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Israelitische Wochenschrift · 1892-02-05 · 6 (5.2.1892) · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
23 (1892)
Issue
6 (5.2.1892)
Date
1892-02-05
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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vom Schauplätze schied, er ist unvergessen bei allen Zeitgenossen und cs wird seiner auch noch von der Nachwelt mit ungcth.iltcr Ehrerbietung gedacht werden. Ihm folgte vor etwa Jahresfrist der im Kampf und Sieg hochherzig und edel gebliebene Wiudthorst, dem ein Ehrenblatt dankbaren "Bedenkens auch in der Geschichte der Judenhcit gewidniet ist. Reichensperger ist übriggcblicben und — gesellt sich plötzlich zu Männern, denen Gehässigkeit und Zwietracht zum Lebcnselcment geworden. Reichensperger läßt sich in der Hitze des Gefechts sortrcißcn, Worte zu gebrauchen, die man in den zu Nassen- und Klasscnhatz aufreizenden Dersaiiimlungen -tu höre» und zu — Ivlachen gewohnt ist. Er, der ziclbewutzte Kämpfer sür Freiheit der Religion, entweiht feine Rippen 11119 stützt in ein Horn mit denen, welche, weil sic selbst nicht wissen was sic wollen, und von der aufj gestachelten Leidenschaft des Volkes leben, heute behaupten, , das Judcnthum als Nation — morgen wieder (aus Rück-; ficht auf ihre ausläudiscl>cn gleichen Brüder) als Religions» Volk zu verwlgcu, wie cs ihncit gerade in den Kram paßt. , ״Es thut mir in der Seele weh, datz ich Dich in der! Gesellschaft seh" —: Reichensperger über .Judcnlibcralc" herziehcnd, Arm in Arm mit Böckcl-Licbermann einer» seits und mit Stöcker v. Hammerstcin-,Wotzu" an- Lercrseits, rxlche ״getrennt schimpfen und vereint hasse».- Und doch schließt der Pfarrer und Abg. Tr. Frank seine jüngst erschienene Schrift ״Tic Kirche und die Juden" cuf die Frage: ״Kann ein gläubiger Katholik ein Antisemite sein?" mit der cntschictciicii Antwort: ״Nein!!" Selig zu piciscn bist Du, Windthorst, daß Tu das Unselige nicht erlebtest, welches e i!1 Jahr schon nach Tcinem Tode Deine Partei zu verunglimpfen im Staude ist! Greiser großer Reichensperger, warum hast Du Dir und uns dies gelhan? Gönnte Dir, dem namhaften und erfolgreichen Eiferer sür Gothik, der ״Ruhm" der Gothen keine Ruhe, die den Artcmistempcl zu Ephesus cinäscherten, sodaß Du im völligen Aufgehcn im Gothischcn ״Stvl" conscquenterrveise mit Deiner starken Hand die kleinen Tempel derer zertrümmern willst, aus deren großem die Bausteine zbm mächtigen Gebäude der Kirche verwendet wurden? Was würden Deine verklärten Elenofscn Maüinkrodt und Windt- Horst dazu sagen, die niemals angreifen wollten, weil sic cs selbst fühlten, wie dem Persolgten zu Muthe ist? Was wirst Tu ihnen antworten, wenn sie einst am Richterthrvne des Allvaters Dich fragen werden: ״Warum hast Tu unfern gemeinsamen Schild befleckt durch Aufreizung zum Kample gegen Wehrlose — event. i9 Millionen gegen eine ha l be Million? Ich amtire seit Jahren in Deinem (Geburtsorte — und ich theile seinen Stolz, Dich zu seinen großen Söhnen;ählen zu dürfen — und bei aller hier herrschcndcn bcdauerlichen Absonderung der verschiedenen Bekenntnisse — die Ansichten, die Du in Deiner Tienstcgsrede (vor. Woche) äußertest, sind nicht hier geboren; wo hast Tu sie gelernt? Du ivirst mir die leicht zu crtheilendc und schwer zu beweisende Antwort geben: ״Im Leben!" — Mußte ein Mann scharfen Blickes, wie Reichensperger, der bereits die Grabes» Schneeblumen mit Ehren auf seinem Haupte trägt, erst ein Dutzend Lebensjahre über die vom Psalmisten angcdeutetc Lebensdauer vom Allgütigrn geschenkt bekommen, um neue Erfahrungen über das Volk der Bibel zu sammeln? ״Eine edle Krone ist das graue Haupt" — wer eine Krone trägt, soll erhaben sein über das niedere Getriebe dunkler Ehrenmänner und junger.Heißsporne, die sich aus dem