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Israelitische Wochenschrift · 1892-01-22 · 4 (22.1.1892) · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
23 (1892)
Issue
4 (22.1.1892)
Date
1892-01-22
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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Me ttugtlefttxbttt »ach zur LnUchei«»ng der höheren Zarterizeil zu bri« >e l V-rUmig ««« jebrnfatf» Me Latschetbang bet Berichte abom<1rtrt 1w:t * 1. Dagegen schreibt die ״National-Zeitung" sehr richtig: ״In der antisemitischen Presse konservativer uns klerilater Abart ist seit einiger Zeit mit großem Lärm die Betzcmptung kolportirt worden, nicht nur. daß der jüdische Schlächter der Mörder sei — was ja möglich wäre — sondern auch, daß ein ״Ritualmord' vorliege, was für vrrnünftige Menschen ungefähr auf dem nämlichen Niveau mit der «ruhigen Behauptung steht, rin altes Weib habe, nachdem es den Besuch des Teufels empfangen, den Knaben zu Tode ״gehext". An die Bersion von dem ״Ritualmord" aber wird die schmähliche Verdächtigung gegen die preußische Rechtsvflege geknüpft, es sei auf unlautere Einflüsse zurückzuführen, daß der Schlächter nicht vor die Geschworenen gestellt worden. Es ist nun zwar kein erhebendes Zeichen der Zeit, daß derartige Ausstreuungen eine besondere Untersuchung seitens des Justizministernotwendig erscheinen lassen; aber unter den obwaltenden Umständen wird sie nützlich sein, indem der Wert jener Insinuationen festgestelll wird" Inzwischen ist, wie drr ״Lantcner Bote" meldet, am vorigen Freitag der Commissar des Justizministeriums in Begleitung des Oberstaatsanwalt» von Köln, des.Ersten StaatSanwaltS von Eleve, in Lanten cingetroffen. Wir beirerken hierzu: I) daß die jüdische Gemeinde in Lauten selbst es war, welche in einem Gesuche an den Minister de» Innern die Entsendung eine« gewiegten Berliner Eri- «inal-Eommisiars erbeten und die Kostet. dafür (700 M.) Getragen hat; 2) daß Criminal-Eommissar Wolf, dessen Untersnchungen durch Judenfreundlichkeit keineswegs beeinflußt «noen, nicht die Anklage auf Mord, sondern auf fahrlässige Tüdtung construirt hat; 3) daß unmittelbar nach der Ermordnng des Knaben Hegemann in Lanten und Umgebung Jlngblättcr (wie in Corfu) verbreitet wurden, welche die Juden des Mordes bezichtigten. Niemand liegt mehr an der baldigen Klarlegung des dunklen Vorgangals den Juden. W», 15. Jan. Aus dein Bouquet der Sttafanttäge, die hier die antisemitische Verhetzung bereits gezeitigt hat, ist wiederum eine Blume — und zwar eine recht eigenartige — herauSg:fallen. In der ״Ulmer Schnellpost" erschien Anfangs September ein ״Eingesandt" von einem Landwehr- «ann, in dem die übliche Verdächtigung der Feigheit gegen jüdische Armee-Angehörige erhoben und gesagt ward, der Ein- >a>d«r würde seine Haut nicht gern einem hebräischen Offizier «»vertrauen, trotzdem er keiner von denen sei, die Angst haben ״wie ein Jude". Als Antwort hierauf erschien in der ״Ul- «er Zeitung" rin ״Eingesandt" von einem jüdischen Reserve- Unteroffizier, in dem behauptet ivard, die ,,Schnellpost" fordere zur Insubordination gegen jüdische militärische Vorgesetzte aus und schädige die Disziplin im Heere. Da angenommen Ward, daß der Verleger Eugen Rübling der Inspirator der bekanntlich von den hiesigen städtischen Behörden scharf verurtheilten Judenhctze sei, so wurde hie Haltung der ״Schnellvost" in ofienkundiyem Gegensatz zu der Haltung Rüblings als Landwehr-Offiger gebracht. Daraufhin stellte da» hiesige Landwehr-BezirkS-Commando Klage gegen den Verfasser de« Eingesandt in der ״Ulm. Ztg", R. A. MooS, und gegen den verantwortlichen Redakteur, C. G. R. O e s e r. Die Ver- Handlung verzögerte sich, da — wie es hieß — der Fall anlüßlich des Thronwechsels mit zur Begnadigung eingereicht, «ine solche aber abgelehnt wurde. Das Landgencht hat nun »ach einer Mittheiluug de» oerfolgten Blattes die Einleitung eines HauptverfahrrnS abgelehnt, da in der Nübling'schen Zertung unzweifelhaft der charakterisirte Angriff enthalten war «nb die Angeschuldigten in Wahrnehmung berechtigter Interesse,! (nämlich zum Zwecke der Wahrung der Stellung der jüdischen _ Offiziere und Unteroffiziere in der deutschen Armee) gehandelt gi?., auch eine beleidigende Absicht weder aus der Form Artikel», nochauSden Umständen,unter denen er geschrieben ervorgehe. Die ״UlmerZtg." weist üyü£t unoerechtigter e aus da» Auffällige hia, daß bJWfll Landwehr-Bezirts-C-minanlw Ulmf.Sirasrutmg gegen ihr ״E,ngrsandt" stellte, sich aber nicht g-ge, da« darin kritisi.