Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 23 (1892)
- Issue
- 5 (29.1.1892)
- Date
- 1892-01-29
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
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, 3xm weitaus größten Theil der Mitglieder verstanden. Im ׳ .Zion" wird Graetz sonderbarer Meise als ״National,!)eiliger" verehrt. Der Handwerkerverein .Jad Charuzim" mit über 500 Mitgliedern sorgt ebenfalls für belehrende und ausklärende Vorträge. Auf den Beschluß des Cultusrathes hin, eine Lehranstalt für Religionslehrer nnd Rabbinutskandidaten zu gründen, hat Herr Robb. Dr. Caro bereits seit 2 Monaten ingefangen, jüdisch-theologische Lehrvorträge zu halten, an »enen sich circa 20 junge Leute betheiligen. Der Herr Rabbiner trägt .Einleitung in die Mischna vor. Es wäre nur zu wünschen, daß in allen den genannten lobenswerthen Bestrebungen mehr nach einem einheitlichen Plane vor- . ^gangen würde und in dieser Beziehung erhoffen wir sehr; iiiel von dem bewährten organisirten Talente deö genannten ׳ Herrn Rabbiners, dem es übrigens während der kurzen Zeit j eines hiesigen Wirkens schon gelungen ist, sich die Sympathien der verschiedensten Kreise und religiösen Richtungen erwerben._ «Der Schluß der Corresp ״Nus BnlOErien" mi'tzlc Raum mangels wegen jiir die nächste Nr. zurückgeleg« »»erden. Red) > N»rmi;chte und neueste Nachrichten. Berlin. Rektor Ahlwardt soll nun seinen Willen haben. Er ichloß seine mannigfachen Beschuldigungen gegen die verschiedensten Persönlichkeiten stets mit dem Wunsihe, man möge ihn vor Gericht Wellen und ihn so in den Stand sehen, die Wahrheit seiner Anklage ׳ zu erhärte». Wie wir hören, wird diesem Agitator der Verhetzung «tzt dazu Gelegenheit gegeben werden. Im Rainen des StaatsminileriumS soll Ministerpräsident Graf Caprivi Anklage gegen den!Ke klar Ahlwardt ivegcn Beleidigung des Slaatsmlnifteriums erhoben haben. Hcknnvver. In der HIes. antisemitisch:» »Hannoverschen Post" erschien vor längerer Zeit ein Artikel ,Iudenherrschast in der Bukoloina* worin berichtet wurde, daß der Oberrabbiner in Czernvwitz, >^g«n den das Bersahren wegen Fälschung eingeleilet geivesen sei, sich nt« anderen Juden an der Bestechung der Richter, die dem Gelde zu- Länglich waren, betheiligt und daß er, trotzdem er schuldig war, vor ixn Brzirksrichter seine Unschuld mir einen» Eide detheuert habe. Das Endresultat des Prozesses sei danach für den Rabbiner ein günstiges :»nd glüikliches gewesen. Der Lberraobiner Dr. Igel stelllc Straf» »»trag und der Rcdacieur genannter Zeitung HerrLeutz, wurde jüngst;wm hles. Schöffengericht zu!>00 Mark Geldstrafe vcrurtheitt, dem ikliger auch Pudlikationsb-sugnis zugesprochen. In den Urtheilsgrün- Iieu heißt es, von einer lvesängnitzstras«sei nur deshalbAbstand genommen,!»eil es sich um eine Peri'önlichkeit handelt, welche außerhalb unseres Smatcs stehend nur zufällig von dem Artikel Kcnntniß bekommen habe. Lelpz ig. Hr. Karl A t e s e n t h a l ich!letzt einen Brief an Th. F r i t s ch, den Redacteur der ״deutsch-soeialen Blätter" mit folgenden Worten: .... Ich arbeite seit 6 Monaten für keine israelitische Fachzeitfchrift mehr, da sich dieselben als durchaus unzuverlässig erwiesen — nnd für die mir verursachten Unannehmlichkeiten, Proceß-Kosten und Strafen, »rotzdem ich keine Honorare d«zog — nicht auskamen! — So sehr ich meine Glaubensbrüder lieb«, so kann ich doch als Einzelner