ewig dankkvren Felde der Julxnfresserei ihren herostratifchen Ruhm erwerben wollen. Diese dürfen mit vergifteten Waffen kämpfen — diese dürfen den höllischen Brei kochen, in den sie Alles hineinmcngen, was zu ihrer Gegnerschaft gehört — diese dürfen, wenn sie ihre magere gefälschte Weisheit über Juden und Judenthum erschöpft haben, Liberale mit Juden zu dem Zweck« identificiren, um einen neuen Kriegsruf zu gewinnen, ein iicues Feldgeschrei auSstoßen zu können — denn wenn sie nicht mehr schreien, weiß man nichts mehr von ihnen. Aber Dich, dessen T haten von Deinem innern Werth und Gehalt Zeugnitz ablegen, frage ich in Demuth: : ״Was hat Dich veranlatzt, diesen Streit vom Zaune zu! brechen — denn Juden standen Dir im hohen Hause gar - j nicht gegenüber — und ihn in Deine Partei zu tragen, die j bis jetzt — von der Heißblütigkeit eines aus der Rolle ' gefallenen eufant lerrible abgesehen — davon verschont ' geblieben ist? Was hat Dich bewogen mit Deiner glänzenden Vergangenheit zu brechen? Im 82. Lebensjahr kann jedes gesprochene Wort das letzte in diesem Leben sein; wäre es Dir angenehm gewesen, wenn ein solch häßlicher Schwanengesang Tein Lcbcnsiverk ״gekrönt" hätte??? Or. Singer. Wnsere Wünsche bezüglich des neuen Woklsschnlgesetzes. Die Kommissioii zur Berathung der Volksschulgejetz» Vorlage ist gewählt und wen» wir auch angei'ichts der vielfach divergircnden Ansichten über die eonfessionelle jüdische Volks- .rcsp. Elementarschule auch innerhalb der sc:ch» kundigen jüdischen Kreise diese Angelcgcnl>eit nicht für nngethan zu einem gemeinsamen Vorgehen halten, — el»en weil eine Einmnthigkcit sich schwerlich erzielen lassen dürte, — so halten wir cs doch sür dringend geboten, die aus Lehrci- und Vorstandskrciscn uns kundgegebenen Wünsch« hier zusammenzufassen und zu sormuliren, um sie zur Kenntnis; einzelner Mitglieder der Schulkommission zu bringen und sic ihnen zur Berücksichtigung zu empfehlen. Es handelt sich für uns im Wesentlichen nur um ein ge Einschaltungen und Zusätze in den 88 15, 17 und 18!»es ersten Abschnitts, sowie um die Anwendung der bctr. §§ ü!>er Schulpflicht und Schulversäumnissc des vierten! Abschnitts auf die jüd. Religionsschule. Beginnen wir mit 8 17, weil er der grundlegende ist. Er könnte im Ganzen feine bisherige Fassung behalten und seine erste Hälfte wie solgt lauten: a) ״Ohne den Religionsunterricht durch einen Lehier seines Bekenntnisses soll grundsätzlich kein Kind bleiben*). Zur Thcilnahmc an einem andern Religionsunterricht dürfen Kinder nur ans Antrag der Eltern oder deren Stellvertreter zugelassen werden. Sind Kinder verschiedener vom Staate anerkannter Rcligiousgcscllschaften in einer Schule vereinigt, so ist möglichst für die Angehörigen eines jeden von ihnen ein besonderer Religionsunterricht einzurichten, wenn ihre Zahl fünfzehn übersteigt." Hier jedoch müßte nun der folgende, wörtlich den ״Motiven" zu 8 17 dieser Vorlage entnommene Zusatz folgen: ״Unter Len vom Staate anerkannten Religionsgesellschäften sind zu verstehen" u. s. w bis ״und die Juden". Es mutz im Gesetz und nicht blos in den ״Motiven" festgestellt sein, ivelche Religionsgesellschasten zu den vom Staate anerkannten gehören. b) ״Kinder, welche nicht einer vom Staate anerkannten Religionsgesellschaft angrhören u. s. w." wie in der Vorlage. 8 18: ״Den Religionsunterricht in der Volksschule leiten die betreffenden Religionsgesellschasten u. s. w."; hier wären t-ie Worte: ״in der Volksschule" zu streichen, und sodann folgender Zusatz hinzuzufügeu: ״Auf den besonderen Religionsunterricht, auch wenn er außerhalb des öffentlichen Schulunterrichts ertheilt wird. ») Di« Worte: ״welches einer vom Staate anerkannten Religion »- ö gefellschast an,-hört", könnten fügllch fonbletb«» Jj-k:

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