Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 23 (1892)
- Issue
- 4 (22.1.1892)
- Date
- 1892-01-22
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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s־, Negierung, die beiläufig gejagt, sich jederieil feljt gerecht utib human gegen die jüdische Landesbevölkeru ng ze gt, r7ie auch bei andern ihm befreundeten maßgebenlren Persönlichkeiten auf, um den unglücklichen, von Laud zu!'and gehetzlen Ansgewiesenen die Niederlassung im Lande f4 erwirkcn. Und . »irklich machten si^ im Laufe der lctztcn ,zwei f'iiijre viele ««» Rußland ausgewiesene Juden aus allen Kla,,en und Berufsarten, sowohl in der Hauptstadt Sofia a!^ auch, im übrigen Lande ansäßig und waren bemüht, durth Ärireit und Fleiß sich uud ihre Familien zu ernährend Be' anders lenkte Herr Dr. Dankowitz sein Augenmerk und seine Bemühungen nach zweien Richtungen hin: Einerseits, intellig« ntc Elemente, . «lS Mediziner, Apotheker, Lehrer, Techniker, Ingenieure und dergleichen in das Land zu ziehen, damit die Intelligenz »er - gesaiiimteu jüdischen Bevölkerung sich heb,׳ und dadurch ver- . fittlichrnd und veredelnd auf die zwar auf ihre spanische Adkunft stolze, aber geistig verkrüppelte und moralisch verkommen? autochtone spaniolische Bevölkerung einzulrirken; anderseits, durch die liabsichtigte Gründung von jüdisih-rus- ׳ fischen Ackerbaucolonien und Handwerke!schulen die einzuwandernden Mittlern und untern Volksschichten an constaute Arbeit zu gewöhnen und gleichzeitig der Spaniolen nach, ahmungswürdige Vorbilder auszustellen. Allein der Groß, rabbiner machte die Rechnung ohne die — jpaniolst'chen Wirthe. Denn kaum merkten dir Span׳olen, irelcke die Ai scnninlung arößerer fremder jüdischer Masse» im Laude und derer: gei» snges und sittliches Uederzcwicht, und dnhi r deren Eoncurrcuz . befürchteten, die Absicht das Dr. Donkor.« tz, als sic sich auS . allen Kräften dessen Bemühungen wiedecsctzien und cesicn Pläne auf jede mögliche Weise und mi allen :Ritter, ,1! paralyslrrn suchte». Wir ,»üsscn aber tier tiinrrle». daß Ire Spaniolen gegen die Aschkcnasim (alle nsiztspanial sche Juden) leider, von einen, unversönlichen Haß und vor ׳icsst'v Ver« achtung erfüllt sind, und zioar in dcm t'llaße, daß sic .ctztere gari.icht als ihre Glaub,nsgenosscn, oe.r iich» a.S Inten anerkennen. Die Bezeichnung ״TodeSka" (veulschn Jude) ist bei ihnen der In! :griff alles Hasses und Verachtenüwcrten, - alles Nichtjüdischcn. Der Spaniole zieht Pen Nichtjuden dem ״Todesko" vor. So zum Beispic miaerseßt si h die spaniwische Bevölker״.ng in Sofia. Rustschuck und Verna, wo es sehr zah'ceiche, zumeist rumänische und n.cht spanio- - lisch!: Lolonien giebt, der Absicht des Heren Dr. Dankowitz, dieselber, als autonome (i-eincinven zu orgauisiren und ihnen - seiten» des Staates die gesetzliche Anerkennung zu erwirken; . «ud m den zwei letzten Städten werden die armen polnischen Inden, die natürlich in der Minorität sind, vcn den spaniolischen Gemeinden noch obendrein gezwungen, ausschließlich S Gunsten dieser Gabcllah (Fleischsteuer) 40 Ctms. pro lo zu entrichten, indem sie ihnen durch die Polizei verbieten, Biehstücke koscher zu schlachten. Die spaniotischrn Gemeinden im heiligen Lande, be> sonders die zu Jerusalem und der eurosräischen Türkei, im Einvrrsiändnisse mit den hiesigen, sii.d es auch die bei der . tückischen Regierung unausgesetzt denunzieren und welche zu > Lude des Jahres 1890 das erste Mitglied des Rabbinats- Collegiums in Jerusalem Herrn Moscht Jshak Tagger (lies: Tadjer) nach Konstantinopel sandten, um gegen ein hohes Bakschisch (Douceur) bei der hohen Pforte das Verbot des Einlasses russischer Einwanderer in Pa» lästina und in der Türkei überhaupt zu erwirken.