in einer Stadt, wo sämmtliche Behörden und andere maggebend« Personen für antisemitilch« Ideen nicht nur einlreten, sondern dieselben f »gar öffentlich äutzern — unter derartigen Verhältnissen nicht iveiter ft reiten." (H. W. war ständiger Mitarbeiter oeS .Israelit", der .A.Zcit. d. I." <unt. Philipps.), der .Neuzeit" und des .isr. Bemeindeblatts" (in Prag). X*tttcn» 24. Januar. Vorgestern hielt der Untersuchungsrichter kZrixtus eine Zeugenvernehmung auf dem Küpper schen Grundstück ׳■ nb, der auch der Gemeindevorsteher Herr Ad. Oster — auf Wunsch '4»! יי Richters — beiwohnte. Herr Jf. und auch der Bürgermeister F. - verlangten zwar, datz der jüdis<he Vorsteher der Vernehmung nicht i»i wohnen sollte, aber der Untersuchungsrichter bestand aus dessen An- »oesrnhetk. Min. 18. Januar. Das Fest der goldenen Hochzeit begingen gestern die Eheleute Jakob und Jeannette Brünell geb. Rodens. Ein ׳.- nnsschlietzlich aus Christen zusammengesetzte- Komitee leitete die Feier. *Reicher Flaggenschmuck und Gulrlanden zierten die Weierstratze und!«sonders das Haus des Jubelpaares. Zur Beglückwünschung erschienen ter Rabbiner Dr. Frank, die Mitglieder des Vorstandes, sowie Depu- E lationen tSrael WohlihätigkeitSvereine, darunter ein Verein, den Herr ^Srüaell mit gründen hals. Ans Heilipenstadt verlautet, datz der Referendar Schneider- ^sstrk, der am 1. Oktober v. I. d:e ihm wegen Duells mit tödtlichem "ssnsgang vom Schwurgericht zu Göttingen zucrkannte Strafe von zwei »Zsitchnn» Festung-Haft angetreten hat, jetzt begnadigt worden sei. Wtttie» 25 Januar. Unser schar seit längerer Zelt lrankhcitShalber nicht fungirendeRabbiner Dr. L o«i> ist zu einem besseren Jenseits eingezangen B»sks»ttz (Mähren). Zum hiesigen Rabbiner ist langer Vacanz der Sohn d«S ehemaligen Prager, jetzt Hamburger OberrabbinerS, Dr Hirsch, geivähst worden A. Ans de« üktfaß 24. Januar. (Or.-Lorr.) Wie alljährlich wurde auch gestern in allen Synagogen Elsaß-Lothringens mit dem HauptgotteSdienst eine Feier de- Geburtstages S. M. d«S Kaisers verbunden. Diese Feier wird vom Ministerium zu Stratzburg ungeordnet. DaS Progranim zu der Feier wird von den S Loiisistorialrabbincrn zu Stratzburg, Colmar und Metz festgesetzt. ES besteht in der Rezitation inchrerer Psalmen sowie dem Vortrage de» hebr Gebetes für da» Herrscherhaus. Die Kinder werden mit der Feier durch eine am 27. Januar abzuhaltende Schulsestiichkeit bekannt gemacht. Bitn. Justizministcr Schönborn hat sich über oie Thätlgkeit und Nützlichkeit des R-A. 0r. Eml Byk sehr lobend im Justizausschasse ausgesprochen. Besonders rühmte er dessen parlamentarischen Takt. Krakau. Herr Le. mal Josef Gold aus Tarnopol wurde vom LandeSausschuffe als Secundararzt der hiesigen Klinik angestellt, und ist es hier seit 200 Jahren der dritte Fall, datz ein Israelit ein« solche Stelle bekleidet, vr. Gold ist noch ein junger Mann, erfreut sich aber einer allgemeinen und großen ijeliebthei:. Lemberg. Im hiesigen Tenipel wurden für den verewigten Kirchen- und Friedensfürsten Cardinal Manning in echt südlicher Dankbarkeit die üblichen Seelengebete verrichtet. Basel. Auch hier in der freien Scbweiz ist ein Antisemitenverein vom Pfarrer Specht (au» Baden) gegründet worden. Die zu diesem Zweckt von ihm einberufene Versammlung ivar besonders stark von akademischen Jünglingen dejucht. Brüssel. Der neue Obcrrabbiner Bl och, der am 1!). Dezember in Toul sich von seiner G.