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Israelitische Wochenschrift · 1892-02-05 · 6 (5.2.1892) · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
23 (1892)
Issue
6 (5.2.1892)
Date
1892-02-05
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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׳■■'י«וז!ייו«זר«מ»!ן finden bezüglich der Schulpflicht und S ch u l v e r» säu 1» nijse die bezüglichen Vorschriften im vierten Abschnitt dieses Gesetzes riitspccchendc Anwendung." Dem 8 15 wäre folgende Fassung zu geben: .Wo die Zahl der Schulkinder einer vom Staate anerkannten Religionsgesellschaft in einer Schule anderer Consrssion über dreißig steigt, kann vorbehaltlich der Beftimmnng dcS § 11’) der Regierungspräsident bei Zustimmung der Gemeinde des Gutöbrzirks, Schulverbondcs, die Errichtung einer besonder» Volksschule sür dieselben a,:ordnen, wenn seitens der zuständigen Organe der betreffenden Rcligionsgescllschaft ein bezüglicher A ntra g gestellt wird. Die gleiche Anordnung hat (n a ch A n h ö r u n g der gesetzl. Vertreter der betr. Religionsgesellschost) zu erfolgen, wenn die Zahl über sechzig steigt." Ohne den durch gesperrten Druck hervorgchobenen Zusatz wäre der 8 15 der erste Stein zu dem von den Anti semiten und Konservativen so sehnlich herbeigewünschten Schulghctto für die Juden. Wir lassen zu Obigem noch einige Worte der Begründung folgen: Die Wohlihat des nn der Spitze bei $ 17 stehenden Grundsatzes, daß kein Kind ohne den Religionsunterricht seines Bekenntnisses bleibe, «ürdr bei der beschränkenden Bestimmung, das, für Kinder der Mindrrheilen nur dann ein besonderer Religionsunterricht einzurichten sei, wenn ihre Zahl in einer Schule 1b üt«rsteizt, sür de Mehrzahl der jüd Schulkinder illusorisch sein. Ten» nach der Sch'.ilstatisiik beträgt der Prozentsatz der Schulkinder aus der Bevölkerung».,iffcr im Durchschnitt 20. Es gehören sonach durchschnittlich 8» Seelen einer tieligionsgesellschast dazu, ivenn ihre Schulkind:! Cie Zahl 18 mindestens erreichen soll. Temg:genüber ist statistisch ermittelt, daß rS im preuß. Staate gegen 10G, Orte mit einer geringeren Setlenzahl der jüd. Bevölkerung alS bv giedt, so daß sie keine 18 Kinder in die Bclksjchule senden. Auch wohnen die Juden meist in Städten, wo sie ihn Kinder nach manchen andern als Bolksschuten schicken. Für alle dese nach viele» Tausenden in Preußen zählend,!» jüdischen Schulkinder blieb« die Wohl «hat des Gesetzes bezüglich des Religionsunterrichts unei reichbar. Es besteht aber nach dem Gesetze von 1847 sür die schrilpflichtigen Kinder jüdischen BekenntnisieS ein besonderer Religionsunterricht, welcher meist außerhalb der öffentlichen Schule ln der >üd. Reltgionsschul« «rtheilt wird, und der durch den in der Bolksschnle etwa einzurichtenden nicht ersetzt werden könnte.**) Ja die Errichtung einer besonderen Volksschule für die jüd. Schüler— lediglich ihres Religionsunterrichts wegen — wenn ihre Zahl an einer Schule 80 resp. KV übersteigt, ist sovach gar nicht nothwendig, da sie ohnehin einen brsondrrn Religion»- unterricht von einem Lehrer ihre« Bekenntnisses erhallen. ES würde vielmehr eine solch« Ausscheidung der Kinder aus der allgem. Volksschule und Unordnung einer besonderen jüd. Volksschule in >hr vielen Fällen seitens der jüd. Religionsgesellschaft als eine große Härte empfunden werden, weil ihr dadurch im Widerspruch zu 11 und 18***) der Vorlage da- Recht oder die Gelegenheit genommen wäre ihre Kinder in eine mehrklassige Schule einer andern Konfession schicken zu können. Dahingegen ist «S sür die jüd. Religionsgesellschost dringend nothwendig, daß ihr der besondere jüd. Religionsunterricht auch außerhalb her »Schule" erhalten bleib« und im Volksschulgesetze gesichert werde nnd daß auf ihn die gesetzlichen Bestimmungen über Schulbesuch und Schulversäumnlsse Anwendung finden. Berichte nnd Torrrfpoiidenze»». Deutschland. AerN», den 1. Februar. (Or.