*) Herr Tagger verweilte in Konstanttnopel während sechs Monate und, wie ich aus authentischer Quelle weiß, bettugen dessen Reise» und Aufcnthaltskosten, sowie d«S Bakschisch mehr als 800 türk. Lira's (18400 Franken). Hierauf machte das würdige Rabbinotsmitglied behufs Brandschatzung der Ge- «einden eine Rundreise in Bulgarien. (Schluß folgt.) ' ») BWHer nahm' man an, daß jener Ferman den Jmriguen «riechtscher «geistlichen in Konstanlinopei sein Entstehen verdanke; nun soirn palästinische Juden selbst, ja sogar ein Rabbinaismrlglied aus Jerusalem, die Hände dabei im Spiel« gehabt haben! Wir rufen mit i §Uft lu - ׳ - ־־־ *«W i. 60 der dieswdchentlichen Sidra au«: ->2171 51V s2tt ,Lergl. vermischte mb «raeftr Uachrtchte«! י י •Erlitt. Die ״:selbstemanzipatior, das Organ der Z idisch» '.nationalen* schreib, briüglich der jüngst n dl« Kommission für >en zu begründ«nden Verein für jüd Geschick,:« und Lineratur gen!äh!!ea 7 Herren: ״W. ijamb 1» und S. Katz sind ausgesprochene Irdisch» Na tonale, Dr. H. .)ildeSheimer und 5>r. H. Meyer».:oha, sowie Di. G. Karprli» stehen zu mindest .um Nationaljud rthrm ungemein nahe;!iudolf Masse ist Älsimilent und Dr.!:evl« als Predigeer l«r San itagsgemcinde in Berkn fortgeschrlt enrr Reeso.iner." — Nr n die Redaciion jene» Blatte« muh es doch wohl w'ffen Berlin. Sofort nach seinem Erscheinen wurde da« neuest« Druckheji de« lekannlen Antisemiten Rektoi Abilvardt, ״Die jüiiich« Taktik", der 2. Theil de« Werk« ״Der Bcrtheiilgungskampf der ari cherr Völker gegen dc» Judenlhum", ronfiscirt. T ie Beschlagnahme erfolgt« aus Grund eines Besch.usse« de« Amisgerichl« 1. Berlin. Der jüngst v«rstorbc»c Güninger Professor Paul de Lagarde «eigen». Bötticher). der durch da« Htneintragen seiner anti» semitischen Gehassigkei! in seine wlsiensthasllrchen Arbeiien dies« unge» niehbac machte, sagt in seinen Mitlluilungen IV (,1891) S. 153: ,Siebenzig Jahre lang nannte sich Z»nz ״Doktor", ohne e« zu sein." — Da« «iuratirrium der Zunz-Tlistung erläht nun folgend« Er» klärung: .,Die vhilosophlsche Fakulla, der Universität Halle hat LeopoldZurrz am!!. Januar 6sI das Doktordtplom ertheiir und dasselbe am 2. I luar 1871 erneuert. Beide Urkunden :verden ln unserem Zunz-Ar«yrv« ausberoahrl." Stettin,!4. Januar «Or. llorr.) Gleichwie an allen größeren Plätzen ha« auch da« hiesige Provinzal-Lomite« eir tn erneuten Ausruf zu Gunsten der russischen Ir den erla sen Die her» srragensten Männer unserer Stadt lradcn den Aufruf unterzeichnet; ich freue mich. Ihnen melaen zu können, das! net en dem Namen unstres Rabbiner« auch der knthol isare Pfarrer und ein eva»zellsc;er Geistlich«, sich befind!:««, >va« icch magilid! e-.n schöne« Ze.cher h imairen Zusamm nwirken, ist. Walrhast religiöse Gesinnung iäh: sich durch die ainisem.tische Strömung nicht beirren, sordern blcitu une»iw.