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Israelitische Wochenschrift · 1892-01-29 · 5 (29.1.1892) · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
23 (1892)
Issue
5 (29.1.1892)
Date
1892-01-29
Page
[Seite] (sequence 4)
Language
German
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— 8; Juden als Fälscher und Betrüger angeklagt und vrrurtheilt! werden können, dazu haben sie kein Recht, solche Concurrenz ist unerträglich. Tie Antisemiten glauben hieraus ein Moj nopot zu besitzen. Fast wöchentlich liest man von Verurtheilungen ihrer Führer in deutschen und österreichischen Blättern, wenn jetzt auch Juden wegen solcher Verbrechen verurtheilt werden, so befürchten die Antisemiten zu kurz zu komme». Ter Wcrtlaut der Petition ist solgender: ״Dem Throne Ew. Majestät nahen stch die un:erzcichneten Be-- wohner des Teutschen Reiches in »iesster Ehrfurcht und unwandelbare, Treue mit nach'olgendcr unlerthänigster Bitte: Während die letzten ertauchten Vorfahren Eio Majestät für die Freiheit und Größe des deutscheu Baterlanües ruhmreich arbeiteten, hat sich ein fremdes orien talischcs Bo.k bei uns eingeschlichen und durch allerlei Liste und Künste, die den Germanen widerstehen, den besten Theil des Rational j Vermögens sich angeeignet. Wir Teutschen sind von unserm Grun!> und Boden gejagt und größtentheils Knechte jenes fremden Volkes geworden. Ter Adel ist verarmt, Lssiciere und Beamte sind verschuldet und dadurch Sklaven des Wucherers geworden; der Bauernstand j ist erschüttert und der Handwerker ganz zu Grund« gerichtet. Tie- | jenigen Arbeiter, welch« den berechtigten Wunsch haben, ihre Lage zit verbessern, werden durch jüdisch« Bcrsührungskünste in eine Bahn gelenkt, von der hr Herz nichts weiß. Tic Juden wißen den gerechte» | Hast, welchen fi: verdienen, geschickt von sich abzulenken und gegen Rel gierung, gegen Thrr n und Altar zu richten. TaS deutsche Recht ijt : verjudet und die Grundlagen der deutschen Rechtsprechung rrschütter. j Es ist für jeden Teutschen tief beschämend, sich sein Rech» von de» An- ׳ gehörigen eines sremden Stammes sprechen zu lassen. Religio-» 1 und Sittlichkeit Vaterlandsliebe und jede deutsche Tugend werden oo > der jüdischen Presse planmäßig verhöhnt und aus dem Herzen d«S Volkes verdrängt. . . Tie Juden haben die ihnen verltehenen Rechte nur benutz«, >ms Teutschlhum von Grund aus zu verderben: das war von Anfang an ihr Ziel. Taß de» Juden dieselben Rechte eingeräuirt werden, wie aLen andern erscheint verfehlt, da die Juden schon durch - ihre religiöser. Vorschriften verpslichlet sind, die anderen Völker zu unterdrücken, Es sind das Vorschriften, die aller Sitte und allen G<- setzen Hohn sprechen Taher haben denn auch die letzten 45 Jahre fw» wiesen, daß die Emancipation der Juden fast zum Ruin des deutschen Volkes gcwordtii ist. GestLtzt auf ihren Talmud streben die Juden nach der Weltherrschaft, und LaS Riederwersen aller andern Völker ist ein Schritt au׳ diesem Wege. Tas deutsch« Volk hat das lange genug geduldet. Jetzt geht cs nicht länger und deshalb wenden sich die Unterzeichneten an Ew. Majestät mit der Bitte, daß das deu>sch« Volk aus den Händen Ser Juden befreit werde. Jeder der großen Vorfahr!» Ew. Majestät hat weltgeschichtlich« Aufgaben gelöst; so der Große Kurfürst, Friedrich der Groß«, Wilhelm I. Tie schwierigste oller Ausgaben, die Befreiung des deutschen Volkes von seinen bösartigsten Feinden anzustreben, hat die Weltgeschichte Ew Majestät zugedach». Welche Wege Ew Majestät auch hierbei einschlage», der Tank des Volkes wird groß sein. Denn jeder andere Zustand ist dem jetzt drückenden der drohenden Knechtschaft vorzuziehen." Es würde sich empfehlen, wenn die Herren Antisemiten dieser Petition für die besonders Herr Stöcker sich begeistert, ein Exemplar der eben erschienenen Broschüre des Antifemiten Lucko (,,Ein Jahr im Zentrum der deutsch-sozialen Partei"- beifügten und dieWortc Marr's, des eigentlich׳» Begründers des Antisemitismus, auf S. 21 recht fett anstrichen: ״. . . Nie habe ich mehr Srzschelmenbauae gesund:«! als unter den heutigen Antisemiten... so daß ich I nach SOjährigem Judenkriege mich mit Ekel bis zum Lrdrrcheu abwcndc von dem ganzen heutigen Geschäftsschwindel-Antisemitismus״ Der Gerechtigkeitssinn unseres konstitutionellen Kaisers i wird sich auch mit Ekel von dieser Petition abwenden. A. L.*) Alrrli», 26. Januar. (Or.