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Israelitische Wochenschrift · 1892-02-05 · 6 (5.2.1892) · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
23 (1892)
Issue
6 (5.2.1892)
Date
1892-02-05
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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י'^3" ■ ' <זי־־מ*ו Wllerischen Arbeiten auch den Lesern Ihres Blattewohlf bekannten em. Rabbiner Herr Dr. David Rothschild. R. wurde im Jahre 1816 in Hamm in Westfalen als Sohn des dortigen Lehrers geboren, von welchem er den Unterricht in den Clementarsäcbcrn und im Hebräischen erhielt. Nachdem er das Gymnasium absolvirt hatte, studierte *r an den Universitäten Bonn, Gießen und Tübingen Philosophie und Orientalia, gleichzeitig in den jüd. theolog. ■■ Wissenschaften sich weiter ausbildend. Zum Doctor promovirt vollendete er seine theologischen Studien bei dem s Z. ־;• berühmten Rabbi Koppel in Worms, von welchem er im k Jahre 1843 ein vorzügliches Rabbinerdiplom erhielt. Da cs 'י unter den damaligen Verhältnisse» schivcr hielt, eine Rabbineristelle zu erlangen, mußte R einige Jahre als Hauslehrer $ seine Existenz fristen, bis er ini Jahre 1849 das Rabbinat l in Aachen einnahm. Hier entfaltete er eine äußerst sruchr-;'־ bare »»d gesegnete Thätigkeit in Synagoge und Schule, i Seelsorge und Armenpflege. Er richtete einen geläuterten und wahrhaft erhebenden Gottesdienst ein, dem er durch seine regelmäßigen gedankcntiefen und zugleich zu Herze» gehenden Predigten eine besondere Weihe verlieh und für ״Gemeinden Rheinlands und Westfalens mustcrgiltig wurde. Tr bewirkte die Umgestaltung der jüd Schule und setzte es •׳. bei der Regierung durch, daß dieselbe, welche bisher eine private war, den Charakter einer öffentlichen erhielt. Durch sein herzgewinnendes Wesen verstand er cs im persönlichen » Berkehr als Seelsorger überall Anregungen zur Kräftigung des religiösen Sinnes zu geben. D.n Armen war er ein unermüdlicher Rather und .Helfer; mehrere hiesige Wohlthätigkeitsvcreine, die heute »och bestehen, haben ihm ihre - Begründung zu verdanken. t Rach 12jähriger Amtsthätigkeit in Aachen folgte er ii einem Rufe als Stadt- und Bezirksrabbincr nach Alzey. ' Kurz nach seinem Amtsantritt rief er hier in Gemeinschaft mit wenigen anderen Männern den bekannten so ersprießlich wirkenden Verein ״Achawah" in'S Leben, welche Schöpfung allein ihm ein bleibendes und ehrenvolles Andenken sichert. - Für die ״Achawoh" wirkte er in der begeistertsten Weise durch Wort und Schrift bis zu seinem Lebensende. Neben seiner anstrengenden amtlichen Thätigkeit fand; der Verstorbene noch Zeit und Muße, sich einer äußerst ״ fruchtbaren litterarische» Beschäftigung hinzugeben, worin er;.■־ durch seine hervorragende Gelehrsamkeit und ungemeine Be- ־■:׳ lesenheit unterstützt wurde. Er war seit mehr als 40 Jahren fleißiger Mitarbeiter an fast allen bedeutenden jüd. Zeit» j, schriften; cS gab kaum eine das Judenthum betreffende Frage f rein wissenschaftlicher oder praktischer Natur, über welche er sich nicht geäußert hätte. In den letzten Jahren namentlich ״war er ständiger Mitarbeiter der ,Jsr. Wochenschrift" und >■ des ״Jüd. Litteraturblatt". Seine tiefen und reichen Ideen £ Aber das Judenthum und dessen Berhältniß zum Christenthum legte er, um denselben weitereVerbreitung zu geben, in dem durch den vom Redacteur d. Bl. wieder in's Leben gerufenen ^Litteratur-Berein" (1871) herauSgegebenen Roman ״Haus und Kloster" in bellestristischer Einkleidung nieder (unter dem Pseudonym Hammerschlag). Rothschild war einer der emsigsten Forscher und besten Kenner Spinoza'S, mit welchem er sich IS Jahre anhaltend beschäftigt hatte. In mehreren Vorträgen und litterarischcn Arbeiten hat er die ״Berührungspunkte zwischen dem spinozistifchen System und >,;■ dem Judenthum beleuchtet. Zu seinen wissenschaftlichen; Lieblingsbeschäftigungen gekörte di« geschichtliche Erforschung dejüdischen Kultus und Rilu», worüber er ein besonderes ^-Boch sowie kleinere Arbeiten veröffentlichte. Ein Gebetbuch -für die Synagogen-Gemeinde Aachen sowie ein vortreffliches ׳ "AndachtSbuch für Kinder, gewidmet seiner Enkelin, waren; ^eichfallS die