen kleinen «ttheil der Schuld am Hess. Antisemitismus schob .Herr ®3). auch dem Verhalte» te> liberalen Presse zu, die im Eifer der Abwehr Herrn Boec!el ,Vieles in die Schuhe geschoben habe, was durchaus crdichcei «sein soll und gerade gestützt aus diese Lügen konnte B. niit Rffiifolg agitire», indem er den Bauern klar machte: Seht »»hr, so lügen sie über mich, wie erst betreffs der Juden.' IkWritcr wies Hr. Sch. darau hin, daß das Entstehen von 8G»!hreren antisem. Zeitungen in Sicht wäre, da zu diesem »Mwccke Samnilungcn bei den Hess. Landsleuten in Amerika ^veranstaltet winden. Zum Schlüsse seiner Ausführungen empficlt Herr Sch. zur Ncutralisirnng des Hess. Antisemitismus, liberale und landwirthschaftlichc Zeitungen zu gründen. — Hieraus nahm Hr. Blankenburg das Wort: sein Thema lautete: ״Ausnahmegesetze gegen die Juden?'?Helmer machte iu einstündigcr?Hede auf die Gefahren, in die uns Ausnahmegesetze, die von '! eonservatioen und einem nationalliberalen Parteitage zugcdacht sind, aufmerksam, indem er bewies, daß durch Annahme derselben ein Rückschritt von nicht weniger als?1000 Jahren gemacht würte. Schallender Beifall lohnte beiden Rednern. Hierauf wurde die Discussion eröffnet, an der sich ungefähr 6?Hedner bethciligtcir. > Der Vorsitzende forderte die Antisemiten zur Betheiligurg : auf, was sic jedoch mit Ausnahme eines Christlich-socialen j nicht thaten, da sie, wie sie erwiderte, nur in öffentlich«׳» Verjammlungen redeten. (Zu dieser Versammlung wurden nämlich Eintrittskarten verausgabt, die Jeder sich holen! konnte). Dieses Schweigen erklärte der Vors, öffentlich für > eine Schwäche. Interessant war cs auch, einen Bauern arS : Hintcrpommera sich an der Discussion betheiligen zu scher; j er vertheidigtc die Juden, so gut. wie man es von einem solchen Mann erwarten konnte. Besondere.Heiterkeit erregte derselbe dadurch, daß er erzählte, wie er sich gewundert, cm den Anschlagsäulen zu lesen ״Judensreier Maskenball'. Es > käme ihm dies vor, als ob man jetzt wieder im Mittelalter wäre. Nachdem noch ein Christlich-socialer gesprochen und! gründlich von einem redegewandten jungen Menschen widcr-! ledigt worden war, endete die Versammlung ohne jeden ' Mitzton; sie bitte jedenfalls Erfolge zu verzeichnen. Kiskede», 7. Februar. Tie heutige Nr. der .Eisleber j Zeit." enthält einen Bericht über die Versammlung, welche! der hies. antiffm. Resorir.vercin am I. Febr., in welcher der Borfttzente G. Krüger einen Vortrag über .rituelle Mcrx der Juden" hielt. ״In der sich «in den Vortrag anschließenden Diskussion, heißt es darin ״wurde den anwesenden Herren ein neuer Beitrag zum Kapitel über rituelle Blutabzapfung geliesert. Ein hiesiger Bürger, der als Gast in der Versammlung ecschienen war und Anspruch auf Glaubwürdigkeit wohl vccdient, sagte aus, nachdem er den Vortrag über rituelle Morde der Juden mit Interesse verfolgt und nun wohl 1 Grund hatte, die rituelle Bedeutung der Fälle Oawasou,, I-vtsoda, Tisza-Eszlar. Wkurz usw mit seinem Fall zu vergleichen, daß er in seinem 16. Jahre als Handwerker 1׳ > einem Keinen Städtchen Poscns Gelegenheit gehabt hätte, mit Juden Verkehr zu pflegen. Die Freundschaft zwischen ihm und denselben wurde durch den allabendlichen Verkehr so intim, daß er gern und wiederholt den Einladungen der Juden, mit ihnen in den Tcnipcl zu gehen, Folge leistete. Dort wurden chm von den Juden allcrhand Leckereien u» d süße Getränke verabreicht. (?!)