-C0tr.) In den hiesigen nationalgesinnten jüdischen Kreisen, die sich sichtl ch *) Wir geben, unserem Redakrionsprinzip und unserem gleich zu Beginn unsere« Eintretens in die Besprechung der .national-jüdisäen Bewegung" gegebenen Versprechen getreu, einem Vollblut-Jüdischerweitern und an Bedeutung gewinne», fühlt man sich durch das grellgefLrbte Bild, das Ihr gesch. Mitarbeiter B. R. vom ״Nationaljuden" in der vorigen Nummer d. Bl. entworfen, nicht im geringsten getroffen, und das mag der beste Beweis sein, daß der gezeichnete Typus, wenn er überhaupt je in der Weise existirt hat, vollständig erloschen oder von der wahren, ccderartig festwurzelndcn und emporblührnden 'Nationalidee längst in den Schatten gestellt ist. Es mag vielleicht in ftühercn Generationen spintisirende Jünglinge gegeben haben, die ״den Talmud und den Talmud und nichts anderes wußten" unh abwechselnd Tyrannenvergötterer und Nihilisten waren, um sich zuletzt zum Rationaljudenthum zu bekennen. Vielleicht meint Herr B. R. die ehemaligen Bachurim die aus den» Gegensatz der starren Orthodoxie und den unverdauten Reformgedanken hcrvorgegangen, sich ״dlnsLiliw" nannten, obwohl ihre Aufklärung stümperhaft und ihre Wirksamkeit in fanatischen Kreisen alles eher als ״verständig" war. Aber damals schlummerte noch der nationale Gedanke und jene Auswüchse die der Sturm und Drang gezeitigt, gehören der Geschichte der Ausklärung unter den Juden, nicht der Entwickelung des Nationalgesühls. Wenn vielmehr irgend etwas auf die geistig geweckten und Erkenntniß suchenden russischen Juden läuternd, festigend und charakterfühlend und vor allem vereinigend und versöhnend gewirkt hat, so war' es das Erwache» der nationalen Idee. Cs müßte darüber ausführ« sich geschrieben werden, was ich mir Vorbehalte, aber auf einige Thatsachen muß ich jetzt schon kurz Hinweisen. Weiß man in deutschen Provinzstädten nicht, daß die Männer die gegen- »värtig mit Nachdruck und Energie für die nationale Einigung und politische Selbstbcfrciung des jüo. Volkes cinlrcten, selbst soweit sie i» Rußland geboren, zum überwiegenden Thcilc eine durchaus geregelte Schul» und Universitätsbildung genossen? Weiß man nicht, daß z. B. Männer aus fast allen größeren von Juden bewohnten Städten Rußlands, die sich in den Gemral-Versammlungen der ״Zionsfreundc" zusammenfinden (die letzte fand vor einigen Wochen statt) durchweg keine zerlumpten Bettler sind, sondern in den besten und geregeltesten Lebensverhältnissen, in den höchsten Stellungen leben und für sich persöulich keine Noth und Sorge kennen, nicht einmal um ihr Wohnrecht in Petersburg und Moskau besorgt zu sein brauchen? Es sind Männer, die weder physische Hilfe, noch und am wenigsten Rathschläge der deutschen Glaubensgenassen brauchen; hervorragende Aerztr, Rechtsanwälte und Ingenieure, die ihre Studien auf russischen und auf westeuropäischen Hochschulen gemacht und ihren deutschen College» weder an Weltbildung noch an gesellschaftlichem Ansehen nachstehen; ehrwürdige, streng conservative, ganz in der Religion lebende Rabbiner, denen gegenüber eine Anklage der palästinisch-nationalen Idee vom religiösen Standpunkt ausgeschlossen erscheinen muß; reiche Kaufleute erster Gildch die unabhängig sind. Selbst die große Masse der weder philosophirenden, noch in der chassidischen Klause sitzenden Handwerker und kleinen Kaufleuten, hat, trotz ihrer Armuth und Bedrücktheit und trotz der vielfachen unmittelbaren Noth/ aus den letzten Sparkopeken ihres kärglichen Erwerbs für die nationale Idee Summen zusammengebracht, welche die Sammlungen aller deutschen Hilfskomitees übertreffen. In den letzten zwei Jahren allein dürften zusammengenommen über zehn Millionen Mark im Dienste des Gedankens der nationalen Selbsthilfe verausgabt worden sein, was, da das Geld immer praktisch ist, nicht auf irgend welches Spintisiren und Vernünfteln hindeutet. Aber eS handelt sich nicht um die pekuniären Mittel, sondern zunächst um die Jdc c, der nicht einige verrückte, schiffbrüchige Jkng- Rationalen das Wort zur Klarlegung resp. Begründung und bemerke» nur, daß etwas was für die (ausgewiesener, oder noch geduldeten), hetmoth- und vaterlandslosen russischen Juden zur Zeit ein« Be rechtigung haben mag, sür die Juden in Deutschland, Oesterreich und anderen «uropäijckien Ländern doch ein« große Befahr involsire»- kann. (Red.)

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