-inemde verabsckiiedetc, wurde verwaltungsmäßig am 29. Dezember durch das Consistorlum eingesetzt, um den offiziellen NeujahrSempsang bei dem Könige anwohuen zu können, die feierlich« Antritlsccremonie erfolgte Sonntag den 25. Januar. Paris. Anläßlich d«S Neujahreerhielten viele Israeliten den Orden der Ehrenlegion in allen Graden Augleichem Anlasse empfing der Präsident der Republik die Spitzen derBehörden, darunter auch das isr. Cenlral-Consistorium, welches dem Range nach dem ConsistoriumAugsburger C onsession und den Seinepräfeclen folgte. — — Bei der Budgelbcrathung in- Senate beantragte der Oberst Meinadicr und Genossen den Credit >ür Kircbenbau des israel. und Protests ntisä»en Cultus von 38,184 Fr. aus 80,000 Franken zu erhöhen. Der Minister sagte die Erhöhung für da» nächstjährige Budget zu, weil, wenn der Credit für den katholischen Cultus erhöht werde, auch die beiden anderen Culte berücksichtigt iverden sollen Boysnne. Für die hiesige Oberrabbineistellc ist der Rabbiner von Verdun Emil« L e v » in Aussicht genommen. Petersburg» 20. Janar. Al» Ergänzung des Strafgesetzbuches wurde soeben ei:» Gesetz gegen die Jude nkraw a ll e erlassen. Rach demselben sollen Massenaufläuse und Krawalle, hrrvorgcrufen aus religiösen oder Rassenmotiven, mit Deportation nach Sibirien und schioercr Strafarbeit best-ast werden. (Etwas spät kommt dieses Gesetz. Dasselbe ist wohl auch nicht auS Sympathie für die Juden, sondern aus dem Grunde erlassen, datz in Folge d«S Notstandes eine allgemeine Unsicherheit herrscht und Jeder, der etivas zn verlieren hat, von den hungernden Bauern das Schlimmste befürchten mutz.) Ans Warschau wird gemeldet: Bernhard L a u b e r, der Hauptagent de- Baron Hirsch, bereist da» ganze Königreich Polen in Betreff der Uebersie >elung der Juorn nach Argentinien. Ueber 2000 Familien haben sich bis jetzt gemeldet Die Rot unter de» Juden in deu einzelnen Gouvernements ist herzzerreißend. Im Frühjahr wird eine Maffenauswanderurg der Juden über den Lcean erwartet. Eorfu. Gegen einige der Helden der vorjährigen Judenhetz« wir!» jetzt gerichtlich vorgegangen und zwar vor den Geschworenen in Patrait (weil in C noch immer die autisemitislhe Partei domiuirt.) Der als Belastungszeuge vernommene Untersuchungsrichter Farsi brandmarkte mit höchster Entrüstung die ganze Judenverfolgung, die ihren Ursprung allein in pclitischen und kommerziellen Interessen gehabt hätte. Man habe durch Aufstachelung der niedrigen Volksletdenschasten die Juden zur Auswanderung zwingen!vollen, um sich so um billiges Geld in den Besitz ihrer Habe zu setzen. WaS den angeblichen Ritualmord betreffe,»» hu»«le es sich um eine infame Tendenzlüge, denn eS sei heute erwies-Mdaß di« ermordet« Rubins Saida ein Judenkind war, was auch de Holizeiinspector M a ri tza und der Staatsanwalt Ap o sto » lide» best äugten — Der ganz« Prozeß mutzte wegen der vielen noch vorzuladenden Zeugen vertagt iverden. WashittGton. Herr Si m onW o l s sammelt Material zur Herausgäbe einer ,Ehrenhall-", welche in bleibender Gestalt die Namen der Soldaten »nd Matrosen jüdischer Religion, ihrer Compagnien, Regimenter sowie ihre Heldenthaten während de» letzten Krieges und der frühere!׳ amerikanischen Kriege dis zur Revolution zurück der Erinnerung nusbewahrt iverden sollen. Di« Namen der Kämpser beider streitenden Parteien iverden in dieser .Ehrenhalle" Ausnahme finden.