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Israelitische Wochenschrift · 1892-01-22 · 4 (22.1.1892) · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
23 (1892)
Issue
4 (22.1.1892)
Date
1892-01-22
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
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!ich ausgesprochen wurde, daß die Durchführung dei des echten Liberalismus allen Parteien deS ge,etzge>>end«n Körpers gleich sehr am Herzen liegen mühte. — M t b>:r Receptior sangelegen heit hängt die Ernennung eines die isr. Glaubensgemeinschaft vertretenden geistlichen oder weltlichen Religions-Borstehers für das Magnatenhans nicht unmitteldar zusammen (Für den durch den Tod des seliger Dr. Hirschler erledigten Sitz im Herrenhause wird auch der Sohn des unvcrgeßlichen Patrioten und Gelehrten Leopold L ö w, drr Szegcdiner Ober-Rabbiner Dr. Immanuel Löw in Combination gebracht.) Diese Frage tritt aber jetzt in den Hintergrund vor der von der .Hauptstadt aus cingebüteten Bewegung. Bon dem Wachsthume der Pester Religionsgemeiniie girbk der diesjährige Haushalts-Etat das beste Z-ngniß. Derselbe beträgt ein Drittel Million Gnlden in lausenden Ausgaben und Einnahmen. Die Hauptstadt brii gt so viel Steuern aus wie zehn Comitate zusammengenommen, und ist es erfreulich, daß mit dem mateliellen. auch der intelleltuelle gleichen Schritt hält. In oiesem?lugenblicke entzückt Pros. Joachim aus Berlin die hauptstädtisch« Bevölkerung mit seinem herrliäscn Geigrnipirl. Der große Künstler ist Ungar und von jüdischer Herkunft. Solche Runstgröher vermögen den Antisemitismus handgreiflich ins Grab zu geigen. Doch liegt, Gott sei Dank, in unserem Lande, ״die Sch»,ach tes Jahrhunderts" in den letzten Zügen, und hat der Antisemitismus lerne Aussicht im Parlament wieder Bertretni.g zu finden. Wären wir doch in Oesterreich, in«- besondere in dem wunderschönen Wien, so weit, wo bis zum Jahre >885 der Name und Begriff des ״Antisemitismus' völlig unbekannt und oas reine Judenthum für sriial: Stellung geradezu ein Ehren-Prädikat gewesen ist. Dr. Jeoinek Hot sehr Siecht, rvenn er, zumal angesichts de: jetzt noch in oc. öjterr. Metropole waltenden konfessioneller! Gegensätze, das jüdische Nationaliläts - Princip ablehnt. Schreiber dieses war in Wien Borsitzcnder des israelitischen HU'l.anitLts-Bcreinö ״Ahabath Zion" zum Schutze der uni ihres Glaubcnswill.'n bedrückten Rcligionsgenossen und hatte gemäß dein Willen der liberale» Körperschaft, die ihn er-׳ wählt hatte, stets l.crvorgehobcn, daß es sich lediglich um Humani:ät für die Bedrängte», Förderung der Arbeit unter den im heiligen Lande ihr eigebenen Kräfte handelt, in Bezug auf ^Nationalität aber die volle Gemeinschaft mii: der Staats-Gcsammtheit aufrecht erhalte» werden muß. Das Ideal der Lehre und des Glaubens macht den Inhalt, das j beseelende Princip und die Einheit des Judenthnms aus. ׳ In diesem Sinne sprach auch der unsterbliche Crsmieu-׳! s Z. in Berlin als Präsident der Alliance israelite uni verseile. — Grofldritannie«. j C. Toudou 5. Januar. Das katholische England ist | in tiefe Trauer uni einen großen Toten versunken und mir l vollem Rechte mischt Israel seine Klage in den allgemeiner Schmerz. Sein w>irmster Freund, sein beredetster Anwalt Cardinai. Manning, hat gestern in hohem Greisenalter seine reine und edle Seele ausgehaucht. Ihm war es Vorbehalten, seine Werthschätznng der Juden und sein heißes Verlangen, Alles zu beseitigen, was sich von religiöser Antipathie gegen sie noch erhalten hatte, durch verschiedene öffentliche Act« kundzugebin. Er gchörte zu jenen stammen Christen, welchen ber Name unseres Ltainines als ei» heiliger galt. In einem-1875 von ihm veröffentlichten Werke über die römij sche Kirche finden wir in einem.Tapferkeit" überschriebenen | Kapitel über das Fasten folgende Stelle: ״So sehet denn, das Haus Israel enthält sich bis auf den heutigen Tag dreimal (?)jährlich bei strenger Feier aller Nahrungvom Sonnenaufgang bis zum Sonnenuntergang — ein scharfer Tadel für uns. die Bekenner Jesu von Nazareth." Am höchsten achtete er immer den Juden, von dessen treuer Anhünglichkeit an der jüdischen Religion er überzeugt!war Iw ssstchre 1882 nahm Cardinal Manning einen hervorragenden Antheil an der denkwürdigen Bewegung für Mr ־. verfolgten Juden in Rußland. Hier