-gt sich selber treu vn» ehrt dadurch die eigene Rel gion. Kpptin. Unser Roddiner Herr l>«. Diener vollendet am i.. Aedrnar o I. >!n 80. Leien-iahr zur Feier de» Tage« wir!, ein Festmahl flaltstiiSe». Der allseitig ha.!,geschätzt! Geistliche erfreu! 'ch seltener Frische dc» «Neiste« und R'chigkeii de« ikörper« vre«»»».. Im vorigen Jahre Iraien ans der Landeskirche tii au«, lai'uuter ,.um Juden.gum : ־.; dagegen raten au« dem Judenth»m zur Land.'skirih« 15 über. tteipzea. Einer 'er Führer des hiei deutsch-iozialen «ani» semisischen) Ref»rl»oere>»«, Blödel, Hai sich jahr! lang sallche Buchungen zu Schu.den kau:men lassen Sein Prinzipal Hai ihm jetzt den Laufpah gegeben. Uuch de» von ihm in einer duchhändlerrichen Vereintguug dekleideier: Ehrenamles, solvle seines Avne« im druisch'ozialen Resormverein Ist er nun verlustig gegangen. Brette», 13 Jan. Bon dem vorgestern hier statlgefundenrn Biehmarkt hoben sich die israelitischen Händler wegen angeblicher antisemitischer Agiratwnen serngehalecn Während nun die konservativ« »Bad. Landpost' berichtete, datz gleichwohl der Markt sehr gut besahren gewesen sei und einen durchaus günstigen Verlaus gensmmen Hab«, schreibt der freisinnig« ,Laudesbote" da« gerade Wej<n!«II. klebrigen« saller am selben Abend verschiedenen Israeliten die Fenster eingcworsen worden sei.i, — au« Aerger über da« schlecht« kteschäft. In zraschau fand«:! am 11 d Mts. während der Anwesenheit de« Justizminister Szelagy anliseieritsche Ruhestörungen statt. Der Synagoge und jüdischen Schule wurden die Fenster «ingeschlagea. ' Sebweiz. Tie meisten schweizerischen THIerschupvereine haben bereit» ihre Zustimmung zu der Zniiiaiiobeweguug ,ür Ausnahme de« Zchächlveriolc« in die Bunlmsverfassung ausgesprochen. Aus <k»n>er« wird geschrieben: Den gesetze-gläudigen Inden ist e« dekonnilich oerboten, am Sadbath eine Flamm« oder ein Feuer irgend welcher 7irt anzuzünden Dem ״Zewish Ehronicle" zufolge hat nun ein jirenggläubiger Jude in England die Frage zu lösen geiucht, ob er durch den Druck eine« Knopfes zur Hervorbrtngung clekirischen Lichte« den «besetzen seiner Religion zuwiderhrndeln würde oder nichr und sich zu diesem Behufnicht an den Raddi, sondern an einen hervarragenden Mann der Aisienschast um AuSkunst gewandt, an Pros. Erooker, der darauf Hinweis!, dah die Heiligkeit von Jeutr und Flamme bei u«n allen orientalischen Religionen >tet» mit Verbrennung van Stosjen eng verbunden gewesen und daher seine Entscheidung dahin abgiebl, dag da« Glühen eine« elck.rischen Lichte« nicht als Feuer dezeichnet werden kann zDie Entscheidung de« Rabbiner« wäre ander« ausgefallen.) Lodz. (Or.-Eorr.) Die Folgen der Emigration au« Ruhland beginnen auch hier stark fühlbar zu werden. Man warnt in den Zeitnngen vor den Juden, um ihnen keinen Ereilt zu geben, namentlich sen russischen Kleinhändlern, well sie im Frühjahr aus« wandern würden. Ta« drückt den Fabrikanten wie den Kleinhändler gleich starl. Marsch«», 16. Januar. Z:n Dorfe Kieioctn, Gouvernement Wolhynien, wurde ein wohlhabender jüdisä^r Lchenkherr, «zmierel«, Rächt« faramt seiner Familie, im Gauzen aus sieben Köpfen bestehend, rnn Bauern angedlith aus Religioashatz ermordet.,