^ Als er dem Tempel mehret^ Male seinen Besuch abgestattet hatte, erhielt "er am Freitag Abend — es war die Zeit vor dem jüdischen Osterfeste — abermals die Aufforderung, mit in den Tempel zu kommen. Die ihn dorthin begleitenden Juden ließen ihn zunächst an der äußeren Thür stehen, um ihn später hereinzuholen. Kaum war er näher getteten, so wurde ihm die Mittheilung f'° *־' 'י ׳ ~ '׳ ' ־ ~ Feststellung dieser Voraussetzung einer Prüfung unterzogen werde» müßte. (Was das wieder für Märchen sind, die sich die Leute aufbinden lassen! Es erschien denn auch sogleich ein älterer Jude, umhängt »nt einen! großen weißen Tuch, eine schwarze Kopfbedeckung tragend und bat ihn, seinen linken Arm zu entblößen. Diesen! Ansinnen wurde, nichts Böses ahnend, Folge geleistet. Hierauf machte derselbe Jude dem Gast, der evangelischcr Christ, einen Schnitt mit einem kleinen scharfen Messer in das innere Ellbogengelenk und fing das aus der Wunde fließende Blut in einer bereit stehenden Schaale auf, während dieser Operation sangen die anderen Juden ihm unverständliche (jedenfalls hebräische) Lieder. Die entstandcne Wunde wurde verbunden und erfolgte die Heilung nach ca. 8—14 Tagen. Die Narbe ist jetzt noch zu sehen und zeigte der Betreffende dieselbe vor.' iWer ivciß, woher dieselbe rührt!) Wir fragen auch liier (s. den heut. Leitartikel über den Mörder Wctzcl): Warum wird der Name des Bürgers nicht genannt? Warn»! nid): der Name des Städtchens in Posen? und der cinlger der Juden, die ihn nach dem Tempel begleiteten? damit die Angelegenheit untersucht werden kann; sonst muß sie als pure Erfindung und ins Reich der Fabel verwiesen werden. Nachdem Stöcker nunmehr selbst öffenk lich erklärt hat. daß die Juden kein Blut zum Ritus gebrauchcn, werden seine Anhänger wohl glauben; oder glauben die Jünger dem Meister nicht? Hppekn, 2. Februar. Tie gestrige Feier des 80. Ge« irtstag unseres Rabbiners Dr. Wiener legte beredtes Zeug- .,iß für den Frieden ab, welcher in unierer Stadt zwischen den verschiedenen religiösen Bekenntnissen herrscht. Von Vormittags 1 l Uhr ad empfing ver Jubilar im Kreise seiner Kinder und Enkel die verschiedenen Deputationen, welche Glückwünsche und Festgaben übcrbrachten. Zunächst seien u. a. die Vertreter der Wohlthäligkeits-Bcreine der hiesigen israelitischen Gemeinde erwähnt, denen eine Deputation ehemaliger Schüler folgte mit einer Adresse und einer Ehrengäbe (einer größeren (Hcldsuinme, deren Verwendung dem Ermessen des Herrn :Habbiner anheimgestellt ist). Bald darauf erschienen die Vertreter des Magistrats und der Stadtverordnetenvcrsammlung. Der Bürgermeister Regierung-- rath a. D. Trentin überreichte den Ehrenbürgerbrief der Stadt Oppeln, indem er die Verdienste de!vorhob, die sich der Grfeierte während seiner fast vier Jahrzehnte umfassenden hiesigen A-ntsthäligkeit um das friedliche Zusammenleben der Bürger erworben hat. Es erschienen auch der katholische u. protestantischc Geistliche, sowie Schuldirectoren. Der Vorstand u. das Repräsentanten-Kollegium der jüd. Gemeinde machten den Beschluß der officicllen Beglückwünschungen. — Abends 8 Uhr fand im ״Schwarzen Adler" ein Festmahl statt, zu welchem zahlreiche Ehrengäste und Fcstteilnehmer (im Ganzen mehr als 100 Personen) erschienen waren. Den Kaisertoast brachte der Jubilar aus; Stadcrath Fricdlünder weihte sein Glas dem Geburtstagskinde und Kaufmann Goldfeld toastete auf die Ehrengäste, in deren Namen Stadtverordneten-Borsteher Vogt dankte. Der Redner feierte den Jubilar als den ältesten und wegen des verliehenen Ehrcnbürgerbrief zugleich jüngsten Bürger Oppelns und gab schließlich dem Wunsche! Ausdruck, daß das schöne harmonische Berhültaiß der verschicdcnen Konfessionen unserer Stadt gewahrt bleiben möge. Redccteur Wiener vom ״Berl. Tageblatt". Sohn des Juvi^

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