Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 23 (1892)
- Issue
- 6 (5.2.1892)
- Date
- 1892-02-05
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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' :®aifit.?(Hein abgesehen von dieser Ursache, müssen wir noch eine historische Thatsache in Betracht ziehen! Im Mittelalter waren die Juden unaufhörlich blutig erfolgt, schwer bedrückt und immer der Gefahr cwSgcsctzt, aus der ״ Gegend, in der sie sich niederließcn oder niederlassrn wollte», ״eMjagt zu werden; wie konnten sie da der Bebauung der Scholle sich hingebc», von ivelchcr vertrieben zu werden sie unausgesetzt bedroht waren? Man lasse de» Jnoen Zeit, selbst ihre Gewohnheiten mittels der allgemeinen Nusklärung und des allgemeinen sittlich-socialen Fortschrittes " umzubilden, man behellige sie nicht durch Verfolgungen, Quälereien und Bedrückungen, man behandle sic als Gleiche und Ihr könnt sicher sein, das; sie alle in einer vcrhältnißmäßig kurzen Zeit gute Bürger und treuergebene Sühne •ifytfl Vaterlandes sein und auch Geschmack an ländlichen Beschäftig» nacn gewinnen ivcrdr»." Dieser Artikel und die offene Sprache, die unser Groß» iabbincr in demselben führte, erregten im ganzen Lande eine : solche Sensation, daß die Spaniolen in Sofia, an deren ׳Spitze der obenerwähnte Davitscho» Levy steht, in ihrer . '!lugst, daß die Regierung den Einlaß der russischen Austvandcrcr gestatten wird, eine solck)e Agitation gegen Dr. 'Oankowitz in'S Werk setzten und die spaniolischcn Gemeinden .im Lande so sehr gegen ihn aufhctztcn, daß derselbe liercits lange durch die spaniolischc Niedertracht und durch die feind-!ichen Gesinnungen derselben gegen die aschkcnasischcn Juden entrüstet und entmnthigt, sich, wie wir auü Sofia vernehmen, ireranlaßt gesehen hat, seine Demission bei der Regierung, Don der er seine Ernennung erhalten hat. einzureichen?) Wir hoffe»!, daß die Spaniolen, die bei aller ihrer geistigen Md sittlichen Verkommenheit, nüchtern denkende und prac fische Menschen sind, bestrebt sein »verdc», ihren aschtenasijchen Glaubenöbrüdern, die hier im Oriente nur ihr Brod durch Arbeit und Geschicklichkeit verdienen wollen, B er traue» und Theilnahme entgegen zu bringe» und alle im Geheimen gegen sie betriebenen Machinationen, die ihnen «lS Juden gar keine Ehre machen, zu unterlassen. Krrmijchte und neueste Nachrichten. Berlin. In der Unlcrsuchung gegen den früheren Rektor , flblwardt haben bereits mehiere Zeugenvernehmungen stattgesund«» -!dle Denunziation trägt die Unterschrift ,Bereinigte Antisemiten zur Abwehr de» Rektor Ahlwardl" und beschuldigt den Hrn Rektor des -Netrugrs und der iln erschlrgung aus seiner frühere» Amtsperiode in .inehreren Fällen. Berlin Im abgclausenen Jahre hat der D. I. iS. B. von der " Lebensversicherungs-Äesellschaft .Birtoria" an Prozenten zur isr. Be- ’ '«mtea^ensionskasje c. 3U,1J0l) Mark erhalten, seit 1883, dem Jahre, in welchem der sei. Rached da» Abkommen mit der Gesellschaft geschlossen, ' hat diese die beträchtliche Summe von rund 140,328 M. zu obigem jpveck« abgeliesett, ein hocherfreulicheS Resultat. Um das Zustande- -knntnen des segensreichen Abkommens hat sich z. Z. ganz besonders — . -außer dem gen Jacob Rachod — (dessen Andenken gesegnet sei!) — t ־ der Generalagent der Victoria, Herr