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Israelitische Wochenschrift · 1892-01-29 · 5 (29.1.1892) · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
23 (1892)
Issue
5 (29.1.1892)
Date
1892-01-29
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
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33 — Die Regierung hatdas Gesuch des Herrn Cantors und Lehrers B. genehmigt, denselben in dip Reih: der Versickerungspflichtigen - gestellt und den Magistrat in Bcrnburg angewiesen, dem Petenten die gewünschte Versichcrungskartc anszusolgen. Die Herzogliche Regierung hat mit dieser Entscheidung den Cultusbeamten der kleineren Gemeinden ihre berechtigte Sorge uin die Zukunft verringert und sind dieselben für diese Entscheidung dankbar, da ihnen bei ihrem kärglichen Einkommen und eventuell noch viel dürftigerem Pensionsgchalte eine Altersrente von mehreren hundert Mark nicht überflüssig erscheint. Mein Gutachten ist den Verhältnissen in den jüdische r;Gemeinden?Inhalts entsprechend, da säst sämmtlichc Grmcindcn pflichteifrige Beamte besitzen, welche mit Ausnahme von höchstens dreien aus wissenschaftliche Bildung, in (lant läu'igem Sinne) keinen Anspruch erheben können, da sie weder ein Lehrerseminar besucht haben, noch überhaupt deutsche Bildung besitzen, und dennoch sind dieselben als Cantoren und Vorleser aus der Thora — wenn auch nicht immer als Lehrer — meist ganz tüchtig. Die?lnhaltischc Regierung har in ihrer humanen Weise auch ausgewiesencn russischcn Untcrthanen die Uebernahme eines Annes gestattet, trotzdcn dieselben zumeist nur ״eine Kenntnis; des Ritus und d:r religiösen Vorschriften" und nur höchst selten fcminariftiidje Bildung besitzen. Dieselben crthcilen auch den Religion sunterricht, da für die Landgemeinde»?lnhalts ein geprüfter Lehrer schwer zu gewinnen ist. — Ter Rath des Cultusbeamten einer klcincrcn Gemeinde**), daß ich dem Gottes« dienslc jn kleinen Gemeinden anwohnen sollte, kommt zu spät, da ich seit etwa acht Jahren viele Landgemeinden — auch ausserhalb?Inhalts — genau kennen gelernt und gesunden habe, baß das Amt eines Vorbelcrs uno Vorlesers aus der Thora ohne wissenschaftliche Vorbildung wohl versehen werden kann und wird dies durch Beispiele in hunverten größeren und lleineren Gemeinden Deutschlands erwiesen. Vorläufig bleibt cs wohl noch lange ein froinmer Wunsch, das alle Eultr׳sbeamten seminaristisch genügend vorgebilt>et sein mögen. Jn Anhalt ist dies durchzusühren — trotz meines eifrigen Bemühens — bisher nicht möglich gewesen und mein Gutachten, in welchem übrigens nicht von einer ,beschränkten . sondern von einer ״bestimmten" Bildung gesprochen wird, bezieht sich aus?l n h a l t. Was in der Entscheidung über die sociale Stellung des Cantors gesagt ist, war in meinem Gutachten überhaupt nicht enthaften D.esc Fassung ist wohl nur in Beziehung aus den Wortlaut des Versichcrungsgesetzes gewühlt und involvirt keineswegs eine Herabsetzung des Standes iwr Cultusbeamten. Schließlich bemerke ick. daß außer Herrn Eantor und Lehrer B. noch andere Eultusbcamte um Aufnähme in die Jnvalioitätsvcrsichcrung nachgesucht haben. Dr. Samson Weiße, Hcrzegl. Anhalt. Landes-Rabbinei. Oesterreich» Un4«R. D. Trcßvurg, 18. Januar. lOr.-Corr.) Die in's Werk gesetzte Agitation für die Ausnahme des Judenthums in die Reihe der rccipirren Religionen wird im ganzen Lande betrieben. Es wurden in vielen Gemeinden Resolutioncn angenomincn, während der bevorstehenden Wahlen nur solchen Candidaten die Stimme zu geben, we.che erklären, daß sie?lnhänger der Religionsfreiheit sind und für die Durchführung der gesetzlichen Recipirung des Jutenthums, das heißt für die vollständige Gleichstellung tesselben im Ehe recht, in der Gemeindeorganisation und in Bezug aus den!lebertritt auS einer anderen Religion zum Judcnthum ihren ganzen Einfluß aufbieten und für tiefe Forderungen stimmen wollen. Natürlich müßte vorerst die Abschaffung der Gcsci», welche den Uebertritt vom Christenthum zum Judenthum verbieten, vom Parlamente beschlossen »werden. — **) Auf dem grünen Umschläge d:s genannten BlallcS Man erwartet seit dem Antritt des neuen Fürst-, Primas in Ungarn, der ein sehr liberaler Mann sein soll״ weniger Opposition von Seiten de» CleruS/aegen diese Folterungen der jüdischen Glaubensbekenner. D:r Fürst- PrimeS Vc-szary hat selber bei dem Empfange einer kath»׳ lischen Deputation auf die politischen und kirchlichen Ver» ändcrungen hingewiesen und von der Gleichberechtigung aller r.ccipirten Consessionen gesprochen. ״Niemand, sagte er, kann daher jetzt ein Privilegium fordern; auch er verlange für seine Kircljc von der Staatsgewalt nur ״snum cuique.