Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 23 (1892)
- Issue
- 6 (5.2.1892)
- Date
- 1892-02-05
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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und Verläumdungen zu ertragen hätten, auf dem W:ge der Redlichkeit verblieben. Bei der Begründung de- Vereins habe Redner seine Erwartungen nicht zu hoch gestellt und eine Zahl von 88 Mitgliedern, nach dem ׳^ahlenwnth des Wortes חייס (Leben) erstrebt, der Verein sollte lcber -fähig sein. Nu» sei derselbe bis zur stattlichen Zahl von 252 Mitgliedern hcrangcwachscn, und es liege begründete Hornung vor, daß in, nächsten Jahre die volle Zahl 300 erreicht lverdcn würde. Schöne Ziele seien bereits erreicht morde», aber immer noch Erfreulicheres sei anzustreben, uni möglichst recht viele Gesuche erfüllen zu können. — Mit gröjiter Befriediquvg wurde der Bericht entgegeuqeuvmmcn und sotirte die Vcrsainmluiig dem Vorsitzende» ihren Dank Ebenso ertheiltc iran dem Kasscnführcr Herrn dl. Wehl Tccharge und anerkannte seine Mühewaltung. Möge der Wunsch des Vorsitzende», Herrn Spier, in schönster Weise sich erfüllen, und der Verein zur! Heile aller Bedürftigen sich immer mehr ausbreitcn. Siebweiz. St. Halle«. Die Zeitungsmeldung, daß der schweizc rische Tbierschutzverein das Referendum gegen den Zkschluß der JuiideS Versammlung in der Schächtfrage ergreifen wolle isr unrichtig. Der lvttcffende Beschluß war׳ ein Rekursentschcid und es ist fraglich, ob gegen einen solchen daS Referendum ergriffen werden kann. In der Thal t׳cabsichtigt dies der Thierschutzverein nicht, sondern t«: Erklärung seines Präsidenten, dcS Hin. Pfarrers Wolff. zu folge wird vielmehr eine Verfassungsinitiative i»'s Werk gesetzt w:rden, welche die Anwendung der Schußmaste — also nicht ei» förmliches Schüchiverbot'? — verlangen will. ES mußten also 60,000 Unterschriften gesammelt werden, um die Aufnahme eines neuen Artikels mit der genannten Forderung in die Verfassung zu verlangen. Nach dem Re» kursentscheide der Behörden ist nämlich ein Schächiuerbot durch die kantonalen Regierungen unzulässig und es ist auch die Anwendung der Schußmaske beim Schächten nicht gefordert, wohl aber können die Cantone Vorschriften ellcissen. welche gegen die Ausartung des Schächtens in ThierqnL lerci schütze», so die Anstellung einer genügenden Zahl von Personen, welche das Schächten besorgen, den Gebrauch von Mattatzen beim Niederwerfen de- Thieres u. s. w. Tamit jedoch will sich der Thierschutzverein nicht zufrieden geben; er hofft, durch das Mittel der Initiative wcitergetende Wünsche befriedigen zu können. Für einmal aber wäre es richtiger gewesen, die Maßnahmen abzuwarten, welihe die Cautonsregierungcn zu treffen hätten und davon abznsehen, eine Volksbewegung zu erzeugen, in welcher voraussichtlich der Antisemitisinus eine nicht geringe Rolle spielen >oird. Reichten jene Maßregeln nicht aus, so konnte immer noch Mehr ver 'angt werden. Es ist wahr, gerade Pfarrer Wal ff hat sich öffentlich dagegen verwahrt, einer antisemiüschen Tendenz dienen zu wollen; gleichwohl wird es natürlich der antisemitische Wind sein müssen, der die Segel des Initiativschiffes zu füllen hat, denn sonst wäre das Interesse für den Gegenstand vermuthlich nicht groß genug, um 50,000 Unterschriften zusammen zu bringen. Auch dann ist «0 aber noch keineswegs ausgemacht daß die Jnitianttn in der Abstimmung siegen werden. Da die Katholiken in den Rathen geschlossen für den Rekursentscheid stimmten, hält es schwer, neben der Volksmerheit auch die Mehrheit der Släote (Liantone) für das Jnitiativbegehren zu erhalten. Die Westschiveiz dürfte gegen dieses Stellung nehmen und in der liberalen deutschen Schweiz ist die Meinung getheilt. Manche Abgeordnete, w.lche in ver Bunvesversammlang die Schuß naske forderten, sind jetzt gleichwohl gegen die Veranstaltung der Initiative. Aus Aor»>«tgari«u Im Januar. (Lr.-Eor.