S. I. L«sz»)nSky, grobe Ber- - "bleuste erworben. Breslau. Das hiesige Anrisemiten-Konventikel, das sich euphe »tistisch Deutsch-sozialer Lokalverein nennt, hat unter dem Borsitze des ' .PaudtagsabgeordnetenronItzenplitz eine VeZammlung abgehalten, in ־ »ulcher der Vorsitzende mit Stolz des großen Triumphes gedachte, den V׳ bi« durch das Konvrntikel vertretene »heilige Sache" des Antljemitis» K -AI»» dadurch erzielt hat, daß der kürzlich in Breslau abgehaltene ton- -'י strvativ« Parteitag ebenso offen wie begeistert die antisemitisch« Fahne £: -ettrofl «. Recht elegisch klagt« der Proseffor der rvang Theologie Herr K", tzichmldl darüber, daß die ,konservative Partei vielfach nicht die An- 4 ■׳׳eftnnung gefunden habe, aus die sie Anspruch erheben zu können K ׳staubte.- — In Schlesien ist allerdings glücklicherweise im Allgemeinen " v3* schlechter Boden sur di« beglückenden Bestrebungen der Reaktionär« £~jknb Rassenkämpser — bemerkt die ,BreSl. Zelt." Esf Oppeln. 1. Februar Unter lebhafter Theilnahme der Gemeinde- I ' »tikgliebrr und der Biirgerschasl wurde heute der 80. 81.) Ge- ^HiMstag des Rabbiners Dr. Wiener gefeiert. Line Depurativn des Alka-istrakS und der Stadtverordnete» überreichte ihm aus Anlaß diese» *) Dieselbe soll auf Betreiben der Gegner angenommen worden tlb, was sehr zu dedauern wäre. Tages d! n Ehrenbürgerbries. Biele Depuiationen erschienen mit Adressen und Präsenten. Abend» findet «In Banket im Hotel zum .schwarzen Adler" stali, zu dem auc» dir Spitzen der Behörden, sowie der latholijchen und evangelischen lSr stlichkeir geladen sind und ihr Grscheinen zagesagt haben. Die Festr:de wird Herr Siadtrath Fried» länrer tjalten. «Aussührlicher Belicht in nächster Rümmer.) .Tänteu. 30. Januar. Heute Vormittag II Uhr ist Herr Regierungspräsident von der Recke au« Düsseldorf au« Anlaß der schwell »den Untersuchung in der Angelegenheit de« Knabenmorde» hier elngetorffen und hat sich mit dun Herrn Bürgermeister S ch l e ß direkt zum Rathaus begeben. Die Stadt ist festlich geflaggt. Loolau (Lberjchlesien:. 26. Januar In der gestrigen Stadtverordnekensitzung wurde zunächst da» Bureau wiedergewLhlt, und zwar die Herren Apotheker Frank als Vorsitz׳»der. Kaufmann Kirschner dessen Slellverireicr, Kaufmann Löwe Schriftführer und 2. Reich dessen Sie .Vertreter -tatidor, O 2. Das Ehepaar Gedalje inAltendors, nxkches am 2. Februar feine diamantene Hochzeit feierte, wurde in der hiesige» Spnagogc eingeseznet tvtyllowl«, 24. Januar. B >m hiesigen Hilfskomitee zur Be« sördernng der aus Rußland ausgewii senen Juden wurden am Donnerstag 80 AuSivander-r nach erfolgter 'stewirlhuug und Bekleidung unke! Begleitung de» lkausmanns Rosenbuad nach Hamburg befördert. Alsh «im, 27. Jan tOr.üor.) M in sollte es kaum für möglich halten, daß «in Bickel auch in Rhe'.nheffen Lente finden könnte, die seinen dekannten Schimpfereien iSehör schenke» würden, wie die« jüngst in den Antilemitenversammlungen zu Niedec-Llm und Effelborn der Fall war. Al« Gegensatz zu diesem schamlosen treibe» möchie ich berichte», daß es noch L I« gibt, in welchen man » an diesem finsteren Menschenfeindllchen (Seite nicht« verspür:, in denen der Geist der Toleranz und Humanltät stets zu Hause ist. In hiesigem Ort« wnrd« dieser Tag« ein an kille Bewohner gerichteter Aufruf erlassen, welcher bezweckt, milde Gaben für die armen versolgte» russischen Inden zu sammeln. Ist es schon i>«zeichnend für die hier herrscherde menschcnsreundliche Gesinnung, daß der Ausruf zu dieser Sammlunc von de» Herren Bürgern.