“ Er werde der Staatsgewalt treu, gehorsam und ergeben sein bis an den?lltar. und obgleich er wisse, daß nicht alle Staatsbürger, niclche verschiedenen Religionen angehören, sich um diesen Altar schaare» können, so gebe es doch noch einen anderen Altar, den?lltar dcS Vaterlandes, vor dem wir gemeinsanl opsern, und es gebe ein Gebiet, das Gebiet der Liebe, wo wir uns begegnen und einander die .Hände reichen können. — Diese Worte des neuen kirchlichen Oberhauptes in Ungarn zeigen wenigstens nicht von Gegnerschaft und Kampfeslust gegen Religionsfreiheit und gegen die (Geltendmachung freisinniger Ideen, die der jüdlschen Consession natürliche Rechte einränmcn und zu Gute kommeu würden. — Der Cultusministcr Gras Csäki hat sich bereits für die Gleichberechtigung der israel. Glaubensgemeinschaft ausgesprochen. Auch in Oesterreich hat sich der Untcrrichtsininistcr vor kurzem über einen Punkt so ausgesprochen, daß daraus der Wille zur vollständigen Verwirklichung der Gleichstellung der jüdischen Religion hcrvorleuchtet. Ein Abgeordneter wies nämlich aus die stiefmütterliche Behandlung ver Religionslehrcr der israelitischen Consession bei den Staatsschulen hin und empfahl der Unterrichtsverwaltung, succcssive an jenen Lchranstaltcn, an welchen das Bcdürsniß am meisten vorhanden sei, die Religionslehrerstellcn mit den Rechten und Pflichten wirklicher Lehrer zu systemisire». Cultus- Minister Gautsch erwiederte hierauf: Mit der Frage der Systcmisirung von Lehrerstellen für den israelitisch:» Religionsunterricht habe sich die Regierung in den letzten Jahren wiederholt und eingehend beschäftigt. Nach dem Wortlaut des Gesetzes stehe der Anspruch auf ein Lehrer» geholt dcujenigeu Mitgliedern des Lehrkörpers nicht zu, welche keinen klassenmäßigen Unterricht ertheilcn. Bei einer Ueberschau über die Verhältnisse ergebe sich nun, daß nirgends jene Stundenzahl im Religionsunterrichte erreicht werde, welche die Voraussetzung für ein: definitive Anstellung bilden würde. Der Landrsschulrath habe jedoch vor Kurzem eine Reihe von Anträgen an die Unterrichtsverwaltug erstattet, welche darauf abzirlen, die ntatericlle Stellung dieser Lehrkräfte zu verbessern und die Unterrichtsbehörde wird soviel als thunlich bestrebt sein, dieselben zu genehmigen. (Or.-Corr.) Auch mit den jüdisch-wissen» schaftlichen Bestrebungen steht eS hier besser, als in vielen anderen Großgemeindcn. Abgesehen davon, daß Lemberg dem alten Rufe Hoher talmudischer Gelehrsamkeit auch heute noch keine Schande macht, ist auch der Sinn für neuere wissenschastliche Bestrebungen ziemlich rege. Als Pfleger der jüdischen Litteratur hat!ich der bekannte, seit 25 Jahren bestehende Verein ״Schomrr Israel" bedeutende Verdienste erworben. Im Lokale des Vereins, in welchem fast alle jüdischen Zeitschriften ausliegen und eine gewählte Bibliothek zur steien Benutzung aufgestellt ist, findet allwöchentlich eia reger Gedankenaustausch unter den Mitgliedern statt. Jeden Samstag Abend wird ein wissenichaftlicher Vortrag gehalten. Dasselbe geschieht auch vom Verein ״Zion", welcher, abgesehen von seine» utopischen national-jüdischen Zielen, rühmend als eifriger Beförderer jüdischer Wissenschaft, vor Allem aber der Kenntniß der hebräischen Sprache hervorgehoben werden muß. Ein großer Theil der jungen Leute in diesem Verein sprechen klassisches Hebräisch als Umgangssprache lind die in hebräischer: Sprache gehaltenen wissenschistlichcn Borträge werden von

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