-Corr.) Die Etatsberathung in der gestrigen Repräsentantenversammlung derlief unter den durch die Zeitveihältnissr gebotenen Gesichts- Stuft der Sparsamkeit, fast bei allen Positionen waren bstrichc beantragt. Auch bei dem in längerer Debatte berathenen Etat der Ai menkommission ist der Etatsausschuß davon ausgegangen, die jährlichen Erhöhungen der Ausgaben *) 8 11 lautet: »Wo drei- oder mehrklassige Volksschulen vor- Händen sind, dürfen Kinder nicht gegen den Willen der Ellern einer einklassigen zugewiesen werden." **) Da» auch in den »Allgem. Bestimmungen" vom 15. Ort. 1872 geforderte Berständniß des öffentlichen Gottesdienstes ihrer Religion»- gemeind« macht bei jüd. Kindern die Pflege der hebe. Gebelsprache erforterlich. ***) »Lediglich wegen des Religionsbekenntnisse» bars keinem Kind« die Aufnahme in die Volksschule seines Wohnort» versagt werden." einzustellen. Der Etat der Armenkommission lvurde unvrrändert »ach den Angaben dcS EtatSaiiSschusseS angent»nmen. Bei dem Etat der Waisenkommisfivn wurden nach dem Antrag des Etatsaiisschusses <>000 M. abgestrichen. Namen» des Vorstandes erklärte Herr Jacob!,, daß die Erhöhung i» der Commission nicht nur mit der Theuerung der iJefrcn»* mirtrl, sondern auch damit motivirt worden wäre, t«ß die jüdischen Kinder in christlichen Waiscnliäliscrn ihrer Religion entfremdet mcriie» könnten, wobei Herr Ruß die Mittheilung machte, daß das Friedrichs-Wilhelms Waisenhaus für die ihm von der Armcnko,»Mission »achgcivicsenen Waisen einen monatlichen Zuschuß von 15 M. für die Privatpflege in jüdischen Familien zahle. Eine längere Debatte knüpfte sich an den Etat des jüdischen .Krankenhauses, bei dem eine Erhöhung aus >0,930 M. ein getreten ist. Herr Sachs hob hervor, daß Ersvarnisse hier am wenigsten angebracht wären, da das Krankenhaus die Zufluchtsstätte der Aermsicn unter den Armen sei, ,velche ,venigjtens unter Juden sterbe» und das Sch'ma Jisroel in ihrer letzten Stunde hören wollen. Tie Krankcnhausvcnvaltung werde zudem »och durch die Miterhaltung des Siechenhauscs belastet. In demj'clben Sinne führte Herr Isaak auS, daß das Krankenhaus eine exceptionclle Stellung cinnehinc und daß die Kosten der Unterhaltung sich dadurch so sehr erhöhen, daß die von den zahlenden Patienten pro Tag geleisteten 2 M. keineswegs den Bedarf deckten. Herr SvnitätSrath Blumciitha l wies darauf hi», daß ei» chirurgisch Krankt r nicht 2M., sondern 10 M. für operative Eingriffe, Verbinde u. s. w. vrauche. Nachdem »och .Herr Mannheimer eindringlich betont, daß das Krankenhaus *lir etwa 1500 größtentheils arme Glaubensgeiiossen eine Zufluchtsstätte sei, wurde die geforderte Summe nach dem Vorschlag des Vorstandes siir die Jahre 1892/93 und 189t in den Etat eingestellt —Der Etat des Siechen- Hauses und der Altersversorgungsanstalt werden unverändert bewilligt, desgleichen einige ^Gehaltserhöhungen von Gemeinde» Verivaltungslxamtcn. Areska«» 28. Januar. 1Cr.«6üc.) Die alljährlich am 27. Januar >m jüd. theol. Seminar stattfindende Feier war in diesem Jahre eine isiedenlst ier nicht nur für die verewigten Stifter der Anstalt, sondern auch sür die im Laufe des Iah rcs Hingeschiedenen Dozen k n Prof. GraetzundDr. Zuckermann. Nachdem der derzeitige Vorsitzende Herr Dr Rosin des Geb.irtstagscstes Sr. Majestät des deutschen Kaisers gedacht hatte, schilderte er nit tief bewegten Worten, die eigene noch sriscte Trauer um den schmerzlichen Verlust seiner Gattin zurückdrängcnd, die Schwere des Schlages, der mit dem Hinscheiden der beiden Lehrer die Anstalt getroffen habe. Des verewigten Prof. Graetz und seiner Verdienste sei bereits innerhalb und außerhalb des Seminars so eingehen» gedacht worden, daß er an diesem Tage nicht wiederum es auszusprechen brauche, waS das Seminar und die jüdisch« Wissenschaft an ihm verloren habe. Der letztwillige Wunsch des verew. Dr. Zuckermann, der in seiner Bescheidenheit jeden Nachruf abgelehnt habe, habe es nicht ermöglicht, seinen Verdiensten in ebenso eingehender Weise gerecht zu werde». Trotzdem sei es ihm vergönrt, wenigstens am heutige.: Tagseiner öffentlich zu gedenken und sein bescheiden liebenS würdiges Wesen wieder ins Gedächtnis zurückzurufen durch die Auszeichnungen, die in scincm Nachlasse, für die heutige Feier bestimmt, sich vorgesurden hätte. Die von Dr-Zuckermann hinterlassene Rede, die der Vorsitzende nunmehr derlas, behandelte dir Stellung der jüdischen Gotteslehrer in den verichiesenen Epochen unserer Geschichte. Die Rede der Verewigten machte einen ersichtlich tiefen Eindruck auf di«׳ zahlreich Versammelten. Mit dem Wunsche, daß der Geist der dahingcsch-edenen Lehrer auch fernerhin in der Anstalt leben und ihr zum Segen gereichen möge, schloß der Vor sitzende und verkündete alsdann das Resultat der Bewerbung um dr» Lehmann'schen Preis. Der einzigen eingelaufenen Arbeit, als deren Verfasser sich Herr Stud. Phil. Lieber

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