-i>1er und Beigeordne'e», den Herren Geistliche,, beider christlichen Eonsessionen in Ge1.,ei»schast mit dem Vorstand der israel. Religionsgemeinde erlassen wurde, so ist es um so erfreulicher, als unsere hiesigen Mitbürger säst alle sich an dem Liebesiverk belheiligten und eine im Berhältniß zu der Große unseres Ortes erkleckliche Summe sür den genannten Zweck ״ujammriigedracht wurde. Möchte solches Beispiel Nachahmung finden! M. &r«1(ffutt a.fSl. Tem Jahresbericht der dies. Suppcnanstall sür israeli.ische Arme entnehmen wir, daß in der Zeit vom 1 Octob. 1880 bis :K). Sept. 1821 im Ganze! 84,042 Portionen vertheilt warden sind, und zwar an Erwachsene 728», an Kinder 12,336, an Durchreisende ßä24, mi verschämt« Arme 414, sodann an Kranke und Löchnrrin-.rn in deren Wohnungen im Winter 23l:> und im Sommer 6570 Portionen. An Geskxnken gingen Mk. 2366, an Jahresbeiträgen Mk. 6700 et». Tie gänzlich unzuretchenden Lokalitäten der Anstalt ,»erden voraussichtlich in ein eigenes Haus verlegt lverden. Aus 7tlürttember< Herr Schulinspektor Pfarrer Ginter »Nordstellen hat anläßlich seine» jüngst iegangene» 2bjährigen Pfarrjukiläum» auä, die israelitische Gemeinde Nordstetten mit dem Geschenk von 100 Mk. bedach», welche nunmehr seitens des israelitischen Kirchenvorsteheramtes unter Hinzusugunz der gleichen Summe zu einer .Pfarrrr-lltinIer-Slistung", deren Er.räguiffe alljährlich am Jabelgedenktage c.n Lrtsarme verteilt werde», verwendet worden sind. — In einer Zeit, wo der confessionelle Haß in schmachvoller Weise geschürt wird, ist ein solcher Act wahrer Men chenliede besonders zu verzeichnen. Brüssel. Herr Proseffor Dr. Ginge, der bekannte und in den Ruhrsand versetzte Arzt und mcdicinische Schriftsteller (welcher aUnenblickllch In Nizza weil», ist bei Gelegenheit de» bOjährigen Anniversarium» der medicinischen Akademie zum Commandeur des Leopold-Ordens ernannt worden Dr. lSluge ist der einzige Jude in Belgien, der sich dieser Auszeichnung rühmen kann. Paris. Im Alter von 78 Jahren starb hier Baron von Weis weil, r welcher hier und in Madrid als Bertreier von Rothschild das große Bankhaus Aeisnxiler u Bauer führte. In Spanien hatte derselbe viel sür l»e Entwicklung der Eisenbahnen und des Berkehr» S . - - - . — ------ •.■1«..־>—*־«.— sehr'wohl! hätig. widmeten Zadoc, Sahn und Baron Alsons von Rothschild xm Berstorbenen bei stirer Bestallung Watte des Dankes und der A rerkrnnung P»«d »n, 23. Jan. Die New-fjotter, Odeffaer und Londoner jübischen Hiilssgesellschaften haben durch Vermittlung des Barons Edmond dr Rothichild einen ausgedehnte» und außerordentlich fruchtbaren Stttckt Lur.des in Palästina, 60 km östlich vom See Titxria», für 40,000 Mark angekaust, um aus dem Gebiete russisch« Juden anzusie» dein. — M!a» sieht, daß den,Jtid.-Nationalen" bedeutende Mittel zur Bersügunz stehen. Petersburg, 22. Januat. 2>a» Ministerium des Innern ist mit einem -nrdgültigen Organisalions-Entwurs sür das Auswanderung«- Komitee Ix: Juden au» RlHxind beschäftigt Gegenwärtig wird die Ausu«nd!rung jüdischer Militärpflichliger eröttett.