Frucht dieser Beschäftigung. £ Der Heimgegangene war eine der sympathischsten Er- F Meinungen, mild, treuherzig, offen und gerade. Er besaß | innigste aus tiefem Gemüth quillende Religiosität, die sich auch in seine!» äußern, der, jüd. religiösen Observanzen genau entsprechenden Wandel zeigte, ohne dabei gegen andere Meinr »gen unduldsam zu sein; die geräuschvoll auftretende Orthodoxie und Kctzerriecherei war ihm daher stets unbegrcifliih. Die niederträchtigen Schmähungen, denen er nach dieser Richtung gerade in jüngster Zeit auSgesetzt war, ertrug er für seine Person mit Gleichmuth, aber nicht ohne Schmerz im Hinblick auf den Chillal hasobem, den dieselben verursachien. Nach 30 jähriger Wirksainkeit in Alzey beschloß er im Sommer vorige» Jahres — da er seine 4 Kinder, bestehend aus drei an wackere Männer vcrheirakheten Töchtern und einem Sohne, gut versorgt sah — sich init seiner in glück» lichster Ehe mit ihm lebenden, durch vortrefflich« Geistes- und H«rzcnsgaben ausgezeichneten Frau nach Aachen-Burtscheid, wo er zahlreiche Verwandte und Freund« hatte, zurück>,«1ziehen, nmn unmehr nur der litterarischen Thätigkeit zu lel>en. Er und die Seinigen durften um so zuversichtlicher auf einen noch langen und ungetrübten Lebensabend hoffen, da er sich trotz seiner 75 Jahre noch in vollster körperlicher Gesundheit und Rüstigkeit und betvundernswerther geistiger Frische befand. Thatsächlich war er noch bis zu seiner letzten Lcbcnswoche geistig regsam und thätig, was unter anderen« seine letzten Beiträge für die ״Jsr. Wochenschrift" beivrisen.*) Am 22. ». Mts. überfiel ihn plötzlich ein an» scheinend leichtes Unwohlsein und am 27. v. M. hauchte er seine edle, fromme Seele aus. Um seine Bahre waren seine zahlreichen Freunde und Verehrer versammelt, tief ergriffen von der Leichenrede, welche ihm von seinem Freunde Rabbiner Dr. Jaulus gehalten tvurde, und ein bleibendes dankbares Andenken ihm bewahrend. Sein Gedächtniß wird zum dauernden Segen in Israel bleiben und sein Name stets ehrenvoll in de» Blättern der jüd. Litteratur genannt werden! Mesek, 25. Januar. lOr.-Corr.) Zwei Jahre sind vergangen, seit durch die Initiative des Herrn Lehrers Spier aus Bocholt ein Verein unter dem Namen »Lsrabb Kefnfirn“ ins Leben gerufen worden, dessen Zweck sein sollte, Glaubensgenosse», welche durch unverschuldete Verhältnisse in ihrem Erwerbe gestört tvorden, oder strebsamen Handw.rkern, denen das nöthigc Capital zur Anschaffung ihres Handwerkzeugs fehlt, durch ein unverzinsliches Darlehn auf» zuhelfen und dieselben betriebsfähig zu machen Vorerst waren es nur Mitglieder der Gemeinden Wesel und Bocholt, welche sich zu genanntem edlen Zwecke verbanden. Durch das eifrige Bemühen des Herrn Spier jedoch wurden in verhältnißmäßig sehr kurzer Zeit viele Glaubensgenossen aus den benachbarten Gemeinden für die Sache interessirt, und erstreckt sich die Mitgliedschaft nunmehr über einen ausehnlichen Kreis von Ortschaften. Am letzten Sonntag fand im Vororte Bocholt die diesjährige ordentliche Generalversammlung des Vereins statt, welche von ca. 50 Mitgliedern besucht war. Vorher hatte eine Vorstandssitzung, zusammengesetzt aus den Deputirten der Ortsgruppen und dem geschäftssührenden Ausschuß de- Vororis gedacht Herr Lehrer Spier, welcher den Vorsitz im Vereine führt, eröffnete die Generalversammlung. In Inhalt« eichen, schönen Worten wieer auf den erhabenen Zweck de- Vereins hin, den zu fördern grade in der jetzigen Zeit ein um so höheres Pfl chtgebot sei, als die Noth, an und für sich hart, schon manchmal auf den Irrweg deS Verbrechens geführt habe, und s«»llte jeder Israelit dafür Sorge tragen, daß die Glaubensgenossen, welche von Seilen der Antiseiniten so manche unverschuldete Kränkungen zu erdulden *l einige derselbe harren noi) der Beriiffentlichung in den näch» ften Nummern. Wir bedauern den Tod diese» so sruchldaren uneigennüuigen Mitarbeiter» als einen unersetzlichen Verlast auf's Innigste. Rögen >le «kauernden Hin«eebtieb-:nen Trost in dem allgemeinen Be» dauern im den Dahl »geschiedenen und in der innigen Theiluahme an ihr!r Liauer finden! Red,

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