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Israelitische Wochenschrift · 1892-02-05 · 6 (5.2.1892) · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
23 (1892)
Issue
6 (5.2.1892)
Date
1892-02-05
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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Tobschütz ergab, wurde der Preis zuerkannt. Hieran schloß sich die feierliche Entlassung der Kandidaten Dr. Biach׳> Brüx, Dr. Levi-Alzey, Dr. Littman n-Elbing, von denen jedoch nur der letztere hatte erscheinen können, durch i>en Seminarrabbiner. Die üblichen Gesänge wurden in ansprechender Weise von dem Gesangverein jüdischer Theologen vorgetragen Dem .Jahresbericht' sind zivci wissenschaftliche Ab Handlungen vorausgeschickt: l. »DaS Sikarikon-Gcsetz" au«! dem Nachlaß des Prof. vr. H Gra c tz und eine ״Tabelb: zur Berechnung des Eintritts der Nacht u. s. w." cbenfoll«; aus dem Nachlaß des Or. B. Zuckermann*). Dem Bc> richt selbst entnehmen wir. daß das Seminar, nach Abzug der bereits in dauernde Stellung berufenen und noch nicht als Rabbiner entlassenen, gegenwärtig 44 Zuhörer zählte. Das Veriraucn der Gemeinden zu der Wirksamkeit i)e-! Seminars fand erneuten Ausdruck in der Berufung seine׳: ehemaligen oder ccst noch zu entlassenden Schüler. E-! wurden berufen: Landrabbiner Dr. M. Guttmann in Hildeshcim zum Rabbiner der Synagoge11ge,ncinde in Brcslau; Dr. I. Caro, früher in Pilsen, als Obcrrabbincr in Lemberg; vr. Adolf PoS nan sky, früher in Reichenberg, als Rabbiner in Pilsen (Böhmen): Dr. Bernhard Zimmels, früher in St. Pölten in Niedcr-Oesterreich, als Rabbiner in Mäh risch-O strau; Or. Heinrich Berge: als Rabbinatsvertreter in Teschen: Or. Adolf Biach als Rabbiner in Brüx; vr. Benno Jacob als Rabbiner in Göttingen: c»nä. pbil. Israel Jelsky als Prediger in Lodz; Vr. C. Josephssohn als Rabbiner in Laucn bürg in Pommern; vr. Felix Lazarus als Religionslehrer und Hülfspredigcr in Köln; Or. Joseph Lev i als Rabbiner in Alzey: Vr. Gotthilf Walter als Rabbinats- Vertreter in Bromberg. Bezüglich der der Anstalt zufliehenden Stipendien ist hervorzuheben, daß das Kaiserliche Ministerium für Elf aß׳ Lotringen de» dorther gebürtige» Seminaristen Stipendien aus der Staatskasse gewählt hat. Der Verein ״Liwjaih Cfcen“, der unbemittelte Seninaristen in zartsinniger Weise unterstützt, hat auch in die'eia Jahre sich unveränderter Theilnahmc seitens vieler Gem«inden, Logen und Privaten zu erfreuen gehabt, doch stanbea die Einnahmen nicht im gleichen Verhällniß zu dcrHü.ft bedürftigkeit der zu unterstützenden Jünger der jüd. Theologi.׳, so daß allen Anforderungen nicht genügt werden konnte; die Bitte um reichliche Spenden für diesen Verein!ei daher auch in diesem Blatte ausgesprochen, de Gaben finde» hier die würdigste Verwendung**). Jaule». Zum hiesigen Knabenmord schreibt die ״Germania* anknüpfend an die von uns bereits wiedergegebene Auslassungen des Untener Boten: ״Es ist ti.'f bedauerlich, daß die unter der Z'anteiier Bevölkerung her - schende Erregung durch die Entsendung des Untersuchungsrichrers Brixius, gegen den ein gewisses Mißtrauen bei der Bevölkerung zu bestehen scheint, und durch die von demselben beliebte Zuziehung des Synagogen-Vorsteleis Oster zu dem Zeugenverhör, für die man im Volke keine Erklärung hat, neue Nahrung erhält. Es wird somit l>os Gegenthcil des beabsichtigten Zweckes erreicht. Wenn, wie gestern dos .Volk" berichtete, der Untersuchungsrichter Brixius der Schwiegervater des Vertheidigers Buschhoff's ist, hätte man allerdings erwart:« sollen, daß, um die Objectivitnt auch nicht durch den geringsten Schein trüben zu lassen, ein anderer Richter mit der neuen Untersuchung beauftragt würde." — (Nun am Ende wird noch verlangt werden, veh der Herr Justizminister selbst an Ort und Stelle erscheine und die Untersuchung vornehme. Uns soll cs gewiß recht sein, denn wer ein so reines Gewissen bezüglich der *) Wir ixrde» auf diese Abh. adlungen, van den«» di« eiftire leider u»vollende! geblieben ist, im .Lttieraiurbl.