-te Verhalten des Rittmeister der Landnnhr- Lavallerie Rübling wandte. Nachdem nun gericht-seitig ׳rstgeftellt ward, daß diese Kritik eine unberechtgte nicht gewesen, darf man neugierig sei», wie sieb das (Kommando gegen einen ihm unterstellten Offtzier verhalten wird, der in seinem Blatte ״die Disziplin im deutschen Heer gefährden und zur Insubordination gegen (jüdische) militärische Vorgesetzte cuffordern" ließ. (F. Z.) A. A», den Kelch 1t«!tde». 10. Januar (Or-Corc.) Wenn von ollen deutschen Ländern, mehr oder weniger Klagen laut norden über Ausschreitungen,Beschimpfu »gen oder Ungerechtigkeit-:» gegen die jüd. Mitbürger, wenn in allen deutschen Gauen ״hier rin wenig und dort ein wenig" Antisemitismus getrieben wird — es gehört ja heutzutage, in der Zeit der Bildung und Cultur, ״zun: guten Ton" — so gereicht es einem zur besonderen Freude, zu konstatieren, daß im Elsa; von einer jugendseindlichen Strömung — dem Himmel iei eS gedankt — nichts zu finden ist. Mag dieser konfessionelle Friede noch ein Erbstück von Frankreich oder ein Erz, ugniß des gesunden Sinnes der diesseitigen Bevölkerung sein, Thatsache ist, daß ein Böckel und Stöcker verhaßte ״Persönlichkeiten" sind und für ihre verhetzenden Agitationen hier keinen Boden finden würden. Allgemeine Entrüstung rief darum die betrübende Erscheinung hervor, als der Hetzapost-l der Deutschen L. v. Sonnenbrrg — leider theilweisr mii Erfolg — in unserem liberalen Nachbarland Ba den gewählt und Haß und Zwiettacht gesäet hat. Man wappnete sich auch hier allenthalben gegen einen Besuch des ״«ackeren" Kämpen, der jedoch — vielleicht war es zu seinem Glücke — unterblieb. E.- schei 1t, die oben erwähnten ״Erletter" Deutschlands versprechen sich von ihrer Agitation in den Reichslanden keinen großen Erfolz. Daß d<:r Antisemitismus nameiitlich von den Juden im Elsaß schwer empfunden würde, ist eine nicht zu leugnende Thatsache. Man denke nur an die großen, bürgerlichen Freiheiten, die sie unter der französischen Regierung genossen haben. Jedoch sorgtauch die reichsländische Regierung in anerkennensweither Weis: dafür, dag die Gleichstellung mit den anderen Confcssionen auch jetzt nicht beeinträchtigt werde Namentlich im Cultnswcsen können wir nicht klagen. Wie in keiner anderen deutschen Provinz werden hier sämmtlich« Religionsdiener, (Rabbiner, Lehrer und Borbeter) voin Staate besoldet. Die Regierung unterstützt Synagonenbaaten und läßt auf ihre Kosten Gotteshäuser ausbessern. In einer kleinen jüd. Gemeinde txs Oberclsaß von höchstens 40 Seelen hat sie jüngst die chönc Summe von 1-60 Mk. zur Renovierung der dortigen Synagoge gegeben. Auch auf dem Gebiete der Verwaltung werden Israeliten gerne zugelasien. So werden in den Gem-'inderäthen fast sämmtlicher von Glaubensgenossen bewohnten Ortschaften solche in großer Anzahl gewählt. Diese Loyalität seitens der Regierung und des Volkes ist natürlich am erste» geeignet, bei den Israeliten die Liebe und Anhänglichkeit von dem französischen auf den deutschen Staat zu übertragen. Es sind in dieser Beziehung schon verhältnißmäßig große Fortschrstte gemacht worden, welch« Erscheinung dem genauen Beobachter ron Land und Leuten im Elsaß nicht entgeht. M £ef}«fleict»UB 4ar*.’ N. JUs A«g«r», 17. Januar. (Or. Lorr.) Der Aktion des Oelterr. Eentral-Lomitäs zum Zwecke der Gleich- Berechtigung der israel. Confession, sowohl im Ehrenpunkte, als aus) in allen mit dem Prinzip« der Religionsfreiheit zusammenhä ngenden Angelegenheiten hoben sich namhafte Gemeinden wie Arad, Baja, Großwardein, Fünfkirchen, Szolnok u. a. m. angeschwssen. Hinsichtlich der Verpflichtung jjder zu wählenden Abgeordneten für diese« liberale Pcincip hat sich in Vesprim, Baja, Esarog und Klausenburg eine erfteuliche Ziegsamkeit kundgegeben; vbschon es von befähigten Staatsmännern offen und bffrnt-

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