war er, wie der große ■* Earl von Shaftesbury, die leitende Seele der Bewegung. ' Die ersten aus Rußland ringetroffenrn betrübenden Nach-, bh lichten wurden durch einen Glaubensgenossen zur KenntniA/^ Sr. Eminenz gebracht. ״Bringen Sie mir alle Papiere", sagte er, ״deren Sie habhaft werden können, sammeln Sie die kleinsten Bruchstücke, die irgend welche Nachricht ent- “ halten und wir wolle» sehen, was gethan werden kann". Häufige Unterredungen pflegte der Cardinal zu dieser Zeit mit dem damaligen Sergeanten Sir John Simon unfc i dessen Sohn Oswald. Das Gesuch an den Lordmayor u« Berufung der Rathhausversammlung begrüßte der Cardinal v mit Freuden und war er der erste, welcher es Unterzeichnete. Auf seine Veranlassung wurde auch der Erzbischof von --- Canterbury um seine Unterschrift ersucht; ״denn während-' ־•j ich Tausende reprösentire," sagte der Cardinal, ״repräsentirt' ' ‘ dieser Millionen". Auch der Herzog von Norfolk wurde von ihm zur Unterschrift veranlaßt. Die Versammlung *־•-, tagte am 1. Februar 1882.*) ר Bei den jüngsten russ. Judenverfolgungen zeigte sichKeinrr >_׳ eifriger als er, seinen Unwillen gegen die Verfolger, ,owie. seine Sympathie mit den Verfolgten zum Ausdruck zu. bringen. Er Unterzeichnete das Gesuch an den Lordmayor, - in Folge dessen das denkwürdige Guildhall-Meeting 0* - 10. Dezember 1890 zu stände kam. Aus Gejundhaitsrück- 7 sichten konnte er sich an demselben persönlich nicht betheil'.gat-.-״׳י und gab nur seiner Sympathie mit den verfolgten rassische»^ Juden, so wie seiner Rechtfertigung einer Mißb.ll:gu1rgs-?»-ä' erklärung durch die Bürger der City von London in folgendes" dem Schreiben an Sir John Simon beredten Ausdruck:. »Es scheint mir, daß, wenn irgend eine Nation, sogar in Centn» l».^ Afrika, so zu leiden hätte, wir nicht blos berechtig», sondern verpflichtet s?- ' wären, zu tnterveniren. Um wie viel inehr aber zu Gunsten ein»! ««,' Stammes, welcher in seiner Vergangenheit, Gegenwart und Zutmckt -töf.-s auf unser« besondere Ehrerbietung Anspruch hat! eine« Stammes wn n-r einer beinahe 4000 jährigen heiligen «fleschichte, die ein Geschenl sonder > gleichen ist, eines «lamme», der zerstreut in alle Welt mit einer UP» ׳, vergänglichen persönlichen Idealität, isolirt uud unveränderlich, schwir - . darniedergebeugt ohne Hrlmath und Baterland HSrumirrt, sichtbar er» '-a.'־' halten für eine große, gnadenreiche Zutunst." s Mit verschiedenen leitenden Persönlichkeiten der jüdischen Gemeinde stand der verstorbene Cardinal auf sreundschast» lichem Fuße. Am Dienstag vor seiner Abreise »ach Argen- ': tinien hatte Obcrstlicutcnanl Golvsmid noch eine längere Unterredung mit dem Cardinal, welcher für die Pläne des Baron von Hirsch großes Interesse bezeigte. Als Goldsmid sich verabschiedete, ertheilte ihm Sr. Eminenz den Scgeii zu seiner Reise. Auch dieses Beispiel zeigt, welch'; ץ theucrn Freund die Juden verloren haben. Sein Andenkett. ״ wird in Israel stets gesegnet sein! % Bulgarien. X Ans Nord Bulgariens im Januar l 892 (Or.-Corr.^ > Auch bei uns in Bulgarien haben wir eine russische. .■>7 Judenftage. die sehr viel Staub c.ufwirbelle und die Gemüther ׳-_ ■s: bis in die tiefsten Tiefen erregte. Die Sache verhält sich Als die Ausweisungen unserer Glaubensgenossen an- Ruß» land in's Werk gesetzt wurden und darauf das schreckliche \f'.ל Wüthen der russischen Regierung gegen dieselben immermehr > ־' an Jntensivirät gewann, erließ tne hiesige Regierung, dem vom benackbarten Rumänien gegebenen Beispiel folgend, an sämmtliche Grenzbehörden im Lande die gemessensten Instruction«, ׳ ׳* den aus Rußland einwandernden Juden den Einlaß zu ver- 7 wehren. In der Thai wurden Bie'e uuserer aus Rußlaaß bereits stüher eingewanderten, als auch der neuangekommenot 7! Glaubensgenossen, zwar in äußerst schonender und humaner-. Weise, des Landes verwiesen Sofort nachdem unser Großrabbiner, Herr Dr. Dankowitz, in Sofia, hiervon Kunde. 1׳ erhielt, bot er seinen ganzen Einfluß bei der bulgarisch« . *) Di« denkwürdigen Reden, welch« der Cardinal bei Ge legen heit »-׳• l'-gi dieser!Versammlung zu Gunsten der Juden hielt, steh« in der Schrift: ''Vjt ,,Die Londoner Rathhausversammlung für di« vrrsotgte» russisch»« - ■T* Juden am t. Februar 18<H* Herttn, Gerschel's Verlag

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