- zurückkommen. **1 Die Red. d. Bl. erklärt sich gern bereit, ihr für diesen )streck zugehende Spenden dem Vereine zu übermitteln. Ritualmordlüge hat, wie da» Judmthum, dem ka i n die sorgfältigste und peinlichste Untersuchung nur lieb se n ״Ihr könnt im allrrschlimmstcn Falle einen jüdischen Mörder finden — was wir auch tief bedauern würden — nie und nimmer aber einen jüd. Ritualmord!* Red.) 0. A,« Aiederrtzel», 31. Januar. (Or-Cor.) Nach den mir von befreundeter Seite zugeschickten Ausschnitten auS einer i» Crefeld erscheinenden Zeitung war dortselist auf Sonntag den 24. Januar a. c., Nachmittags 4 Uhr, eine ״Antisemiten-Vcrsammlung" in der .Centralhalle* an» gekündigt, in »velcher deutsche Männer aller Parteien durch einen Vortrag des Herrn vr. wsä. A. K ö n i g ans Witien über .den Antisemitismus und seine Gegner" und durch einen solchen des Herrn vr. Dann eil aus Bielefeld üier .der Talmud nebst Schulchcn (1i8) Arnch", oder ״Talmudisches Judenthum und deutscher Volks Charakter" gegen ein Entree von 30 Pf beglückt werden sollten. Da hatten aber die Inserenten .die Bärenhaut verkauft, ehe der Bär erlegt war", den» eine spätere Nummer enthält folgende Annonce: ״Ce ntralha llc. Die bei mir auf Sonntag den 24. Januar a. c. Nachmittags anberaumte antlsew.i» tische Versammlung findet nicht statt." Lagelec. Wer auch sonst keinen Funken Neid im Busen trägt, muß doch unwillkürlich das glückliche Witten beneiden, welches zur Zeit, wo die tückische Influenza ihren Rundgang durch die Welt hält, eine medizinische Kraft entbehren kann, die in ihrem heiligen Berufe so segensreich im enger» Kreise wirken könnte. Glückliches Witten! Wahrscheinlich ist sie Calamität gnädig an d:r vorübergezogen, da einer deiner Aerzte ausreichende Zeit hat, so segensreich (?) nach aus«» wirken zu können. Die gegenwärtige Zeit, in ivelcher leider der Tod so reiche Ernte hält und in den Palästen der Fürsten, sowie in den Hütten der Armen sich ohn' Erbarmen seine Opfer holt, ist zwar wahrlich gar nicht geeignet, den Lachmuskeln die Zügel schießen zu lassen. Und doch muß auch der eiagefleischteste Hypochonder unwillkürlich auflachen, wenn er liest, daß der Exprediger Or. Danneil einen Vortrag über .Talmud und Schulchcn-Aruch" halten wollte. Schade, daß ich nicht über 10,00J Mark zu verfügen habe! Der Herr Doctor sollte sie sofort von mir geschenkt erhalten, wenn er auch nur eine Seite im Original des Talmud und des Schulchan-Aruch richtig lesen könnte. Schade ferner, daß in der Annonce die Themata nicht bestimmt angegeben waren, über die der Herr Toetor hat sprechen wollen! Sollte er vielleicht aus Peßochim 86 b das Thema: .Wer seinen Becher (sein Glas) in einem Zuge leert, der ist ein Säufer* gewählt haben, um daran Erörterungen zu knüpfen, daß es zur Bezeichnung eines im heiligen Dienste Gottes und der Menschheit Wirkenden, der auf dreißig Glas täglich geaicht ist, keinen Ausdruck im Talmud gibt? Und sollte er viel« leicht ferner aus dem Schulchan-Aruch das Kapitel SS Band I zum Borwurf seiner Expcctorationen gewählt haben? Diese» Kapitel handelt nämlich vom ״Suff" und lehrt, daß eia Betrunkener im Zustande des Besoffenseins nicht beten darf und sein Gebet dem Herrn ein Gräuel ist; um wie viel weniger ein geistlicher Führer seiner Gemeind«? Oder etwa Kap. 53 tz 25 des genannten Buches, welcher lehrt, daß man einen Vorbeter nicht eher seines Amtes entsetzen tarß bis man Verwerfliches an ihm gefunden — dann aber wohl? — Doch die Götter mögen wissen, was der Herr Dvctor aus dem Talmud und dem Schulchen-Aruch hat erzähle« . wollen I Vorstehende Themata wären aber mehr als geeignet gewesen, deutsche Männer über ״Talmudischv» Judentum« und den Charakter mancher deutschen Volk»beglüc.«r* zu belehren. — 8. Z-utze»-N«rtschei», 1. Febr. (Or. Eorr.) Wieder hat uns der Tod einen um das Judcnthum und die jüd. Wissenschaft wohlverdienten Mann entrissen. Am ->. Jaa» starb hier nach kurzem Krankenlager der durch sein« schrista

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