—Schluß.) Tic Vressc des Landes bcinächtigte sich sofort infolge der zwar im Gchciincn getriebenen, nichtsdestoweniger aber außerordentlich hestigen Agitation der Spaniolen, an derew 1 Spitze der rohe, ungebildete, durch Wucher »nd höchst un- I saubere Speculationen bei Regiermigslieferuiigen reich ge- > wordene und daher ehrgeizige Avram Davitschon Levu und I dessen Brüder, des Thcma's der Einwandernng russischer 1 Juden, und zwar in gehässigster Weise, und die in Ä»si,a 1 in französischer Sprache erscheinende officivse Zeitung ״Lu _-1 Bulgarie1׳ brachte in ihrer Nummer 348 vom vorigen Jahre! einen heftigen Artikel gegen diese Einwanderung. Da dieser Artikel großes Aussehen in der Hanprstadt und im ganze» Lande machte nnd zn befürchten war, daß die antijüdische Bewegung größcie Dimensionen annehmen könne, richtete Herr Dr. Dankowitz an die Redaktion de» genannten Blatte« ein offenes Sendschreibe», in ivelchrm er die Argumente de« Artikelschreibers in überzeugendster Weise widerlegte.— In Anbetracht, daß dieser Artikel, der in der Nummer 35 t der ״vulgaris" abgedruckt ist, die Judenfrage im Allgemeiuen behandelt, will ich denselben hier auSzüglich in wörtlicher deutscher Uebersetzung anführen. Der Artikel führt di« Ueberschrist ״Die Judenfrage nnd Bulgarien". Nach, einigen einleitenden Worten sagt Herr Dr. Dankowitz: Mein , Zweck ist, einige, meiner Ansicht »ach irrthümliche Bchauptungen j» berichtigen, dir sich in jenem Artikel eingeschlichen hiben. Ich hoffe, daß der Verfasser des Artikels mir ein» rällnien wird, daß Bulgarie», welche» sehr schwach bevölkert ist und wo jede Gattung von Arbeit sehr gesucht und gut belohnt wird, noch zahlreiche arbeitsame HänSc braucht, und daß daher jeder bei uns sich nicderlassende Arbeiter, der arbeiten kann und will, für uns ei» Gewinn und von ökonomischem Nutzen ist. Allein der erwähnte Artikel behauptet, daß der Ackerbau de» Juden widerstrebe und daß diese wenigcr anstrengende und einträglichere ErwerbSarten als Kauslente, Wechsler, Lommissionäre, Vermittler »nd dergl. vorzieh.׳», Erwerbsarten, die nach dem Artikclschreiber bereits durch die einheimischen, wie sremse aus dem Abendland.׳ eingewanderte» Juden ausgeübt worden. Der Herr Verfasser scheint vergessen zn haben oder zu ignoriren, daß unter den beiden Gattungen von den durch ihn angeführten Juden, besonder» unter den letzteren, alle Erwerbsarten vertretcn sind, daß eS unter ihnen Fabrikanten, allerhand Unternehmer, Handwerker und Arbeiter, sogar eine große Anzahl .Hamals (Lastträger) giebt, die unter der Wucht ihrer schweren Bürden keuche«. Was nun oie aus Rußland ausgcwiesenen Juden angeht, die, nach der Meinung des Verfassers, in der Unmöglichkeit, auf Unkosten des russischen .Muschik' (Bauer) zu leben, sich auf dem ganzen flachen Lande ausbreiten und sei e» durch Wucher, sei es durch Schankwirthschaft, die Landleate auSbeuttn würden, — so bin ich gewiß, daß er sich gehüttt haben würde, eine solche Behauptung öffentlich auszuspreche«, wenn er die unzähligen Juden in den vielen, im südliche« Rußland befindlichen Ackerbaucolonien gesehen hätte, wie sie mit ihren schwieligen Händen den Boden bearbeiten, dessen Furchen mit dem Schweiße ihrer Stirn benetzend, und wie sic überhaupt den schwersten Arbeiten sich hingeben.*) Wenn die Juden, die in Folge de» Verlustede- Väter׳ lichen Bodens au» der ganzen Erde verstreut sind, im Laufe der Jahrhunderte die von ihren Voreltern ehemals ausgeübte» Beschäftigungen heule nicht mehr betreiben, so waren sie dazu gezwungen durch die Gesetze, die Verhältnisse, durch die socialen und ökonomischen Bedingungen, sowie durch die allgemeinen Anschauungen, die im Mittelalter vorherrschend *) Wenn der Verfasser sich von der Wahrheit des hier Gesagten überzeugen will, so empfehle ich ihm die Leciüre des Buches des Herrn Dr Ruls: .Drei Tage in Zübisch-Rußland". Der Bersaffer, mit - den jüü -russischen Bl rhältniffeu vertraut, schildert, wie er bloi in Wilna eine große Anzahl jüdiicher Schmiede, Schlaffer, Zimmerleule, Tischler, Drechsler, Sieineklopfer sah und daß er zu wiederholten Molen deren , Aerlstälten besucht hat. Dr. Rülf kann nicht genug Worte drr Bewunderung für diese jüdischen Handwerker finden, dl« Tag und Nacht 5 arbeiten, uni ihr Brod zu verdienen.